Ich möchte deine Posts als Gelegenheit nutzen, um dem Forum mal wieder ein wenig Diskussionspotential zu bieten. Ich folge deinen Äußerungen schon länger interessiert und obwohl ich deine offensichtliche politische Grundeinstellung zu Stadtentwicklungsthemen weitgehend teile, kann ich manche deiner Äußerungen nicht verstehen.
Dein letzter Post drängt mal wieder auf eine Verstärkung "hochwertigen" Wohnraums. Ich glaube, dass niemand es ablehnen würde, hochwertigen Wohnraum zu nutzen - nur leider ist dieser Wohnraum selbst für Gutverdienende zunehmend schwer erschwinglich. Es ist zwar tatsächlich so, dass der aktuell geschaffene - teure - Wohnraum derzeit noch (solvente) Käufer findet, aber die Frage ist doch, ob Düsseldorf einerseits nur noch "diese" Käufer braucht und ob wir uns in Düsseldorf nicht schon in Richtung einer Immobilienblase entwickeln.
Zum Thema einer möglichen Immobilienblase:
Das Quartier Central bietet hier excellente Möglichkeiten, die Entwicklung in den letzten Jahren zu beobachten, da weite Teile von ein und demselben Bauträger erstellt werden (die Kooperation mit HochTief bei späteren Projekten darf man da mal ignorieren). Die Preissteigerungen, die es in den Baugebieten gab, sind weder mit Inflation noch mit "hochwertiger" erstelltem Wohnraum zu erklären. Die qm-Preise sind von "ILE" über "le flair" bis zu "le flair blanc" von 2600€ auf 4000€ geklettert, bei (ich habe die Baubeschreibungen vorliegen) nur marginal "hochwertigerer" Ausstattung in den neueren Bauabschnitten. Besser kann man das noch an den Tiefgaragen-Plätzen erkennen - in ILE waren die anfangs noch für 12.900€ erhältlich, in le flair dann anfangs für 15.900€, später 18.900€, in le flair blanc nun für 19.900€. Glaube mir - die Tiefgaragenplätze sind dabei definitiv NICHT hochwertiger geworden und die allgemeine Inflation lag auch nicht bei 50%...
Diese abartigen Preissteigerungen müssen noch kein Indiz für eine Immobilienblase sein. Wenn man aber ein Anlageobjekt sucht und sich die Beispiel-Rechnungen für Vermietungen anschaut, die einem (egal von welchem Anbieter im Quartier Central) unterbreitet werden, dann sind diese (und ich habe Erfahrungen als Vermieter) zunehmend auf Kante genäht und ehrlich gesagt kaum seriöser als die Beispielrechnungen, die amerikanische und spanische Bauherren ihren Käufern offeriert hatten - und diese Immobilien hatten initial auch erst einmal Käufer gefunden...
Zugegeben hinkt der Vergleich ein wenig, weil die Immobilien dort nicht in bestehende Boom-Regionen, sondern in vermutete Boom-Regionen gesetzt wurden - aber es ist in Düsseldorf zunehmend klar erkennbar, dass man auslotet, was möglichen Erwerbern zuzumuten ist - und angesichts der aktuellen Euro-Krisendiskussionen muten sich da einige Erwerber vermutlich mehr zu, als gesund ist.
Das genannte Thema ärgert mich aber nicht wirklich - als Immobilienbesitzer sehe ich die Nachfrage und das Käuferverhalten mit einem lachenden Auge. Was mich mehr stört, sind jedoch Aussagen, dass "hochwertiger" Wohnraum nötig ist, damit man um Leute buhlen kann, die auch in London, Genf oder Barcelona leben könnten. Du suggerierst, dass "hochwertiger" Wohnraum das einzige ist, was eine Stadt attraktiv macht. Tatsächlich suchen solch unabhängige (und oft auch nicht wohlhabende) Menschen aber eine lebenswerte Stadt und dazu gehört wesentlich mehr als "hochwertiger" Wohnraum. Eine Stadt entwickelt kein Flair dadurch, dass man Neureiche in die Stadt holt (oder Stadtviertel so benennt), sie lebt von einem gesunden Mix von wohlhabenden (in der Regel älteren) Menschen und kreativen (in der Regel jüngeren) Menschen, die eine Stadt wegen ihrer Lebensqualität wählen. Als jemand, der in einer Firma in der Mitte zwischen Düsseldorf und K. arbeitet, kann ich sagen, dass jüngere Mitarbeiter, die eingestellt werden und dazu in die Gegend ziehen, leider eben nicht nach Düsseldorf kommen, sondern nach K. gehen, weil das eine Stadt mit nach wie vor attraktiven - und auch alternativen - kulturellen Angeboten ist.
In Düsseldorf zehrt man hinsichtlich alternativer Kultur aus der Vergangenheit oder führt gerne mal eine einzige aktive und erfolgreiche Band als Alibi dafür an, das Düsseldorf lebt. Aber wo sind noch wirklich quierlige Viertel in Düsseldorf, die auch noch dann Leben aufweisen, wenn die Besitzer der teuren Immobilien im Bett liegen müssen, um am nächsten Tag das Geld für die nächste Rate zu verdienen? In der Altstadt eher nicht, da treiben sich (die "guten" Straßen ausgenommen) nur Sauf-Touristen rum. Und hört mir bitte auf, nun Flingern zu nennen, das ist nur noch ein Schatten der 90er und mittlerweile ebenfalls von gierigen Immobilienmaklern und unpassenden Ralf-Schmitz-Bauten in Beschlag genommen.
Ich glaube, dass man mehr als hochwertigen Wohnraum braucht, um eine Stadt attraktiv zu machen. Man benötigt auch Wohnraum, der junge,kreative Leute wie z.B. Studenten oder auch Berufsanfänger anzieht, die u.a. Kneipen, Clubs und generell das kulturelle Leben pushen. Dieser Wohnraum braucht aber nicht unbedingt hochwertig sein, sondern an erster Stelle günstig, obwohl er zentral / in hippen Stadtteilen liegt - Studenten, die in in Eller, Garath oder noch weiter außerhalb wohnen, bringen keine Bereicherung für das Leben in die Stadt. Genau hier sehe ich aber das Problem - durch die (ich nenne sie immer noch so) Immobilienblase in Düsseldorf werden die Innenstadt(rand)bereiche unbezahlbar. Ich hätte es gerne gesehen, wenn in dem Umfeld des FH-Naubaus - z.B. südlich im Quartier Central, in der noch eine andere Hochschule entsteht - noch Studentenwohnheime entstehen würden oder Stadtteile wie Flingern bei Neuvermietungen keine 20%-Aufschläge auf die Mieten packen würden.
Letzteres lässt sich nicht verhindern, Ersteres liesse sich durch eine entsprechende Stadtentwicklung aber erreichen. Leider will das die Stadt gar nicht, weil sie (meiner Ansicht nach ziemlich kurz gedacht) nur auf Maximierung der Einnahmen aus Grundstücksverkäufen und -steuern aus ist. Ich befürchte, das diese Stadtentwicklung irgendwann dazu führt, dass die Einkaufspassagen irgendwann nicht mehr von "Durchschnittsmenschen", sondern nur noch von neureichen Russen und Saudis bevölkert ist und die Bevölkerung Düsseldorfs im Schnitt etwa so alt ist, wie der Typ auf deinem Forumbild...