Beiträge von Ernst

    Zitat von b-a-t-o

    schön wär`s ja


    Worum wetten wir?


    Heute gibt es in der Berliner Morgenpost einen interessanten Artikel über die Nutzungsgeschichte des Berliner Stadtschlosses. Ein Auszug:


    "Die Baugeschichte des Berliner Stadtschlosses ist verwickelt. Aber in allen seinen Ausbaustufen war es stets viel zu groß, um allein die Privaträume der jeweiligen Fürsten und Monarchen aufzunehmen. Von Anfang an Teil der Residenz waren daher Repräsentationssäle, aber ebenso die Arbeitszimmer der verschiedenen Kanzleien, die alle Entscheidungen des Hofes ausfertigten (...).
    Nach 1918 vermietete die Verwaltung des preußischen Krongutes zahlreiche der insgesamt 1210 Räume des Schlosses. So lebten zum Beispiel 1924 im dritten Stockwerk 27 Privatfamilien - bei einer lichten Raumhöhe von 3,27 Meter kann man ihre Wohnungen nicht unbedingt als beengt ansehen. Institutionen wie die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (eine Einrichtung zur Förderung wissenschaftlicher Grundlagenforschung, heute Max-Planck-Gesellschaft) residierten nun im Schloß, aber auch die Gewerkschaft Deutscher Verwaltungsbeamter und die Landesanstalt für Gewässerkunde. Das Studentenwerk betrieb im Schloß eine Mensa und das 'Helene-Lange-Tagesheim für Studentinnen'."


    Quelle: http://morgenpost.berlin1.de/c…/12/12/berlin/797999.html

    Das scheint mir dann doch etwas arg viel südwestdeutscher Hochmut zu sein. Dagegen hilft, gelegentlich mal in Nord- und Ostdeutschland auf der Autobahn zu fahren. Ich fahre sehr viel Auto in ganz Deutschland. Nirgendwo kann man so gottsjämmerlich auf hoffnungslos verstopften, weil mangelhaft ausgebauten, Autobahnen hängenbleiben wie in Niedersachsen, Köln und Thüringen. Die Probleme auf den - mir sehr vertrauten - Baden-Württembergischen Autobahnen sind vergleichsweise gering dagegen. Die schlimmsten Verstopfungen gibt es unter anderem auf den Strecken, die hier von Südwestdeutschen anscheinend als unbenutzte Provinzstrecken angesehen werden, wie die A 7 zwischen Hamburg und Hannover, die ja angeblich ausreicht um den Verkehr zwischen Hamburg und Leipzig aufzunehmen. Regelmäßig zu ist übrigens auch die vermeintlich unwichtige Autobahn zwischen Hof und Chemnitz. Da habe ich schon einen erheblichen Teil meines Lebens stehend zugebracht.

    Ich halte die Behauptung, daß es keinen Bedarf an einer Autobahn gebe, die zwei der größten deutschen Ballungsgebiete verbindet, für etwas gewagt. Wir reden ja hier nicht von einer Strecke, die ins Nichts führt. Im Falle der A 20 kann man sich schon fragen, ob die Fortsetzung östlich von Rostock nortwendig war. Aber Hamburg-Leipzig? Es kommt ja auch niemand auf den Gedanken zu sagen, eine Autobahn München - Frankfurt wäre überflüssig, weil es dort keinen Bedarf gebe und das Ganze nur von Partikularinteresse getrieben sei.

    Oh, die Strecke Magdeburg-Schwerin ist meiner Ansicht nach mehr als überfällig. Ich freue mich zu hören, daß Tiefensee sie in Angriff nehmen lassen will. Denn tatsächlich geht es dabei darum, endlich eine brauchbare Verbindung von Hamburg nach Leipzig zu schaffen. Die gibt es bisher nämlich nicht. Das ist die größte und meiner Ansicht nach unverständlichste Lücke im deutschen Autobahnnetz.

    Könnten wir uns vielleicht mal wieder über das Schloß unterhalten und uns weniger politischen Verdächtigungen befassen? Nur, weil Frau Roth - auch in bezug auf das Berliner Schloß - viel dummes Zeug redet, muß man ihr nicht ein so haßerfülltes Pamphlet hinterherwerfen, wie es die "Junge Freiheit" getan hat. Und nur, weil man den Artikel zitiert und ihm zustimmt, muß man sich nicht unterschwellige Andeutungen bieten lassen, man stünde rechtsradikalem Gedankengut nahe.


    Also sprechen wir doch lieber wieder vom Schloßplatz. Hat denn jemand von denen, die gegen den Wiederaufbau des Schlosses sind, eine konkrete Idee, was denn stattdessen an diesem Ort gebaut werden sollte und was städtebaulich die gleiche Qualität wie das Schlo0ß entwickeln könnte? Die Architektenvorschläge, die ich bisher gesehen habe, waren so grausam, daß ich allein schon aus Angst, eine dieser Ideen könnte verwirklicht werden, für die Rekonstruktion des Schlosses bin.

    Aus Sicht der Stadt Hamburg und auch der Bahn halte ich den Handel durchaus für sinnvoll. Eigentlich kann die Stadt kein Interesse daran haben, Anteile der HHLA zu verkaufen, es sei denn, sie bekommt dafür einen besonderen Gegenwert. Der Konzernsitz der Bahn wäre eine solche Gegenleistung. Die Verlagerung des Konzernsitzes ist damit Bestandteil des Kaufpreises. Mir erscheint es durchaus legitim, diesen Preis zu fordern.


    Aus Sicht der Bahn wiederum ist eine Beteiligung an der HHLA und auch der Hochbahn für die Zukunft sehr wichtig, wo die Konzernzentrale sitzt, kann ihr dagegen ziemlich egal sein. Damit hat die Bahn etwas zu bieten, was sie nicht viel kostet, was aber für die Stadt sehr attraktiv ist. Damit würden beide von der Vereinbarung profitieren.


    Wenn die Bundesregierung den Handel aus - verständlichen - politischen Gründen verhindert, handelt sie damit aus wirtschaftlicher Sicht zweifelhaft. Daß sie die Interessen Hamburgs vereitelt, ist dabei unproblematisch, denn die stehen ja gegen die als ebenso wichtig einzustufenden Interessen Berlins. Doch sie handelt als wichtigster Anteilseigner auch gegen die Interessen der Bahn. Sie fällt damit eine Entscheidung, die dem Unternehmen, für das sie verantwortlich ist, schadet. Das darf ein verantwortungsbewußter Inhaber eines Unternehmens eigentlich nicht.



    Viel problematischer erscheint mir an dem Deal die wettbewerbsrechtliche Komponente. Eine Beteiligung an der Hamburger Hochbahn würde bedeuten, daß eines der wenigen von der Deutschen Bahn unabängigen Bahnunternehmen nennenswerter Größe unter die Kontrolle der DB geriete, die damit ihre ohnehin bereits monopolartige Stellung weiter ausbauen könnte. Meiner Ansicht nach ist das ein Fall für das Kartellamt.

    Gehört das hierhin? Na, egal. Eben lese ich in der Berliner Morgenpost diese Nachricht:


    "Die Giganten kehren auf das Alte Stadthaus zurück


    Viele Jahre fristeten sie ein Dasein unter Planen und in Lagerhallen. Nun kehren die berühmten Turmfiguren wieder auf das Dach des Alten Stadthauses zurück. Gestern sind die ersten der noch vorhandenen 21 Skulpturen aus Kalksandstein per Kran auf das Dach des neoklassizistischen Monumentalbaus gehievt worden. 19 der "Giganten", die "bürgerliche" Tugenden wie Treue, Gemeinsinn und Hilfsbereitschaft symbolisieren sollen, finden ihren angestammten Platz im etwa 80 Meter hohen Turm des Gebäudes, zwei Figuren werden wieder den Eingang an der Klosterstraße schmücken. Abschluß der Arbeiten soll am Mittwoch sein. (...)"


    Die vollständige Meldung steht hier:


    http://morgenpost.berlin1.de/c…12/06/bezirke/796695.html

    Wie schön, daß wir darüber gesprochen haben.


    Ich erlaube mir, den Begriff auch weiterhin in seiner umgangssprachlichen Bedeutung zu verwenden ohne gleich eine Definition mitzuliefern.


    Das schöne ist ja, daß man dabei nicht mißverstanden wird, also gibt es auch keinen Handlungsbedarf. Wer Begriffe verwenden will, die derart abgegriffen sind, daß sie gar keine Bedeutung mehr haben oder so schillernd, daß sie mehrere Bedeutungen haben, muß erklären, was er meint, sonst reden alle aneinander vorbei. Aber wer harmlos nach futuristischer High-Tech-Architektur fragt, wird von niemandem mißverstanden werden - außer vielleicht von Teilnehmern an architektonischen oder kunsthistorischen Fachdebatten. :)


    Mir kommen diese Zahlen durchaus realistisch vor. Ich habe vor einiger Zeit gelesen, daß Hamburg kürzlich in der Wirtschaftsleistung Berlin überholt hat - mit der Hälfte der Einwohner. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf ist in Hamburg also doppelt so hoch wie in Berlin, in München und Stuttgart sicherlich noch etwas höher. Das spiegelt sich natürlich auch in der Kaufkraft. Hinzu kommt, daß Stuttgart und Düsseldorf ein außerordentlich dicht besiedeltes und wohlhabendes Umland haben, das zum Kaufkraftpotential beiträgt.

    Der Förderverein Berliner Schloß hat bereits im letzten Jahr - damals war zeitweise sogar von 40 Mio. Kosten die Rede - ein Angebot einer Abrißfirma eingeholt. Ergebnis, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, 7 Mio. Das wurde nicht zuletzt von Vertretern der Senatsverwaltung als "unseriös" beiseitegeschoben. Und bei welchem Kostenniveau sind wir nun gelandet?

    Zur Erinnerung an das, worüber wir reden: So sieht es dort - an einem schönen Sommertag - heute aus:


    http://www.berlin-tourist-info…eiten/schlossplatz_01.jpg


    Das ist das historische Stadtzentrum der Drei-Millionen-Stadt Berlin. Die Zahl der Passanten, die man auf dem Bild sieht, ist für einen durchschnittlichen Wochentag normal.


    Was, wenn nicht das, ist eine grauenhaft verwüstete Stadtbrache?


    Worum wetten wir, daß sich die Zahl der täglich an diesem Ort vorbeikommenden Passanten mindestens verzwanzigfacht, sobald das Schloß wieder steht?

    Zitat von Manuel

    Der Rest sind meines Erachtens leere Hülsen: Lebendige Historische Mitte, Zentraler Mittelpunkt Berlins: Was bitteschön soll das sein?


    Was "lebendige historische Mitte" bedeutet, kann man zur Zeit in Dresden am eigenen Leib erleben, indem man die Zahl das Passanten mit der vor dem Wiederaufbau vergleicht. Man sollte jetzt auch auf dem Schloßplatz solche Zählungen vornehmen um die Zahl dann mit dem Zustand nach dem Wiederaufbau vergleichen zu können.

    Ich staune immer wieder, mit welchen rhetorischen Verwindungen versucht wird, den Leuten einzureden, die Beibehaltung grauenhaft verwüsteter Stadtbrachen sei moralisch, während der Wunsch, frühere städtebauliche Schönheit zurückzugewinnen, unmoralisch sei. In Konsequenz führt das zu einer absurden Verdrehung der Wirklichkeit: Das Häßliche ist gut, das Schöne schlecht.

    Hat eigentlich irgendjemand die Diskussion dokumentiert, die vor der Entscheidung für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche geführt wurde? Ich habe die Argumente noch gut im Ohr: Wer das wolle, sei geschichtsvergessen, ewiggestrg, das Ganze sei Fake, Disneyland, es sei viel zu teuer und technisch nicht machbar, es sei unmoralisch, Geschichtsfälschung, niemand wolle das usw. usw.


    Gestern war ich in Dresden und wollte mir die Frauenkirche ansehen. Es ging nicht. Die Menschen traten sich auf dem Neumarkt gegenseitig die Fußnägel ab. Die Schlange reichte über den gesamten Neumarkt bis fast zur Wilsdruffer Straße. Wartezeit schätzungsweise zwei Stunden.


    Ob sich wohl wenigstens einer der Feuilletonisten, die uns jahrelang mit ihren scheinintellektuellen Argumenten zugunsten der Konservierung der Stadtverwüstung belästigt haben, etwas schämt?