Beiträge von tegula

    Ich finde es trotz aller Differenzen beachtlich, wie gesittet hier die Diskussion über die Kuppelinschrift verläuft. Das kenne ich von anderen Portalen ganz anders. Das hat jedenfalls angeregt, selber tiefer in die Materie einzusteigen. Das ist dabei herausgekommen:


    Die Debatte um die Kuppelinschrift am Berliner Schloss

    Ein rekonstruiertes Bibelzitat

    Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.

    Diese Inschrift ziert ebenso wie ein christliches Kreuz seit wenigen Jahren wieder die Kuppel der Berliner Schlosses. Sie wurde durch König Friedrich Wilhelm IV. aus Bibelversen (Apostelgeschichte 4,12 und Philipper 2,10) zusammengesetzt. Gemeinsam mit der 1845 bis 1854 durch den Architekten Friedrich August Stüler errichteten Kuppelkonstruktion über der Westfassade von Schlüters barockem Schlossbau ist sie seit der Rekonstruktion der preußischen Residenz wieder als Ausdruck monarchischer Herrschaft zu bewundern.

    Disput um Kontextualisierung

    Seitdem reißt die Debatte darüber nicht ab, inwiefern das Schriftband sich mit dem Auftrag des im Schloss beheimateten Humboldt Forums verträgt, einen Ort für den Dialog der Weltkulturen zu schaffen. An vorderster Front der Kritiker der jetzigen Situation präsentiert sich Kulturstaatsministerin Claudia Roth. In einem Statement begrüßt sie ausdrücklich die kritische Auseinandersetzung mit der Symbolik von Kuppel, Kreuz und Inschrift und verteidigt ein Kunstprojekt, das die Inschrift kontextualisieren soll. Dabei ist geplant, die Bibelzitate temporär nachts mit alternativen, kommentierenden und reflektierenden Texten überstrahlen zu lassen. Die Stiftung Humboldt Forum möchte sich zudem mit einer Tafel von der Botschaft des Kuppeltextes distanzieren. Das wiederum empört einige Rekonstruktionsbefürworter.


    Der Disput über die Deutung der Inschrift wird von beiden Lagern verbissen, bisweilen aggressiv und irrational geführt. In der Süddeutschen Zeitung lässt sich Jens Bisky dazu hinreißen, von einem "Ludergeruch der Reaktion" zu sprechen, der die Schlosskuppel umweht. Er wandelt damit ein Zitat des preußischen Königs um, der 1849 die ihm von der Frankfurter Nationalversammlung angetragene Kaiserkrone mit dem Hinweis auf den "Ludergeruch der Revolution" ablehnte. Auf der anderen Seite möchte man "eine rot-linksextremistische Bundesregierung" als verantwortlich zeichnen für den Angriff auf die Schlossrekonstruktion. Im rechtspopulistischen Portal "Tichys Einblick" lässt sich Klaus-Rüdiger Mai über Roths politisches Schaffen und ihren Bildungsweg aus, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Kulturstaatsministerin in Wahrheit auf die Zerstörung der Kultur abzielt. Zum eigentlichen Diskurs hat er indes wenig beizutragen.

    Herrschaftliche Architektur als Bedeutungsträger

    Die Frömmigkeit Friedrich Wilhelms IV.

    Kehren wir daher zur Sachlichkeit zurück und werfen einen Blick auf die Entstehungsgeschichte der Kuppel im 19. Jahrhundert. Dabei ist zunächst festzuhalten, dass diese die Schlosskapelle barg, weshalb das rekonstruierte und ebenfalls kritisierte Kuppelkreuz sowie die Bibelzitate an diesem Ort nicht unerwartet vorzufinden sind.


    Doch herrschaftliche Architektur ist immer auch auf ihre Funktion als Bedeutungsträger zu hinterfragen. Meinem Kollegen, dem Kunsthistoriker Alfred Hagemann, kommt das Verdienst zu, die Symbolpolitik Friedrich Wilhelms IV. am Beispiel der Berliner Schlosskuppel einem breiten Publikum vorzustellen. Welche Bedeutung der Monarch der Errichtung eines Kirchenbaus beimaß, wird an der 1845 erfolgten, symbolträchtigen Grundsteinlegung der Friedenskirche am Fuße von Sanssouci in Potsdam deutlich. Zu der Programmatik äußerte er sich wie folgt:

    Es scheint mir zu passen, eine Kirche, welche zu einem Pallast-Bezirk gehört, der den Namen Sans-Souci, ohne Sorge, trägt, dem ewigen Friedensfürsten zu weihen und so das weltlich Negative "ohne Sorgen", dem geistlich Positiven "Frieden" entgegen oder vielmehr gegenüber zu stellen.

    In gleicher Weise verfolgte Friedrich Wilhelm in Berlin die Verbindung der weltlichen dynastischen Macht mit christlicher Symbolik. So ist auch die Programmatik der 96 Figuren an den tragenden Pfeilern im Innern der Kuppel zu verstehen: Neben Aposteln, Propheten und Märtyrern tauchen auch Reformatoren, mittelalterliche Monarchen und Mitglieder des Hauses Hohenzollern auf. Wir sehen hier weltliche Herrscher und den evangelischen Glauben als gemeinsame Stützen des Christentums versammelt.

    Gottesgnadentum und universeller Herrschaftsanspruch

    Und so kann man auch das Äußere des Kuppelbaus als Botschaft eines Königs an sein Volk verstehen, dessen Herrschaftslegitimation in einer revolutionären Zeit, die in Deutschland in den Jahren 1848 und 1849 ihren Höhepunkt erreichte, massiv in Frage gestellt wurde. Ist die Kuppelinschrift in diesem Kontext als ein Hinweis auf eine Herrschaft von Gottes Gnaden zu verstehen? Immerhin hat Friedrich Wilhelm die Kaiserkrone aus den Händen der Nationalversammlung, somit der Volksvertreter, abgelehnt, um damit dem Umbau zur konstitutionellen Monarchie entgegen zu wirken.


    Das Gottesgnadentum der Herrschaft der Hohenzollern ist wiederum untrennbar verbunden mit dem Gedanken des universellen Herrschaftsanspruchs des Christentums, wie er in den Bibelzitaten der Kuppel zum Ausdruck zu kommen scheint. So naheliegend diese Interpretation zu sein scheint, so sehr stößt sie unter Theologen auf Widerspruch.

    Nur ein Glaubensbekenntnis?

    Johann Hinrich Claussen, der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, wendet sich gegen diese Deutung. Er verweist darauf, dass die Worte von Petrus und Paulus, die in den Bibelzitaten zu lesen sind, ein Glaubensbekenntnis darstellen. Sie stünden nicht für Staatsfrömmigkeit, sondern für Glaubensfreiheit. Den Gedanken, der Hohenzollern hätte die Verse für eine Demonstration des Gottesgnadentums vereinnahmt, ist für Claussen nicht nachvollziehbar.


    Auch Richard Schröder, Philosoph und Theologe, argumentiert gegen die Deutung der Inschrift, so wie sie von der Stiftung Humboldt Forum vorgenommen wird. Er sieht in der Schlosskapelle nicht mehr als die private Hauskirche des Schlossherren. Vielmehr sei der Berliner Dom der Bau, in dem sich Friedrich Wilhelms Stellung als oberster Hüter der Landeskirche manifestiert. Schröder verweist darauf, dass eine konstitutionelle Monarchie und die Herrschaft von Gottes Gnaden keinen unüberwindlichen Gegensatz darstellen müssen. Den Kniefall im Bibelzitat deutet er als eine Geste des Respekts, nicht der Niederwerfung.


    Zur Frage des universellen Alleingültigkeits- und Herrschaftsanspruchs des Christentums merkt Schröder an, dass die Gleichbehandlung aller Religionen für einen gläubigen Christen bereits durch sein Bekenntnis zu einer einzigen Religion und seiner göttlichen Wahrheit zu einem unmöglichen Unterfangen wird. Doch so sehr diese Argumentation auf einer nachvollziehbaren Basis fundiert, so wenig taugt sie dazu, den Widerspruch zwischen der Funktion des Humboldt Forums und der Kuppelinschrift aufzulösen.

    Abschied vom Absolutismus

    Wie vielschichtig die Bibelverse gedeutet werden können, zeigt ein weiterer Ansatz des Kunsthistorikers Peter Stephan. Die Schlosskuppel dient seiner Ansicht nach als Abgrenzung gegen Cäsarenwahn und absolutistische Herrschaftsansprüche. Friedrich Wilhelm hätte darin zum Ausdruck bringen wollen, dass kein Herrscher und kein Staat sich als Heilsbringer betrachten solle. Die Preußen hätten nicht vor dem König zu Knien, sondern mit ihm gemeinsam vor Gott.


    Dabei negiert Stephan nicht, dass der Monarch auch eine Abgrenzung zum Freiheitsgedanken der Aufklärung und der demokratischen Revolution von 1848 im Sinn hatte. Der Autor spricht sich vielmehr dafür aus, die unterschiedlichen Sinnschichten in einem breiten Diskurs freizulegen.

    Ausblick

    Dieser Überblick über die unterschiedlichen Facetten der Diskussion um die Bibelinschrift an der Berliner Schlosskuppel veranschaulicht, dass eine eindimensionale Deutung dem historischen Kontext nicht gerecht wird. Legt man die Aufgeregtheit und den verbissenen Kampf um die Deutungshoheit beiseite, so kann man zu vielschichtigen Ergebnissen und Erkenntnisgewinnen gelangen. Umso mehr sollte nun endlich akzeptiert werden, dass die Kuppel mit dem christlichen Kreuz und der Bibelverse als historisches Zitat rekonstruiert wurden - und zwar als Ergebnis eines demokratischen Prozesses.


    Ich plädiere aber auch dafür, gegenüber den von Kulturstaatsministerin Claudia Roth und der Stiftung Humboldt Forum angeregten Formen der Kontextualisierung aufgeschlossener zu agieren. Sie sind temporär angedacht und werden dem Gesamtwerk der Rekonstruktion des Berliner Schlosses keinen Schaden zufügen. Sie werden auch nicht zu einem Niedergang der Kultur beitragen. Eine Entfernung von Kreuz und Schriftband ist kein ernsthafter Teil der Forderungsmasse. Ganz im Gegenteil sehe ich in der Debatte eine Chance für neue Impulse, preußische Herrschaftsvorstellungen zu entschlüsseln und einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.


    Erstveröffentlichung: https://www.zeilenabstand.net/…rift-am-berliner-schloss/

    Ein Rundgang durch die historische Hansestadt Zwolle:

    Handelsstadt am Zwarte Water

    Zwolle ist die Hauptstadt der niederländischen Provinz Overijssel. Das Zwarte Water, ein kurzer Flusslauf, verbindet die seit dem Mittelalter bedeutende Handelsstadt mit dem IJselmeer und somit mit der Nordsee. Die erste Siedlung entstand auf einem Sandrücken zwischen der IJssel und der Overijssel Vecht in einer sonst von Sümpfen geprägten Landschaft.


    Die älteste Erwähnung Zwolles erfolgte in einer Urkunde bereits im Jahre 1040. Dabei wird eine erste Pfarrkirche bezeugt, die dem Heiligen Michael geweiht ist. Der Utrechter Bischof verlieh dem Ort 1230 Stadtrechte und 1265 Marktrechte. Mit dem Stapelrecht von 1438 und dem Beitritt zur Hanse stieg Zwolle zu den wichtigsten Handelsstädten der Niederlande auf. Damit trat es in Konkurrenz zum nahegelegenen Kampen an der IJssel.

    Neuzeitliche Stadtbefestigung

    Das späte 16. und das frühe 17. Jahrhundert waren wie bei vielen niederländischen Städten geprägt von den Unabhängigkeitskriegen gegen das spanische Habsburg. In diese Zeit fiel auch der Ausbau der sternförmigen Festungsanlagen mit Bastionen. Dabei wurde die mittelalterliche Stadt nach Norden erweitert.


    Die Wassergräben, die um die Stadt angelegt wurden, existieren noch heute in seltener Vollständigkeit. Sie sind gesäumt von Grünflächen und Stadtvillen und verleihen Zwolle ein besonders behagliches Gepräge. Wir empfehlen daher, neben allen architektonischen Sehenswürdigkeiten auch die Promenade entlang des Grachtengürtels im Süden und Osten der Altstadt zu erlaufen.


    Weiter: https://www.zeilenabstand.net/…ch-die-hansestadt-zwolle/


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    Grote Markt mit der Grote Kerk


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    Das Sassenpoort


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    Die Thorbeckegracht mit mittelalterlicher Stadtbefestigung


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    Der Turm der Liebfrauenbasilika: Peperbus


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    Das Drostenhuis am Melkmarkt


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    Der Melkmarkt

    Aus der Rekonstruktion für die Fassade des historischen Essighaus ist nicht geworden. So abrupt diese Idee auf den Tisch gekommen ist, so schnell ist sie wieder verworfen worden. Stattdessen haben bereits die Abbrucharbeiten des Essighauses aus den 50er Jahren begonnen. Die historischen Elemente wurden eingelagert und sollen in das neue Essighauses wieder integriert werden.


    Hier ein schöner Bericht bei "buten und binnen" über die Praxis der Steinmetzen bei der Arbeit am Essighaus: https://www.butenunbinnen.de/v…essighaus-abriss-100.html


    Leider wird da einiges durcheinander geworfen, denn was dort abgetragen wird, ist der Giebel der Sonnenapotheke, der nach dem Krieg in die Nachbarschaft des ursprünglichen Essighaus, nämlich an das Bankhaus Martens und Weyhausen transloziert wurde. Diese wird nun ebenfalls im Rahmen der Neubebauung des Quartiers abgerissen.

    Heute möchte ich einen der wichtigsten Bauten der frühen Backsteinarchitektur nördlich der Alpen vorstellen. Die Prämonstratenster-Stiftskirche Jerichow galt lange Zeit in der Forschung sogar als Primärbau für die bautechnische Revolution des gebrannten Steines.


    Wichtigste Ansatzpunkte für die zeitliche Fixierung der Jerichower Stiftskirche sind die überlieferten Urkunden zur Gründungsgeschichte des Stiftes. Die Stiftungsurkunde wurde 1144 von Hartwig von Stade, Dompropst von Bremen und Domherr in Magdeburg, als Inhaber umfangreichen Allodialbesitzes im Elbe-Havel-Winkel ausgestellt. Bald darauf kam es zur Verlegung des Stiftes an den heutigen Standort. Der Magdeburger Erzbischof Friedrich bestätigte 1148 einen Gütertausch, durch den der Konvent in den Besitz eines Geländes nördlich des Ortes Jerichow gelangte. Es folgten drei weitere Urkunden, die alle auf eine bestehende Kirche Bezug nahmen. 1159 bestätigte Papst Hadrian IV. die Stiftsgründung. Gleiches erfolgte 1172 durch Erzbischof Wichmann. Letzterer stellte 1178 eine Schenkungsurkunde für das Stift aus.


    Die Stiftskirche Jerichow galt lange Zeit als ältester Backsteinbau Norddeutschlands. Mit der frühestmöglichen Datierung nach 1148 nahm der Bau die chronologische Primärstellung im nordeuropäischen Kontext ein. Durch die Neubewertung der Schriftquellen wurden aber in den letzten Jahrzehnten auch Spätdatierungen nach 1178 diskutiert. Letztlich kann nur eine Grabung Aufschluss darüber geben, ob die in den Quellen genannte Kirche auf einen provisorischen Vorgängerbau zu beziehen ist oder der heute aufrechtstehende Kirchenbau auch den Erstbau darstellt.


    Ausführliches: https://www.zeilenabstand.net/…hen-backsteinarchitektur/


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    Stiftskirche Jerichow von Nordosten


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    Frieszone der Hauptapsis


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    Mittelschiff nach Osten


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    Krypta


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    Kapitell in der Krypta


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    Kapitelsaal


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    Sommerremter


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    Kapitell im Sommerremter

    Das ist ja mal eine erfreulich Nachricht. Und längst überfällig nach all dem Hin und Her der letzten Jahre. Städtebaulich kann dieser Platz meiner Ansicht nach nur funktionieren, wenn Schinkel vor Ort auch noch erlebbar ist. Wie man den Innenausbau der Bauakademie gestaltet, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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    Ich finde ja den Kontrast zwischen dem Schornstein und dem neugotischen Kirchenbau im Vordergrund besonders aussagekräftig. Das demonstriert doch eindringlich, mit welcher Art von Architektur man eine Stärkung der Urbanität erreicht.

    Entwicklung zur frühneuzeitlichen Residenz

    Detmold ist eine mittelalterliche Gründung. Die Stadt ist um die Mitte des 13. Jahrhunderts durch Bernhard III. zu Lippe angelegt worden. Eine Burg ist wahrscheinlich zur gleichen Zeit errichtet worden. Obwohl mit Stadtrecht ausgestattet, hatte der Ort im Mittelalter nur bescheidene regionale Bedeutung.


    Das änderte sich erst mit dem Aufstieg Detmolds zur Residenz im 16. Jahrhundert, in dessen Kontext die Burg zu einer repräsentativen Renaissanceanlage ausgebaut wurde. Unter Simon V. wurde die Stadt ständiger Herrschaftssitz. Meist finden sich die herrschaftlichen Residenzbauten außerhalb bzw. am Rand der Siedlungsbereiche. Nicht so in Detmold: Das Schlossareal ist unmittelbar in der Altstadt angesiedelt und nimmt rund ein Viertel deren Fläche ein.

    Stadt der Kultur, Bildung und Verwaltung

    Der Schlossbezirk ist der dominante Komplex im historischen Baugefüge Detmolds. Die lippischen Grafen – ab 1789 Fürsten – bauten ihn im Laufe der Jahrhunderte aus. Rund um den Schlossvorplatz entstanden Remise, Marstall und Verwaltungsgebäude. Im 18. Jahrhundert durchbrach die Bebauung den engen mittelalterlichen Mauerring. Unter Graf Friedrich Adolph wurde jenseits des Hornschen Tores die Neustadt angelegt. Ihr beherrschendes Element ist der Friedrichstaler Kanal, der beidseitig von Alleen und villenartigen Wohnbauten gesäumt wird. Weiterhin entstanden Regierungs-, Justiz- und Verwaltungsbauten und am Marktplatz ein neues Rathaus.


    Auch Kultur- und Bildungseinrichtungen wie das Theater gehörten nun zum Bauprogramm rund um den Fürstenhof. Detmold entwickelte sich zu einer vornehmen Adresse für Kunst, Kultur und das Beamtentum. Prägend für die Stadtentwicklung war vor allem Fürstin Pauline, Gattin von Fürst Leopold I., die bis heute in der Stadt verehrt wird. Sie zeichnete sich nicht nur durch ihr soziales Engagement aus, sondern auch durch ihr Durchsetzungsvermögen in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft.


    Und hier geht es zum ausführlichen Stadtrundgang.


    Galerie:


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    Frontansicht des Residenzschlosses


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    Hofansicht des Residenzschlosses


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    Marktplatz mit Rathaus


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    Theater


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    Das Neue Palais am Friedrichstaler Kanal - heute Musikhochschule


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    Bürgerhaus Lange Str. 14

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    Entwürfe und Vorschläge scheint es ja in der Sache Bornplatzsynagoge schon einige zu geben. Ich kann hier noch zwei weitere einreichen, nämlich von Axel Spellenberg sowie von Pakertharan Jeyabalan.


    Aber gerade der Entwurf von Spellenberg überzeugt mich gar nicht: Der Architekt will Bunker und Bodenmosaik erhalten und eine in den Dimensionen stark reduzierte Zweiflügelanlage entstehen lassen, die sich mithilfe einer Einfriedung von der Außenwelt abschottet. Die Architektursprache ist eigentümlich indifferent und zeigt – legt man seine Entwurfsskizze zugrunde – Anklänge an nordische Neorenaissance-Architektur. Ob der Architekt mit dieser Fantasiearchitektur mit nur bedingtem historischen Bezug das eine oder andere Lager zufrieden stellt, darf angezweifelt werden. Für die einen entfernt sich der Entwurf zu weit von den jüdischen Traditionslinien, für die anderen lässt er die Vergangenheit vielleicht nicht weit genug hinter sich. Und ob die Abschottung nach Außen das richtige Signal gegen Antisemitismus setzt, bleibt ebenso fraglich. Die Platzanlage selbst wäre für die Öffentlichkeit zudem weitgehend verloren.

    Danke, hanbrohat! Das ist doch mal eine schöne Werbung für Graffiti als Kunstform. Ich bin der Ansicht, dass die Kommunen so etwas viel mehr fördern sollten. Das könnte dann helfen, die allgemeinen Schmierereien, wie sie leider viel häufiger auftreten als wirkliche Kunst, zumindest in Teilen einzudämmen. Das wäre dann eine Win-win-Situation. Die Szene gehört aus ihrem Schmuddelimage herausgeholt.

    Sie bauen mich als Pappkameraden auf. Ich habe explizit geschrieben, dass die Dinger da ruhig hängen sollen – wie also kommen Sie auf "Bildersturm"?

    Das war sicherlich nicht meine Absicht, denn meine Worte richteten sich vor allem an Tomov. Ich möchte mit meiner Argumentation lediglich davor warnen, historische Herrschaftsdarstellungen reflexartig als demokratiefeindlich darzustellen. Denn damit sind wir ganz schnell dabei, jegliche Form von Herrschaft mit unseren Maßstäben zu verdammen. Dass dies nicht erstrebenswert ist, darüber sind wir uns aber doch sicher einig.

    Ich fand den Entwurf von Dorte Mandrup doch so spannend, dass ich mir erlaubt habe, meine Architekturkritik etwas ausführlicher zu artikulieren:


    Die dänische Architektin Dorte Mandrup gewann den Architekturwettbewerb. Ihr Entwurf zeigt einen großen Backsteinbau hinter dem Portikus des alten Bahnhofs. Der Museumsbau verfügt über eine konkav geschwungene Hauptfassade, die dadurch Raum zwischen alter und neuer Bausubstanz schafft. Das Erdgeschoss öffnet sich zu allen Seiten mit einer verglasten bogenförmigen Öffnung. Dadurch scheint das gesamte Gewicht des Baukörpers fast schwerelos auf den vier Eckpunkten zu lasten.


    Unter den Preisträgern des Architekturwettbewerbs kann Mandrups Idee überzeugen. Durch die Krümmung der Fassade wird der Portikus in das Bauwerk optisch integriert, wirkt sogar als dessen Eingang und Kulisse. Dazu trägt auch die sich annähernde Materialiät beider Bauteile bei. Die großformatigen Durchbrüche im Erdgeschoss geben dem Bauwerk eine gewisse Leichtigkeit, so dass der Charakter eines Blockes nie die Oberhand gewinnt.


    Auch wenn ich ein genereller Befürworter von Stadtbildreparatur in Form von hochwertigen und wissenschaftlich begleiteten Rekonstruktionen bin, so muss ich dem Entwurf von Mandrup eine ähnliche Qualität zusprechen wie dem historistischen Bahnhofbau von Schwechten. Initiativen für eine Rekonstruktion des letzteren hat es dabei durchaus gegeben, aber das Nutzungskonzept als Kongress-, Messe- oder allgemeine Mehrzweckhalle überzeugte wohl nicht ausreichend. Und für das zukünftige Exilmuseum wäre der monumentale Baukörper des Bahnhofs dann doch erheblich überdimensioniert. Dies ist daher eines der wenigen Beispiele, in dem ich eine modernistische Umsetzung mit Verzicht auf eine Rekonstruktion als durchaus gelungen empfinde.

    ^ Natürlich sollen solche Kunstwerke den Herrschaftsanspruch der Hohenzollern verdeutlichen. Die Historienmalerei ist sogar ein eigenes Kunstgenre, das seine Wurzeln bereits in der Renaissance hatte. In diesem speziellen Fall bezieht sich die Darstellung unmittelbar auf die Berliner Geschichte. Wir müssen damit aufhören, historische Prozesse mit den heutigen Werten zu messen, sonst enden wir in einem Bildersturm, denn die Darstellung von Herrschaftsansprüchen ist über Jahrhunderte allgegenwärtig in der Kunst und vor allem auch in der Architektur. Wollen wir die Dome in Mainz, Speyer oder Worms als antidemokratisch bezeichnen? Sind alle Burgen, Schlossbauten und Bischofskirche antidemokratisch, weil sie explizit die Macht der Eliten zum Ausdruck bringen sollten?


    Ich verstehe bloß den Impuls nicht, solche Kunstwerke unbedingt als harmloseste L'Art pour l'art zu interpretieren und den politischen Kontext ihrer Entstehung auszublenden.

    Nein sie sind selbstverständlich Bedeutungsträger in ihrer Zeit gewesen. Sie haben aber gar nichts mit den heutigen Verhältnissen zu tun. Sie transportieren daher heute eine historische, aber keine antidemokratische Botschaft. Soviel Differenzierung traue ich auch den schlichtesten Zeitgenossen zu. Niemand fühlt sich durch diese Darstellungen direkt angesprochen. Das war 1902 natürlich ganz anders.

    Tomov


    Als Mediävist versuche ich es nochmals, es dir anders zu erläutern: Das Motiv der Reliefplatte ist Ausdruck der mittelalterlichen Verfassungsstruktur und der sozialen und herrschaftlichen Ordnungsgefüges. Sie mit heutigen Werturteilen zu deuten, verbietet sich bereits im Ansatz. Insofern ist an der Darstellung auch nichts undemokratisch. Das Relief zeigt einen historischen Akt, der von den damaligen Zeitgenossen als nicht unüblich oder ungebührend erniedrigend empfunden worden sein dürfte.

    Den "größtmöglichen" Kontrast kann ich auch nicht erkennen, ist aber vermutlich auch als Hyberbel gemeint.

    Letzteres ist korrekt. Ich habe meine Architekturkritik mit dem "größtmöglichen Kontrast" ja auch nicht auf die Unger-Entwürfe bezogen, sondern auf die James Simon Galerie. Die Erweiterung des Pergamonmuseums durch Unger hat eine ganz andere Qualität. Wir sollten hier doch bitte differenzieren.

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    So etwas wie Demokratie hat es im ausgehenden Mittelalter noch gar nicht gegeben. Das, was du hier beschreibst, ist der in fast jeder Stadt aufkeimende Konflikt zwischen städtischer Selbstverwaltung und der Stadt- bzw Landesherrschaft. Aber auch die Selbstverwaltung war alles andere als demokratisch, denn die Ratsmitglieder wurden in aller Regel nicht von der Stadtgemeinde gewählt, sondern die Posten wurden unter den Eliten vergeben. Nachzulesen auch hier: https://www.kleio.org/de/gesch…telalter/alltag/kap_vii3/

    Von "größtmöglichem Kontrast" reden kann man nicht.

    Und doch tue ich es. Dabei beziehe ich auch den Innenbau der Galerie ein, also den gesamten Baukörper. Und genau auf diesen Zusammenhang bezieht sich meine Kritik. Sorry, ich kann es leider nicht ändern, dass es mir untersagt wird, auf meinem gesamten Artikel zu verweisen, in dem dieser Kontext deutlich wird. Insofern kann ich hier nur ausschnittsweise argumentieren.


    Zum Innenbau: Der Innenbau hat zumindest nicht mit den Vergleichen zu Schinkel oder den umliegenden Fassaden zu kämpfen. Er kann für sich allein sprechen. Doch auch hier herrscht Ideenlosigkeit vor. Die nackten Sichtbetonwände vermitteln den Eindruck eines Rohbaus – nüchtern, kalt, nicht inspirierend. Dabei scheint man sich am Brutalismus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts orientiert zu haben. Ob es viele Menschen gibt, die sich in einer solch minimalistischen Atmosphäre wohl fühlen?

    Und wenn du schon so harmoniesüchtig bist, wo ist dann deine Kritik an den Preußen

    Das ist jetzt aber eine haltlose Unterstellung. Weil ich einmalig auf die fehlende Harmonie hinweise, bin ich harmoniesüchtig? Harmonie ist eine der wesentlichen Merkmale gelungener Architektur, insofern sollten wir alle ein Interesse daran haben. Und ich muss nicht preußische Architektur oder jede andere Architektur kritisieren, um mir eine Urteil über Chiperfields Entwürfe oder den anderen Baumaßnhamen auf der Museumsinsel zu erlauben.


    In entscheidenden Aspekten bezieht man sich ja auf das Bestehende, sei es Höhe, vielleicht Material oder Kubatur oder anderen gegebenen Kriterien.

    Das sehe ich im gegebenen Fall der Museumsinsel anders. Das habe ich auch in meinem Artikel argumentativ untermauert. Leider ist der Link dazu von der Moderation gelöscht worden. Daher nur so viel zur James Simon Galerie:


    Die klassizistische Architektursprache eines Karl Friedrich Schinkel möchte Chipperfield aufgegriffen und sie in die klassische Moderne übertragen haben. Betrachtet man den Außenbau, dann können damit sicherlich nicht die ungegliederten weißen Wandflächen gemeint sein, die einen kalten, abweisenden Charakter tragen. Vielmehr scheint er auf die filigranen Pfeilerreihen abzuzielen, die mich allerdings in ihrer bemerkenswerten Monotonie und Formreduktion an eine Heizkörperverkleidung erinnern. Es handelt sich dabei wohl um bis zur Unkenntlichkeit stilisierte Säulen einer Kolonnade. Doch weder die Proportionen noch ihre Ästhetik, schon gar nicht die nicht vorhandenen Detailformen zeigen Anklänge an Schinkels Klassizismus.