Beiträge von tegula

    Eine passende Nutzung würde man dann schon finden – Museum, Hotel, Markthalle, vieles ist möglich.

    In der Regel sind die Abläufe genau umgedreht. Es braucht ein tragfähiges Nutzungskonzept, mit dem dann die Finanzierung der Rekonstruktion verbunden ist. Damit steht und fällt ein solches Projekt, selbst dann, wenn große Teile spendenfinanziert sein sollten. Ganz so lapidar, wie du es also ausdrückst, funktioniert es nicht. Um Investoren anzulocken, benötigt man im Vorfeld gute Ideen, die wiederum auf einer Bedarfsprüfung aufbauen. Benötigt man an diesem Standort in Berlin ein Hotel? Würde eine Markthalle angenommen werden? Welches Museum kommt hier in Frage, wenn nun das Exilmuseum aus dem Rennen ist?

    Wirklich bedauerlich, dass das Museum nicht gebaut wird. Ich hatte bereits den Entwurf von Mandrup einige Seiten zuvor positiv rezensiert. Daran hat sich nichts geändert. Mir erscheint der Bau noch immer ideal dafür, den Portikus des Anhalter Bahnhofs aufzuwerten. Material und Gestalt erscheinen mir für diesen Ort passend, auch wenn einige kompromisslose Rekonstruktionsbefürworter an dieser Stelle nichts anderes als den alten Anhalter Bahnhof akzeptieren.


    Wenn Herr Bernau die inhaltliche Ausrichtung des Museums kritisiert, so mag er zwar nicht ganz Unrecht haben, aber die Aufblähung des Themas Exil sollte bedenken, dass es bereits ein Spitzenhaus zu diesem Geschichtsfeld in Deutschland gibt. Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven ist eines der besten Museen, die ich bisher besuchen durfte. Wie möchte man sich aufstellen, um hier in Berlin keine schlechte Kopie zu bilden? Und wie möchte man sich thematisch absetzen? Da sind nun einige Fragen offen.

    Die jetzige Situation ist für alle nicht ortskundigen hier sehr gut nachvollziehbar:


    https://www.google.de/maps/@50…yOC4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D


    Da wird auch deutlich, dass der jetzige Eckbau ein Altbau ist, bei dem man nur einen großen Teil des Bauschmucks beseitigt hat. Es wäre ästhetisch weitaus naheliegender, diesen Altbau wiederherzustellen, um das historische Ensemble wieder erfahrbar zu machen. Stattdessen macht man in Frankfurt das, was man seit Jahrzehnten macht und was an diesem Ausschnitt überdeutlich wird: Ein Altbau nach dem anderen fällt zugunsten eines Hochhauses mit immer derselben Pseudo-Argumentation. Ein Hochhaus würde die Altbauten besser zur Geltung kommen lassen. Am Ende fallen auch die letzten historischen Häuser. Aus Sicht derjenigen, die auf Rendite aus sind, mag das richtig sein. Für diejenigen, die Ortsbilder retten wollen, ist das ein nicht umkehrbarer Irrweg.

    Sorry, aber dieser Sichtweise kann ich nun gar nicht folgen. Der Unterbau ist mit seiner Dynamik ja noch ganz spannend, aber was darüber folgt, ist die Banalität eines Hochhauses. Was aber nun wirklich ein No-Go ist, ist der Standort, der die beiden historischen Fassaden in unmittelbarer Nachbarschaft komplett erdrückt. Wir kennen so etwas zu Genüge aus den USA, wo die einst stolzen neugotischen Kirchenbauten mittlerweile in den Metropolen im Meer der Hochhäuser wie alberne Spielzeugarchitektur wirken und, beraubt ihrer ursprünglichen Wirkung, komplett verloren gehen. Genau das geschieht hier in Frankfurt auch.

    Solche Filmchen, untermalt mit einer Menge Pathos, transportieren ein Bild der Frankfurter Altstadt, das so nie existierte. Die hygienischen Verhältnisse in Frankfurts Altstadt waren bis weit ins 20. Jahrhundert katastrophal, die Straßen und Wohnungen viel zu eng. Das änderte sich erst durch ein Sanierungskonzept in den 1920er und 1930er Jahren, bei dem aber auch viel Altstadtsubstanz verloren ging. Ähnliches gilt für viele deutsche Altstädte in dieser Zeit.


    Ich bin sicher ein Freund des neusten Wiederaufbaus der Frankfurter Altstadt, aber kein Anhänger von romantisierenden Verklärungen.


    (Nachtrag: Mein Kommentar war vor allem auf einen Wortbeitrag von heute Morgen bezogen, der von der Moderation entfernt wurde.)

    Dass man aus Kostengründen oder anderen Sachzwängen den einen oder anderen Gründerzeitbau nicht retten kann, ist wohl nicht vermeidbar, aber äußerst bedauerlich. Dass man das aber als Erfolgsgeschichte verkauft und sich wundert, wenn es negative Reaktionen hagelt, das zeugt doch von einer völligen Ignoranz gegenüber historischen Bauensembles. Den Namen "CC Baukonzepte" sollte man sich in diesem Kontext merken.

    Abgesehen davon, weiß man auch, was die Leute erfreut und anlockt, sich auch bezahlt in Einnahmen macht. Es sind eben diese schönen historischen Fassaden oder schönen rekonstruierten Fassaden.

    Im Fall der Bauakademie kann ich dir vorbehaltlos zustimmen. An diesem ikonischen Ort, an dieser neuralgischen Stelle des Schlossumfeldes und im Zentrum des historischen Berlins dürfe alles andere als Schinkels Backstein-Fassaden wahrscheinlich einer ästhetischen Enttäuschung gleichkommen. Als pauschale Aussage möchte ich dir aber widersprechen. Es gibt auch moderne Architektur, die die Massen anzieht. Erst im vergangenen Jahr war ich in Oslo, wo das neue Operngebäude der architektonische Star ist und die Massen anzieht. Die Formel "klassisch = anziehend, modern = abstoßend" geht eben nicht immer auf. Vieles hat mit den Erwartungen und Voraussetzungen des Ortes zu tun.

    Ich bin ein wenig irritiert. Hier im Strang hat ein Nutzer nicht ganz zu Unrecht darauf hingewiesen, dass das Frankfurter Schauspielhaus in einem explizit preußischen Kontext der Stadt errichtet wurde. Dass dabei ein Berliner Baumeister zum Zuge kam und die Architektur in bestimmten Details an Berliner Bauten orientiert ist, ist daher sicher nicht zufällig. An diesem Punkt hätte sich eine interessante Diskussion entspannen können. Stattdessen biegt man ganz falsch ab und fabuliert über die Vorzüge der preußischen gegenüber der französischen Besatzung. Wirkt ein wenig irrational.

    Es ist meiner Ansicht nach der einzige Kompromiss, der die meisten zufriedenstellen könnte. Städtebaulich ist die Rekonstruktion der Außenfassade ein Muss, die das Schlossumfeld deutlich aufwerten wird und endlich die Platzanlage vor der Bauakademie als solche erfahrbar macht. Im Innern können sich dann diejenigen austoben, die auf Innovationen und Konzepte in modernen Formen abzielen. Diese könnten nachhaltig und zukunftsfähig sein. Wenn das Nutzungskonzept überzeugend ist, könnte damit ein großer Wurf gelingen, der vielleicht auch auf zukünftige Rekonstruktionen ausstrahlt. Es kommt endlich so etwas wie Vorfreude auf.

    Deshalb würde ich als Vermieter in einem Viertel wie Connewitz die regelmäßig notwendige Graffitientfernung als Reinigungsmaßnahme auf die Nebenkosten umlegen und die Mieter offensiv darauf hinweisen, das zur Not auch gerichtlich durchfechten.

    Die Rechtsprechung hierzu ist höchst uneinheitlich (sogar eher ablehnend) und eine Abrechnung über die Nebenkosten setzt einige Dinge voraus (unter anderem, dass es regelmäßige Kosten sind): https://www.anwalt-suchservice…egt_die_kosten_23325.html Ein kluger Mieter würde dagegenhalten (wir haben uns z.B. gerade erfolgreich gegen eine saftige Mieterhöhung für unsere Doppelhaushälfte gewehrt).


    Letztlich ist das aber auch kein lösungsorienter Weg. Es verteilt nur die Kosten auf die, die am wenigsten für die Sachbeschädigung können. Gleich vorweg: Ich habe auch kein Patentrezept parat. Letztlich ist das Übermaß an illegalem Graffiti ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das genau als solches behandelt werden sollte. Kurzfristige Lösungen sehe ich da nicht. Es bedarf wahrscheinlich einer ganzen Reihe von Ansätzen, um zunächst das Bewusstsein für die Problematik zu schärfen. Dazu gehört auch eine ehrliche Bestandsaufnahme, wann und wo es am ärgsten ist. Gibt es Schwerpunkte und warum gerade dort? Und danach kann man sich über konkrete Maßnahmen unterhalten. Der Blick über die Grenzen ist immer angeraten, dorthin, wo man Graffiti mit konkreten Schritten in Schach halten kann.

    pkdex


    Mir scheint, dass du den entscheidenden Punkt nicht verstanden hast. Egal ob Auto oder Immobilie: Niemand kann dazu gezwungen werden, Schäden an seinem Eigentum zu beseitigen (Verkehrssicherheit vielleicht ausgenommen). Es ist doch eine vollkommen andere Ebene, wer für den Schaden aufkommt. Im Idealfall ist es eine Versicherung.


    Und in der Tat hatten wir diesen Fall vor Kurzem. An unserem Zweitfahrzeug, einem nicht mehr ganz jungen Mazda ist jemand mit einem Schlüssel von hinten bis vorne langgegangen. Da wir im Vorjahr die Vollkasko gekündigt haben, haben wir uns gegen eine Neulackierung entschieden. Es lohnt sich schlichtweg nicht. Niemand bestraft uns, wenn wir es nicht tun. Diese Diskussion erscheint mir doch reichlich sinnbefreit und realitätsfremd.

    Auf welcher Rechtsgrundlage möchte man denn Hauseigentümer dafür bestrafen, dass sie nicht innerhalb kürzester Zeit den Schaden auf eigene Kosten beseitigen, den andere an ihrem Haus verursacht haben? Wir sollten doch besser Strategien diskutieren, die auch umsetzbar sind.

    Letztlich sind die beschriebenen Fehler, dass zum Beispiel die Brühlsche Terrasse auf der falschen Elbseite dargestellt wird oder nervige Details wie Sonnenuntergangsstimmungen, nur bedingt der KI anzulasten. Als Nutzer der KI kann man diese Unzulänglichkeiten mit entsprechenden Routinen leicht in mehreren Arbeitsschritten ausmerzen. Gerade bei der Rekonstruktion von historischen Zuständen empfehle ich dringend, ein reales Foto als Grundlage zu verwenden. Hier mal ganz konkret etwas zur Carolabrücke (wenngleich mit den kritisierten Aufbauten, die nur kurz Bestand hatten):


    Dresden%20-%20Carolabr%C3%BCcke.jpg


    Dresden%20-%20Carolabr%C3%BCcke%20%28KI%20Gemini%29.jpg

    Der Grad zwischen einem sinnhaften Einsatz von KI und visueller Träumerei ohne erkennbares Ziel ist sehr schmal. Ich glaube nicht, dass solche Filmchen die Entscheidungsträger wirklich beeindrucken können. Gleichwohl können sie die Erinnerung an gelungene Architekturensembles wachhalten und eine Begeisterung für historische Lösungen wecken. Auch bei der Carolabrücke in Dresden. Nun ist dieser Bau allerdings im besonderen Maße ein Zweckbau, bei dem die Ästhetik vielleicht nicht ausschlaggebend sein wird.

    Geschichte und Entwicklung der Mathildenhöhe

    Die Siedlung Mathildenhöhe ist als Künstlerkolonie am Rande der Residenzstadt Darmstadt um die vorletzte Jahrhundertwende entstanden. Sie gilt als das schönste Jugendstilensemble in Deutschland und war ein Impulsgeber für die Kunst, insbesondere für die Architektur des frühen 20. Jahrhunderts. Initiator und Mäzen der in eine Parklandschaft eingebetteten Mathildenhöhe war der kunstsinnige Großherzog Ernst Ludwig. Die Vision des Landesherren war es, internationale Künstler an einen Ort zu berufen, an dem sie frei von materiellen Zwängen die Kunst mit einer Rückbesinnung auf das Handwerk reformierten. Diese sollte eine tragende Rolle spielen bei der nachhaltigen Förderung des Wohlstands in Hessen. Heute ist die Mathildenhöhe als bauliches Zeugnis für den Aufbruch in die Moderne ein UNESCO-Weltkulturerbe.

    Der Jugendstil als Reformbewegung

    Der Jugendstil ist in Europa unter vielen Bezeichnungen bekannt: Art Nouveau, Modern Style, Secessionsstil und andere regionale Bezeichnungen. Kaum eine andere Kunstepoche ist mit so vielen Missverständnissen und Fehldeutungen behaftet wie dieser kurze Zeitraum von rund 20 Jahren um den Beginn des 20. Jahrhunderts. Zunächst ist festzuhalten, dass es sich beim Jugendstil weniger um einen Architekturstil als vielmehr um einen ganzheitlichen Ansatz in der Kunst handelt. Einige Wurzeln lagen in der Arts-and-Crafts-Bewegung in Großbritannien. Wichtige europäische Zentren des Jugendstils bzw. des Art Nouveau waren neben Darmstadt primär Wien (Wiener Secession), München, Brüssel, Paris, Nancy, Barcelona und Prag, wobei Strömungen und Ausprägungen teilweise heterogen waren. Bereits an dieser illustren Auswahl lässt sich erkennen, in welcher kunst- und architekturgeschichtlichen Liga das kleine Darmstadt mitspielen durfte.


    Trotz seines gelegentlichen Ornamentreichtums verstand sich der Jugendstil als Reformstil, der als Gegenbewegung junger Künstler und Kunsthandwerker zum rückwärtsgewandten Historismus und Eklektizismus zu verstehen ist. Er richtete sich aber auch gegen die Massenproduktion der Industrialisierung und strebte eine grundlegende Reform von Kunst, Architektur, Handwerk und Alltagskultur an. Damit einher gingen soziale und kulturelle Wandlungen bei neuen Wohnformen, neuen Rollenbildern, der Reformpädagogik oder der Körperkultur.


    Ästhetische Prinzipien sollten bis zum Essgeschirr und dem Besteck in den Alltag integriert werden. Ein typisches Jugendstilhaus war mit Fassade, Möbeln, Beleuchtung, Textilien und Dekor aus einer Hand als Gesamtkunstwerk zu konzipieren. Die Einheit von Kunst und Leben und handwerkliche Qualität statt Massenware waren die Leitlinien. Ornamental kamen geometrische Formen, organische Linien, Pflanzen und Naturformen sowie symbolistische Motive zum Einsatz. Klare Linien, konstruktives Denken und Funktionalität waren dabei Wegbereiter für die Moderne.


    Detaillierte Beschreibung: https://www.zeilenabstand.net/…hildenhoehe-in-darmstadt/


    Galerie


    Mathildenh%C3%B6he%20Darmstadt.jpg

    Die Mathildenhöhe in Darmstadt mit der Russischen Kapelle und dem Hochzeitsturm


    Mathildenh%C3%B6he%20Darmstad%20-%20Portal%20Ernst%20Ludwig-Haus.jpg

    Portal am Ernst Ludwig-Haus von Ludwig Habich


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    Typische Jugendstilformen: Portal des Großen Hauses Glückert auf der Mathildenhöhe


    Mathildenh%C3%B6he%20Darmstadt%20-%20Russische%20Kapelle%20und%20Schwanentempel.jpg

    Russische Kapelle und Schwanentempel (links)


    Mathildenh%C3%B6he%20Darmstadt%20-%20Haus%20Behrens.jpg

    Haus Behrens

    KI-Grafik%20Gro%C3%9F%20St.%20Martin.jpg


    Solche Grafiken fluten neuerdings das Internet. Ich bin selbst begeisterter Anhänger der Möglichkeiten von KI. Die Technik sollte aber verantwortungsvoll eingesetzt werden. Immerhin scheinen die Texte der Grafik weitgehend korrekt zu sein. Der Stadtgrundriss ist dagegen alles, nur nicht Köln. Durch die Windrose wird zudem suggeriert, die Altstadt von Köln und die Kirche Groß St. Martin wären rechtsrheinisch. Aber auch die Kirche selbst, deren Silhouette zwar dem Original nahekommt, strotzt vor Fehlern.


    Ich stelle mir also nicht nur als Kunsthistoriker die Frage, wozu solche Grafiken dienen sollen. Als Lehrmaterial oder Informationsquelle sind sie denkbar ungeeignet, ja geradezu irreführend, und daher als Quelle von Falschinformationen kritisch zu sehen. Dabei wäre das Ergebnis sicher mit entsprechender Nachbearbeitung weitaus besser als diese Schnellschüsse, die lediglich auf kurzen Prompts basieren.

    Ich habe gerade vor wenigen Tagen die Erfahrung gemacht, dass man selbst in der Politik nichts von dem Problem wissen möchte, Fiktion und Realität nicht auseinanderhalten zu können. Ein Politiker, der sich noch vor kurzem anschickte, in Potsdam Oberbürgermeister zu werden, hatte ein Architekturbild bei Facebook hochgeladen. Reine Ki-Fiktion, aber eine perfekte Illusion! Mein Hinweis, er möge seine KI-Bilder doch bitte kennzeichnen, brachte mir einen Anranzer ein. Wenn man bereits in solchen Kreisen nicht versteht, warum man mit dieser Technik verantwortungsvoll umgehen sollte, dann befürchte ich, dass uns da etwas entgleitet.

    Diese Architektur trägt einen Hauch von Größenwahn wie bei vielen Autokraten. Sie beeindruckt allein durch ihre Dimensionen. Bei dem Triumphbogen frage ich mich zudem, wen oder was er ehren soll. Wenn man in der Architekturgeschichte zurückschaut, dann waren solche Bauwerke immer Ausdruck eines glorreichen kriegerischen Sieges. Letztlich setzt Trump sich damit selbst ein Denkmal. Mit der 250-Jahr-Feier der Unabhängigkeit der USA hat das herzlich wenig zu tun.