Beiträge von matesig

    Lese hier eigentlich nur noch mit, aber gestatte mir ausnahmsweise mal einen kurzen Beitrag.

    Ryanair kündigt heute groß an, sich unter anderem vom Leipziger Flughafen zurückzuziehen. Ich musste erst mal schauen, dass damit nur eine einzige Strecke entfällt, nämlich die zum jwd gelegenen Flughafen London-Stansted. Somit wie von Ryanair gewohnt viel Lärm um wenig bis nichts.

    Das kann man so sehen. Fairerweise geht es bei dem "Lärm" aber weniger um Leipzig selbst sondern den Punkt der wenig wettbewerbsfähigen Abgabenstruktur.


    Auch wenn in Leipzig nur eine Verbindung wegfällt dürfte das ein schmerzvoller Verlust sein. Fällt doch eine von vielleicht fünf für die lokale Wirtschaft relevanten Verbindungen weg. Es verbleiben somit lediglich Frankfurt, München, Düsseldorf und Wien, vielleicht mit etwas Phantasie auch noch Istanbul, wobei all diese auch an Drehkreuzen hängen.


    Abgesehen davon bleiben nur noch eine (recht schmale) Bandbreite an Urlaubszielen und ein paar ethnische Verkehre.


    Mit anderen Worten, wenig von wenig ist leider manchmal viel.


    Dazu kommt, dass gerade die London-Verbindung wohl wie kaum eine andere einen bedeutsamen sowie zahlungskräftigen Inbound-Anteil haben dürfte. Das heißt die Touristen die sich nach Mitteldeutschland verirren (und vielleicht ihren Freunden oder Nachbarn berichten), fahren dann eben woanders hin. Das sind sicherlich alles keine Größenordnungen, aber hat wie ich finde durchaus Signalwirkung und wird sich über sie Zeit aufsummieren.


    Für die angeschlagenen sächsischen Flughäfen ist dies zweifelsohne eine weitere Hiobsbotschaft. Hier ist aber auch anzumerken, dass man es nicht geschafft hat Ryanair eine Basis schmackhaft zu machen. Andere zum Teil kleinere Standorte haben das hinbekommen, und somit bleiben Flughäfen wie z.B. Nürnberg, Karlsruhe oder Memmingen von Streichungen erst einmal verschont.


    Eurowings hat heute übrigens nachgezogen und nimmt deutschlandweit 1000 Flüge aus dem Programm. Man darf also gespannt sein wo die Reise hingeht (oder nicht).


    Dass nun ausgerechnet der ÖPNV Muffel Großbritannien hier positiv zu werten wäre, ist meines Erachtens auch dem dortigen massiven Investitionsstau geschuldet. Ich kenne kein Land in Westeuropa, welches ein so altes Schienennetz betreibt bzw. welches meistens von privaten Unternehmen betrieben wird. Dort kauft der Staat zwar langsam Strecken zurück wie z.B. von London nach Birmingham und in die Midlands. Außerdem wird das völlig veraltete und nahe am Kollaps gebaute System in London zur Zeit stark erneuert. Aber das Land hat mindestens zwei Jahrzehnte im Vergleich zu seinen Nachbarn verpasst. Großbritannien galt auch lange als Musterbeispiel der Privatisierung der Bahn in Deutschland. Die sehr schlechten Erfahrungen dort, ließen die Diskussion hier aber verstummen. Zurecht,wie ich meine.


    Hat zwar eigentlich nur sehr wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun, aber die obigen Aussagen haben ungefähr denselben Wahrheitsgehalt wie dass es in England nur regnet oder das Essen nicht schmeckt. Daher wollte ich sie nicht so unkommentiert stehen lassen, wobei ich es hier bei den Fakten belassen möchte und die reißerische Wortwahl einmal ausklammere.
    Verbreiten von Halbwissen klappt meistens dort gut wo man wenige Leser erwartet die es besser wissen, ein Restrisiko bleibt aber immer :o


    Zum ersten ist das Netz bereits seit 2002 (wieder) in staatlicher Hand, der Staat kauft da gar nichts zurück denn Railtrack war seiner Zeit pleite. Privat sind dort nur die Verkehrsunternehmen welche die Zugleistungen erbringen. Das ist in Deutschland übrigens größtenteils nicht anders. Dazu hat man die Direktiven des vierten Eisenbahnpakets der EU (z.B. strikte Trennung von Netz und Betrieb) im Gegensatz zu vielen anderen inklusive Deutschland wesentlich konsequenter umgesetzt. Die DB mogelt sich da mit Taschenspielertricks drum herum.


    Die Erfahrungen der Privatisierung in GB muss man differenziert sehen. Richtig ist zunächst einmal, dass die Eisenbahn in Großbritannien in den letzten zwanzig Jahren eine wahnsinnige Renaissance erfahren hat. Das Verkehrsangebot wurde massiv ausgebaut, die Flotte wurde kontinuierlich modernisiert, es wurde stark ins Netz investiert und die Fahrgastzahlen sind um ein vielfaches gestiegen, in manchen Gegenden 5% jährlich über mehrere Jahre hinweg(!) - davon träumt man nachts am Potsdamer Platz. Das Fahrplanangebot ist traditionell dichter als in Deutschland und dieser Vorsprung hat sich tendenziell eher noch verstärkt. In vielen Bereichen des Netzes ist der Halbstundentakt die Norm! In Deutschland werden jedes Jahr Strecken eingestellt, in Großbritannien werden Strecken reaktiviert.


    Die Bahn im UK ist über die letzten Jahre gesehen die sicherste in Europa - das war freilich nicht immer so. Dazu gab es im letzten Jahr keinen einzigen tödlichen Arbeitsunfall, was in dem Sektor gewiss nicht selbstverständlich ist.


    Es gibt auch einige Bereiche wo es nicht so läuft. Der auferlegte Plan der Regierung zum Ausbau der Infrastruktur war zu ambitioniert und konnte nicht im Zeit-und Kostenrahmen umgesetzt werden (wer kennt es nicht). Dadurch kamen einige Franchises in finanzielle Schwierigkeiten weil sie die geplanten Mehrverkehre nicht anbieten und somit die vertraglich vereinbarten Gewinne nicht an den Staat abführen konnten. Das kostet Geld - viel Geld. Infolgedessen ist die Regierung etwas vorsichtiger geworden was die Vielzahl von großen Investitionen angeht (der Brexit hilft da erst einmal auch nicht), zudem hat sich das Fahrgastwachstum etwas verlangsamt. Trotzdem werden in den nächsten Jahren eine Vielzahl neuer Großprojekte ans Netz gehen (Crossrail, Thameslink) und mit High Speed 2 packt man auch gerade das wohl teuerste HGV-Projekt Europas an.


    Richtig ist aber auch, dass sich die Fahrkarten seit der Privatisierung um ein Vielfaches verteuert haben. Über Jahre hinweg wurden die Preise um die Inflationsrate+1% angehoben. Das hat dazu geführt, dass manche Pendler jährlich fünfstellige Summen ausgeben um zur Arbeit zu fahren, und das nur für die eine Strecke denn eine Bahncard 100 gibt es nicht.
    Trotzdem sind insbesondere auf kurzen Strecken die Preise mit Deutschland zumindest vergleichbar wenn nicht günstiger, dazu gibt es vergleichbare Sparpreisangebote.


    Statistiken zum Alter des Schienennetzes habe ich leider nicht zur Hand, wäre aber sehr interessiert. Das "Alter" an sich gibt es ohnehin nicht, es sei denn man nimmt es wörtlich und dann hätte GB in der tat das höchste, denn die haben die Eisenbahn erfunden und als erste ein Netz aufgebaut. Wenn es darum geht wie "modern" ein Netz ist muss man zunächst einmal zwischen Gleisen, Signalen, Elektrifizierung, Inginieurbauwerken, Unterbau und sicher vielen anderen differenzieren, das ist gar nicht so einfach. Und dann ist ja der eigentlich entscheidende Faktor nicht das Alter an sich, sondern die Störungshäufigkeit.


    Die Bahn ist übrigens mit dem Arriva-Konzern und auch über die DB Cargo selbst sehr stark engagiert. Der größte Auftrag der Geschichte von Siemens kam aus GB und wahr wohl so lukrativ dass man dort jetzt trotz Brexit anderen Herstellern (Hitachi, CAF) folgt und vor Ort ein komplett neues Werk baut. So schlecht können die Erfahrungen also wahrlich nicht sein.

    Mit Vueling zieht sich der nächste Carrier aus Mitteldeutschland zurück. Damit geht mit Barcelona eine weitere attraktive Städteverbindung verloren.


    http://www.lvz.de/Mitteldeutsc…verliert-Barcelona-Fluege


    Auch wenn die Auslastung als "gut" angepriesen wird, dürften 80% wohl eher am unteren Ende der Wirtschaftlichkeit bei Lowcostern liegen. Wenn dann der Rest des Gesamtpakets für die Airline nicht mehr passt, dann war es das dann eben.


    Leipzig und Dresden sind nicht die einzigen Flughäfen an denen Vueling das Angebot reduziert, allerdings die einzigen die in Deutschland komplett aufgegeben werden.


    Damit müssen die Rasenball-Fans wohl im nächsten Jahr umsteigen ;)

    matesig: Nürnberg hat mit München einen Flughafen vor der Tür, der bis vor kurzem mehr oder weniger LCC-frei war.


    Auch Nürnberg war bis for kurzem mehr oder weniger LCC-frei. Die Ausweitung von Ryanair und Wizz passierte erst in den letzten Jahren, nachdem in Nürnberg so langsam drohte das Licht auszugehen und man seine Strategie geändert hat. Da mussten damals sicherlich auch einige über ihren Schatten springen. Wie sehr die Stadt davon profitiert sieht man wenn man sich mal auf dem Christkindls-Markt die Sprachenvielfalt anhört (vom Fraenkischen mal abgesehen), ganz im Gegensatz zu Leipzig.
    Die Anteile an Münchner Kunden die ab Nürnberg fliegen schätze ich eher gering ein. Die Entfernung ist schlicht und einfach zu weit und das Angebot in München zu gut, wenn auch teuer. In etwa wissen tun das nur die Flughäfen und Airlines.
    Der Nürnberger Flughafen dürfte eher ebenfalls von der Schwäche von Leipzig und Dresden profitieren, denn die Einzugsgebiete sollten sich zumindest in den südlicheren Gegenden von Sachsen und Thüringen mit Berlin überlappen, wobei das Flugangebot in Berlin um Welten besser ist.



    Berlin ist mit dem größten LCC-Anteil Deutschlands das absolute Gegenteil davon und grast mit dem immensen Angebot an Günstigflügen einen nicht unerheblichen der preissensiblen sächsischen Kundschaft ab. Offizielle Statistiken dazu gibt es nicht (allerdings zeigen die inzwischen fast 2 Mio. polnischen Fluggäste, mit welchen Größenordnungen man es zu tun hat), wer allerdings mal insbesondere ab Schönefeld fliegt, braucht sich nur umzuhören oder auf den Parkplätzen umzusehen.


    Das glaube ich gern. Wo sollen die armen Sachsen auch sonst abfliegen.


    Das steigende Angebot dort hat natürlich auch etwas mit dem Boom von Berlin als Reiseziel in den letzten Jahren zu tun. Die Angebotsausweitung an sich hat allerdings einen solchen auch erst in diesem Umfang ermöglicht.


    Dass es dem Anschein nach einen großen Anteil an sächsischen Kunden in Schönefeld gibt belegt in meinen Augen nur, dass der Markt vorhanden ist und vor Ort nicht ausreichend bedient wird. Ich bin mir sicher dass viele der Fliegenden mit langer Anfahrt wesentlich lieber ab Leipzig oder Dresden abheben würden.
    Es dürfte selbstredend nicht realistisch sein einen Angebotsumfang wie Schönefeld in Mitteldeutschland zu etablieren, aber ich bleibe dabei dass es zu einem großen Teil auch an der Flughafengesellschaft bzw. Politik liegt, dass man heute nicht besser da steht und sich an dem Kurs auch nicht viel zu ändern scheint bzw. es für nicht nötig hält. Ich vermute, dass dies nach wie vor auch ein Stück weit mit der prinzipiellen Einstellung gegenüber Günstigfliegern zu tun hat. Diese hat sich in den letzten Jahren deutschlandweit drastisch gewandelt, vielleicht dauert dies in Sachsen einfach nur ein bisschen länger. Es zeigt sich mehr denn je dass es zumindest kurzfristig kein Wachstum in anderen Segmenten geben wird. Vielleicht ergeben sich auch neue Möglichkeiten, wenn BER endlich öffnet und sich der Markt auf die neue Situation eingespielt hat.


    Das mit den Geschäftsfliegern stimmt natürlich, aber auch hier gilt das Henne-Ei-Prinzip. Bei derart schlechter internationaler Anbindung wird es schwer sein, selbst Start-Ups dazu bewegen sich in Leipzig niederzulassen bzw. hier zu bleiben, so sie im internationalen Markt agieren.

    Edit: 'Dase' war schneller!
    Nicht persönlich nehmen 'matesig', aber da steht auch viel Unsinn drin!
    Wäre ja zu klären, ob der LCC Markt nun unbedingt das Allheilmittel ist. Berlin hat einen überdurchschnittlich hohen Anteil an LCCs, was im Umkehrschluss bedeutet, dass man weniger Business Linie bekommt. Auch die Nähe von Berlin und seinen LCCs machen es für Leipzig nicht einfacher.


    Fragt sich, ob es in Deutschland überhaupt ethnischen Verkehr gibt. Meines Wissens, erklärt der Begriff "ethnischer Verkehr" eher die ehemaligen Kolonial-Akteure, da dieser sich nicht auf die wirtschaftliche Einwanderung ab den 1960er Jahren bezieht. In Europa also vor allem Frankreich, Großbritannien, Belgien, aber auch Spanien und Portugal. Das hat nichts mit Deutschland zu tun.


    Das mag vielleicht die urspruengliche Definition sein, ich meinte damit all diejenigen Verkehre, mit denen typischerweise in Deutschland mit Migrationshintergrund Lebende in ihre Heimat fliegen (oder umgekehrt). Und derartige Reisende gibts in Deutschland sehr wohl; Ziele wie Pristina, Timișoara, Niš oder Chișinău sind jetzt nicht der gerade der Klassiker fuer die Flitterwochen. Und auch in den dutzenden Antalya-Fluegen sitzen nicht nur Strandtouristen, in diesem Jahr schon gleich gar nicht. Will sagen, die Nachfrage solcher Fluege ist logischerweise dort hoeher, wo es in der Bevoelkerung einen hoeheren Anteil von gemischter Herkunft gibt, Leipzig gehoert nicht unbedingt dazu.


    So mal der Pauschalurlaub auch per se nichts mit einem Alterdurchschnitt zu tun hat. Schon mal in einem britischen Ferienbomber ans Mittelmeer, nach Dubai, oder an die Golden Coast in Australien gesessen?


    Ich hatte in der Tat schon das fragwuerdige Vergnuegen. Bei Fluegen nach Ibiza und in die Alpen geht es eher jung zu, auf die kanarischen Inseln geht schon haeufiger mal der Rollator mit an Bord.


    Die Briten sind allerdings auch ein wenig anders gestrickt als die Sachsen (obgleich sie von selbigen abstammen sollen).


    Trotzdem ist die klassische Pauschalreise aus dem Katalog die etwas verstaubte Variante von Urlaub, die mit dem Internet vertrautere Generation tendiert schon eher dazu, sich den Urlaub selbst zusammenzustellen.


    Die subventionierten Hub-Zubringer der Lufthansa sind schoen und gut und haben ihre Daseinsberechtigung. Damit kommt man bequem in die USA oder nach China, keine Frage (mal sehen wie lange noch). Man kommt auch gut nach Frankfurt, Muenchen und Duesseldorf, aber dorthin geht es zur Not auch bequem mit der Bahn, demnaechst nocht schneller.


    Auch wenn man sich mehr Direktverbindungen wünscht, und vor allem Heathrow, Paris, und Amsterdam zurückkommen sollten.


    Nun kommt der Punkt, genau um diese europaeische Direktverbindungen geht es. Ich komme von Leipzig weder nach Paris noch Rom, Madrid, Mailand, Budapest oder Kopenhagen, auch nicht nach Glasgow, Manchester, Neapel oder Lissabon. London ist die meistbesuchte Stadt der Welt (!) und Leipzig schafft nicht mal einen taeglichen Flug? Karlsruhe schafft 6 Fluege pro Woche, Nuernberg 14. Bremen 21. Hannover 26. Stuttgart 46.


    Ich kann das auch alles noch gern weiter ins Detail ausfuehren falls Bedarf besteht, aber ich denke einen Vergleich mit aehnlich grossen Staedten in Europa wie ausgefuehrt kann jeder selbst anstellen.


    Ist das doch Meckern auf hohem Niveau. Man sollte auch mal auf dem Teppich bleiben!


    Es ist meckern auf dem Niveau von knapp ueber 2 Millionen Paxen pro Jahr sowie oben genannter nicht vorhandener direkter Anbindung an die Zentren Europas.
    Ich versuche mich hier nur an einem Realitaetscheck, behaupte auch nicht dass alles vollkommen korrekt ist und kennzeichne dies entsprechend. Falls dies hier nicht gewuenscht wird, werde ich es gern unterlassen.

    ^ FR fliegt bereits diesen und letzten Winter teilweise nur zweimal pro Woche, Zusatzflüge rund um Weihnachten und Silvester wurden dabei meist später nachgepflegt.


    Ansonsten ist die Antwort auf das Warum doch klar: Berlin. Keine der vergleichbaren Städte hat eine solche hervorragende verkehrliche Anbindung an die direkte Konkurrenz, die mit einem unglaublich vielfältigen und von Wettbewerb geprägten Flugangebot lockt. Das schiere Angebot macht jegliche Etablierung regelmäßiger Strecken sehr schwierig. Warum einen ungünstig gelegenen Abendflug nach STN ab LEJ wählen, wenn man ab Berlin die Wahl zwischen 20 verschiedenen zu allen Londoner Airports hat?


    Da ist sicherlich viel Wahres dran. Und trotzdem lasse ich es nicht als alleiniges Argument gelten, denn auch andere Flughäfen operieren unter derartigen Bedingungen. München liegt von Nürnberg ähnlich weit entfernt und dort ist das Angebot an Zielen noch vielfältiger als in Berlin. Hannover ist ähnlich weit von Berlin entfernt und hat zudem noch Hamburg und Bremen als Konkurrenten. Auch im Südwesten schaffen es mit Stuttgart, Karlsruhe und Strasburg gleich drei Flughäfen trotz der Nähe zu Frankfurt zu koexistieren.


    Mir geht es allerdings gar nicht darum direkt zu vergleichen, nur erscheint mir Berlin wenn überhaupt nur ein Argument zu sein.


    Ein anderer Faktor den es noch zu bedenken gilt ist dass das bevölkerungsreiche Umland einmal abgesehen von Halle hauptsächlich südlich von Leipzig liegt. Die Wirtschaftsräume Chemnitz-Zwickau sowie Erfurt/Jena fallen alle in das Einzugsgebiet von LEJ, Berlin ist da schon ganz schön weit weg und allenfalls eine Notlösung.



    LEJ hat hier einfach kurz nach der Jahrtausendwende verschlafen, seinerseits zur Konkurrenz für Berlin zu werden, als dort noch keine Basen von Easyjet, Ryanair & Co existierten.


    Vielleicht. Allerdings setzt Ryanair erst sein etwa zwei Jahren auf beschleunigtes Wachstum in Deutschland, und Airlines wie Wizz, Norwegian, Transavia usw. drängen ebenfalls erst seit Kurzem ernsthaft auf den deutschen Markt. Während andere sich gerade um die Kuchenstücke reißen (selbst Frankfurt und München), scheint man in Leipzig wenn überhaupt mit den Krümeln zufrieden zu geben.
    Seit der Jahrtausendwende hat sich übrigens auch sonst noch so einiges getan. Leipzig's Zentrum ist keine Dauerbaustelle mehr sondern eine sehenswerte Innenstadt, die Stadt hat knapp 100.000 Einwohner und auch ein bisschen Kaufkraft hinzugewonnen und auch wie richtig erwähnt im Tourismus zugelegt. Der Flughafen dürfte dank Frachtrekorden auf halbwegs solider Basis stehen. Das sollte eigentlich eine solide Grundlage für wenigstens moderates Passagierwachstum sein, anstatt dessen geht es entgegen allen Trends bergab.


    - Ryanair dünnt London auf 2 x wöchentlich aus


    Gibt es für diese Info eine Quelle? Der Flugplan auf der Ryanair-Webseite verzeichnet nach wie vor drei Flüge pro Woche für den kommenden Sommerfahrplan, leider aber auch wieder in gewohnt später Zeitlage.
    Um die Zeit sind die Bürgersteige in LEJ schon längst hochgeklappt, wenn man Glück hat schwimmt vielleicht bei Marche noch eine Wurst im lauwarmen Wasser.


    Davon abgesehen ist es auch gesamtheitlich gesehen ein Trauerspiel, wie das Wachstum im Lowcost-Markt an Leipzig vorbei geht. Über die Gründe mag sich rätseln lassen, aber ich habe eine Reihe an Vermutungen:
    - Man ist als Touristenziel im Ausland eben immer noch fast gänzlich unbekannt und schafft es auch irgendwie nicht so richtig in den einschlägigen Reiseführern nach oben.
    - Der Bedarf nach ethnischen Verkehren ist aufgrund der geringen Internationalität vergleichsweise gering.
    - Der Bedarf an Geschäftsverkehren ist aufgrund fehlender Masse an europaweit agierenden Unternehmen außergewöhnlich gering.
    - Die Bevölkerung in der Region ist vergleichsweise alt, und dazu konservativ eingestellt. Das heißt der Reisemarkt dürfte noch sehr stark von Pauschalanbietern bestimmt sein und sich auf die klassischen Warmwasserziele begrenzen, während die europäischen Städtereisen per Flugzeug im Schnitt einen jüngeren Nachfragemix haben dürften.
    - Die Flughafengesellschaft hat entweder kein Interesse oder kein besonderes Verhandlungsgeschick bezüglich weiterer Lowcoster-Angebote.
    - Die Stadt hat die Bedeutung einer luftseitigen Anbindung noch nicht ausreichend erkannt und tut zu wenig am Umstand der schlechten Erreichbarkeit etwas zu aendern.


    Unter dem Strich steht, dass Leipzig wohl die am schlechtesten zu erreichende Stadt ihrer Größe zumindest in West- und Mitteleuropa, aber mittlerweile wohl auch schon in Osteuropa sein dürfte. Da kann sonst nur noch Dresden mithalten. Und während man in Bremen, Hannover und Nürnberg in schöner Regelmäßigkeit mit neuen Streckenankündigungen auf sich hören macht, feiert man sich in Leipzig nun schon seit Wochen ob der Ankündigung zweier wöchentlichen Zwischenhalte zum Auftanken.

    Zustimmung dagegen zum Lückenschluss Miltitzer Allee - Markranstädt. Eine Verlängerung sollte m.E. analog der heutigen RB aber höchstens bis Weißenfels reichen, künftig wird es auf der dann ehemaligen ICE-Strecke sowieso einen RE Leipzig-Jena mit weitaus schnelleren Fahrtzeiten nach Leipzig geben. Ein Umstieg in Weißenfeld oder Markranstädt zum Anschluss des Leipziger Westens würde dann voll ausreichen.


    Das wäre zumindest die sinnvollste Option gewesen. Die Finanzierung auf sächsischer Seite des RE (=Mehrverkehr) konnte allerdings nicht gewährleistet werden, sodass man sich zu dem (katastrophalen) Kompromiss entscheiden musste, auf dem Abschnitt Leipzig-Weißenfels alle Unterwegshalte durch den RE zu bedienen. Folglich kann man konkurrenzfähigen Fahrzeiten auf dieser Linie bis auf weiteres Lebewohl sagen.
    (siehe Mitteilung der NASA, in der eine Regional-Linie Leipzig-Weißenfels nicht auftaucht)


    Sollte der Ast von Miltitzer Allee nach Markranstädt jemals gebaut werden, steigen die Chancen für eine S-Bahn-Verlängerung nach Weißenfels, es sei denn, man entscheidet sich den RE dürch Grünau zu führen. Schocken kann mich jedenfalls nichts mehr.


    Davon abgesehen würde ich einen grausigen Nutzen-Kosten-Faktor für Bau und Betrieb der zusätzlichen Infrastruktur erwarten. Das Nachfragepotential zwischen Grünau und Markranstädt bzw. Weißenfels dürfte mehr als überschaubar sein.

    Ich fahre da zur Arbeit entlang,mit dem Auto.


    Genau das hatte ich bei vorangegangen Aussagen fast vermutet. Busse finden zumeist nur diejenigen gut, die sie nicht benutzen.


    Es ist in der Tat so, dass sich Vor- und Nachteile für die verschiedenen Systeme ergeben, welche hier bereits erläutert wurden.


    Unterschätzt wird meines Erachtens immer der Akzeptanzunterschied. Ein Straßenbahnfahrzeug stellt nämlich zu meist einen weitaus höheren Komfort zur Verfügung als ein Bus. Dies kann insbesondere bei Fahrten von mehr als 15 Minuten ein ausschlaggebender Faktor bei der Verkehrsmittelwahl sein, je nach Personentyp.
    Dabei spielt zum einen die Laufruhe eine Rolle. Auch sind Busse eben bereits bei geringen Nachfragespitzen (z.B. Unterrichtsschluss einer Schulklasse) kaum in der Lage, diese kapazitiv zu meistern. Dies äußert sich aufgrund des mangelnden Platzangebotes sehr schnell in Überfüllung. Aufgrund der geringen Gefäßgröße ist die Raumluft dann häufig von schlechter Qualität. Nicht, dass Bahnen nicht überfüllt werden, aber der Puffer zum Ausgleichen solcher Nachfragespitzen ist einfach größer als bei einem Bus (Anmerkung: der Bus-Fahrgast ist zumeist auch nicht bereit, auf den nächsten in fünf Minuten fahrenden zu warten).
    All dies sind nicht zu unterschätzende Einflüsse bei der Wahl des Verkehrsmittels.


    Zu Hybridantrieben sei angemerkt: Möglich ist dies natürlich, flächendeckende Praxis leider bisher selten. Ich bin beipspielsweise mit dem Aachener Busverkehr vertraut. Hier wird bei Neubeschaffungen zumeist noch auf Dieselfahrzeuge gesetzt (dazu durchweg ohne Klimaanlage und mit katastrophaler akustischer Fahrgastinformation). Ein weiter Qualitätsaspekt wird auch hier deutlich. In Busnetzen ist die Anzahl der Haltestellen im Normalfall größer, da das Netz dichter ist. Die Ausstattung leidet allerdings darunter. So ist die Ausstattung mit aktueller Fahrgastinformation die Ausnahme, selbst ein Wetterschutz ist nicht überall gegeben. Viele bereuen auch hier die Sünde der Sechziger, die Straßenbahn abgeschafft zu haben.


    PS: Ich habe irgendwo mal den Ausspruch aufgeschnappt: "Wer muss, fährt Bus. Wer kann, fährt Bahn."

    Ich versteh immer nicht, warum die keine Fischgrätenparkplätze machen. Damit mehr Leute Bahn fahren?


    Das wäre schön, wenn sich das so einfach erreichen ließe.


    Nein, es ist anzunehmen, dass man sich bei der Überplanung des Straßenraumes ein wenig nach dem HBS (Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen) richtet. Hierin werden auch Empfehlungen für die Anlagen des ruhenden Verkehrs ausgesprochen. Ich habe diesen Abschnitt leider nicht zur Hand, hier dürfte aber entsprechend verzeichnet sein, dass für die vorhandene Straßenkategorie nur Längsaufstellungen vorgesehen sind.


    Dies hat den Grund, dass die Sicht beim rückwärtigem Ausparken sowohl bei Schräg- als auch bei Senkrechtaufstellungen eingeschränkt ist. Dies ist bei vorhandener Verkehrsstärke und -geschwindigkeit zu gefährlich.


    Abgesehen davon stellt sich die Frage, ob in diesem Gebiet ein derart hoher Parkdruck herrscht, der die Anlage weiterer Parkflächen rechtfertigen würde.

    Ein freundliches Hallo ins Forum, ich bin bereits seit langer Zeit interessierter Mitleser insbesondere im Leipziger Forum und freue mich auf gelegentliche Teilhabe an der Diskussion.



    Diese Riffelung wie schon von Vorpostern erwähnt sozialistischer Einheitsbau ich sag nur Blechbüchse und in Dresden gibts ja auch sowas ähnliches, nur das das 100 mal beschissener aussieht. [...]der Architekt des Siegerentwurfs gehört nach Sibirien und sollte von nun an in Vladiwostock sein ästhetisches Verständniss Planwirtschaftlicher Architektur reifen lassen und die Stadtverwaltung des Bauamtes + Jury sollte entlassen werden, mangels Kompetenz, Sach-und Blickverstand.


    Der Blick auf den Siegerentwurf hat mich sofort an ein Gebäude in der City of London erinnert (London Wall), was die Formensprache der Fassadenoberfläche betrifft:


    Link 1
    Link 2
    Link 3


    (Lage, Umfeld und Budget soll hier einmal unbeachtet bleiben).


    Dieses Gebäude sowie viele andere Neubauten mit ähnlich ornamentierter Fassade sind in jüngster Vergangenheit gebaut worden. Ich vermute, der Architekt möchte seine Fassadengestaltung nicht als Ausdruck sozialistischer Ästhetik verstanden wissen.
    Mir selbst hat sich dieser Vergleich auch nicht aufgedrängt.


    Von den drei Siegerentwürfen gefällt mir der RKW-Entwurf am besten. Die kubische Grundform wirkt im Gegensatz zu den Entwürfen von KSG und König Wanderer nicht gleichgültig, die akzentuierte Fassade lockert auf. Zudem besteht nach meinem Empfinden durchaus eine gewisse Eigenständigkeit.


    Sorgen bereitet mir ein wenig der Sichtbeton. Ich habe keine Vorstellung, wie eine warm-weiße Oberfläche aussieht und welche Wirkung sie erzielt (vielleicht in der Art? Link 4). Ich möchte aber zumindest anmerken, dass Sichtbeton heutzutage nicht zwangsläufig nach siebziger Jahre oder Bahnsteigkante aussehen muss.