Beiträge von export

    Man kann sicher den Schloßbefürwortern unterstellen, dass Sie die politische Absicht der geforderten Zwischennutzung durchschauen. Es geht natürlich darum, den bereits gefassten Beschluss zur Rekonstruktion zu unterminieren. Und hier im Forum können wir das auch offen besprechen.


    Wenn erst mal die Ausstellungen der jungen, kreativen Künstler laufen, wird sich der ganze vorpolitische Raum dranhängen und taz, ttt, polylux und co werden uns verzückt von dem neuen, spannenden Graviationszentrum der Berliner Avantgarde berichten, dass natürlich auch im Ausland allerhöchstes Interesse und Beachtung findet. New York schaut auf Berlin !!!


    Und dieses Paradies soll dann von engstirnig, ewiggestrigen Schlossspießern zerstört werden ....


    Merke: Medienkampagnen werden nicht nur von Springer gefahren.


    Sorry, aber so naiv muss man erstmal sein, um das nicht zu durchschauen.

    Schade, dass die Planungen am Kulturforum offenbar nicht recht vorankommen. Die städtebauliche Situation ist völlig unbefriedigend, bei dem gigantischen Potential dieses Quartiers eigentlich unbegreiflich. Nur wenige Meter von dem erstaunlich pulsierenden, lebendigen Potsdamer Platz entfernt liegen so ungeheure Solitäre wie Philharmonie, Nationalgalerie, Gemäldegalerie und niemand geht hin !!!


    Das liegt natürlich an der nicht vorhandenen Eingangssituation und der unbefriedigenden Erschließung.


    Aber herzlichen Dank an Manuel. Die Planung von Braunfels war mir nicht bekannt, kann aber auf ganzer Linie überzeugen. Der geplante runde Platz eröffnet eine wundervolle, logische Abfolge von Kulturforum, Protsdamer und Leipziger Platz und schafft eine städtbauliche Dramatik, wie sie in Berlin sonst nicht mehr zu finden ist, vielleicht den großen Stern ausgenommen (möglicherweise ein Grund für die Ablehnung ??).


    Auch die bauliche Fassung der Eingangssituationen ist nach beiden Seiten respektvoll maßstäblich und bindet das Quartier schön an den PP an. Das "Hochhaus" an der Piazza macht als Fluchtpunkt der Sichtbeziehung zu der benachbarten Hochhausarchitektur durchaus Sinn, wäre aber eine große architektonische Herausforderung, da es nach 3 Seiten vermitteln müssen.


    Tja, ist aber wohl nur Träumerei, der aktuell in der Entscheidung stehende Entwurf ist das ganze Gegenteil. Meiner Meinung eher eine Art Gartenarchitektur, überhaupt nicht urban und von einer erschreckenden Belanglosigkeit. Eine Anbindung an den PP findet nicht statt. Es wird wohl eine neue Käseglocke für das KF.

    audiatur et altera pars

    In den ganzen Jahren nach 45 standen die Reko-Befürworter doch ziemlich auf verlorenem Posten. Wenn man sich den Wiederaufbau der zerstörten Städte anschaut, domieren Planungen und Bauten in zeitgenössischer Architektur zu über 99 Prozent. Nicht eine einzige kriegszerstörte Stadt in Deutschland hat ein komplettes Altstadtviertel rekonstruiert. Selbst in Münster, dessen wiederaufgebaute Altstadt in Teilen sehr stark an die historische Struktur angelehnt ist, wird man so ein Ensemble nicht finden.


    Die Gegner der Reko argumentieren immer, man solle den zeitgenössischen Architekten eine Chance geben. Wenn man es objektiv betrachtet, hatten Sie nach 45 alle Chancen dieser Welt. Noch niemals in der Baugeschichte zuvor, konnte sich Stadtplanung und Architektur so frei und uneingeschränkt in bereits bestehenden Städten entfalten.


    Hier und heute bietet sich die einmalige Chance auch mal eine andere, bisher stark vernachlässigte Planungsoption zu verwirklichen. Gebt doch der Reko eine Chance. Was sollte dagegen sprechen?

    Fachwerk scheint mir von mancher Stelle unter falschen Voraussetzungen diskutiert zu werden. Es wird als Argument vorgebracht, dass sich die Architektur in Ihrer Geschichte immer fortentwickelt hat und Ausdruck Ihrer Zeit war. Ist zwar etwas pauschal, aber nachvollziehbar, wenn man diese Logik auf die Entwicklung der verschiedenen architektonischen Stile bezieht. So ist es ja auch interessierten Laien möglich, historische Gebäude einigermaßen zuverlässig zu datieren.


    Aber gerade aus dieser Logik muss das Fachwerk ausgenommen werden, denn es ist mitnichten ein zeitbedingter Stil der Architektur oder eine kunsthistorische Epoche, sondern ganz schlicht eine spezielle Technik des Bauens. Bei uns in Melsungen, aber nicht nur hier, werden seit über 1000 Jahren Fachwerkhäuser gebaut, die letzten davon noch im 20. Jahrhundert.


    Ohne hier jetzt einen Vortrag über die Vor- und Nachteile des Fachwerks halten zu wollen, sei aber angemerkt, dass es sich um eine bauphysikalisch hocheffiziente und selbst unter bestimmten Prämissen der klassischen Moderne nicht von vornherein auszuschließende Bautechnik handelt. Wer glaubt, modernistische Bauten müssten alleine aus Stahl, Glas und Beton gebaut werden, irrt. Schon die alten Römer haben ihre Bauten teilweise aus Beton errichtet inkl. Holzverschalung. Sind deshalb Bauten aus Beton altertümlich oder museal?? Ach nein, die Römer bauten halt ganz einfach auch schon modern, GROTESK !!


    Noch eine sehr persönliche Anmerkung zu der aktuellen Planung, die eine modernistische Interpretation der kleinteiligen Altstadtparzellen vorsieht. Das was da anscheinend ernsthaft vorgeschlagen wird, ist völlig unerträglich und eine Beleidigung für die klassische Moderne. Das hat mit moderner Baukunst nichts mehr zu tun, auch nicht mit einer zwar meiste vulgären, aber doch ehrlichen Investorenarchitektur. Dafür umso mehr mit mutlosem und kleinkariertem Politikerdenken, das auch zwischen Unvereinbarem einen Kompromiss vermitteln möchte, denn man ist ja ach so ausgewogen ……

    joerg


    Vielen Dank für dieses tolle Modell der Frankfurter Altstadt und den sehr illustrativen Renderings. Ich bin ja nur durch Zufall auf diesen Thread bzw. das Forum gekommen, ein Glückstreffer. Hab mich gleich mal angemeldet ...


    Wenn ich so die Beiträge lese, bin ich doch sehr überrascht, wie viele Menschen sich für eine weitgehende Rekonstruktion der verlorenen Stadtbilder einsetzen, das gibt doch sehr viel Hoffnung.


    Mit dem Abriß des alten Technischen Rathauses eröffnet sich eine einzigartige, fast schon historische Chance. Zum ersten Mal in der Geschichte der Nachkriegsrepublik, mit Ausnahme der unmittelbaren Wiederaufbauzeit nach 45, stellt sich die Frage nach einer kompletten Rekonstruktion eines Altstadtviertels. Es steht also nicht nur die Wiederrichtung einzelner herausragender Bauten zur Debatte, wie sie ja z.B. in Hildesheim erst neulich erfolgreich vorgeführt wurde; nein, es geht um die Rekonstruktion des Gesamtensemble inkl. Gassenstruktur und bau- und kunsthistorisch weniger relevanten Füllbauten.


    Liebe Leute, was sich hier anbahnt ist eine ungeheure Provokation für das versammelte Architekten- und Stadtplanerestablishment! Habt Ihr Euch mal gefragt, warum diese Seite das Altstadt-Projekt so wehement bekämpfen?


    Hätten Sie mit Ihren Argumenten Recht, könnten Sie sich entspannt zurücklegen und die ewiggestrigen Traditionalisten ihr Disneyland bauen lassen, das unmodernistische, schlecht funktionierende Ergebnis gäbe letzlich Ihnen Recht und niemand in Deutschland würde zukünftig je wieder etwas derartiges fordern.


    Aber das Gegenteil ist der Fall, sie haben Angst vor dem Erfolg des Altstadt-Projektes, sie fürchten die Begeisterung der Menschen für die wiedererstandene Teil-Altstadt. Denn wenn diese wirklich rekonstruiert werden sollte, wird Stadtplanung in Deutschland unter anderen Prämissen diskutiert werden !!