Beiträge von export

    ^^^ Also die Idee, einzelne Räume des Stadtschlosses zu rekonstrieren, würde ich nicht so kurzerhand als "Quatsch" oder als das offenbar unvermeidliche "Disneyland" abtun. Immerhin wurde von Stella bei seiner Planung ganz bewusst darauf geachtet, dass es zukünftigen Generationen möglich und damit überlassen bleibt, die zentralen Repräsentationsräume zu rekonstruieren. Dabei handelt es sich gerade nicht um Wohn-, Arbeits- oder Schlafräume, diese sind im Grundriss des neuen Schlosses nicht mehr ablesbar.


    Außerdem gibt es sehr sehr viele Vorbilder rekonstruierter Innenräume, beispielhaft seien hier nur der Goldene Saal im Augsburger Rathaus, das Spiegelkabinett der Würzburger Residenz oder auch die Repräsentationsräume des Bruchsaler Schlosses genannt ... "Quatsch" oder "Disneyland" kann ich darin nicht erkennen.


    Und wegen der Nutzung: Nein, ich finde nicht, dass solche Räume ihren Reiz nur daraus beziehen, dass da ein König drin lebte. Diese Orte können auch als Museen gelesen werden. Z.B. als Anschauung (wie auch immer zu werten) höfischer Repräsentation oder auch als Dokumentation der Leistungsfähigkeit, Kunstfertigkeit und schöpferischen Kraft von Handwerkern und Architekten.


    Ich persönlich fände es wünschenswert, wenn diese Frage, wenn sie denn aufkommen sollte, von nachfolgenden Generationen entschieden wird. Über das Ob und das Wie des Schlosses wurde schon zuviel gestritten und die einen oder andere Wunde geschlagen, da braucht man jetzt nicht eine neue Konfliktlinie, zumindest vorerst nicht ;)

    Mit jedem Bild, was hier veröffentlich wird, zeigt sich, wie weit sich der Denkmalschutz von seinen eigenen Dogmen, von seinen eigenen Überzeugungen entfernt hat.


    Die Erhaltungsbemühungen für der Reste einer marode Bausubstanz des ehemaligen Bundesrechnungshofes nimmt geradezu sakrale Formen an, spiegelt also genau die Haltung wider, die die Väter der Moderne so verachtet haben.


    Die Architektur der Moderne favorisierte ja nicht nur eine neue Formensprache, es ging auch um rationalen und sparsamen Einsatz von knappen Ressourcen und Kapital. Adolf Loos würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er sehen würde, wieviel Geld verschwendet wird, um eine marode und kaputte Bausubstanz (und davon nur einen Fassadenteil und das Treppenhaus; Ornament lässt grüßen) nur um ihrer selbst willen zu erhalten.


    DAS widerspricht allem, wofür die Moderne gekämpft hat. Auch das Paradigma "Die Form folgt der Funktion" wird hier ad absurdum geführt. Ohne jeden Zweifel konnte das Gebäude der Rechnungshofes die funktionalen Erfordernisse der heutigen Zeit nicht mehr erfüllen, die daraus folgenden Form kann also als überholt angesehen werden.


    Wenn man denn den ästhetischen, architektonischen Entwurf als so bedeutend und erhaltenswert bewertet - eine letztlich politische Entscheidung - dann hätte man ihn auch nach heutigen Bedürfnissen neu errichten können. Und warum macht man das nicht? Weil dieselben Herrschaften, die in ihrem modernistischen Eifer eher an exorziernde Priester erinnern, jede Gelegenheit nutzen, um gegen Rekonstruktionen ins Feld zu ziehen, und dann kann man ja schwerlich selber eine errichten. Und so hängt man sich ein an Lächerlichkeit nicht zu überbietendes Feigenblatt um, eine Fassadenruine und ein Treppenhaus, denen Denkmalswert zuzusprechen, an Realsatire erinnert ...


    Man mag kein großer Freund der Formensprache und Haltung der Architektur der Moderne sein, aber vor dem, was heute daraus in Frankfurt (Rechnungshof und eine anderer Ort, den ich hier nicht nennen brauche) gemacht wird, muss man sie in Schutz nehmen!

    Naja, irgendwie hat es dann ja auch sein Gutes ... wenn denn die Aufstockung des Physikalischen Vereins die Zeitschicht der zeitgenössischen, respektive modernen Architektur darstellen soll, und so habe ich die fachkundigen Herrschaften in dem oben geposteten Video verstanden, wissen wir jetzt wenigstens, weiß die Öffentlichkeit und alle diejenigen, die sich dafür interessieren und gerne darüber im positiven Sinne streiten bzw. diskutieren, was man von dieser Art Formensprache, ihrem Gestaltungswillen und ihrer Gestaltungsfähigkeit zu halten hat ... nichts, oder nicht besonders viel ... :Nieder:

    Jetzt endlich meldet sich auch das Fachblatt "taz" mit einem substantiellen und hervorragend recherchierten Beitrag mit stringenter Argumentation zu Wort, der die Befürworter von historisierenden Rekonstruktionen im Allgemeinen und in Frankfurt im Speziellen in die Schranken weist und den Kritikern der "Tourismusindustrie" argumentative Schützenhilfe an die Hand gibt ...
    In der von dem Altstadtforum angestoßenen Debatte um eine Rekonstruktion des Schauspielhauses in der "Freien und Reichsstadt Frankfurt" wird das originelle "Disneyland"-Argument bemüht und die Bedeutung des aktuellen Baus dadurch unterstrichen, dass die Planer damals "einen bewussten Gegensatz zu der protzigen Architektur des Dritten Reiches setzen" wollten:


    http://www.taz.de/Streit-um-Theatersanierung/!5324484/

    ^Und wer Forenbeiträge lesen kann, braucht sich nicht irgendwelchen Belehrungen hinzugeben ...


    Bereits vor über einem Jahr (siehe oben) hat tunnelklick in #2 dankenswerter Weise diese Info per Link bereitgestellt.

    Also ich denke auch, dass die Fassadengestaltung ganz eindeutig die Gestaltungssprache der Behrensbauten aufnimmt, was besonders gut im Sockelbereich zu erkennen ist und da regerecht ins Auge springt; meiner Meinung nach sehr gelungen!


    Der Bezug zu den Platten im Osten ist aber in meiner Sicht auch herstellbar, aber nicht auf der Ebene der Fassade oder der Art und Längen/Höhenverhältnisse der Kubaturen, sondern in der Tatsache, dass die einzelnen Blöcke gegeneinander verschoben sind und damit der monumentale Hochhauslook gebrochen wird. Das wird wohl kein Zufall sein, sondern nimmt die aufgelockerte Anordnung der Platten der westlichen Karl-Marx-Allee auf.


    Hochhäusern bzw. Wolkenkratzern haben ja auch immer einen dominanten, phallischen Charakter, der sie faszinierend macht, aber auch Ablehnung hervorrufen kann, da sie als Macht- und Herrschaftssymbole gedeutet werden können. Viele Städte sind ja auch durchaus stolz darauf, eine Skyline zu haben, sozusagen die Kirchtürme und Kuppeln der Gegenwart.


    Und da liegt auch die Verbindung zu der Plattenarchitektur, die ja explizit in Architektursprache die Herrschafts- und Sozialverhältnisse aus Blockrandzeiten ablehnten und eine egalisierende Architektur anstrebten und umsetzten. Und in diesem Sinne macht die gebrochene Formensprache des MonArch durchaus Sinn, wenn man denn der darin angelegten Logik denn folgen möchte ...

    Mich erinnert die Stella-Fassade ja immer an den Taltempel der Chephren-Pyramide.


    Wahrscheinlich ein Zufall, aber einer, der bei einem Museum der Weltkulturen irgendwie Sinn machen kann, wenn man denn diesen fast 5000 Jahre alten Tempel als eine Art Beginn/Geburt der Architektur deuten will ...


    Taltempel der Chephren-Pyramide:

    Bild: By William Henry Goodyear, Joseph Hawkes, and John McKecknie (Brooklyn Museum) [No restrictions], via Wikimedia Commons

    Hier ein aktueller Artikel aus dem baunetz, der sich anlässlich der Eröffnung des neuen Innenministeriums mit dem Entwurf und der nun fertigen baulichen Umsetzung befasst.
    Der Tenor ist dabei positiv. Diagnostiziert werden "Monumentalität" und ein "imposantes Format", also eigentlich Kategorien, die sonst bei Regierungsgebäuden eher kritisch
    kommentiert werden, hier aber scheinbar überzeugen.


    Besonders sehenswert auch die wirklich schönen Bilder, die das Gebäude gekonnt und gut in Szene setzen. Abgerundet wird die Bildserie durch aufschlussreiche Innenaufnahmen:


    http://www.baunetz.de/meldunge…ller_Reimann_4388357.html

    ^^ Selbstverständlich gab es bereits im Barock eine durchaus einflussreiche Nationalbewegung, die in Teilen bis heute ausstrahlt.


    Als Beispiel seien hier nur mal die vielen deutschen Sprachgesellschaften des Barock genannt, welche das Deutsche vor Fremdwörtern schützen wollte.
    Einer der bekanntesten Vertreter war Philipp von Zesen (1619-1989) mit seiner "Deutschgesinnten Genossenschaft". Ihm verdanken wir Eindeutschungen
    von Fremdwörtern, die wir heute noch ganz selbstverständlich benutzen.


    Hier ins Forum passt ganz gut seine deutsche Variante des Fundaments: nämlich der "Grundstein" :daumen:


    Ebenso verdanken wir ihm Findungen wie "Bücherei" für Bibliothek, "Kreislauf" für Zirkulation oder auch "Weltall" für Universum. Es gibt noch viele andere Wörter von ihm,
    die wir heute nutzen, ohne zu wissen, dass sie "nationale" Sprachkonstrukte sind.


    Wenn man so will, waren von Zesen und seine Mitstreiter frühe Nationalisten, aber nicht im negativen Sinne des Wortes, sondern eben aus dem Kulturellen, Sprachlichen kommend.


    Den Neubau des Stadtschlosses mit einem antiken Bau wie das Pantheon zu vergleichen liegt mir fern und verstehe ich auch nicht.


    Ich habe das so verstanden, dass sich der Vergleich mit dem Pantheon auf die Bautechnik beziehen sollte. Also auf die Tatsache,
    dass die antiken Römer schon mit einer Vorform des Betons gearbeitet haben, die spektakuläre Kuppel des Pantheons eben aus diesem Beton
    gegegossen wurde und das Gebäude trotzdem nicht "Betontempel" oder so genannt wird ...

    So, endlich liefert auch "Die Welt" einen gewichtigen Beitrag zu der wieder aufgeflammten Diskussion rund um das Stadtschloss und bereichert sie mit "überraschenden" Perspektiven.
    Der Autor schlägt dabei den ganz großen Bogen von Palmyra in Syrien (sic!), IS-Terror (sic!) hin zu dem Berliner "Betonschloss" und unserem "gestörten Gefühl für Geschichte".
    Das Ganze natürlich mit kritischen Unterton, wie sich das für einen Journalisten gehört. Da darf dann auch der Hinweis auf die "angeklebte" Fassade nicht fehlen, eigentlich langsam ein Fall für 5 Euro in das Phrasen-Schweinderl ... oder Spende für die Fassaden-Reko :D


    http://www.welt.de/kultur/arti…ch-in-Palmyra-stehen.html

    Also wenn man mal ein vorläufiges Fazit ziehen will, dann denke ich, dass der Wettbewerb, soweit man die Ergebnisse kennt, doch an dem formulierten Anspruch, "besondere architektonische Qualität", deutlich gescheitert ist.


    Eigentlich zeigen alle Entwürfe eine gewisse Hilflosigkeit, Ratlosigkeit und Ideenlosigkeit, wie mit dieser städtebaulich so wichtigen und für die weitere Entwicklung der Innenstadt entscheidenden Stellen umzugehen ist. Die Formensprache der einzelnen Entwürfe ist derartig austauschbar und wilkürlich, dass man davon ausgehen muss, dass der Wettbewerb, der ja nicht offen war, ganz offensichtlich keine belastbaren städtebaulichen Vorgaben gemacht hat, sondern rein nutzungsorientiert gewesen ist und das Ganze eigentlich nur ne einigermaßen gefällige und vermarktbere Fassade bekommen sollte. Ein städtebaulicher Impuls, der Entwicklungslinien aufnimmt, weiterführt und eine weitere Aufwertung der Umgebung befördert und, ja, auch inspiriert, war offenbar nicht gewünscht.


    Eigentlich müsste es einen neuen, diesmal offenen Wettbewerb geben, der klare städtebauliche Vorgaben enthält. Ich weiß, dazu wird es nicht kommen, schade, schade ...

    ^ Oh mein Gott! Die erste Abbildung entfaltet doch eine recht unangenehme Friedhofs-Ästhetik, kann aber vllt auch als ironisch antibürgerliche Brechung durchgehen, das Goethedenkmal wird zum Grabstein ;)


    Und zu der zweiten Abbildung fällt mir genauso wenig ein wie dem dafür Verantwortlichen:


    Hochbeete!!!


    Sie sind wieder unter uns!!!


    Diesmal zwar aus Holz und nicht aus Waschbeton, aber die Verwahrlosungsgarantie gibts sicher wieder gratis dazu :D

    Also mir gefällt das Ding überhaupt nicht. Ok, es ist keine Standardfassade, aber deswegen noch lange nicht überzeugend. Sieht für mich nach DDR-Retro Architektur aus. Man schneide ein Stück aus dem Centrum Warenhaus Meagdeburg, pumpe das ordentlich mit Luft auf die Größe des Rundschau-Areals und fertig ist die sogenannte "Neuinterpretation" der Blockrandstruktur und eine überzeugende "Adressbildung".


    Ob das Ding nun eine Weiterentwicklung des Palais-Quartiers ist, darüber kann man sicher streiten, ich sehe das eher nicht so, da


    1. zum Palais-Quartier nun mal auch das Palais Thurn und Taxis gehört, auf das der vorliegende Entwurf null Rücksicht oder Bezug nimmt, wird aber wahrscheinlich eh nur als Fremdkörper im Nachkriegs-Frankfurt wahrgenommen, leider!


    2. Nextower und Hotel so dominant und fast erdrückend sind, dass ihnen eher eine kontrastierende Architektur gut getan hätten, um sie ein Stück weit einzurahmen und in die Stadt einzubinden, aber auch das ist wahrscheinlich Geschmackssache ...

    Neubau Salzbachtalbrücke

    Weithin eher unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit nimmt das neben Schiersteiner Brücke und Schiersteiner Kreuz dritte große Infrastrukturprojekt in Wiesbaden langsam konkrete Formen an, der Neubau der Salzbachtalbrücke. Die besagte Brücke führt den Rhein-Main-Schnellweg, also die A66, südlich des Wiesbadener Stadtzentrums über den Salzbach und ist ähnlich marode wie die Schiersteiner Brücke. Wie jetzt bekannt wurde, soll der Neubau dieser Brücke bereits 2016 oder 2017 starten, 35 Millionen Euro stehen dafür bereit.


    Die Planungen sehen vor, dass die neue Brücke in zwei Phasen gebaut werden soll. Zuerst wird eine der beiden Brückenhälften abgerissen und neu errichtet, dann ist die andere Hälfte dran. Das Problem dabei dürfte sein, dass das aktuelle Bauwerk sicher nicht die nötige Breite für eine 2+2 Verkehrsführung während der Bauarbeiten aufweist. Für die erste Bauphase dürfte also mit massiven Verkehrsbehinderungen zu rechnen sein, da aus Sicherheitserwägungen wohl nur ein Strafen pro Fahrtrichtung verfübgar sein wird. Aber mal abwarten, was sich hessen mobil ausdenken wird ...


    http://www.fr-online.de/wiesba…ken,1472860,29591208.html


    http://www.wiesbadener-tagblat…autobahna-66_14933622.htm


    Ein wichtiger Aspekt bei der Salzbachtalbrücke ist noch, dass sie durchaus Einfluss auf das erweiterte Stadtbild Wiesbadens hat. Die Stadtpolitik sieht bei dem Neubau Potential, die durchaus steigerungsfähige Eingangssituation der Stadt, insbesondere für den Bereich Mainzer Straße, aufzuwerten. Mit entsprechenden Vorschlägen und Ideen (Installationen etc.) kann in der nächsten Zeiten gerechnet werden, man darf gespannt sein!


    http://www.wiesbadener-tagblat…chtalbruecke_14953523.htm

    Hier mal ein kleines, schnelles Update vom "connect" Gebäude, das mit großen Schritten der Fertigstellung entgegen eilt. Die Fassade ist bis auf ein paar wenige Stellen fertig und das Ding sieht den Visualisierungen verblüffend ähnlich. Zugegebenermaßen scheint das Fassadenmaterial nicht das allerteuerste gewesen zu sein, aber Naturstein konnte man hier wohl nicht erwarten ... Wollen wir hoffen, dass das Ensemble später mal nicht durch halbkaputte und schiefhängende Jalousien verunstaltet wird.


    Ich denke, ein erfreulich heller, transparenter Gesamteindruck, der die Mainzer Straße weiter aufwertet :daumen:


    Hier von der Mainzer Straße aus gesehen:







    Und hier die straßenabgewandte Rückseite:





    Die Bilder sind von mir

    Ich vermute mal, dass die jetzt zu besichtigenden Betonwände noch ummauert werden, die Obergeschosse werden ja in jedem Fall als volltragende Fachwerkkonstruktionen errichtet, so ist es zumindest geplant gewesen und es gab meines Wissens keine Änderung dieser wichtigen Vorgabe, die sicherstellen soll, dass die neue Altstadt eben nicht aus reinen Fassadenrekonstruktionen bestehen wird.


    ^Den Stahlbeton als solchen sehe ich nicht so kritisch wie Eisber. Auch Naturstein hat ja so seine Tücken. Wenn man beim Beispiel der Burg bleiben möchte, hätte die Wahl eines falschen Steines auch die Haltbarkeit bzw. die Integrität der Konstruktion gefährdet. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Herkules-Gebäude in Kassel, das mit einem Naturstein (Lapilli-Tuff) gebaut wurde, der sich später als sehr unbeständig bzw. nicht ausreichend witterungsbeständig erwiesen hat und heuer mit großen Aufwand ständig erneuert werden muss.


    Die Probleme, die wir heute mit Stahlbeton haben, sind aus meiner Sicht eher in "Pfusch" in Ausführung, Material und Planung begründet. Mit Pfusch meine ich dabei nicht so sehr den klassischen Pfusch am Bau selber, sondern auch die Unsitte, Fundamente und Konstruktion außgesprochen schmal auszulegen, so dass nur geringfügige Umnutzungen bzw. intensivere Nutzungen oder auch Auf- und Anbauten die Stabilität der Gewerke beeinträchtigen und zu Sanierungsbedarf, der in der Regel ausgesprochen teuer ist, führen.


    Im Mittelalter hat man Fundamente und Konstruktionen nicht gut berechnen können, weshalb man die Konstruktionen sehr großzügig auslegte. Das Fundament des Kölner Domes würde wahrscheinlich noch einen zweiten und dritten Dom tragen können. Es ist egal, ob ich ein Fundament mit Holz oder Beton ausführe, wenn es zu schwach bzw. "auf Kante" ausgelegt ist, bekomme ich Probleme.


    Die Brückenbauten der Gründerzeit wurden in der Regel mindestens mit dem Faktor 10 und mehr ausgelegt, um auch für spätere Nutzungen ausreichende Reserven zu bieten. Das war zwar teurer, aber auf mittlere Sicht billiger und vor allem nachhaltig und generationengerecht. In den letzten Jahrzenten machte man Schulden, um Brücken zu bauen, die vielleicht mal dem Verkehrswachstum von ein oder zwei Generationen standhalten. Das Ergebnis ist, dass heutige Generationen die Schulden von damals finanzieren und neue Brücken bezahlen müssen ...


    Achja, habe eben gerade noch einen Artikel aus dem Spiegel von 1979 gefunden, der die ausgesprochen kontroverse Diskussion zur Rekonstruktion der Ostzeile Römerberg theamtisiert. Die Argumente sind "wohl" bekannt und wenn man das heute liest, reibt man sich die Augen. Die heutigen Altstadt-Gegner haben wohl nichts dazu gelernt. Schlagworte sind "Verlogende Kulisse", "Uralthäuser" oder auch "Mischung aus Jahrmarktarchitektur, Disneyland und Brauerei-Nostalgie". Aber lest selber:


    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351751.html

    Also der erste Entwurf Chipperfields für die James-Simon-Galerie war ja nun nicht so dolle und zum Glück gab es engagierte Bürger, die lautstark gegen diesen Entwurf protestierten und ihn damit verhinderten. Waren das Fundamentalisten? Ich denke nein, denn sonst könnte man das Argument einfach umdrehen und die fundamentalistische Gesinnung bei denen suchen, die auch an historisch-ästhetisch ungeeigneten Orten (Weltkulturerbe) ihre Glas-Stahl-Agenda umsetzen wollen ...



    Bild: David Chipperfield Architects

    Weiß man eigentlich, ob das Finanzministerium eine seiner 10-Euro-Gedenkmünzen dem Wiederaufbau des Stadtschlosses widmen wird? Für die Frauenkirche in Dresden hatte man das damals gemacht und der Erlös floss in die Rekonstruktion.


    Ich bin nämlich schon der Meinung, dass der Finanzminister die Rekonstruktion mit dieser Maßnahme unterstützen sollte, da kämen, ja nach Auflage, 10 bis 15 Millionen Euro zusammen, also ein ganz schöner Batzen Geld ...


    Ich habe übrigens alle meine "geschenkbereiten" Verwandten und Bekannten gebeten, mir zu diesem Weihnachten keine Geschenke zu machen, sondern für die Reko des Schlosses zu spenden. In der Regel braucht man die geschenkten Sachen eh nicht, also ist bei mir oft so, und die Schenker haben keinen Einkaufsstress :D Die Resonanz war übrigens unerwartet positiv, niemand kam mit Beerdigungsassoziationen, aber einer war dabei, der wusste gar nicht, dass man spenden muss, damit an das Humboldtforum eine barocke Fassade kommt ;)