Arwed, diese Chance sehe ich, oder besser habe sie einmal gesehen, leider wird sie nicht wirklich genutzt. Wären wir im zehnten Jahr nach der Wende, wäre ich mehr bei dir, nun ist die aber 35 Jahre her.
Das sind 35 Jahre, in denen man hätte an der Verkehrsinfrastruktur (Parkleitsystem, Oberflächenbeschaffenheit, Fahrradverleih, vernünftige Linienführungen des ÖPNV,...), der gesamten Stadtaufteilung (Stadt"autobahn"ring schmaler, Wegebeziehungen, Optik usw., auch Gastro- und Freizeitflächen usw.) soviel machen können und müssen. Und da waren die riesigen Brachflächen ja sogar Glück im Unglück. Man hat es kaum genutzt. An der Galerie Roter Turm, durch eine Art Einkaufsstraße, donnert im 30-Sekunden-Takt der ÖPNV auf mehreren Spuren, die neuen Plätze (Düsseldorfer, Dresdner, Stefan Heym,... ,...) sind an Tristesse kaum zu übertreffen, Parkleitsystem ist verfallen und abgebaut, Fahrradwege gehen mal 80 Meter und enden dann auf dreispurigen Stadtautobahnen. Weißt du was, es gibt unzählige Punkte. Zu deiner DD- und L-Einschätzung hast du bereits Gegenwind bekommen. Vielleicht wäre es gut, wenn hier mal ein Tourismusmanager mit drauf schaut. Gern dürfte aber auch einfach mehr auf die Bürger gehört werden. Es gibt hier übrigens auch viele tolle Entwicklungen, darum ging es aber eben gerade nicht vorrangig. Und dass die Johannisvorstadt nun auch anders wird, als angekündigt und erhofft, reiht sich leider ein.
Dass Chemnitz Kulturhauptstadt ist, ist bekanntermaßen (auch) wegen der Brüche, Lücken, dem Verborgenen, dem nicht "klassisch Schönen". Soll das jetzt ein Argument dafür sein, nicht an sich zu arbeiten?
P.S. Je öfter ich deine Ausführungen lese, desto weniger kann ich sie nachvollziehen. Chemnitz war im vergangenen Jahrhundert sehr wohlhabend, stand auch zu DDR-Zeiten gut da und zumindest finanziell eigentlich auch danach. Auch in Leipzig und vor allem Dresden war sehr viel kaputt in den Zentren. Da jetzt also völlig andere Startbedingungen, insbesondere für die Nachwendezeit, zu konstruieren, halte ich für eine gewagte These, zumal viele mutmaßlich bessere Entscheidungen mit keinen oder überschaubaren Mehrkosten dahergekommen wären.