Beiträge von Ernst

    Auch ein renovierter und glänzender Palast der Republik wäre ein Grund gewesen, sich zu schämen, nicht, weil das Gebäude an sich so übel wäre, sondern weil es - abseits aller weltanschaulichen und historisch-politischen Urteile - eine städtebauliche Katastrophe ist und damit ein ewiges Mahnmal der Stadtzerstörung geblieben wäre.

    Das UFA-Gebäude stammt im Kern noch aus den 60er Jahren. Es war bis in die späten 80er ein weißer nichtssagender Würfel. Die jetzige Gestaltung ist der Versuch gewesen, das Haus etwas aufzuwerten, nachdem die Schuhkarton-Kinos aus der Mode gekommen waren (zeitweise waren da 16, z. T. winzige Kino"säle" drin). Es war danach ein leicht vermurkster Um-, kein Neubau. Insofern erscheint es mir sinnvoll, den Murks abzubrechen, auch wenn die Fassade ganz passabel ist, und durch einen kompletten Neubau zu ersetzen.

    Zitat von Kent of Neapel

    Habt ihr denn überhaupt in Berlin ein dafür aufgeschlossenes Publikum?
    Richtige Filmclubs oder so etwas ähnliches?
    In Hamburg haben wir das 3001 und B-Movie! Beide haben versucht auch mal klassische Filme zu zeigen (Italo Western Woche etc.) aber spielen dann doch meist leider leider nur mittelmäßige "alternativ" Filme ! heul!


    Offtopic: Gibt's eigentlich noch das Magazin und die Koralle? Das waren wunderbare altmodische Programmkinos mit einem tollen und vielseitigen Programm. Von der Koralle weiß ich, daß sie innerhalb Volksdorfs umgezogen ist. Seitdem war ich aber nicht mehr da, kenne deswegen auch das Programm nicht.

    Ich bin guten Mutes, daß der Bau des Schlosses schneller vonstatten geht als zuletzt behauptet wurde. Die politischen Schlachten sind geschlagen, die Kostenargumente waren vorgeschoben und können deswegen nach Ablauf einer gewissen Schamfrist beiseitegeräumt werden. Ich bin mir fast sicher, daß man fast unmittelbar nach dem Abbruch des Palastes der Republik mit dem Schloßbau beginnen wird.

    Anscheinend fühlen sich hier manche angesprochen. Dabei meinte ich Euch gar nicht. Natürlich kann man sich über viele Details am neuen Bahnhof ärgern und sie kritisieren. Dagegen spricht ja gar nichts.


    Was ich meinte, ist das Klima, man kann auch sagen, der Diskussionsstil in der Stadt, so wie er sich in den Berliner Zeitungen spiegelt. Da vergeht kein Tag, an dem nicht großes Gejammer angestimmt wird wegen des Bahnhofs Zoo, schlechter Anbindungen, Konkurrenz für das Geschäftsleben durch die Läden im Bahnhof usw.


    Gleichzeitig wird aber keine Gelegenheit ausgelassen, herauszutrompeten, der neue Bahnhof sei so wahnsinnig groß, werde DAS Drehkreuz Deutschlands, ach was: Europas, stelle alle anderen in den Schatten usw., was definitiv nicht stimmt (was auch nichts macht und Berlin keinen Zacken aus der Krone bricht, pure Größe ist bei einem Bahnhof ja kein Wert an sich).


    Eines von beidem kann man tun, beides gleichzeitig aber sieht nicht gut aus. Etwas weniger Gequake und etwas weniger Großmäuligkeit stünden der Stadt meiner Ansicht nach gut zu Gesicht.

    Schrecklich diese Mischung aus Großmäuligkeit und Genörgel. Kann man sich nicht einfach mal darüber freuen, daß die Stadt nun endlich einen schönen, neuen Bahnhof bekommt, der der Größe und Bedeutung der Stadt angemessen ist, und daß die mickrigen Provisorien mit dem viel zu kleinen Bahnhof Zoo als "Haupt"-Bahnhof ein Ende haben?

    Bemerkenswert finde ich, daß oft so getan wird, als sei der künftige Berliner Hauptbahnhof ein ganz besonders gigantisches Projekt. Ich habe einmal bei der DB die Daten der größten deutschen Bahnhöfe nachgesehen und mit den Schätzungen für Berlin verglichen. Dann sieht man, daß der neue Bahnhof keineswegs der größte in Deutschland sein wird. In der Zahl der Reisenden und Besucher liegen Hamburg (450.000), Frankfurt und München (jeweils 350.000) vor Berlin (300.000), in der Zahl der Züge im Fernverkehr liegt neben den genannten auch Köln noch vor Berlin.

    Mit dem Bau sind wir architektonisch nun wohl endgültig im Jahr 1961 angekommen. Wie soll man das nennen - Historismus?


    Na, was soll's. In diesem Fall finde ich das nicht verkehrt. Ich verstehe nicht, wie die Leute darüber meckern können. Das kleine Ding tut doch niemandem weh.

    Zitat von stativision

    "aber man muss es ja nicht weiter zerstören"


    Warum lieber Nitsche, bist Du dann für den Palastabriss? :lach:


    Deute ich das richtig, daß Deiner Ansicht nach Berlin mit dem Palastabriß an Schönheit verliert?

    Ich hoffe, daß ich Dir nicht schon im Traum erscheine. Das muß furchtbar sein: Man glaubt, seine Ruhe zu haben, und dann taucht der Kerl schon wieder auf, der sich so stur weigert, häßliches als wertvoll und schönes als verachtenswert anzusehen.

    In Disneyland wird nichts künstlich wiedererschaffen, sondern Disneyland ist eine Phantasie-Vergnügungswelt, die nichts rekonstruiert, keinen historischen Bezug hat (sieht man einmal von einigen vagen Ähnlichkeiten mit Neuschwanstein ab) und nicht in einen städtebaulichen Dialog mit ihrer Umwelt tritt. Man mag ja für oder gegen die Schloßrekonstruktion sein. Man mag den Schloßbau von mir aus für unecht, verlogen, historisch bedenklich und gottweißwas halten, aber das Schlagwort "Disneyland" ist schlicht falsch. Wenn man die Analogie unbedingt bemühen wollte, dann träfe sie im Zweifel sogar eher auf den Palast der Republik als auf das Schloß zu.