Beiträge von norbert1111

    Aus der Sicht eines Betroffenen

    Ich verfolge die Beiträge in diesem Forum seit längerer Zeit sehr interessiert, da hier viele und gute Beiträge zu aktuellen baulichen Entwicklungen in dieser Stadt veröffentlicht werden. Wie üblich, beim ersten Beitrag, kurz zu meiner Person: Ich bin unweit der abgerissenen Kirche groß geworden, ebenso wie meine Eltern und meine Großeltern. Ich wurde dort getauft, habe dort geheiratet, war dort mit meiner Tochter, ebenso wie meine Eltern. Ich besuchte das geschlossene Gymnasium, studierte mit Schwerpunkt Stadt- und Bevölkerungsgeographie und wohne immer noch in der Gegend.
    Die Diskussion um den Abriß der Kirche, den Abriß des benachbarten Gymnasiums, die Entweihung und Fremdnutzung der Buggenhagen Kirche, die geplante Überbauung des ehemaligen Kirchen- und Schulgeländes sowie mehrere andere Wohnungsbauprojekte in der Nähe (Stadtpark, ex AK Barmbek/Eilbeck, Flachsland etc.) sind meines Erachtens ein Zeichen schlechter Planung und kurzfristigen Denkens. Die Kirchengemeinde verkauft das Grundstück um 1000m entfernt einen Neubau zu finanzieren (für dieses Gebiet gab und gibt es ein bezirkliches Quartiersmanagement!), der Investor plant und baut gegen die Meinung der Anwohner. Es sollten nach Aussage der Kirche familiengerechte Wohnungen gebaut werden, bei den Preisen der Eigentumswohnungen eine Lachnummer für die in der Gegend wohnenden Familien, ebenso wie am Stadtpark. Neubau von Wohnungen bedingt Zuzug von Kindern, schöne Sache für das Quartier, gleichzeitig wird die Infrastruktur im Quartier kaputt gemacht. Die Identifikation mit dem Areal wird für ältere BewohnerInnen zerstört, viele haben die Bombennächte in der Kirche und im Gemeindehaus überlebt. Das Gymnasium wurde trotz höchster Anmeldezahlen aller benachbarten Gymnasien geschlossen, angeblich zu hoher Investitionsbedarf, die Klage dagegen trotz Gegengutachten abgewiesen. Schulen "reicherer" Stadtteile überleben mit weitaus geringerer Schülerzahl.
    Die Möglichkeit des Schulverbundes mit der benachbarten Grundschule im Hinblick auf anstehende Veränderungen des Hamburger Schulsystems wurden verworfen.
    Neben der Identifikation mit Quartieren ermöglichen Schulen und Kirchen aber auch eine Steigerung des Freizeitwertes einer Region. Die Freiflächen wurden von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen regelmäßig und gut genutzt, jetzt sollen mehr Menschen angesiedelt werden bei gleichzeitiger Streichung der Freiflächen. Die Bebauungspläne des Kirchengeländes sind weder familiengerecht noch passt dieses Bauwerk in diese Gegend. Gewinnmaximierung pur in einem Stadtteil, in dem dies weder gewollt ist noch baulich passt!