Beiträge von Heinrich

    Der Rohbau hat angefangen, sich sein Styroporkleidchen anzulegen.


    Meine erste Wahrnehmung bzw. Annahme beim Vorbeispazieren war natürlich ebenfalls, dass es sich um eine Dämmung aus Styropor handelt - beim näheren Betrachten hatte ich aber aufgrund der Kleinteiligkeit und "Materialanmutung" der Baustoffe den Eindruck, es könnte sich um Mauerwerk handeln, das vor die Betonwände gesetzt wird.


    Leider bin ich in diesen Angelegenheiten völlig ohne Fach- und Sachkenntnis - vielleicht verschaffen sich noch andere einen Eindruck und es gelingt ein sicheres Urteil? Es würde mich bei diesem ungewöhnlichen Bauvorhaben nicht wundern, wenn man die vorgeschriebenen "Energiewerte" auf anderen als den üblichen Kunststoffwegen zu erreichen sucht...

    In Sachen Humboldtstraße 12 muss ich der Form halber widersprechen: Hier handelt es sich keineswegs um eine Kriegslücke, sondern, wenn man so will, um eine Stadtumbaulücke der 2000er Jahre: Leider habe ich kein Foto im Bestand, aber der um das Jahr 2005 herum abgerissene Gründerzeitbau wäre durchaus zu retten gewesen, war aber seiner Zeit meines Wissens im LWB-Bestand und ein letztlich exekutierter Kandidat für die Marktbereinigungsstrategie dieser Zeit... aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar und ich ärgere mich jedes mal beim Passieren dieser Lücke - nun umso mehr, da nur wenige Jahre nach dem Abriss ein Neubau entsteht, der es qualitativ per se mit dem Vorgängerbau nicht wird aufnehmen können.

    Der Entwurf des Gebäudes, der in der Druckausgabe abgebildet ist, ist für meinen Geschmack einigermaßen hinnehmbar - nicht überzeugt war ich im allerersten Moment vom "begrünten Wall", der in der Planzeichnung eingetragen ist und Anlass zu der Vermutung gibt, der Baublock würde zur Dimitroffstraße hin möglicherweise dauerhaft nicht geschlossen. Andererseits könnte das Gesamtensemble mit dem künftigen Pflegeheim von so einer "rückwärtigen" und städtebaulich nur wenig ins Auge stechenden Auflockerung durch einen gut gestalteten Spielgarten auch profitieren.

    Auf dem brachliegenden Villengrundstück zwischen Amerikanischem Konsulat und Karl-Tauchnitz-Straße wurde scheinbar mit dem Aushub einer Baugrube begonnen. Die Arbeiten sind schon recht weit gediehen, obwohl vorhin nur ein Bagger zu sehen war. Weiß jemand mehr oder habe ich das Thema in einem Strang übersehen? (Mein Beitrag kann gern verschoben oder gelöscht werden.) Ich entsinne mich düster, dass dort Ende des letzten Jahrzehnts eine Art Ärztehaus geplant war.

    Ja, das ist plausibel; die Zahlen von Hamburg oder Berlin hatte ich auch im Kopf und war angesichts dieser Relationen eigentlich höchst verwundert - der Versuchung, sie als Realität zu betrachten, konnte ich aber dennoch für einen Moment nicht widerstehen...


    Ich werde mich am besten einmal an das Amt für Statistik und Wahlen wenden und um Aufklärung bitten - wenn es durch den Zensus wirklich einen "Zeitreihenbruch" gegeben haben sollte, dann gehört ein solcher in einer derartigen Publikation auch nach den gültigen Konventionen hervorgehoben.

    Eine Anmerkung zur Entwicklung des Wohnungsbestandes in Leipzig ist an dieser Stelle hoffentlich nicht verkehrt: Im jüngst veröffentlichten Statistischen Quartalsbericht der Stadt Leipzig (4/2014) findet sich auf Seite 68 ein lapidarer Eintrag zum "Wohnungsbestand insgesamt". Dieser sei von 318 485 im Jahr 2012 auf 330 703 im Jahr 2013 gestiegen - was einem monatlichen Zuwachs von knapp über 1000 Wohnungen entspricht. Ich gehe davon aus, dass sich dieser aus Zugängen in Neubauten und bislang nicht genutzten Wohnungen in Altbauten zusammensetzt. Dennoch erscheint mir diese Zahl als erstaunlich hoch - das Bevölkerungswachstum 2013 betrug nach Einwohnerregister 10 808 (S. 6 selber Bericht) und salopp gesagt wäre für jeden und jede eine neue Wohnung verfügbar geworden... Stadtplanerisch bzw. unter allerlei öffentlichen Gesichtspunkten ist eine solche Konvergenz dieser beiden eng miteinander verknüpften Prozesse natürlich ein Traum. Oder blendet diese Perspektive etwas aus?

    Die ich glaube drei großen Ladenfenster in der Ritterstraße sind erfreulich – hier handelt es sich nach meinem Dafürhalten um aufgearbeitete Originale: braun, aus Holz und mit schönen Fräsdetails; wohingegen auf der Nikolaistraßenseite und auch bei den Ladenfenstern in der Passage eine sehr schlichte Metallvariante in grau gewählt wurde, die zwar hinnehmbar ist, aber doch in einem zumindest fragwürdigen Material- und Farbkontrast zu den historischen Fenstern der Etagen darüber steht. (vgl. erstes Bild in #107)

    In diesem BILD-Artikel wird am Schluss behauptet, auf dem Eckgrundstück sei Anfang der 90er Jahre eine Ruine abgerissen worden - hätte da jemand einen Fotobeweis? Ich bin bislang immer davon ausgegangen, dass die Brache vollständig kriegsbedingt war - aber vielleicht ist ja auch irgendein DDR-Leichtbau gemeint, wie weiland am Eckgrundstück Hainstraße/Große Fleischergasse?

    Ich möchte noch auf ein schönes Detail hinweisen, das hier meines Erachtens noch nicht zur Sprache gekommen ist: die Fenster des Treppenhauses zur Humboldtstraße bestanden vor der Sanierung aus einer Art Milchglas, in die jeweils klein und mehrfach dupliziert das Doppel-M der Messe eingelassen war. Diese kleine Besonderheit hat man erfreulicherweie erhalten - ob als Kopie oder aufgearbeitetes Original, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht kann jemand bei Gelegenheit noch einen Bildbeleg beisteuern.

    Ich möchte die hier versammelte Öffentlichkeit künftig keineswegs mit ständigen Meldungen zum "Baufortschritt" belästigen - aber da ich täglich am Baufeld für die Unister-Zentrale vorbei muss, kann ich mir den Hinweis nun nicht länger verkneifen, dass das angefahrene schwere und anfangs durchaus emsige Baugerät seit einer guten Woche aus Sicht des laienhaften Betrachters regungslos herumsteht und auch keine Bauarbeiter zu besichtigen sind.


    Genauso habe ich mir das vorgestellt.


    Aber wahrscheinlich gibt es schwerwiegende bautechnische Gründe, z.B. könnte sich der Baugrund als völlig ungeeignet für ein Bauwerk dieser Größenordnung herausgestellt haben und aufwändige Neuplanungen erforderlich machen... Oder irre ich und jemand weiß mehr?

    Soviel ich weiß, gehörte das Gebäude dem Staat Bulgarien und ist irgendwann nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht worden. Nach 1990 klagte der oder die Nachfolger des ehemaligen Eigentümers erfolgreich gegen die „Zwangsenteignung“ und erhielten das Gebäude zurück. Leider kann ich nicht mehr sagen, wo ich das gelesen habe.


    Im Treppenhaus findet sich auf der noch erhaltenen Haustafel aus DDR-Zeiten ein Hinweis auf den Eigentümer „Volksrepublik Bulgarien“ – jedenfalls war das so, als ich vor etwa zwei Jahren einmal in das Treppenhaus gelangen konnte.

    Vielen Dank - ich wollte ebenfalls bereits Bilder zu diesem Gebäude in der Hinrichsenstraße einstellen, denn ich bin (als beinahe direkter Anwohner) doch mehr als erleichtert, dass der erste Farbversuch einer Fassade in "grau-schwarz" offenkundig als gescheitert erkannt wurde. (Leider weiß ich gerade nicht mehr, unter welcher Nummer in diesem Strang die Bilder des Vorzustandes zu finden sind. Das Staffelgeschoss auf dem Dach ist übrigens weiterhin in der alten Farbe gehalten.)


    Mit dem nun Erreichten ist man vom Zustand vollkommener architektonischer Niederträchtigkeit und böswilliger Ensemble-Zerstörungswut in die übliche Kategorie hinnehmbar-zeittypischer Belanglosigkeit gewechselt: und das ist in diesem Fall wohl als Fortschritt zu werten...


    Nun würde mich natürlich interessieren, was den (ja auch wohl nicht kostenfreien) Sinneswandel bewirkt hat - am besten gefällt mir die Vorstellung, der Eigentümer wäre von der Stadt zum Umstreichen gezwungen worden... ;) Ob dazu rechtliche Grundlagen bestehen (Baugenehmigung? Gestaltungssatzung?), weiß ich nicht.

    Ich bin gestern über die Pfaffendorfer Straße in den Innenhof hinter dem braunen DDR-Bürobau getreten, um den Fortschritt am im Bau befindlichen Teil des Ringmessehauses zu begutachten - dabei wurde ich von lautstarken Entkernungsarbeiten am besagten Bürobau empfangen: Arbeiter warfen allerlei Metallteile aus den Fenstern in große Container. Hier war schon ab und an vom geplanten Umbau dieses Gebäudes die Rede - weiß jemand Näheres, ob und wie genau dieser nun ausgeführt wird?

    ... was mich direkt zu der Frage führt, ob nicht die Fläche "hinter" dem Großen Blumenberg, auf der der Parkplatz betrieben wird, in städtischem Eigentum sein könnte, das besagte Stasi-Gebäude aber nicht? Dann hätte man es mit einer sicher nicht einfachen Mischlage zu tun - zumal doch, man möge mich korrigieren, derzeit keine klare Position seitens der Stadt besteht, einen Abriss des Stasi-Gebäudes anzustreben. (Die Frage nach den Instrumenten, die man für einen solchen verfügbar hätte, einmal zurückgestellt.) Hierzu wäre ich für Informationen dankbar - ich erinnere mich nur noch, dass weiland bei der Olympia-Bewerbung die Stadtplaner das Quartier als Standort für ein Hotel anpriesen, was damals aber natürlich zur tagespolitischen heißen Luft zählte.

    Des Rätsels Lösung dürfte die weit fortgeschrittene Baustelle Oelsners Hof sein: An den Eingängen der umliegenden Gebäude sind Aushänge angebracht, die eine Kran*de*montage ankündigen. Die Unister-Brachfläche wurde bereits mehrfach als Aufstellfläche für Gerätschaften dieser Baustelle genutzt - wahrscheinlich die auf absehbare Zeit sinnvollste Nutzung.

    Ich erlaube mir, die Diskussion mit einer mögicherweise etwas kuriosen Beobachtung aufzulockern: heute wollte ich die Station Markt inspzieren und befand mich noch auf der außen liegenden (bis auf mich völlig leeren) Rolltreppe am nördlichen Zugang Nähe Hainstraße, als knapp über mir zwei Tauben scharf in die Tiefe schossen und sehr routiniert auf der oberen Kante der Natursteinverkleidung in der Station, also ganz oben über den Gleisen Platz nahmen. Dort befindet der ganzen Länge nach ein offener "Kantenrand", der den wendigen Flugratten sicher sehr zusagen wird. Ein grau-schwarz gesprenkelter Naturstein wäre auf Lange Sicht also möglicherweise die bessere Farbwahl gewesen... ;)

    Auch wenn ich mich möglicherweise der Eröffnung einer Grundsatzdebatte schuldig mache: Die Antwort auf Deine Fragen bzw. Feststellungen, aedificator, hast Du Dir hier bereits mehrfach selbst gegeben – beispielsweise in Deinem Beitrag 1304 im Wohnbaustrang: Historische Kopien „liegen einfach im Trend der Zeit“. Insofern wäre auch Herr van der Rohe zufriedengestellt: Der Charakter unserer Zeit wird in historischen Kopien sichtbar (ob man das befürwortet oder nicht), die Architekten gestalten die Form der Bauten aus dem Wesen der Aufgabe heraus – diese Aufgabe könnte man für unseren mitteleuropäischen Kulturraum zum Beispiel im Schaffen architektonischer Vielfalt sehen (bei der Auswahl der selbst gestellten Aufgaben wird es ja wohl keine Vorschriften geben?). Und die Mittel unserer Zeit lassen eben auch Holzsprossenfenster und Stuckfassaden zu.


    Mich fasziniert in diesem Zusammenhang immer wieder, dass bestimmte architektonische Schulen ("Historismus") mit Verweis auf ihr Alter als „nicht zeitgemäß“ gelten, andere aber nicht. Ab wann läuft denn das Gültigkeitsdatum einer Gestaltungsrichtung ab? Ist das Bauhaus (immerhin bald 100 Jahre alt!) plötzlich anrüchig, wenn die Leute von Disney die erste Kopie der Unité d’Habitation neben eines ihrer Dornröschenschlösser stellen?




    Noch eine Frage zum Kosmoshausprojekt: Hat jemand Zugang zu dem vollständigen LVZ-Bericht und könnte möglicherweise mitteilen, ob KSW eine Begründung für die Neuplanung veröffentlicht hat?

    Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen - bedauerlich auch, dass die LVB zwar ihr sogenanntes "Mobilitätszentrum" derzeit innen renovieren, wohl aber am vielleicht wichtigsten Eingangstor zur Innenstadt weiter mit dem doch kaum als elegant zu bezeichnenden "Stahlgebilde" gelebt werden muss, das diesen an sich ganz sympathisch-schlichten Fahrkartenpavillon seit seiner Errichtung 2001 (?) bekrönt. Ich kann den Wunsch nach Auffälligkeit zwar nachvollziehen, aber weniger wäre in diesem Fall eindeutig mehr - vielleicht wird das irgendwann in den nächsten zehn Jahren korrigiert.