Beiträge von Malyan

    Heute war ich auf Fototour im zweiten Bezirk Leopoldstadt, einem sehr interessanten Teil Wiens mit krass unterschiedlichen Gesichtern: In seinem Südteil ein dichtes, typisch wienerisches historisches Viertel und traditionelles Zentrum der jüdischen Gemeinde Wiens mit vielen Synagogen, koscheren Restaurants usw. Im Osten der Prater, darüber das Stuwerviertel mit etwas Berliner Flair, und schließlich die Messegegend mit ambitionierten modernen Neubauten sowie einem großen sozialschwachen Bereich mit interessanten Beispielen des sozialen Wohnungsbaus vom "roten Wien" der 20er/30er Jahre bis heute. Alle Bilder wie immer von mir und gemeinfrei.










































    Blick auf die neugotische Kirche Notre Dame de Fourviere, 19. Jahrhundert:





    Die spätgotische Kirche St. Bonaventure, 14./15. Jahrhundert:

























    Ruinen des römischen Theaters, 1./2. Jahrhundert:




























    Die spätgotische Kirche St. Nizier, überwiegend 15. und frühes 16. Jahrhundert:
















    Die romanische Kirche St.Paul, 12./13. Jahrhundert, mit spätgotischen Zusätzen:





    Renaissancefassaden in der Altstadt:







    In der spätgotischen Kathedrale, 13.-15. Jahrhundert:












    Lyon

    Lyon ist die Hauptstadt der Region Rhones-Alpes und mit knapp 500 000 Einwohnern in der Kernstadt bzw. 1,3 Millionen Einwohnern in der Agglomeration (Die allerdings äußerst dicht ist, Villeurbanne bspw. ist vollständig mit Lyon verschmolzen, ohne dass man beim Übergang von einer Stadt in die anderen irgendeinen Bruch wahrnehmen könnte) die drittgrößte Stadt Frankreichs. Wohl keine andere Stadt hat mich im Laufe meiner Interrailreise so positiv überrascht, hatte ich doch eine hübsche, aber nicht weiter aufregende Stadt erwartet, während ich Lyon nun zu den schönsten Großstädten Europas rechnen würde. Mir scheint, dass sich in Lyon die schönsten Elemente typisch französischer Architektur und Stadtplanung mit schweizerischen und italienischen Einflüssen vermischen, so hat mich Lyon stellenweise stark an Bern erinnert (Ein wenig vielleicht auch durch die geographische Lage auf einer Halbinsel zwischen Rhone und Saone, die an die von der Aare umflossene Topographie der Berner Altstadt erinnert), an anderen Stellen wiederum mit seiner Renaissance-Architektur, seinen malerischen Innenhöfen und Palazzi an oberitalienische Städte.






    In der Umgebung des Bahnhofs Part Dieu, eines der ganz wenigen Beispiele von Städtebau, der von 70er-Architektur geprägt ist und dennoch einen guten Eindruck auf mich machte:













    Im Parc tete d´or, Lyons größter und schönster Grünanlage:








    Romanische Kirche, überwiegend um 1100:



    Spätgotische Ordenskirche, überwiegend 15. Jahrhundert:






















    Das hängt natürlich stark davon ab, ob man eher kommerzielle Auftragsarbeiten bspw. in der Werbe- und Marketingbranche, in der Modefotografie, für Zeitungen und Zeitschriften usw. anstrebt oder eine freie künstlerische Laufbahn. Ersteres bietet, wenn man einmal den Einstieg geschafft hat, ein relativ gesichertes Einkommen, schränkt aber natürlich den Spielraum der eigenen Kreativität sehr ein und ist mit der Gefahr verbunden, zu öder Routine zu werden, wohingegen eine unabhängige künstlerische Laufbahn größere persönliche Befriedigung bietet, aber auch finanziell viel unsicherer und riskanter ist, von irgendwelchen späteren Sozial- und Rentenansprüchen ganz zu schweigen... Im Laufe des Studiums, in einigen Praktika und in meiner Magisterarbeit habe ich mich ziemlich stark mit Kunstfotografie beschäftigt (Allerdings nur aus kunsttheoretischer Sicht, in praktischer Hinsicht bin ich, was Fotografie angeht, blutiger Laie, der ohne besondere Ambitionen knipst) und in die Arbeit etlicher Kunstfotografen einen Einblick gewonnen, kann über dieses Feld also wesentlich mehr sagen als über den Bereich kommerzieller Auftragsfotografie. Ein Weg, im Milieu der Kunstfotografie einen Anfang zu machen, ist natürlich das Absolvieren eines Kunststudiums oder einer Fachausbildung an einer Kunsthochschule oder Akademie mit fotografischem Schwerpunkt, das ist aber natürlich sehr zeitintensiv - allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass Du sehr gute Chancen hättest, mit einer Bewerbungsmappe mit Beispielbildern einen Platz zu bekommen. Ansonsten kann man auch versuchen, als Quereinsteiger eine Serie von Bildern direkt einer Kunstgalerie anzubieten und zu hoffen, dass sie sie akzeptiert und zum Verkauf ausstellt. Dafür sind die Anforderungen allerdings schon extrem hoch, und neben technischer Perfektion, die bei Deinen hier gezeigten dokumentarischen Serien zweifellos vorhanden ist, müssten sie auch eine wirklich überzeugende künstlerische Idee haben, ein Thema, einen Konflikt, mit dem sie sich auf originelle Weise auseinandersetzen. Aber es sei noch einmal betont: Um die 95% aller Künstler jeder Art - Maler, Fotografen, Bildhauer, Schriftsteller, Schauspieler usw. - bleiben ihr Leben lang arm wie Kirchenmäuse, die paar berühmten Topverdiener jeder Sparte sind ganz, ganz seltene Ausnahmefälle (Das Durchschnittseinkommen eines freien Künstlers in Deutschland beträgt, soweit ich mich erinnere, etwa 650€ im Monat, liegt also etwa auf Hartz IV-Niveau). Der sehr viel häufigere Weg ist daher, mit kommerziellen Auftragsarbeiten zu beginnen und eine ambitioniertere künstlerische Karriere nebenher langsam aufzubauen - fast alle berühmten Fotokünstler haben mit Mode- Werbe- Zeitungsfotografie usw. begonnen.

    Vielen Dank für die tolle Bilderserie! Du hast offenbar die Kamera ziemlich wahllos "draufgehalten", was dem Ganzen einen ungekünstelten, realistischen Eindruck verleiht - danke gerade dafür!


    Das ist auch meine Absicht. Bekannte touristische Sehenswürdigkeiten werden im Laufe der Reihe zwar auch vorkommen, aber sie sollen bewusst nicht die Hauptrolle spielen, denn mein Ziel ist ein wirklich repräsentatives Bild des Lebens in der Stadt, mit dem die paar museal konservierten Quadratkilometer in der inneren Stadt mit ihrer Bündelung von Sehenswürdigkeiten allerdings nicht sehr viel zu tun haben - rund 98% der Wiener Bevölkerung leben außerhalb des historischen Kerns. Um diesen dokumentarischen Charakter der Bilderserie zu unterstreichen, verzichte ich auch auf nachträgliche Bildbearbeitung.


    In der Peripherie - eigentlich schon ab zwei Parallelstraßen außerhalb des Rings - lässt dann aber die Qualität und der Erhaltungszustand der Gebäude rasch nach. Es sieht dort dann ein bisschen so verwurschtelt aus wie in Berlin


    Jein. Das hängt sehr stark vom Bezirk ab: In wohlhabenden bürgerlichen Bezirken wie dem 6., 7., 8., 13. oder 19. ist die architektonische Qualität und die Sauberkeit der Stadt sehr hoch, in sozialschwachen wie dem 10., 14., 15., 16., 17. oder 20. sieht alles natürlich erheblich ungepflegter aus, wobei ich sagen muss, dass ich es als Kontrast zur klinisch reinen Wiener Innenstadt als sehr erfrischend empfinde, in diesen Gegenden auch mal Straßenzüge zu sehen, die nicht bis in den letzten Winkel durchsaniert sind. Der Vergleich mit Berlin ist aber auch in diesen Bezirken etwas irreführend, da der Charakter Wiens sich in fast allen Vierteln von Berlin stark durch die fast bis an die Bebauungsgrenze absolut dichte, geschlossene Bebauung unterscheidet, wohingegen Berlin sich ja schon bald außerhalb des Zentrums extrem auflockert.


    Da ich vor einigen Tagen wieder nach Wien zurückgekehrt bin, kann ich mein Wien-Portrait nun endlich fortsetzen und beginne mit einem Rundgang durch den 13. Bezirk Hietzing am westlichen Rand Wiens. Neben Döbling ist Hietzing Wiens klassisches Bonzenviertel, mit imposanten Gründerzeit- und Jugendstilvillen, schönen Grünflächen und einer für Wien ungewöhnlich aufgelockerten Bebauungsstruktur. Hier wohnen diejenigen, die in der österreichischen Gesellschaft oben angekommen sind.










































    Das mittelalterliche Beinhaus nahe der Katharinenkirche, in dem Oppenheim zwischen dem 14. und dem 18. Jahrhundert die Gebeine seiner Toten unterbrachte:















    Oppenheim


    Das zwischen Mainz und Worms gelegene Oppenheim hat mit seinen 7000 Einwohnern heute einen halb dörflichen Charakter, war allerdings im Mittelalter eine relativ große und bedeutende Stadt. Herausragendes Zeugnis dieser Glanzzeit Oppenheims ist die spätgotische Katharinenkirche, einer der wichtigsten gotischen Sakralbauten Südwestdeutschlands. Wie in vielen anderen Städten der Region wurde die Entwicklung der Stadt mit der Zerstörung durch französische Truppen 1689 abrupt abgebrochen, Oppenheim sank zu einem kleinen Dörfchen herab.
    Da ich versehentlich eine Station zu früh ausstieg, nutzte ich die Gelegenheit, beim Fußmarsch nach Oppenheim auch einige Eindrücke der Umgebung einzufangen.








    Blick auf Oppenheim aus der Ferne:



    Mittelalterliche Fresken in einer Dorfkirche nahe Oppenheim, um 1420:





    Renaissancehaus des späten 16. Jahrhunderts, eines der wenigen Gebäude, die die Zerstörung von 1689 überstanden:















    Die Katharinenkirche, 14./15. Jahrhundert:


















    Köln ist zwar nicht gerade meine Lieblingsstadt, aber Deine Fotografie ist wirklich zum Niederknieen und treibt einem den blanken Neid ins Gemüt. Hast Du schon einmal mit dem Gedanken gespielt oder bist gar auf dem Weg dazu, professioneller Fotograf mit künstlerischem Anspruch zu werden? Wenn nicht, wäre das eine Überlegung, mit der Du Dich ernsthaft auseinandersetzen solltest. Ich denke, dass man unter 100 Amateurfotografen nur schwer einen finden wird, dessen Bilder Deinen hinsichtlich ihrer ästhetischen Qualität auch nur nahekommen.

    Liege/Lüttich

    Liege bzw. Lüttich ist eine Industriestadt im Osten Belgiens mit rund 200 000 Einwohnern in der Kernstadt, aber Zentrum einer ziemlich dichten Agglomeration mit rund 600 000 Einwohnern. Lüttich hat einen rauhen Charme, der mir allerdings sehr gut gefiel und mir sympathischer war als die blitzsauberen, geleckten Schaufassaden touristisch beliebterer Städte der Region - Lüttich trägt, obwohl sich in seiner auf den ersten Blick nicht unbedingt einladenden Erscheinung architektonische Kostbarkeiten verstecken, den Charakter einer echten, lebendigen Stadt und nicht den eines sterilen Freilufttmuseums, wie es in den Stadtzentren klassischer Touristenziele allzu häufig der Fall ist.


    Santiago Calatravas phantastischer neuer Bahnhof Liege-Guillemins:
































    Die spätgotische Jakobskirche, überwiegend 15. und 16. Jahrhundert:











    Ein paar habe ich noch in Reserve ;)


    Limburg


    Das mittelhessische 30 000-Einwohnerstädtchen an der Lahn ist vor allem für seinen Dom bekannt, ein wichtiges und ausgesprochen originelles Beispiel für jenen Übergangsstil zwischen Spätromanik und Frühgotik, der sich im 13. Jahrhundert in Deutschland entwickelte, als die in Frankreich schon in voller Blüte stehende gotische Architektur zaghaft auch nach Deutschland vordrang und hier langsam die alte romanische Formensprache unterwanderte und mehr und mehr ersetzte.
    Ansonsten besticht Limburg durch seine malerische Hügellage am Fluss sowie eine hübsche Fachwerkaltstadt, die den Krieg ziemlich unbeschadet überstanden zu haben scheint.








































    An sich ein schönes Projekt, aber ich weiß nicht, ob ich den Bau großer Solitäre in dieser Gegend wirklich angemessen finde. Besonders viel Urbanität wird von diesem sich inselartig von seiner Umgebung abkapselnden Bau wohl eher nicht ausgehen.


    Notre Dame, 12. Jahrhundert:









    St. Germain de Pres, 11.-13. Jahrhundert:








    St.Sulpice, 17. Jahrhundert: