Beiträge von tegula

    Nun, ich denke, die Argumente sind hier ausgetauscht und wir müssen hier nicht weiter hin und her diskutieren, aber eines möchte ich dann doch noch anmerken:


    Das sind die gesicherten Fakten. Wie irgendwelche Stiftungen, Fördervereine oder sonstige Zeitgenossen das Ganze nennen, ist mir daher ehrlich gesagt völlig egal bzw. es stößt mich vielmehr als geschichtslose und rückwärtsgewandte sowie in konkreten Einzelfällen regelrecht unappetitliche Spinnerei ab.

    Ich empfinde es als äußerst respektlos und abwertend, die "Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss" als offiziell vom Bund eingesetzte Institution und als Bauherrin und Eigentümerin des Berliner Schlosses in die Nähe von Spinnereien zu rücken, nur weil du dich offensichtlich nicht damit abfinden kannst, dass in Berlin Mitte wieder ein Schloss steht.

    Sorry, aber das ist völlig falsch und es wird auch durch Wiederholung nicht richtiger. Es wurde eben KEIN Schloss wiedererrichtet!

    Der offizielle Sprachgebrauch sieht aber anders aus. Der Bauherr ist nun einmal ganz offiziell und juristisch abgesegnet die "Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss". Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/…Forum_im_Berliner_Schloss


    Und es gibt einen langen Wikipediaartikel zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses: https://de.wikipedia.org/wiki/…au_des_Berliner_Schlosses


    Natürlich ist das alles eine Frage der Definitionen. Diese sind aber von den Verantwortlichen genau so getätigt worden, dass man das Berliner Schloss wiedererrichtet hat, ohne dabei eine 1zu1-Kopie anzustreben.


    Noch weiter ging man dabei übrigens in Kiel. Das dortige Schloss ist ein Totalverlust des Zweiten Weltkriegs gewesen. Der Neubau hat lediglich den Standort mit dem Vorgängerbau gemein. Ansonsten ist es ein typischer Baukörper der 60er Jahre. Es ist aber das offizielle Kieler Schloss, ohne Einschränkungen. Du siehst also, es ist keine Frage dessen, wie sehr der Neubau dem Altbau gleicht. Eine 1zu1-Kopie ist schon gar nicht notwendig, um die Tradition der einstigen Bezeichnung fortzuführen.

    Es wurde aber nunmal kein Stadtschloss (wieder-)errichtet, sondern das Humboldtforum.

    Auch auf die Gefahr hin, dass dies hier schon mehrfach korrigiert wurde: Wiedererrichtet worden ist das Stadtschloss, in das dann unter anderem das Humboldt-Forum gezogen ist. Erst, wenn man diese Differenzierung vornimmt, kann es gelingen, den Baukörper und seine Funktion nicht als unverrückbare Einheit zu betrachten. Sollte man eines Tages zu der Überzeugung gelangen, dass das Humboldt-Forum im teilrekonstruierten Schloss nicht gut aufgehoben ist, sind neue Nutzungskonzepte ohne Denkverbote möglich. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie dynamisch man die Nutzung des Baukörpers in Zukunft interpretiert und wie sehr davon das Außengelände in seiner Gestaltung beeinflusst wird.

    Visionen soll man ja bekanntlich am Leben halten. Mittlerweile sind virtuelle Rekonstruktionen des Alten Rathauses und des Alten Marktes entstanden, die sich sehen lassen. Ich habe auch mit dem Initiator der Bürgerinitiative Björn Wrocklage gesprochen. Es fehlt an den entsprechenden Strukturen: Die geplante Vereinsgründung wurde bis heute nicht vorgenommen. Und es gibt auch keine Website, auf der man das Projekt einer breiten Öffentlichkeit vorstellen könnte. Wrocklage ist aber optimistisch, dass sich da in absehbarer Zeit etwas bewegen könnte. Wer sich eingehender über den Stand des Projektes informieren möchte, wird hier fündig.


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    Altes Rathaus Dortmund, Zustand um 1240 (Rekonstruktion Christopher Jung nach Eberhard G. Neumann)


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    Altes Rathaus Dortmund, Zustand nach 1899 (Rekonstruktion Christopher Jung)

    ^ Ja gut, wenn man das so interpretiert, kann ich schwer widersprechen. Letztlich gilt das aber nur für ganz wenige Objekte, die aufgrund ihrer Dimensionen einfach nicht durch die Türen oder Fenster passen. Der weitaus größere Teil der Objekte wird aber entweder ausgestellt oder im Magazin aufbewahrt, wie in jedem anderen Museumsgebäude auch.

    Du formulierst es so als, als wäre Deutschland allein oder federführend verantwortlich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kulturgüter auf der ganzen Welt. Tatsächlich hat Deutschland im Rahmen des Kolonialismus einen eher kleineren Anteil am Weltgeschehen gehabt. Das soll keine Entschuldigung, sondern lediglich eine Feststellung sein.


    Weiterhin formulierst du es so, als würde man das Humboldtforum nur deshalb errichtet haben, um seine Weste rein zu waschen. Du unterstellt unredliche Absichten. Ich kann dir aber versichern, dass man Provenienzforschung in der Kulturbranche ohne Hintergedanken sehr ernst nimmt. Was daraus dann folgt, das ist natürlich auch eine politische Entscheidung.


    Und drittens: Woher nimmst du die Gewissheit, dass man das Humboldtforum in Teilen Afrikas hasst? Man sollte kritische Äußerungen bitte nicht mit Hass gleichsetzen.

    Die Sammlungen sind ja nun alles andere als eingemauert. Ganz im Gegenteil werden Sie der Weltöffentlichkeit präsentiert und ihre Provenienz sehr kritisch durchleuchtet, für manchen Konservativen vielleicht schon zu kritisch. Und nun gehen wichtige Teile der ethnologischen Sammlungen an ihre rechtmäßigen Besitzer zurück. Das ist alles andere als ein Ausdruck von Neokolonialismus. Ich finde diesen Vorwurf doch etwas an der Haaren herbeigezogen.

    Absolut! Objekte, die inhaltlich auf die Ausstellungen hinweisen und einstimmen, sind mittlerweile in vielen Außenbereichen von Museen üblich. Ich finde, hier in Berlin ist es mustergültig umgesetzt. Das Tor ist gut sichtbar, macht neugierig und verträgt sich auch mit den barocken Fassaden von Schlüter. Nach all den teilweise fragwürdigen Aktionen mit Kegelbahnen und bunten Objekten im Schlosshof endlich eine nachhaltige Idee.

    Das ist in der Tat ein Vorurteil, dass ich immer wieder lese. Herford hat gegenüber anderen ostwestfälischen Städten wie Detmold, Lemgo oder Paderborn einen schweren Stand. Woran das liegt, ist mir schleierhaft. da muss das Stadtmarketing unbedingt ran, denn Potenzial ist ja vorhanden.


    Zu erwähnen ist noch das Marta Herford, ein Museum für zeitgenössische Kunst, das überregionale Bedeutung besitzt: https://marta-herford.de/

    Das Museumsgebäude selbst ist ein extravaganter Bau des Architekten Frank Gehry.


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    Foto: 007-IAIM, Lizenz: CC BY-SA 2.5

    Historisches

    Die Stadt Herford am Zusammenfluss der Werre und dem Flüsschen Aa, das zur Unterscheidung unzähliger gleichnamiger Wasserläufe auch als Westfälische Aa bezeichnet wird, ist eine der ältesten in Westfalen. Diese lange Vergangenheit spiegelt sich in den zahlreichen Kirchen und dem unregelmäßigen Straßennetz mit drei Märkten wider. Die unterschiedlichen Siedlungskerne sind auch heute noch im Stadtplan ablesbar.

    Reichsabtei und Wallfahrtsort

    Keimzelle Herfords ist ein Frauenkloster, das bereits um 790 gegründet wurde und somit das älteste im Herzogtum Sachsen darstellt. Dieses wurde unter dem karolingischen Kaiser Ludwig dem Frommen zur Reichsabtei erhoben. Es nahm dabei eine zentrale Rolle bei der Christianisierung Sachsens und bei der Klosterreform des Regenten ein. Im 10. oder 11. Jahrhundert wandelte sich das Benediktinerinnenkloster zu einem hochadligen Kanonissenstift, nach der Reformation zu einem adligen Damenstift.


    Das Stiftsgelände nahm ein gewaltiges Areal ein. Es erstreckte sich vom Alten Markt bis zum Straßenzug „Auf der Freiheit“, der an die Immunität des Stiftbezirks erinnert. Die die Altstadt Herfords beherrschende Münsterkirche ist als Stiftskirche erbaut worden und lag im Zentrum des Komplexes. Mit dem Bau des Rathauses und der Markthallen westlich des Münsters Anfang des 20. Jahrhunderts beseitigte man leider auch die letzten Abteigebäude. Nördlich der Münsterkirche sind der Kreuzgang und einige Wohnbauten des Damenstifts archäologisch nachgewiesen.

    Mit der Herforder Vision ist die älteste Marienerscheinung nördlich der Alpen bezeugt. In ihrer Folge wurde durch die Äbtissin Godesdiu im Jahre 1011 auf einem Berg östlich von Herford das Stift auf dem Berge als Tochterkloster des Stifts Herford gegründet. Damit wurde Herford zum Wallfahrtsort. Die dortige Kirche St. Marien des 13. Jahrhunderts thront auch noch heute über der Stadt und der Werre.

    Die mittelalterliche Stadt

    Die Entwicklung der eigentlichen Bürgerstadt, die sich um den Herforder Stiftsbezirk bildete, ist auf die karolingischen Privilegien für Markt, Münze und Zoll für die benachbarte Siedlung Odenhausen westlich der Aa zurückzuführen. Dort siedelten sich seit dem 9. Jahrhundert Fernhändler an. Deutlich heben sich im Stadtgrundriss die verschiedenen Zentren der weiteren Stadtentwicklung ab: Stiftsfreiheit, Altstadt mit Altem Markt, die Radewig – die auf die Siedlung Odenhausen zurückgeht – mit Gänsemarkt sowie die Neustadt (gegründet 1224) mit dem Neuen Markt ab.


    Um 1220 ist erstmals ein Stadtrat bezeugt, womit er zu den frühesten in Deutschland gehört. Die Mitgliedschaft in der Hanse ist seit der Mitte des 14. Jahrhunderts belegt. Altstadt und Neustadt blieben wie so häufig in vergleichbaren Konstellationen bis 1634 selbständige Gemeinden mit eigenem Bürgermeister. Die Blütezeit Herfords neigte sich im 17. Jahrhundert dem Ende zu, auch wenn die westfälische Stadt zwischen 1631 und 1652 für eine kurze Episode zur Reichsstadt aufstieg.


    Und hier geht es zum ausführlichen Stadtrundgang.


    Galerie


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    Neuer Markt mit Johanniskirche und Renaissance-Brunnen


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    Münsterkirche von Süden


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    Paradiesvorhalle am Münster


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    Münsterkirche – Mittelschiff nach Osten


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    Marienkirche


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    Mittelschiff und Chor der Marienkirche mit Reliquientabernakel


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    Wulfterhaus


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    Neustädter Rathaus


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    Frühherrenhaus


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    Bürgermeisterhaus

    Ein Mahnmal an einem Ort, an dem Menschen durch ein menschenverachtendes Regime zu Tode kamen, ist grundsätzlich keine Frage des Zeitgeistes sondern des Anstandes. Man kann lediglich über die Ausführung diskutieren. Ich kann an dem Beispiel in Alsterdorf auch nicht erkennen, was hier überinterpretiert sein sollte. Einer gewissen Erläuterung des Dargestellten und des Geschehenen ist auf jeden Fall geboten, wenn es nicht für jeden Betrachter offensichtlich ist. Das trifft auf das Altarbild in Alsterdorf durchaus zu, weil hier in ungewohnter Weise christliche Ikonographie mit nationalsozialistischer Ideologie vermengt wurden. Man kann sich natürlich auch auf den Standpunkt stellen, das sei überheblich. Dann muss man sich aber auch fragen lassen, auf welche Weise man sich mit einem solchen dunklen Kapitel der Geschichte sonst vor Ort auseinandersetzen sollte.

    Ein Gedenkort auf der Straße der Inklusion in Alsterdorf

    Im Rahmen der Straße der Inklusion entstand in diesem Jahr ein Gedenkort für die Ermordeten aus den Alsterdorfer Anstalten im Norden Hamburgs. Anknüpfungspunkt ist dabei ein Altarbild der 1889 erbauten Anstaltskirche St. Nicolaus, das 1938 an der Ostwand des Chores erschaffen wurde.In einer spektakulären Aktion wurde dieses nun herausgebrochen und als zentrales Element des Gedenkortes vor der Kirche aufgestellt. Zuvor war es viele Jahre in der Kirche verhängt gewesen. Die Denkmalschutzbehörde untersagte eine Vernichtung dieses Zeugnisses nationalsozialistischer Sakralkunst. Details dazu: https://www.zeilenabstand.net/…-inklusion-in-alsterdorf/


    Und so sieht das Ergebnis aus:


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    Gedenkort auf Straße der Inklusion in Alsterdorf – Quelle: Juillet19 bei Wikipedia, Lizenz: CC BY-SA 4.0

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    Wobei ich mir schon die Frage stelle, was Rekobefürworter (zu denen ich mich grundsätzlich auch zähle) beim Europaviertel zu argumentieren haben. Da stehen doch gar keine Rekonstruktionen zur Disposition. Dort geht es doch nur um moderne Architektur, die besser oder auch schlechter ausfallen kann. Darüber kann man diskutieren und ich glaube, dass die Positionen dabei gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Das ist doch eine ganz andere Sachlage und Diskussionsgrundlage als zum Beispiel bei der Bauakademie.

    Das ist doch unfair: Jahrelange Anfeindungen seitens der Bauhaus Architekten lassen die Fronten halt versteinern.

    Was meinst du konkret? Das Bauhaus gehört zu unserer Architekturtradition wie viele andere Stilrichtungen auch. Anfeindungen zwischen Anhängern verschiedener Strömungen wären für jedes Architekturbüro sicher auch nicht förderlich. Insofern frage ich mich schon, worauf du abzielst? Wer sind diese Bauhaus-Architekten ganz konkret? Bitte Butter bei die Fische!


    Darüber hinaus glaube ich auch, dass die Kontroversen zwischen Befürwortern der Rekonstruktion sowie der Moderne zum Teil künstlich dramatisiert werden. Für mich hat jede Seite seine Berechtigung, nur nicht an jedem Ort. Vieles wäre gewonnen, wenn diese Orte eine klare Trennung voneinander erhalten würden. In die entscheidende Phase tritt die Diskussion erst, wenn die ersten Entwürfe auf dem Tisch liegen. Dann kann man sich wenigstens daran abarbeiten.

    Das Kupferdach ist toll, die Kubatur passt in die Gegend und ist doch modern.

    Ich halte gerade diesen Abschnitt für total missraten. Als ob man sich nicht zwischen Dach und Mauer entscheiden konnte. Das Ergebnis ist eine Zwitterlösung, die mit allen Konventionen und Proportionen bricht. Nein, das ist nicht Fisch und nicht Fleisch und ist in meinen Augen keine ansehnliche Architektur. Einzig: Die Farbigkeit des Gebäudes passt sich dem Umfeld an.

    Heute möchte ich eich den Dom in Lund vorstellen, der wohl als der bedeutendste romanische Bau Skandinaviens bezeichnet werden darf. In aller gebotenen Kürze gehe ich auch auf seine Beziehungen zur rheinischen Architekturtradition ein:

    Der romanische Dom

    Zur Baugeschichte

    Erhalten blieb allerdings der seit dem frühen 12. Jahrhundert an Stelle eines Vorgängerbaus errichtete romanische Dom, ein Hauptwerk mittelalterlicher Architektur in ganz Nordeuropa. 1145 ließ Bischof Eskil den Hochaltar weihen. Nach einem Brand 1234 wurde der ursprünglich flach gedeckte Bau mit sechsteiligen Gewölben versehen. Seine heutige Gestalt ist ein Ergebnis der durchgreifenden Restaurierung im 19. Jahrhundert, die durch Karl Georg Brunius und vor allem seinen Nachfolger Helgo Zetterwall umgesetzt wurde. Letzterer ist der bedeutendsten Vertreter des schwedischen Historismus. Die Veränderungen betrafen vor allem die Westtürme, aber auch die Gewölbe wurde erneuert. Ältere Fotografien zeigen das Ausmaß der erfolgten Purifizierung durch Zetterwall.


    Der romanische Bau des 12. Jahrhunderts wurde aus Sandstein erbaut, der in Schonen bei Helsingborg und bei Höör gebrochen wurde. Die Baumeister sind mit rheinischen und italienischen Vorbildern vertraut gewesen. Die Quellen nennen als ersten Architekten einen gewissen Donatus. Doch woraus leitet sich diese Provenienz ab? Schauen wir genauer hin.

    Die Krypta

    Zu den ältesten Teilen des Domes gehört die bereits 1123 geweihte Krypta, die sich als weiträumiger Hallenraum unter Chor und Querhaus erstreckt. Ältere Beispiele einer solchen Raumstruktur finden sich im 11. Jahrhundert am Dom zu Speyer oder an St. Maria im Kapitol in Köln. Insbesondere Speyer mit dem Spiel der Steinfarben und der Gestaltung der Säulen mit attischer Basis und Würfelkapitel darf als direktes Vorbild für Lund gelten.


    Gänzlich singulär sind dagegen die figürlichen Darstellungen an zwei der Lunder Kryptensäulen. Die nordische Legende sieht in ihnen den Riesen Finn und seine Frau mit einem der Kinder Gerda oder Sölve. Die Wissenschaft wiederum geht von den alttestamentarischen Figuren Simson und seiner Geliebten Delila aus. Oder hat sich hier doch der Baumeister verewigt? Letzteres wäre für das 12. Jahrhundert gänzlich unüblich.

    Die Chorapsis

    Das Äußere der reich gegliederten Chorapsis ist zumindest in seiner Gestalt eines der am besten erhaltenen Bauteile der Domkirche aus der Erbauungszeit. Wie die außergewöhnliche Krypta demonstriert sie den überregionalen Anspruch des Erzbistums Lund und seiner Domkirche. Über zwei übereinandergestellten Reihen an Blendfeldern bzw. Blendarkaden folgt ein gestufter Rundbogenfries. Darüber befindet sich unter der Traufe eine Zwerggalerie. Die Kapitelle der Halbsäulen und Säulen sowie die zahlreichen Konsolsteine sind besetzt mit antikisierenden Ornamenten und plastischen Darstellungen von Tiergestalten und Fabelwesen.


    Die Gestaltung der Apsis geht ebenso auf rheinische Vorbilder zurück. Wieder müssen wir als erstes nach Speyer und den Oberrhein schauen, wo die Zwerggalerie erstmals auftaucht. Die zwei- oder mehrzonige Blendengliederung finden wir dagegen am Mittelrhein an der Ostapsis der Klosterkirche Maria Laach aus dem frühen 12. Jahrhundert. Die Verbindung beider Elemente erfolgte schließlich an Niederrhein und Maas (St. Servatius in Maastricht), vor allem an zahlreichen Kirchen in Köln: Groß St. Martin, St. Aposteln, St. Gereon (Chor). Doch weder diese Bauten noch die 1153 geweihten und ebenso gestalteten Ostteile des Bonner Münsters sind älter als der Dom in Lund und können somit auch nicht als unmittelbares Vorbild in Betracht gezogen werden.

    Die Portale

    In eine andere Richtung deuten die beiden Seitenschiffsportale mit ihrem plastischen Bauschmuck an Archivolten, Kapitellen und Tympanon, der wiederum aus floralen Elementen wie Ranken und Akanthusblättern sowie Fabelwesen besteht. Das Nordportal setzt sich von seinem südlichen Pendant durch einen ädikulaartigen Vorbau mit einem freistehenden Säulenpaar ab.

    Konstruktion und Ornamentik verweisen in die oberitalienische Romanik. Die Kunstwissenschaften nennen dabei unterschiedlichste Quellen, aber vor allem scheint die lombardische Architektur für die Lunder Bauplastik eine wichtige Rolle gespielt zu haben.

    Kircheninneres

    Das Kircheninnere ist geprägt von der Einwölbung der Kirche nach dem Brand von 1234. Der Raum präsentiert sich als typische kreuzförmige Basilika mit Querhaus. Der Chorraum ist ebenso wie die Transeptarme aufgrund der darunter befindlichen Krypta stark erhöht.


    Geradezu überschwänglich für einen nordischen Bau jener Zeit zeigt sich der bauplastische Schmuck des 12. Jahrhunderts, der den Außenbau nochmals übertrumpft. Er lässt sich ebenfalls mit den italienischen Einflüssen in Lund erklären. In den Seitenschiffen finden sich in ihrer Variation und plastischen Ausführung außerordentlich kunstvolle Kapitelle. Fabelwesen, tierische Gestalten, Akanthus und Ranken dominieren hierbei die Motivik.


    Eine weitere Steigerung erfährt die Bauplastik in den Querhausarmen. Die dortigen östlichen Kapellenöffnungen werden gerahmt von ädikulaaratigen Konstruktionen, wie wir sie bereits am Nordportal gesehen haben. Besonders reich gestaltet ist die Situation im nördlichen Querhausarm: Die dabei geschaffenen korinthischen Kapitelle sowie die Ornament- und Rankenbänder der Archivolten sind von exzellenter Qualität.


    Fast wie ein Fremdkörper wirken dagegen die im Bogenfeld über der Kapellenöffnung eingelassenen Skulpturen zweier Löwen und eines Seraphen. Sie korrespondieren mit ähnlichen Figuren, die an einer Nischenarchitektur an der Westwand des gleichen Querhausarmes Platz fanden. Hier sind es eine Seraphimgestalt und ein Engel, die auf Löwen stehen. Die Skulpturen lassen die Vermutung zu, dass sie ursprünglich in einem anderen liturgischen Kontext an einem anderen Ort im Dom Verwendung fanden.

    Würdigung

    Die Domkirche in Lund ist zweifelsfrei ein Unikat in der mittelalterlichen Architektur Nordeuropas. Ihre Ausgestaltung auf höchstem europäischem Niveau mit Anklängen an die rheinische und oberitalienische Kunst ist auf die herausragende religionsgeschichtliche Bedeutung Lunds als Erzbistum für ganz Skandinavien zurückzuführen. Entsprechend wirkte Lund auf die nachfolgende romanische Architektur im näheren Umfeld in Schonen, aber auch auf Dombauten wie in Viborg oder Ribe.


    Mehr: https://www.zeilenabstand.net/…bistum-lund-und-sein-dom/


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    Luftaufnahme des Domes zu Lund


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    Mittelschiff mit Blick zum Chor


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    Hauptapsis des Chores


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    Die Hallenkrypta unter Chor und Querhaus


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    Säule in der Krypta mit der Darstellung des Simson (?)


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    Portal am nördlichen Seitenschiff


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    Nische im Querhaus


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    Ädikula im Querhaus

    Das Wallraff-Richarts-Museum ist ein Haus erster Güte in Deutschland. Umso bedauerlicher, dass sich der Neubau so lange hinzieht. Dabei sind die Pläne für die Erweiterung wohl bereits über 20 Jahre alt. Die Stadt Köln scheint nicht viel Interesse daran zu haben, ihr Kultuserbe in einer angemessenen Hülle zu präsentieren.

    ^ Nun ist das Humbold Forum aber nicht der erste Museumskomplex, der in einer historischen Hülle daherkommt. Insofern sehe ich den Gegensatz zwischen Äußerem und Inhalt nicht so zwangsläufig, wie du es darstellst. Letztlich zählt für ein Museum in erster Linie die Nutzbarkeit der Räume für einen solchen Zweck. Und die ist ja eindeutig gegeben.


    Der Knackpunkt scheint hier vielmehr zu sein, dass es Menschen gibt, die der Meinung sind, dass eine absolutistische Barockfassade und ein auf Weltoffenheit gepoltes Museumsquartier nicht in ihrem Symbolgehalt zusammen gebracht werden können. Dabei hätte man doch an der Geschichte des Schlosses wunderbar anknüpfen können, um die gesellschaftliche Wandlung der letzten Jahrhundert anschaulich zu machen. Ein Residenzschloss des frühen 18. Jh. kann natürlich für nichts anderes stehen als für die Herrschaftssysteme jener Zeit, aber ein Schlossfassade, auferstanden aus den Ruinen einer europäischen Katastrophe und auf Beschluss eines demokratischen Parlaments, kann so viel mehr verkörpern. Nein, der Gegensatz, den manche zwischen Hülle und Inhalt des Berliner Schlosses sehen, ist nicht zwangsläufig gegeben. Es ist alles eine Frage der Projektion.

    Stadtgeschichte vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit

    Es waren die Schaumburger Grafen, die Stadthagen Anfang des 13. Jahrhunderts nördlich des Bückeberges, einem Ausläufer des Weserberglandes, planmäßig als militärischen Stützpunkt sowie Wirtschafts- und Verwaltungszentrum anlegten. Für das späte 13. Jahrhundert ist der Name Grevenalveshagen (Graf Adolfs Hagen) bezeugt. Später setzte sich die heutige Bezeichnung durch. Das Stadtrecht erhielt die Siedlung allerdings erst 1344.


    Mit dem Ausbau des Schlosses Anfang des 16. Jahrhunderts erlebte Stadthagen seine Blütezeit. Die Stadt wurde Sitz der Landesverwaltung und die bevorzugte Residenz der Schaumburger. Doch schon 1608 verlegten diese den Regierungssitz in das nahe gelegene Bückeburg. Trotz der damit verbundenen Stagnation in der Entwicklung des Ortes blieb Stadthagen weiterhin Begräbnisort der Grafen bzw. Fürsten des Hauses. Heute präsentiert sich das hübsche Stadtbild vor allem mit zahlreichen Bauten der frühen Renaissance.


    Zur historischen Architektur Stadthagens siehe: https://www.zeilenabstand.net/…enaissance-in-stadthagen/


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    Residenzschloss


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    Rathaus


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    Haus Markt 4


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    Ehemaliger Gildenhof


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    Mausoleum des Grafen Ernst

    Ich weiß ja nicht, ob Herr von Boddien - dessen Lebenswerk man neidlos anerkennen muss - sich damit Freunde macht, nun auf offensichtlich rechtswidrige Weise gegen seinen schärfsten Kritiker zu schießen. Letztlich fällt das wieder auf das Schlossprojekt zurück. Bisher hat er sich ja aus solchen persönlichen Scharmützeln gekonnt herausgehalten. Mich würde wirklich interessieren, welche Äußerungen vom Gericht beanstandet wurden.