Beiträge von Lipsius

    Ostvorstadt Teil I

    Weiter geht es mit der Ostvorstadt, die weitgehend identisch ist mit dem sogenannten Graphischen Viertel - verbunden mit großen Namen wie F. A. Brockhaus, Breitkopf & Härtel, Reclam, Koehler, E. A. Seemann, Insel, Kiepenheuer, Thieme und dem Bibliographischen Institut; hier waren in den Hochzeiten um 1900 über 800 Verlage und Buchhandlungen, 200 Buchbindereien und fast ebensoviele Druckereien, mehr als 100 Musikalienhandlungen und über 40 Antiquariate beheimatet. Zeitweilig erschienen in Leipzig mehr als 90 % der Erstauflagen in Deutschland. Der erste schwere Schlag folgte mit der Bombardierung im zweiten Weltkrieg, der zweite mit der Abwanderung der meisten großen Verlage in den Westen nach 1945. Nach der Wende gingen die Lichter dann fast ganz aus, die verbliebene und neu entstandene Verlagslandschaft, die sich auch auf unstrittige strategische Vorteile wie Buchmesse, Literaturinstitut und HGB stützen kann, liegt heute gerade mal an 14. Stelle in Deutschland, was die Anzahl der Erstveröffentlichungen angeht. Der ehemalige Reichtum, der durch Buchproduktion und -handel erworben wurde, ist vielerorts noch an prächtigen Verlagshäusern und Villen ablesbar. Weiter mit Bildern.


    Wenn man vom Augustusplatz kommt, fällt einem bald der rote Putz von "Pragers Biertunnel", einem Wohnhaus von 1859 mit traditioneller Gastwirtschaft im Erdgeschoss auf, jetzt wird eine Nutzung als Hotel angestrebt, die Gastronomie kommt aber auch wieder.


    Bilder: Leipziger/ich


    Wohnhaus aus dem Jahr 1873 in der Langen Straße 9.


    Bilder: Leipziger/Gärtner


    Unweit davon, Lange Straße 12.


    Bilder: Leipziger


    Eckgebäude auf markantem spitzwinkligem Grundstück in der Schützenstraße.


    Bilder: LEgende/Riesz


    Dresdner Straße 17, spätklassizistisch.


    Bilder: Leipziger/RMA

    Gut gemachte Visualisierung (warum sehen die Menschen eigentlich aus wie der T1000 aus flüssigem Metall??) eines ziemlich konventionellen Entwurfs. In der Realität wird man vor allem die Perspektive auf der dritten Simulation sehen, die "Breitseite" wie im ersten Bild wird ja schon bald durch die Höfe verstellt.

    Die Prager Straße 27, für mich das schönste Gebäude am Platz, vormals Filiale des Buchverlags Velhagen & Klasing (Auflage der Familienzeitschrift "Daheim"), danach Sitz des Messinstrumentebauers VEB Excelsiorwerk, wurde von ebenderselben Firma (jetzt Rudolf Kiesewetter Messtechnik GmbH) als Bauherr saniert, Architekt war Schellko Bau aus Taucha. Die gesamte Dachlandschaft und der markante Turm wurden rekonstruiert. Zu Wendezeiten war das Gebäude auch für Leipziger Verhältnisse extrem runtergekommen. Details hier.

    Ich weiß, inhaltsarme Begeisterungsrufe sind hier nicht gern gesehen, aber das ist wirklich ein Projekt, bei dem ich nicht anders kann. Wenn ich daran denke, wie oft im am HdP vorbeigelaufen bin, ohne es überhaupt zu registrieren, wenn ich geahnt hätte, welches Schloss sich dahinter verbirgt... Für mich grenzt das an ein kleines Wunder, das es möglich sein wird, diese Pracht nachzuvollziehen und wiederauferstehen zu lassen.

    Du kannst mir gern glauben, dj, das ist sogar mein voller Ernst. Wo willst Du eigentlich gelesen haben, dass ich auf Außentoiletten bestehe. Selbstverständlich steht die Gewährleistung eines zeitgemäßen Wohnkomforts nicht im geringsten Widerspruch zu meiner Aussage, dass eine der ursprünglichen Funktion entsprechende oder nahekommende Nutzung anzustreben sein sollte. Altes Wohngebäude - neues Wohngebäude, auch mit Strom, fließend Wasser, Wannenbad, Balkon, meinetwegen Sauna und Tiefgarage im Hof. Zweitens habe ich ja gerade eingestanden, dass zum Beispiel für die zahllosen Industriekomplexe aufgrund gänzlich veränderter Ansprüche und nicht zuletzt auch aufgrund einer schlagartigen massiven Deindustrialisierung um 1990 neue Nutzungskonzepte gefunden werden müssen, da wird nur ein Einzelfällen auch nur eine gewerbliche Weiternutzung in Frage kommen. Das hat ja nun weder was mit Schulen noch mit Messepalästen zu tun. Um noch mal auf letztere zu sprechen zu kommen: Hauptcharakteristika der Messehäuser um 1900 waren Repräsentativität und Ausstellungsflächen. Dieselben Ansprüche stellt man an ein Museum. In einer Stadt mit mehreren dutzend leerstehenden Gebäuden dieser Typologie zwei architektonisch und städtebaulich äußerst umstrittene Museen neuzubauen, ist schon etwas ignorant. Das war zumindest der Stand vor 15 Jahren, heute ist diese Messe ohnehin gesungen (welch Kalauer). Dass die Umnutzung der meisten Messepaläste gelungen ist, liegt eher an den günstigen stadträumlichen Vorraussetzungen, der konzentrierten Lage in einer sehr kompakten Innenstadt. Der Preis dafür war ein massiver Verlust an Originalsubstanz. Das für mich verheerendste Beispiel ist der Petershof. Natürlich wäre eine Verwendung als Museum nur für einzelne Objekte in Frage gekommen, ganz zu schweigen davon, dass die Messehäuser in Privatbesitz waren und sind. Der Sachsenplatz mit seinen dutzenden Parzellen musste allerdings auch mühsam und sicher nicht gerade billig zusammengekauft werden. Was jetzt die Schule angeht: dass einen Steinwurf entfernt eine Schule neugebaut wird, ist für mich gerade der Beweis dafür, dass die Schulnetzplanung eben nicht ausreichend auf den Bestand eingeht. Die Universität hatte offenbar keinen Bedarf mehr, sonst hätte sie ja nicht an LICON veräußert.

    Gohlis-Mitte

    Jenseits des S-Bahn-Viadukts liegt Gohlis-Mitte, das um die Jahrhundertwende als planmäßige Stadterweiterung mit großzügiger bürgerlicher Prägung entstand. Hier dominiert Jugendstil, der Baubestand ist sehr geschlossen und abseits der lauten Hauptstraßen fast durchgängig saniert.


    Coppistraße Ecke Etkar-Andre-Straße.


    Bilder: Leipziger


    Coppistraße 54, leider kein richtiges Vorher-Bild.


    Bilder: ich


    Stauffenbergstraße 9.


    Bilder: ich


    Breitenfelder Straße 79.


    Bilder: ich


    Breitenfelder Straße Ecke Jägerstraße. Dass das Haus ursprünglich über noch mehr Details verfügte, kann man hier sehen.


    Bilder: Lipsikon/ich


    Die gänzlich wiederbestuckte Reginenstraße 14.


    Bilder: Cowboy/ich

    Gohlis-Süd

    Das Dorf Gohlis war dafür bekannt, dass es als Sommersitz - und Ausflugsziel für die Leipziger überaus beliebt war, seinerzeit (1785) übersommerte bekanntlich auch Schiller in einem Bauernhäuschen und schrieb hier u.a. die Ode an die Freude. Ein anderer Sommergast, Ratsherr und Ratsbaumeister Johann Caspar Richter, ließ sich 1755 das Gohliser Schlösschen erbauen. Die außerordentliche Beliebtheit des Wohnviertels drücken die Leipziger so aus: "Wem's zu wohl is' der zieht nach Gohlis". In der ersten großen Eingemeidungswelle kam die Ortschaft 1890 zu Leipzig.


    Gohliser Straße Ecke Springerstraße.


    Bilder: Leipziger/ich


    Gohliser Straße Ecke Karl-Rothe-Straße, hier nur subtile Veränderungen (Nachsanierung).


    Bilder: Cowboy/ich


    Eisenacher Straße 21.


    Bilder: DaseBLN/ich


    Menckestraße.


    Bilder: Leipziger


    Möckernsche Straße 23.


    Bilder: Leipziger


    Georg-Schumann-Straße Ecke Mottelerstraße.


    Bilder: Leipziger


    Sassstraße 22.


    Bilder: Dr. Zott/ich

    Donnerwetter, Dase, das war ja ein schon fast epischer Bericht!


    Die ständige Umnutzerei finde ich auch problematisch, weil die Gebäude ja für einen bestimmten Zweck errichtet wurden, und einen anderen nur mit großen substantiellen Einbußen erfüllen können. Das ist jetzt ein ganz anderes Thema, aber ich verstehe zum Beispiel nicht, warum man bei der Vielzahl ungenutzter Messepaläste in der Innenstadt in den 90er Jahren nicht auf die Idee gekommen ist, einen dieser ohnehin als Ausstellungsbauten konzipierten Gebäude (z.B. das riesige Ringmessehaus) für das Bildermuseum umzunutzen. Stattdessen werden dort jetzt fernab der eigentlichen Funktion Hotels, Wohnungen und Pflegeheime untergebracht. Auch wenn noch einige Schulen in innerstädtischen Bezirken leer stehen, beispielsweise in der Engertstraße ("Zeughaus") oder an der Georg-Schumann-Straße, sollte man die sich stark ändernde Demographie im Auge behalten. Die Geburtenjahrgänge sind jetzt im Mittel 60 bis 70% stärker besetzt als noch vor zehn Jahren, die wollen natürlich auch alle mal in die Schule gehen. Die Zurkenntnisnahme des Bedarfs hinkt diesem offenbar hinterher, so ist die Dekompensation der Lessinggrundschule eigentlich schon länger absehbar gewesen, dasselbe Problem könnte sich dann in ein paar Jahren für die Gymnasialstufe abzeichnen. Wenn eine Schule aufgrund langfristiger demographischer Veränderungen nicht mehr zu halten ist, sollte wenigstens eine Weiternutzung als Behörde oder ähnlich geartetes öffentliches Gebäude möglich sein. Anders verhält es sich mit den Industriebauten, da kommt man um eine Umnutzung in der Regel nicht herum. Dessen ungeachtet hat die LICON eine gewohnt solide Qualität, was die äußere Gebäudehülle angeht, an den Tag gelegt. Die sollten aber ihre Marketingabteilung ins Gebet nehmen. Was eine Palaestra in Wirklichkeit ist, hatte ich ja schon mal erläutert.


    @dj: es gibt doch keinen Grund, warum die Sporthalle direkt an der Schule liegen muss, das war bei mir damals auch nicht der Fall. Wird man schlimmstenfalls eben auch mal nass auf dem Weg zur Turnstunde.


    Die Gebäude in der Springerstraße sind von außergewöhnlicher Eigenständigkeit, mir gefällt vor allem die Villa Tabea mit ihren verschämten Anklängen an die deutsche Renaissance, den schlichten, fast islamisch wirkenden Lanzettbögen und dem eigenwilligen Ornament. An der Barmeniazentrale sieht man, wie vielseitig Hänsel war.


    leipziger: kann gut sein, dass du Recht hast, ich habe mich an einem alten Foto orientiert (wenn mein Scanner funktionieren würde, hätte ich es euch auch nicht vorenthalten), mag mich aber getäuscht haben.

    Na, ich seh schon, ihr seid mal wieder ganz einer Meinung. Nicht dass ich eure Freude über die Rettung dieses markanten und für Leipziger Verhältnisse uralten Veteranen nicht teilen würde, ganz im Gegenteil. Und doch verändert der Verlust der Gauben die Anmutung des Gebäudes stark, die Konzentration der Baumassen zu den Flanken wird betont, was nicht schlechter ist, aber anders und eben nicht der Intention des Architekten entsprach. Warum sollten Gauben keine Nutzung des Dachgeschosses zulassen, da ist auch Wohnraum vorgesehen, und normalerweise sind Gauben ja mit Raumgewinn verbunden. Ich will nicht weiter lamentieren, das ist in der Tat eine Freude zu sehen, dass auch an den großen Straßen vor Luxussanierungen nicht mehr Halt gemacht wird. Der Eingang war früher in dem altan-artigen Vorsprung rechts. Der Nebeneingang im Risalit links führte zu Geschäftsräumen, in den 30ern zum Fotoatelier Lindner, davon hatte ich schon mal berichtet.

    Ziemliche Enttäuschung in der Friedrich-Ebert-Straße, die Nr. 21, der vermutlich älteste überlebende Bau in der Straße und auch sonst weit und breit (BJ 1853), wurde bekanntlich nach vorheriger Sicherung mittels städtischem Programm durch die KSW saniert. Der Vergleich mit dem Vorzustand zeigt, dass die mit Satteldach gedeckten Gauben - die die Deckung der Risaliten wieder aufnehmen - weggelassen wurden, was hier mehr als nur ein marginales kosmetisches Problem ist. (Es dürfte sich wahrscheinlich um sog. Lukarnen handeln, die auf der Außenmauer ruhen und nicht Teil der Dachkonstruktion sind, Leipziger wird das sicherlich genau einschätzen können.) Das Antlitz wurde meines Erachtens dadurch stark verändert. Die Wiederherstellung der Gesimse und des übrigen Fassadenschmuckes ist auf ortsüblichem Niveau.


    Wiederbestuckung in der Reginenstraße 14, alles andere wäre auch Frevel gewesen, angesichts der hervorragenden Sanierungen ringsum. Im Vergleich zu den zuletzt gezeigten Projekten der GRK wirkt der Stuck handwerklich etwas grobschlächtiger, das Attikageschoss ist insgesamt recht mau.


    Bild 2 von Leipziger, Bild 4 von Cowboy, die anderen von mir.

    Danke für die Ergänzung, Cowboy. Genau so ist es, die grundsätzliche Bereitschaft zur Sicherung städtebaulich unverzichtbarer Gebäude, für die damals keine akuten Sanierungsvorhaben in Sicht waren, durch Einsatz öffentlicher Mittel, wurde ganz wesentlich durch die Leipziger Bürgerschaft erstritten, artikuliert durch das genannte Stadtforum, einen Zusammenschluss von Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen. Von den auf der vorigen und dieser Seite gezeigten sind die Gebäude Waldstraße 56, Jahnallee 2 (34), Leibnizstraße 11, Gustav-Adolf-Straße 19a, Jacobstraße 2 und Jahnallee 65-71 über dieses Programm gelaufen. Die Pfaffendorfer Straße 1 war übrigens nicht darunter. Die Listen sind hier, hier und hier einsehbar, leider nicht gerade topaktuell.

    Nordvorstadt

    Die im Krieg stark mitgenommene nördliche Vorstadt wurde zu DDR-Zeiten leider teilweise flächig abgetragen, so ist zum Beispiel vom "Gerberviertel" nichts außer dem gleichlautenden Namen der Straße geblieben. Lediglich am Rand des Waldstraßenviertels ist entlang der Pfaffendorfer Straße ein Stück Gründerzeitstadt erhalten geblieben; um den Nordplatz schließlich, an der Grenze zu Gohlis, sind zahlreiche Bürgervillen und imposante Mietshäuser zu bestaunen, die aber schon lange saniert sind. Landmarke im Viertel ist der allseits bekannte Leipziger Zoo.


    Pfaffendorfer Straße 1, Bauzeit um 1870, das Gebäude war zu Vorwendezeiten für sein Fischrestaurant "Gastmahl des Meeres" bekannt. Links im Bild ist die ehemalige II. höhere Bürgerschule von 1838, die seit 1923 das Naturkundemuseum beheimatet, angeschnitten.


    Bilder: Stiffler/DaseBLN


    Villa "am Zoo" Pfaffendorfer Straße Ecke Emil-Fuchs-Straße. Im ersten Bild im Hintergrund die Kongresshalle am Zoo.


    Bilder: Leipziger/Cowboy


    Pfaffendorfer Straße 48, mit detailierter Wiederbestuckung.


    Bilder: Stiffler/Cowboy

    In Wahrheit zeigen beide Visualisierungen eine Rekonstruktion, anders funktioniert es auch gar nicht. Sehr euch mal den Bereich des vierten Geschosses an, realiter ist da von der alten Fassade nichts erhalten, die Visualisierungen zeigen beide eine strukturierte Fassade. Natürlich muss rekonstruiert werden, alles andere ergibt überhaupt keinen Sinn. Das Ergebnis könnte ich mir so vorstellen, wie beim Gebäuderest des Hotel Esplanade in Berlin, der recht eindrucksvoll ins Sony Center integriert wurde.

    Lindenau

    Das "Dorf" Lindenau wurde 1891, damals schon völlig gründerzeitlich überformt, industrialisiert und über 25.000 Einwohner stark, nach Leipzig eingemeindet. Heute administrativ in die Ortsteile Lindenau, Altlindenau und Neulindenau eingeteilt, gilt es einerseits als Problemstadtteil mit hoher Rate an Arbeitslosen und Transferleistungsempfängern, andererseits wird das städtebauliche Potential durch den sehr geschlossenen gründerzeitlichen Bestand positiv beurteilt. Neue Impulse werden in naher Zukunft mit Sicherheit durch die Anbindung des Lindenauer Hafens entstehen. Bemerkenswert ist schon jetzt die für einen ehemaligen Arbeiterbezirk hohe Dichte an kulturellen Stätten (Theater der Jungen Welt, Musikalische Komödie, Schaubühne Lindenfels, Felsenkeller etc.)


    Auf der Nordseite der Karl-Heine-Straße, von der hier schon die Rede war, steht dieses Eckhaus, bei dem die in den 30ern in gelungener Weise veränderte Fassadenstilistik beibehalten wurde (Ecke Hähnelstraße).


    Bilder: Leipziger/Cowboy


    Karl-Heine-Straße 76 touchiert den gleichnamigen Kanal.


    Bilder: Cowboy/Leipziger


    Lützner Straße/Jordanstraße, in Eigenregie durch den Eigentümer saniert.


    Bilder: Leipziger/DaseBLN


    Gebäudezug an der Jahnallee (Nr. 65-71).


    Bilder: Leipziger/DaseBLN


    Villa Berg gleich nebenan.


    Bilder: Cowboy/Leipziger


    Unspektakulärer Arbeiter-Wohnbau um 1900, Enderstraße/Henriettenstraße.


    Bilder: Leipziger


    Das letzte Bild gehört eigentlich gar nicht in diese Galerie, da definitiv Vorgründerzeit, hier wurde ein bestimmt 180 Jahre altes Biedermeierwohnhaus aus dem alten Ortskern gerettet (Birkenstraße).


    Bilder: Cowboy

    Ich denke, BILD ist, wie das auch kaum anders zu erwarten war, in unredlicher Weise vorgesprintet und weckt jetzt völlig falsche Erwartungen. Natürlich geht es um den ohnehin zur Bewahrung vorgesehenen, relativ gut erhaltenen Fassadenabschnitt am Tröndlinring, der übrigens auch nicht im Innenhof, wie BILD schreibt, angebracht werden, sondern an Ort und Stelle verbleiben sollte. Die hingeschluderte Visualisierung ist also Kokolores. Nebenbei bemerkt, mfi war sowieso für den Erhalt der alten Fassade und hätte die auch von Vornherein rekonstruiert. Die Frage wird sein, wie sich die Stadt bei dem Ansinnen einer solchen Veränderung der Außenwirkung, die ja vorsichtig ausgedrückt auch den Denkmalcharakter der Müllerfassade betrifft, verhält. Erstaunlich trotzdem, dass der recht dilettantisch aufgezogene Protest nun doch zu Reaktionen zu führen scheint. Ich freue mich, dass zumindest noch mal über eine komplexere Lösung mit nach außen hin sichtbaren "Spolien" der Hänsel-Fassade (viel mehr ist ja kaum übrig) nachgedacht wird. Einige Forumsmitglieder, auch meine Wenigkeit, hatten ja Ähnliches vorgeschlagen. Ansonsten halte ich auch die Behauptung von BILD, die Stadt würde sich an einer Einlagerung der Fassadenelemente nicht interessiert zeigen, für Polemik.