Beiträge von bayer

    Ich verfolg die Debatte in Hamburg schon lange mit. Mir war immer befremdlich warum es dort solch eine resolute und offensive Opposition gegenüber einer Trambahn ("Stadtbahn" meinetwegen) gibt. Da werden Argumente vorgebracht die ich als jemand der mit Trambahnen aufgewachsen ist nicht verstehen kann. Und in München und Berlin hat sich auch nichts davon bewahrheitet, "obwohl" das U-Bahn Netz in München zB deutlich größer ist (der Großteil der hamburger "U-Bahn" ist ja gar keine U-Bahn) gibt es dort ein nennenswertes Tramnetz welches genau die Funktion erfüllt für die doch auch die "Stadtbahn" in Hamburg im Gespräch ist: kleinteiligere Erschließung des Stadtgebietes mit schienengebundenem ÖPNV.


    Das sind zwei verschiedene Verkehrsträger, warum wird debattiert als wären Tram und U-Bahn vergleichbare Alternativen zueinander? Das eine schließt das andere nicht aus bzw. kann das andere auch nicht ersetzen. Die U-Bahn nicht die Kleinteiligkeit der Tram (abgesehen davon dass man da "für's gleiche Geld" schlicht längere Strecken bauen kann), die Tram nicht die Leistungsfähigkeit (Passagierzahl + Geschwindigkeit) der U-Bahn.


    Zumal auch aus finanziellen Gründen die U-Bahn auf absehbare Zeit eh keine Option wäre - die Alternative heißt dann realistischerweise ohnehin "Tram oder gar kein schienengebundener ÖPNV". Ich hab' mir den Film angeschaut und nun ja, ich kenne Trambahnen so dass diese da wo es der Stadtraum zulässt (die Straßen also nicht ganz besonders eng sind) die Trambahnen vom MIV gänzlich unabhängige Trassen hat wo auch gar kein Auto drauf fahren darf, ausnahmslos nicht. Meist ist diese Trasse auch asphaltiert für Busse die die Trasse so mitbenutzen können und an jedem Autostau vorbeirauschen können - ebenso wie im Übrigen sämtliche Rettungsfahrzeuge! Daran sieht man schon dass sowas vielfachen Nutzen hat.


    Auch die Anekdote dass der gesamte Straßenverkehr lahm liegen würde wenn eine Tram einfährt kann ich nicht nachvollziehen. Wenn das "damals" vor Jahrzehnten in Hamburg wirklich so gewesen sein mag dann wird das schon seine Gründe gehabt haben. Ich kenne das schon immer so dass eben in der Mitte der Straßenzüge die Tram ihre eigene Trasse hat und an den Seiten die beiden Bahnsteige für die Fahrgäste sind. In der Regel so angelegt dass sich diese an Kreuzungen befinden wo ohnehin Fußgängerampeln vorhanden sind oder ohnehin Fußgängerüberwege notwendig sind, so dass die Fahrgäste bei jeder Ampelphase gefahrlos auf die Gehwege rüber kommen. Die Ampelschaltungen werden auch entsprechend abgestimmt. Mit dem Endresultat dass der Verkehr an solch einer Kreuzung auch nicht häufiger gestoppt wird als ohne die Tram.


    Alles keine "Theorie" sondern seit Jahrzehnten Alltag, zumindest in anderen Städten als Hamburg. Und mit dem Stadtbild bezüglich der Fahrdrähte? Bei allem Verständnis für hamburger Lokalpatriotismus aber da gibt es doch ganz andere Dinge die dort das "Stadtbild" beeinträchtigen, wie zB häufig wenig einladende Bebauung?! Und was ist mit dem Autoverkehr und den Straßenschneisen, sind die etwa ein Augenschmeichler?! Mit neuen Tramlinien, ich hab das selbst erlebt, kommt außerdem auch eine gewisse Verkehrsberuhigung da zum einen Durchgangsverkehr verdrängt wird aber viel mehr noch schlicht Leute ihr Auto stehen lassen und auf den ÖPNV umsteigen können. Das hebt die Qualität des betreffenden Stadtteils genauso an wie die Begleitmaßnahmen (barrierefreie Gestaltung der Fußgängerüberwege an Kreuzungen, neue Radwege, etc.) die im Rahmen dieser Bauarbeiten dann in der Regel gleich mit erledigt werden. Bei "Stadtbahnen" geht es auch um die großflächige Aufwertung einer Straße, nicht nur um das Einbringen eines weiteren Fahrzeuges.

    Ich versteh nicht dass Europäer gerne etwas abfällig und mit Unverständnis über Las Vegas reden, ich persönlich war dort noch nie ("Glücksspiel" interessiert mich nicht und sonst gibt es dort ja nichts was man gesehen haben muss was man nicht auch auf Photos sehen könnte, danke für eure zahlreichen Photos übrigens ^^). Aber es ist doch eigentlich ein riesiges Kompliment und eine Bezeugung von großer Bewunderung für europas Kultur wenn ein dortiges "Wunderland" eigentlich nichts anderes tut als europäische Stadtlandschaften, Architektur und Wahrzeichen zu "simulieren". Amerikaner tun sich zwar schwer das "zuzugeben", aber Europa wird dort immens bewundert und für ein Vorbild an Kultiviertheit gehalten. Mehr als uns manchmal zusteht, wenn ich mir anhör wie niveaulos in Europa teils über Amerikaner hergezogen wird..aber das ist ein anderes Thema.


    Hoffentlich geht der Boom in Las Vegas bald weiter, einen so großen Spielplatz der Architektur gibt es schließlich nur selten auf der Welt. Las Vegas, Dubai, Shanghai?! Das war es doch schon oder?


    :daumen:

    lotz86


    Dem stimme ich so auch zu. Nur ist für den Hub eben _auch_ die Wirtschaftskraft und das Einzugsgebiet entscheidend. Zürich liegt, wie die Schweiz als kleine Nation, nun einmal an der europäischen Peripherie weitab der _großen_ ("klein aber fein" fällt da nicht in's Gewicht) europäischen Wirtschaftsräume und der Transitströme/Tangenten sondern auch außerhalb der EU. Das mag mancher Geldanleger toll finden, für den Reiseverkehr ist das ein nicht unerhebliches Hindernis. Allein aufgrund dieser Rahmenbedingungen kann ich mir nicht vorstellen dass ein anderer Flughafen als MUC der zweitwichtigste Hub des Flugverkehrs in Mitteleuropa sein wird. Dazu ist im Übrigen auch der "Vorsprung", und damit die Größenvorteile, zu groß. Ein Flughafen der wie Zürich 12,5 Millionen Passagiere weniger hat liegt eben uneinholbar auf einer tieferen Ebene - überschätzt die Schweizer doch nicht so bloß weil die solch ein ausgezeichnetes Image in Deutschland haben. Ich wundere mich wirklich dass diese Debatte mit solch einer Ernsthaftigkeit/Sorge geführt wird.


    Auch hat es ja seinen Grund dass sich MUC bisher schon besser entwickelt hat, ebenso hat es seinen Grund dass der "National Carrier" der Schweiz zweimal in die Pleite ging und erst "funktioniert" seitdem er de facto zu einer Regionalmarke der Lufthansa wurde (auch wenn man von Seiten der Lufthansa/"der Deutschen" formal-organisatorisch noch mehr Freiraum lässt, um die Schweizer die auf ihren Nationstolz solch riesigen Wert legen nicht vor den Kopf zu stoßen und auch weil die Deutschen in der Schweiz ohnehin sehr unbeliebt sind). Das hat gezeigt dass die Schweiz schlicht zu klein ist und sich aufgrund der beschriebenen Rahmenbedingungen nicht für eine zentrale Rolle im globalen Flugverkehr eignet.


    Und nur so am Rande, Befürworter für einen stetigen ungebremsten Ausbau von MUC gibt es mindestens soviele wie Skeptiker, auch wenn ich gerade keine Internetadresse von solchen Befürwortern zur Hand habe ;)




    Davon abgesehen sehe ich persönlich, wenn, die Konkurrenz eher im Norden. Berlin/Brandenburg baut sich gerade einen hübschen neuen Flughafen und dort ist man, wie Beispiele wie die "Cargolifter"-Halle oder die Chipfabrik Frankfurt/Oder zeigen, relativ verzweifelt und hilft gerne ohne größere Gegenwehr mit massiven steuerlichen Subventionen nach um dort die Infrastruktur und Wirtschaft zu stärken. Man erhofft sich dort mit dem neuen Flughafen ja auch ähnliche Effekte wie von der "Jobmaschine MUC". Dort dürften also größere Förderungen winken als diese MUC oder auch Zürich bieten können (indirekte Subventionen indem die Flughafenanlagen großzügig öffentlich gefördert werden und dadurch die Flughafengebühren niedrig gehalten werden können etc.).


    Zumal sehe ich dort auch einen geographischen Vorteil den es im recht kleinen Europa selten gibt, Berlin ist noch nicht zu weit an der Peripherie aber schon sehr nordöstlich, einige hundert Kilometer weiter als MUC und Zürich. Da die Erde ja eine Kugel und keine zweidimensionale Scheibe ist wäre dadurch die Flugstrecke nach Asien - dem Megamarkt der Zukunft - deutlich kürzer. Das spielt bei den heutigen Kerosinpreisen und dem Konkurrenzdruck für Fluglinien durchaus eine Rolle, das sieht man daran wie auch große Fluggesellschaften so verzweifelt versuchen Gewicht (und damit Kerosin) einzusparen dass sogar schon teure Entertainment-Systeme ausgebaut wurden nur um deren Gewicht einzusparen. Spätestens wenn die Weltwirtschaft wieder rund läuft erklimmen die Ölpreise wieder alte Hochs, das wissen die Fluggesellschaften ganz genau. Und auch das Marketing spielt eine Rolle, machen wir uns nichts vor, es "klingt" für die so wichtigen Geschäftsreisenden und Langstreckenpassagiere aus aller Welt einfach besser wenn diese in Berlin umsteigen, als in München oder Zürich-Kloten.


    Letztlich glaube ich aber dass MUC seine "Kronprinzenstellung" behalten wird und diese neue Konkurrenz wie BBI, das diskutierte Zürich, etc., vor allem dazu führen wird die Verhandlungsposition der Fluggesellschaften gegenüber MUC zu stärken und der Flughafen dadurch Mindereinnahmen in Kauf nehmen werden muss. Das ist wohl der ganz praktische Grund für lancierte "Überlegungen" hier und dort ja auch einen Hub etablieren zu können. Der Druck wird so erhöht.

    Wenn ich mir anschau was sog. "moderne" Architektur in München sonst nur in der Lage ist zu bauen ist mir jede historisierende Architektur lieber. Aber das ist doch doch keine münchner/bayrische historisierende Architektur - in Berlin wär' das besser aufgehoben oder täusch' ich mich da? Hiesige Architektur war im 19. Jahrhundert "kleinteiliger" - auch bezogen auf die Fassaden - und verspielter als jene im Norden.

    ...wenn ein Denkmal aber doch einen Eindruck von früheren Tagen geben soll kann man nicht zu einem willkürlichen Zeitpunkt den Verfall "anhalten" und dann diesen beliebig gewählten Zustand dauerhaft konservieren. Das stört mich auch an der sog. "kritischen Rekonstruktion" so - voller Widersprüche.

    Das gerade in Berlin so verbreitete Idealisieren von "Patina" etc. hat auf eine subtilere Weise sehr viel damit zu tun. Sehnsucht nach früheren Tagen, Flucht aus der immer unüberischtlicheren Gegenwart in die Vergangenheit (ein breites gesellschaftliches Phänomen, ich sage nur "Retro" allerorten). Und was für frühere Epochen halt die Antike war ist für heutige Zeitgenossen eben die Nachkriegsmoderne mit Wirtschaftswunder und grenzenlosem Fortschrittsglaube. Das platte optische Erscheinungsbild mag sich unterscheiden, die subtilen psychologischen Mechanismen nicht. Es geht um Konservierung und "Festhalten" an Vergangenem, gar eine Flucht in die Vergangenheit. Vielleicht verständlich in einer Stadt die seit 1990 solch einen tiefen Wandel vollzogen hat.


    Ironischerweise hat sich diese jüngere Vergangenheit mental ja gerade dadurch definiert alles anders machen zu wollen und "alte Zöpfe" abzuschneiden. Was vor 20 Jahren noch neu und avandgardistisch war ist halt im Jahre 2010 ein alter Zopf, ich kann es nicht ändern. Und die sog. "Investorenarchitektur" ist halt nun einmal etwas neues und wird in weiteren 20 Jahren vielleicht mit gleicher Vehemenz verteidigt. So ist das eben mit dem ständigen Konflikt aus "Alt" und "Neu" bzw. der verschiedenen Generationen.

    Für mich persönlich - ich gebe hier auch nur meine Meinung wieder - ist das eher dekadente Extravaganz. In weniger wohlhabenden Ländern wird es nur ungläubiges Kopfschütteln, auch unter Künstlern, auslösen wenn die hören dass man hier sanierungsbedürftigen optischen Zustand unter immensem Zusatzaufwand konserviert. Bestenfalls "schrullig". Auch das Extravagante lebt wie jedes Kunstwerk im Übrigen von seiner Einmaligkeit, es hat für mich also keinen Vorbildcharakter.

    Das brauchst jetzt nicht in die Folklore-Ecke ziehen um mich abzukanzeln. Bayrische Identität hat nichts mit Folklore zu tun. Wenn ich auf eine Veranstaltung vom Gerhard Polt geh' wo dann fast keiner mehr die Anspielungen versteht dann find' ich das deutlich bitterer als Clubschließungen - die kulturelle Identität ganz Bayerns löst sich immer rascher auf. Alles wird teutonisiert, Dinge über die ich mal einen Artikel in der Süddeutschen.. ach, darum wohl nicht. Dass jene Zugereisten ihre eigene Präsenz gar hinterfragen erwarte ich indes gar nicht, deren in der Regel äußerst "selbstbewusstes" Auftreten gibt zu dieser Hoffnung keinen Anlass. Dass die Einheimischen das aber alles so hinnehmen macht mich narrisch. Wenn ich dann so einen Artikel les'...

    Urban und lebendig? Der Tross aus Zugereisten und Studenten aus dem Norden die einen mit Tach anbellen - wenn überhaupt - zieht halt weiter. Die Anwohner werden eher froh sein, auch und gerade die Münchner.
    Diese "Szene" wurde schon immer größtenteils bis komplett von jenen Neu-Münchnern gestellt. Brauchst doch nicht glauben dass Pasinger oder Schwabinger umeinander ziehen bloß weil irgendwo ein Club öffnet/schließt.

    Mir persönlich erscheint das etwas "importiert", weil man darüber ja in Berlin so philosophiert "muss" man das jetzt auch hier machen. München war noch nie durch "Subkultur" oder den in Berlin zum "Szenigen" hochgeredeten Siff geprägt. Da fallen irgendwo die Voraussetzungen zum "Gentrifizieren" weg. Geschäftstüchtig war man auch schon immer und hat selten Profit verschmäht auch wenn man dafür etwas "aufgeben" musste. Und wenn "Currywurstbuden" altmünchnerisch sein sollen dann versteh ich die Welt nicht mehr.


    Und wenn ich dann im Artikel Schlagwörter wie "Umland-Prolls" und "Pickelgesichter" lese kann ich den Autor nicht ernst nehmen. Da langst dir schon an den Kopf wenn (nieder)bayrischer Dialekt in München - Bayerns Hauptstadt - jetzt schon geschmäht wird.

    Das hielte ich ausnahmsweise dann aber wirklich für eine künstliche "heile" Welt. Für eine bestimmte Klientel "heil", ein konservatorisch erhaltenes Biotop aus einer anderen Zeit - etwas was spontan entstanden ist kann man nicht geplant erhalten ohne den spontanen Charakter zu zerstören - so oder so würde es damit zur Kulisse.

    Dir ist schon klar dass Sanierungen nicht bloß kosmetische Gründe haben? Irgendwann wird es schlicht lebensgefährlich sich in baufälligen Gebäuden aufzuhalten und will man ein Gebäude langfristig erhalten muss es auch baulich gepflegt werden.

    "begehrtes Ziel"?

    Nun es gibt sicherlich einen großen "Schweiz-Hype" der total übertrieben ist, das sagt aber nichts über die fassbaren Qualitäten und somit nichts über den langfristigen Erfolg. "Moden" gibt es immer wieder, die Deutschen verlieben sich jedes Jahrzehnt in ein anderes Land (in früheren Jahrzehnten waren es zuerst die USA, dann Frankreich, dann Schweden, dann kamen die Niederlande und als neuestes "die Schweiz" - auch gern als "Finalargument" in Debatten a lá "...wie in der Schweiz...").

    Zürich hatte laut Wikipedia 2008 um die 22 Millionen Passagiere, München hatte 2008 rund 34,5 Millionen Passagiere. Das sind 12,5 Millionen mehr und eine andere Liga - der komplette Flughafen Hamburg fertigte 2008 übrigens auch nicht mehr Passagiere ab. Und der ist kein Hub. Wenn die Wirtschaftsstruktur die gleiche wäre und Zürich gar die selbe Rolle als "Hub" hätte warum ist Zürich dann soviel "kleiner"?


    Und du glaubst anderswo applaudieren die Anwohner beim Thema Fluglärm und dergleichen? Die Luftfahrtbranche hat sich seit Jahrzehnten resistent gegenüber diesen "Signalen" gezeigt. Auch bei weitaus heftigeren Signalen, siehe "Startbahn West" in Frankfurt. Da sind auch viele leere "Drohungen" dabei um Druck zu machen.