Beiträge von Klarenbach

    Der Neptunbrunnen steht an seinem derzeitigen Standort genau richtig. Er wertet den Raum zwischen Alexanderplatz und Nikolaiviertel ungemein auf und wäre bei einem Abriss nur schwer zu ersetzen. Im Sommer gibt es dort viele Touristen, die den Brunnen gern nutzen. (Im Winter natürlich nicht, deshalb sind die Fotos wenig aussagekräftig.)


    Der Standort am Staatsratsgebäude ist doch dagegen eine ziemlich trostlose Ecke, in die sich nur ein paar Elite-Studenten verirren. Der Neptunbrunnen wäre dort ziemlich verloren - Perlen vor die Säue. Daher ist die Position der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung schon nachvollziehbar.

    Diese Kirche ist völlig überflüssig. Schon jetzt gibt es in Magdeburg gerade mal 9 Prozent Protestanten und 4 Prozent Katholiken. Folgerichtig gibt es viel mehr Kirchenplätze als Kirchgänger. Eine neue Kirche ist deshalb so überflüssig wie ein Kropf.
    Auch an Veranstaltungs- und Kulturzentren besteht kein Bedarf. Schon jetzt wird die Johanniskirche als Kultur- und Veranstaltungszentrum genutzt. Ein weiteres Kultur- und Veranstaltungszentrum würde die Auslastung der Johanniskirche bedrohen.
    Alles in allem: Das Geld sollte man besser für sinnvollere Dinge ausgeben.

    Das stürmische Wetter hat erneut zu Schäden an halleschen Altbauten geführt. So kam es am Abend des 5.2. zum Absturz von Fassadenteilen am Haus Große Steinstraße 31. Das Wohn- und Geschäftshaus wurde um 1880 errichtet und ist schon seit Jahren dem Leerstand und Verfall ausgeliefert.
    Glücklicherweise kamen bei dem Absturz keine Passanten zu Schaden. Zur Gefahrenabwehr wurde der betroffene Bürgersteig vorläufig gesperrt. Über das weitere Vorgehen wurde noch nicht entschieden.

    Iguenth1


    Offenbar gab es da ein Missverständnis. Ich hatte Deinen Beitrag so verstanden, dass Du den Abriss in den Plattenbaugebieten forcieren willst.
    Im verlinkten FP-Artikel wird nun aber der schleppende Abriss darauf zurückgeführt, dass der Abriss von Altbauten nicht über das Stadtumbau Ost-Programm förderfähig ist. Die Privateigentümer von Altbauten, die einen besonders hohen Leerstand aufweisen, würden deshalb kaum abreißen.


    "Dabei handle es sich überwiegend um Altbauten, die vor 1949 errichtet worden sind, so der Arbeitskreis weiter. "Mit der gegenwärtigen politischen Strategie, alle Gebäude mit Baujahr vor 1949 grundsätzlich und ohne Einzelfallprüfung zu schützen, also den Abriss per Gesetzeskraft zu verbieten, sind private Einzeleigentümer praktisch vom Stadtumbau ausgeschlossen." In ihrem Positionspapier fordern die großen Vermieter daher, private Eigentümer unbedingt stärker in die Stadtentwicklung einzubinden. Dafür müssten aber nach ihren Worten die Vorschriften für den Abriss von Altbauten gelockert und finanzielle Anreize in Aussicht gestellt werden."


    Die Forderung der Wohnungsunternehmen gehen also dahin, den Abriss von Altbauten mehr zu fördern. Das ist nun aber ein ganz anderes Thema, über das man differenziert diskutieren müsste.

    Ich finde den FP-Artikel vom 31.1. ja regelrecht bizarr. Da ist von einem "Abrissrückstand" die Rede, und es wird so getan, als ob dies ein Problem wäre. Vielleicht stammen die Journalisten ja noch aus der DDR-Zeit, als man jeden noch so blödsinnigen Plan unbedingt erfüllen musste.


    Offenbar ist es so, dass sich vielerorts die Bevölkerungs- und Leerstandszahlen viel positiver als geplant entwickelt haben und dass deshalb die Hauseigentümer weniger Abrisse durchführen. Diese Entwicklung sollte doch ein Grund zur Freude sein, zumal der Staat aufgrund dieser Entwicklung auch Fördergelder für den Abriss spart. Dass Herr Ulbig dies als Problem ansieht, beweist nur, dass er mit seinem Amt überfordert ist.


    Wenn hohe Abrisszahlen Städte nach oben bringen würden, dann müsste es Weisswasser und Hoyerswerda blendend, Potsdam und Jena dagegen richtig schlecht gehen.

    Große Projekte für unterirdische S-Bahnen in Dresden gab es schon in den 1960er Jahren - mit einer Ost-West-Linie von Niedersedlitz - Straßburger Platz (damals Fucikplatz) - Altmarkt - Dresden-Mitte - Friedrichstadt und einer Nord-Süd-Linie Dresden-Plauen - Hauptbahnhof - Altmarkt - Neustadt. Beide Linien wurden aus Geldmangel nicht gebaut.
    Auch bezüglich der aktuellen Planungen bin ich sehr skeptisch. Derzeit kann man schon froh sein, wenn der viergleisige Ausbau Dresden-Neustadt - Coswig kommt. Zudem wird der VVO wohl aus Geldmangel das Zugangebot auf den S-Bahnlinien reduzieren. Keine guten Voraussetzungen für große Tunnelprojekte.

    Mit dem Heckert-Gebiet und speziell mit den Baugebieten Markersdorf Süd und Hutholz habe ich mich 2008 relativ intensiv beschäftigt. Ich habe dazu mit Mietern, Hauseigentümern, Vertretern von Banken und der Stadt gesprochen und habe da folgende Erfahrungen gemacht:


    Alle von mir befragten Mieter erklärten mir, dass sie sehr gern in Hutholz Süd bzw. Markersdorf Süd wohnen würden. Als besondere Vorzüge der Wohngebiete wurden benannt:
    - die schöne Fernsicht (beide Wohngebiete liegen auf Hügeln)
    - die Nähe zur Natur (Hutholz, Harthwald, mit Spielmöglichkeiten für Kinder)
    - die gute Luft
    - die Ruhe
    - das gute Angebot an Parkplätzen
    - die relativ gute Anbindung an den ÖPNV (vor allem an Hutholz Süd, das gut an das Straßenbahnnetz angebunden ist), daher auch kurze Wege zum Einkaufen und zu Ärztehäusern
    - die altersfreundliche Bauweise mit Aufzügen (in den WBS 70 - Elfgeschossern in Markersdorf Süd)
    - der niedrige Energieverbrauch (vor allem in den sanierten Gebäuden, die WG Einheit hat an jedem Eingang ihrer Häuser eine Energieverbrauchstafel angebracht und wirbt sehr offensiv damit)
    - die Identifikation mit dem genossenschaftlichen Eigentum (in den Gebäuden der WG Einheit)
    Ich habe die Mieter auch nach ihrer Einstellung zum Wohnen in den Gründerzeitquartieren gefragt. Sämtliche Mieter erklärten mir, dass sie dort auf keinen Fall wohnen wollten, vor allem, weil ihnen diese Quartiere zu steinern und zu laut wären.


    Ein Teil der Mieter wohnte (2008) in Hutholz Süd in Häusern, die der GGG gehörten. Diese wiesen zwar kaum Leerstände auf, sollten aber dennoch abgerissen werden. Einige Mieter zeigten mir ihren diesbezüglichen Briefwechsel mit der GGG, aus dem hervorging, dass Mieter hier oft auf ziemlich rüde Weise aus ihren Wohnungen vertrieben wurden. Viele Mieter hatten den Eindruck, dass die GGG Hutholz Süd systematisch zerstören will, um dadurch das Wohnen in der Innenstadt zu fördern.


    Ich habe auch mit Vertretern von Hauseigentümern gesprochen. Vertreter der WG Einheit haben mir vorgerechnet, dass Sanierungen in Markersdorf Süd und Hutholz Süd auch ohne Fördermittel rentabel wären, da das Verhältnis von Sanierungskosten und erzielbaren Mieten relativ günstig wäre. In jüngster Zeit wäre es der WG Einheit gelungen, gerade auch jüngere Mieter zu gewinnen und die Leerstände deutlich zu senken. Vertreter von Banken, die diese Sanierungen ja mit finanzieren, haben diese Aussagen bestätigt. Ähnlich äußerten sich Privateigentümer, die in Hutholz Süd größere Bestände besitzen und diese ebenfalls saniert haben.


    Das Stadtplanungsamt hat mit dieser Entwicklung sicher seine Probleme. Allerdings sind die Handlungsmöglichkeiten des Stadtplanungsamtes begrenzt, und ich habe auch Zweifel, ob es sinnvoll ist, eine Politik "gegen den Markt" und damit auch gegen die Wohnwünsche der Bürger zu machen.

    Zum Thema Altbausanierung und GGG gab es einen langen Brief der GGG vom 15.5.2009 anlässlich eines Beitrages des ARD-Magazins "Monitor".


    http://www.architekturforum.ne…7a13853d28da2f884f#p87157 Hinweis Cowboy: Link repariert.


    Konkret heißt es hier:
    "Auch zeigen die Vermietungsquoten, die die Wohnwünsche der Bevölkerung eindeutig widerspiegeln, wo die Menschen in Chemnitz leben und wohnen möchten: Die überdurchschnittlich hohen Leerstandszahlen gerade und insbesondere im sanierten Altbau bestätigen die Zurückhaltung der GGG und deren kaufmännische Vorsicht bei der Sanierung von Altbausubstanz in schwierigen Lagen (z.B. an Einfallstraßen). Gleichwohl verfügt die GGG bereits über einen großen Bestand an saniertem Altbau in deren Bausubstanz auch weiterhin investiert wird. - das Beispiel der aktuell laufenden Sanierung auf dem Kaßberg bekräftigt dieses Bekenntnis."


    Diese Aussagen stehen in einem Widerspruch zu den Aussagen von Iguenth 1. Was ist nun richtig?

    Sicher ist das Städtebauliche Entwicklungskonzept in vielen Punkten wischi-waschi. Ich würde diesen Umstand allerdings nicht auf das Unvermögen der Stadtplaner, sondern auf objektive Probleme zurückführen. Es ist ja so, dass über den Erhalt, die Sanierung oder den Abriss von Gebäuden in erster Linie die Hauseigentümer entscheiden. Die Stadt kann hier nur für günstige immobilienwirtschaftliche Rahmenbedingungen sorgen, also beispielsweise durch eine gute Wirtschaftspolitik die Schrumpfung stoppen. In dieser Hinsicht scheint ja Chemnitz auf einem ganz guten Weg zu sein. Zudem gibt es die Möglichkeit, Fördermittel zu verteilen, allerdings werden die Förderprogramme durch die Bundesregierung gekürzt, hier wird also immer weniger Geld fließen. Die Stadtverwaltung wird in Zukunft deshalb immer weniger Instrumente haben, um Stadtentwicklung in ihrem Sinne zu steuern. Vor diesem Hintergrund finde ich es ehrlich, wenn die Stadt nicht so tut, als ob sie die Stadtentwicklung wie auf dem Reißbrett planen könnte.


    Die südlichen Teile des Heckertgebietes wurden übrigens deshalb als Erhaltungsgebiet ausgewiesen, weil ein wichtiger Hauseigentümer in diesem Gebiet deutlich gemacht hat, dass er in diesen Gebieten keine weiteren Abrisse vornehmen will. Da sich Planungen nicht gegen die Hauseigentümer umsetzen lassen, wurde die Planung entsprechend angepasst.

    Roland
    Nur mit der Ruhe! Mit dem gleichen Recht könnte ich Dir vorwerfen, im Auftrag der Stadt Halle Jubelpropaganda für Halle zu machen. Daher bitte ich Dich doch sehr, auf Unterstellungen zu verzichten. Ich habe eine andere Meinung zur halleschen Stadtentwicklung als Du, und Du wirst lernen müssen, solche Meinungsverschiedenheiten kultiviert auszutragen.

    Einstürzende Altbauten

    Ein Thema, das in Halle/Saale regelmäßig für Schlagzeilen sorgt, ist der Einsturz von Gebäuden. In keiner anderen deutschen Stadt sind so viele Gebäudeeinstürze zu verzeichnen wie in Halle/Saale.


    Ein aktueller Fall ist der Teileinsturz des Hauses Krukenbergstraße 13 am 8.1.2011. Das Wohnhaus wurde um 1880/90 errichtet. Doch in den letzten Jahren wurde das Gebäude von seinem Privateigentümer dem Leerstand und Verfall überlassen. Selbst einfachste Instandhaltungsmaßnahmen wurden nicht durchgeführt. Folgerichtig kam es am 8.1.2011 zu einem Teileinsturz, bei dem Teile des Giebels und des Daches auf die Straße stürzten. Glücklicherweise wurden bei dem Einsturz keine Passanten verletzt. Zwei Autos erlitten allerdings erhebliche Beschädigungen. Zur Gefahrenabwehr wurde die Straße vorläufig gesperrt. Über das weitere Schicksal der Ruine ist noch nicht entschieden.


    Der Hintergrund der Einstürze ist die schwierige demographische Situation der Stadt. Halle zählte 1989 (bezogen auf das jetzige Stadtgebiet) rund 330.000 Einwohner, bis jetzt ist die Einwohnerzahl auf rund 230.000 Einwohner geschrumpft. Die Folge ist ein Wohnungsleerstand von gesamtstädtisch 13 Prozent, in den Altbauquartieren werden Leerstandsquoten von über 20 Prozent erreicht. Mittlerweile gibt es sogar sanierte Häuser, die komplett leer stehen. Unter diesen Bedingungen ist der Erhalt und die Sanierung von Altbauten oft unrentabel. Viele Hauseigentümer reagieren auf diese Situation mit einem Verzicht auf Investitionen. Die Folgen sind der Verfall von Altbauten, der letztendlich zu Einstürzen führt.


    Die Stadtverwaltung hat bisher kein praktikables Konzept für den Umgang mit der Krise entwickelt. Sie setzt sehr stark auf Abrisse. Allerdings können die Abrisse (außer bei einer Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit) letztendlich nur von den Hauseigentümern durchgeführt werden. Folgerichtig kommt es zu eher zufällig verteilten punktuellen Abrissen, die bisher kaum positive Auswirkungen, teilweise sogar negative Auswirkungen hatten. Das Hauptproblem, der Bevölkerungsrückgang, konnte auf diese Weise jedenfalls nicht gelöst werden. Daher ist derzeit kein Ende der Einstürze abzusehen.

    Kleist
    Volle Zustimmung! Ich finde auch, dass der Alexanderplatz durch den Saturn-Neubau deutlich an Charme verloren hat. Und wenn man den eleganten Komplex aus dem Haus des Lehrers und der Kongresshalle mit seinen neureren Nachbarn (dem Saturn-Neubau und der Alexa) vergleicht, dann offenbart sich schon ein deutlicher Qualitätsunterschied.

    Hans Dampf


    Also ich kann auf dem Foto (mit Ausnahme der Marienkirche) wirklich keine wertvollen Gebäude erkennen. Die meisten waren doch ziemlich banale Büro- und Geschäftshäuser, die keinen Denkmalwert besaßen. Die wertvollen Gebäude waren ohnehin lange vor 1945 abgerissen worden. Das Palais Wartenberg von Andreas Schlüter hatte man beispielsweise schon 1890 abgerissen. Stattdessen entstand dann ein Büro- und Geschäftshaus, das dann wieder 1898 für ein neues Büro- und Geschäftshaus abgerissen wurde. Das war wirkliche Stadtzerstörung.


    Heute dagegen gibt es an diesem Ort immerhin eine identitätsstiftende Architektur (den Fernsehturm), die auch überregional ausstrahlt. Und natürlich braucht solch ein Bauwerk ein entsprechendes Umfeld, der Eiffelturm steht ja auch nicht inmitten eines dicht bebauten Quartiers. Deshalb finde ich, dass eine nostalgische Verherrlichung der Vorkriegssituation an den Realitäten völlig vorbeigeht.

    Roland
    Ich habe die Entwicklung der Silberhöhe seit ungefähr 2000 genau verfolgt. Da wurde definitiv im zentralen Bereich entlang der Straßenbahntrasse abgerissen und an den Rändern saniert. Ein Zurückschrumpfen auf einen "wahrscheinlich stabilen Kern" erfolgte hier auf keinen Fall.


    Natürlich gab es dafür Gründe. Der zentrale Bereich war relativ dicht bebaut und deshalb bei vielen Mietern unbeliebt. An den Rändern dagegen, wo es oft einen freien Blick ins Grüne gab, war die Nachfrage deutlich höher. Folgerichtig haben die Hauseigentümer am Rand saniert und in der Mitte abgerissen. Man muss ja auch sehen, dass die Hauseigentümer keine Politik betreiben können, die sie am Ende in die Insolvenz treibt. Zudem müssen viele von ihnen auch Bankkredite bedienen, und die Banken reden natürlich auch bei der Abrissplanung mit. Das ist in Halle übrigens nicht anders als in Chemnitz.


    Folgerichtig ist eine zentral gesteuerte Abrisstätigkeit kaum machbar. Umso wichtiger fände ich es, generell von der Abrissorientierung wegzukommen und Aufwertungskonzepte zu entwickeln. Die Beispiele Potsdam, Jena, Berlin habe ich schon genannt. (Der Zuzug nach Potsdam kommt nur zu einem kleinen Teil aus Berlin, zudem hat Potsdam das Problem, dass die Mehrheit der Potsdamer Studenten in Berlin wohnt. Dass Potsdam dennoch wächst, hängt stark mit seiner wirtschaftlichen Dynamik und eben auch einer aufwertungsorientierten Stadtentwicklungspolitik zusammen.) Es gibt aber auch kleinere Städte, die sich erstaunlich gut entwickelt haben, wie Neuruppin in Brandenburg, Wernigerode oder Hildburghausen. Auch diese Städte haben nicht auf Abriss, sondern auf Aufwertung gesetzt und sind damit sehr gut gefahren. Ich finde, man sollte sich die positiven Beispiele zum Vorbild nehmen und nicht die negativen.

    Abrisswelle in Halle/Saale

    @Iquenth1
    Hier noch einige Informationen zum Umgang mit den Großsiedlungen in Halle:
    Tatsächlich sind in den halleschen Großsiedlungen zahlreiche Häuser abgerissen worden. Allerdings wurde dabei kein konzentrischer Rückbau "von außen nach innen", sondern ein disperser Rückbau praktiziert. Vor allem das Wohngebiet Silberhöhe besteht mittlerweile aus verschiedenen Siedlungsinseln.


    Die Ursachen für diesen dispersen Rückbau sind einerseits die Wohnwünsche der Bürger, die sich nicht einfach nach Belieben umsiedeln lassen, andererseits befinden sich auch in den Großsiedlungen viele Gebäude im Eigentum von Genossenschaften oder Privateigentümern, die man nicht einfach zum Abriss zwingen kann. Folgerichtig sind die Pläne des Stadtplanungsamtes für konzentrierte Abrisse am Rand regelmäßig gescheitert.


    Beispielsweise gab es 2006 Pläne, den am Rande der Stadt gelegenen Wohnkomplex 6 (WK 6) in Halle-Neustadt flächig abzureißen. Gegen diese Abrisse gab es massive Proteste von einer Bürgerinitiative und von Hauseigentümern. Ein Grund war, dass der WK 6 in der Nähe des Erholungsgebietes Heide und des Heidesees liegt und daher attraktiver als die zentraleren Wohnkomplexe von Halle-Neustadt ist. Zudem wandte sich der städtische Verkehrsbetrieb HAVAG gegen einen Abriss des WK 6, dieser hatte erst 2003 eine Straßenbahnlinie in den WK 6 gebaut. 2007 schließlich musste das Stadtplanungsamt die Abrissplanungen zurücknehmen. 2009 hat ein wichtiger Eigentümer im WK 6, die Halle-Neustädter WG, mit der Sanierung seiner Bestände begonnen.


    Weiterhin gab es Pläne, den Wohnkomplex Südpark in Halle-Neustadt flächig abzureißen. Der Eigentümer des größten Teils der Gebäude (eine französische Investorengruppe) entschloss sich allerdings 2008, seine Bestände komplett zu sanieren.


    Derzeit gibt es im Stadtplanungsamt Planspiele für einen kompletten Abriss des südlichen Teils des Wohngebietes Silberhöhe. Die Hauseigentümer setzen dagegen auf die Sanierung ihrer Bestände. Die Wohnungsgenossenschaft Freiheit hat 2008/2009 den südlichsten Teil der Silberhöhe aufwändig saniert, die Wohnungen sind dank ihres freien Blicks auf die Landschaft sehr beliebt. (Geplant wurde die Sanierung übrigens vom Chemnitzer Büro AIC Ingenieurgesellschaft für Bauplanung.) Ein weiterer Hauseigentümer, die WG Eisenbahn, hat 2009/2010 umfangreiche Sanierungen in der südlichen Silberhöhe (Dresdner Straße, Coimbraer Straße) durchgeführt.
    Die Folge: Halle wird immer mehr zur perforierten Stadt.

    Abrisswelle in Halle/Saale

    Roland
    Sicher sind Leerstände und Abrisse komplexe Probleme, die vielfältige Ursachen haben. Allerdings bin ich schon der Meinung, dass die hallesche Lokalpolitik einen großen Anteil an der ganzen Misere hat.


    Ich kenne ja auch die Verhältnisse in anderen Städten, wie in Berlin, in Potsdam, in Jena oder in Leipzig, und ich habe nirgendwo solch ein Ausmaß an Verfall gefunden wie in Halle. Natürlich hatten all die Städte ihre Nachwendekrisen, Potsdam schrumpfte beispielsweise von 143000 Einwohnern im Jahr 1989 auf 128000 Einwohner im Jahr 2001. Auch hier gab es Leerstände. Doch die Potsdamer Stadtverwaltung hat sich mit der Krise nicht abgefunden und auch kein Abrissprogramm gestartet, sondern überlegt, wie sie neue Einwohner anwerben kann. Heute zählt Potsdam 155000 Einwohner (gut, davon sind 10000 durch Eingemeindungen hinzugekommen), für 2020 werden 167000 bis 172000 Einwohner erwartet. Leerstandsprobleme und Abrisse sind hier überhaupt kein Thema, dagegen herrscht mittlerweile ein Wohnungsmangel. Ähnlich ist die Lage in Berlin oder Jena. In Berlin gab es von 2003 - 2008 Abrisse, mittlerweile werden diese Abrisse schon wieder bereut, weil die Wohnungen auch hier langsam knapp werden. In Jena gab es von 2002 - 2005 Abrisse, auch diese werden mittlerweile bereut, weil hier heute ein Mangel an preiswerten Wohnungen herrscht.


    In Halle ist von solchen Erfolgsgeschichten überhaupt nichts zu merken. Wenn man die Verantwortlichen in Halle, wie den Leiter des Stadtplanungsamtes Jochem Lunebach reden hört, dann hört man immer nur, dass man an der Krise nichts ändern könne und dass man die Leerstände einzig durch Abrisse beseitigen könne. Die Krise wird in Halle als etwas Naturgegebenes betrachtet, das nicht verändert werden kann und auf das man nur mit Abrissen reagieren kann. Diese Einstellung geht an den realen Potenzialen der Stadt völlig vorbei. Halle verfügt über eine beneidenswerte Verkehrsanbindung durch die Bahn, die Autobahn, den Flughafen und die Saale. Halle besitzt eine große Universität, eine Kunsthochschule und den zweitgrößten Technologiepark Ostdeutschlands (nach Berlin - Adlershof), dazu gibt es ein reiches Kulturleben und die Nähe zu Leipzig. Halle könnte die gleichen Erfolge wie Potsdam oder Jena erzielen. Doch aus dem Stadtplanungsamt hört man immer nur die gleichen Rezepte: Abriss, Abriss und noch mehr Abriss. Und diese Abrisse sollen nach Aussage von Jochem Lunebach nicht dazu dienen, die Stadt attraktiver zu machen, sondern das Mietniveau hoch zu halten. Ich finde diese Herangehensweise vollkommen fantasielos.


    Auch Glaucha halte ich nicht für eine Erfolgsgeschichte. Zu Glaucha muss man sagen, dass dieser Stadtteil erstens in den 80er Jahren komplett saniert wurde (Angeblich sollen dort die DDR-Spitzenpolitiker Horst Sindermann und Margot Honecker mal gewohnt haben.) und zweitens baukulturell von eher untergeordneter Bedeutung ist. In Glaucha gab es deshalb gar keinen großen Sanierungsbedarf. Daher halte ich es für einen Schildbürgerstreich, dass ausgerechnet Glaucha mit reichen Fördermitteln beschenkt wird, obwohl doch beispielsweise die Altstadt baukulturell viel wertvoller und zudem von seinem baulichen Zustand her deutlich prekärer als Glaucha ist. Wenn man den Eigentümermoderator Herrn Lindemann in die Altstadt geschickt hätte, damit er wertvolle Baudenkmäler wie die Schulstraße 11 oder die Kleine Steinstraße 3 rettet, dann hätte ich das verstanden. Aber Glaucha? Angesichts dieser Fakten halte ich den "Glaucha-Effekt" für einen teuer bezahlten Etikettenschwindel.