Beiträge von Aldemar

    Daher erschließt es sich mir nicht, wie innerhalb der nächsten Dekaden bei dem gegebenen Preisniveau Millionen von neuen Einwohnern kommen sollen.

    Das sehe ich anders: Der große Nachholbedarf, den ich sehe, ergibt sich nicht dadurch, dass ich noch mit weiteren Millionen Zuwanderern rechne (auch wenn München natürlich weiter wachsen wird, erst recht wenn die längst fällige ordentliche Rezession kommt). Ich bin der Meinung, dass die Leute schon lange da sind, und sich alle notgedrungen mit der Schei++-Situation arrangieren. Damit meine ich u.a. folgende Leute:


    - Locked-In: Leute, die jahrelang unglücklich in Ihrer Wohnung verharren, weil ein Umzug in eine andere Wohnung (z.B. wegen Zusammenziehen als Paar oder wegen Nachwuchs, oder die Witwen in den Riesenwohnungen) nicht leistbar ist

    - WGs: Übervolle WGs mit Studenten oder Niedrigverdienern, die lieber wie anderswo in DE in Ein- oder Zweizimmerwohnungen wohnen würden

    - Pendler: In allen Groß- und Kleinstädten in der weiteren Metropolregion leben Horden von Leuten, die wegen der Mietpreise rausgezogen sind, und nicht weil sie es dort so toll finden. Nebeneffekt riesiges Verkehrsaufkommen, weil die natürlich auch irgendwie nach München in die Arbeit müssen und eben nicht mit dem Fahrrad fahren können

    - Übers-Ohr-Gehauene: Leute, die notgedrungen baurechtlich illegale Souterrain-Wohnungen, Schimmelwohnungen, Über-der-Mietpreisbremse-Wohnungen, 19m²-Wohnungen, Tegernseer-Landstraße-Wohnungen, 50er-Jahre-mit-Originalbad-für-23€-kalt-Wohnungen wohnen, einfach weil sie nichts besseres finden oder leisten können.

    - Heimatflüchtlinge: Weiteres jetzt schon bestehendes Potenzial sind alle die, die aus dem Großraum München stammen, aber wegen der irrwitzigen Wohnsituation das Weite gesucht haben, bei einer Entspannung der Lage aber zurückkommen würden


    Diese Leute sind schon lange da, aber die beschweren sich aus irgendwelchen Gründen halt nicht. Das bedeutet aber nicht, dass diese Zustände kein Problem darstellen. Daher: Massiver Handlungsbedarf bereits JETZT.

    • Wo wäre denn ein geeigneter Standort?
    • Was ist der Vorteil gegenüber einer Fortentwicklung bestehender Siedlungen?

    Ich sehe da in jeder relevanten Hinsicht nur Nachteile.

    derzberb Wo genau, das habe ich natürlich nicht untersucht. Da müsste man halt erst mal eine Kommission bilden, bei der das weitere Umland gescannt wird. Dann sollte man Kriterien wie geeignete Topografie (nicht zu hügelig), Anbindung (gibt es schon Autobahn/Zuganschluss), gibt es andere bestehende Synergien, die man nutzen kann? Zusätzlich sollte auch ein Kriterium sein, dass genügend Reserven für das Wachsen solch einer Stadt da sind. Ich bin mir sicher, dass dann schlaue Lösungen herauskommen. Eine Mindestgröße von 100.000 Einwohnern sollte es schon sein, dass das für mich Sinn ergibt. Man kann auch eine Ansammlung von bestehenden Vororten/Kleinstädten nehmen und die dann zu einer neuen Stadt überplanen, wie man es in Milton Keynes gemacht hat.


    Gedankenspiele:

    - Bereich Markt Schwaben/Pastetten/Forstern, da es dort schon die A94 gibt und den Arm der Südostbayernbahn

    - Idee von LugPaj: Im Bereich der Speicherseen

    - Der gesamte Ebersberger Forst ist im Wesentlichen eine flache Ebene

    - Ebenfalls gut wäre das Gebiet zwischen Brunnthal/Sauerlach/Höhenkirchen/Holzkirchen. Hier gibt es die A8 und die Zuglinie.

    - Odelzhausen/Pfaffenhofen an der Glonn an der A8 Richtung Augsburg

    - es würde noch einiges rauskommen, worauf ich jetzt nicht gekommen bin


    Der Vorteil gegenüber der Fortentwicklung von bestehenden Siedlungen besteht für mich in der zu erzielenden Baudichte. Wenn ich weitere Stadtgebiete an München anbinde, dann wird man darauf achten, keine zu große Dichte zu erzielen, da dies dann ja Außenbezirke darstellen. Bei einer ganz neuen Stadt kann ich im Zentrum eine richtig hohe Bevölkerungsdichte relativ zur eingesetzten Fläche realisieren. Zusätzlich kann ich die Infrastruktur genau so aufsetzen, dass es auch verkehrsmäßig gut funktioniert. Zudem würde es Oberbayern nicht schaden, ein Gegengewicht zur Zentralisierung durch München zu haben.


    Schlussendlich möchte ich das Argument von Isek aufgreifen und behaupten, dass sich eine neue Stadt und die Fortentwicklung von München ja nicht gegenseitig ausschließen. Das kann und sollte man durchaus parallel und aggressiv treiben. Kern meiner Argumentation ist ja, dass der Siedlungsdruck und der Rückstand so riesig ist, dass jetzt eben radikale Maßnahmen notwendig sind. Aus meiner Sicht würden diese Maßnahmen sofort greifen und die Leute würden ohne zu zögern dort hinziehen. Der zusätzliche Siedlungsraum wird einfach so dringend benötigt in Oberbayern.

    Hallo an Alle, ich bin kein Bauexperte wie Ihr, aber bin als Einheimischer, der in den letzten Jahren mehrmals in München auf Wohnungssuche war, mit der Münchner Wohnsituation bestens vertraut. Ich habe einige Fragen, die mir schon länger im Kopf herumgeistern, und mich würde Eure Experten-Sichtweise zu diesen brennend interessieren.


    Ausgangslage (Wenn zu viel Text, einfach überspringen): Wir sehen in München eine Boomtown, die dabei ist, in die Riege europäischer Top-Städte aufzusteigen. Es kommen mittlerweile immer mehr auch internationale Firmen und deren Arbeitnehmer nach München (z.B. Apple). Gleichzeitig ist München die bereits die am dichtesten bebaute Großstadt in Deutschland, dazu mit extrem wenig Park-/Sport-/Freizeitflächen (abgesehen von Isar und Englischer Garten). Der unkontrollierbare Siedlungsdruck geht bereits weit über den MVV-Bereich hinaus, bis hinter Augsburg, Ingolstadt, Rosenheim und ins gesamte Alpenvorland.


    In den Threads zu München werden von Euch hauptsächlich alle Arten von Nachverdichtung und die Hochhausfrage diskutiert, meiner Meinung nach zu Recht, aber doch etwas verkürzt. Der politische Wille im Stadtrat scheint langsam mehr und mehr zu kommen, beschränkt sich aus meiner Sicht jedoch auf wenig ambitioniertes "Herumdoktern". Das Ideal des "Millionendorfs" scheint mir immer noch sehr dominant, und man will sich nicht wirklich eingestehen, dass dieses mittlerweile halt einfach Geschichte ist und die Realität eigene Tatsachen geschaffen hat.


    Viel Text, jetzt meine Fragen: Warum werden in der gesamten Diskussion eigentlich keine deutlich größer gedachten (= RADIKALERE) Maßnahmen diskutiert?


    - Eingemeindungen: Früher hat man bei stark wachsenden Großstädten einfach mal das Umland eingemeindet und diese Gemeinden dann vollgebaut. Bestes Beispiel Berlin vor 100 Jahren. Es gibt in den Nachbargemeinden von München unendlich viel Platz (Brunnthal, Kirchheim, Höhenkirchen, um nur einige zu nennen), und die Gemeinderäte stehen schon seit Jahrzehnten nur auf der Bremse was das Thema Bauland angeht. Das Münchner Stadtgebiet stößt doch schon lange an seine Grenzen, aber das Wort Eingemeindung habe ich bisher noch nie gehört. Warum?


    - Entlastungsstadtviertel: Mir fehlen die ambitionierten Würfe für neue, große Stadtviertel wie früher Neuperlach oder Hasenbergl. Dass die nicht gelungen sind ist klar, nur heute könnte man das ja schöner machen. Beispiel: Seestadt Aspern in Wien. Tolles Viertel mit hoher Wohnqualität. Nur Freiham alleine ist mir persönlich zu wenig (dauert auch alles zu lange), und beim neuen Stadtviertel Daglfing/SEM-Nordost sorgt man sich ja eher, ein paar Bauern zu verärgern, als mit Schwung ein ordentliches Viertel mit 30-40.000 Einwohnern zu entwickeln. Warum?


    - Entlastungsstadt: Mein Lieblingsthema - mit dem ich leider alleine dastehe. Warum ist es nicht möglich, eine oder mehrere Entlastungsstädte zu bauen? Beispiel Milton Keynes/London. Es gibt rund um München, über die direkt angrenzenden Gemeinden hinaus, ebenfalls massig Platz. Ich denke hier besonders über die Gegend an der A94 nach Osten raus (hinter Markt Schwaben) oder über die Gegend zwischen Augsburg und Pasing an der A8 bei Odelzhausen. Wann wurde denn überhaupt in Deutschland in den letzten 200 Jahren mal eine neue Siedlung, oder eine neue Stadt gegründet? Milton Keynes hat übrigens heute 230.000 Einwohner und wurde in den 60ern auch quer über bestehende Ortschaften und Kulturlandschaft drüber geplant.


    Meine Meinung ist, dass die Situation so angespannt ist, dass es Zeit wird, endlich mal in richtig großen Bahnen zu denken. Mal hier 50 Wohnungen und da 200 Wohnungen irgendwo reinzupressen ist schlichtweg zu WENIG. Es macht mich wütend, dass ich als Einheimischer als Gutverdiener (deutschlandweit gesehen) im erweiterten Großraum nur unter größten Anstrengungen eine Wohnung kaufen kann, von einem EFH wage ich schon gar nicht mehr zu träumen. Das ist nicht mehr normal, und trotzdem scheinen sich alle irgendwie damit zu arrangieren ("München war immer schon teuer, ist halt so"). Aus meiner Sicht ist der einzige Weg, Druck aus dem Kessel zu nehmen, Bauland zu schaffen, und zwar in großem (= mehr, als sich das gerade jemand vorstellen mag) Stil.


    Wenn ich mit Freunden solche Themen diskutiere, ist immer das Hauptargument "dann müsste man ja Bauern das Land wegnehmen" oder "dann ändert sich ja so viel für die, die ja schon dort wohnen, das wäre ja blöd für die". Auch gerne kommt das Argument, dass wir eh schon zuviel Flächenversiegelung haben. Obwohl ich das aus persönlicher Sicht immer gut nachvollziehen kann, stehe ich auf dem Standpunkt, dass es hier um die Lebensrealität von 5 Millionen Menschen in der Metropolregion geht, für die dieser krasse Siedlungsdruck handfeste negative Auswirkungen auf das Leben hat. Das wiegt aus meiner Sicht deutlich schwerer als diese Argumente.


    Mir ist klar, dass das meiste davon wahrscheinlich Themen sind, die auf politischer Ebene angeschoben werden müssten. Vielleicht liegt da ja der Hund begraben, denn ich traue es unserer politischen Führungsebene schlicht nicht zu, solche großen Projekte zu starten und dann durchzuboxen. Mir fehlt generell in der ganzen Debatte bei allen Beteiligten die große Linie, die Vision für eine bessere Zukunft, und auch der Mut, mal andere Wege zu gehen als über Änderungen an Fußnoten des Bebauungsplans zu diskutieren. Man sollte das beschließen und einfach mal ordentlich ranklotzen. Man sollte sich die Chinesen wirklich nicht zum Vorbild nehmen, aber die kriegen das irgendwie besser hin mit mehr Tatkraft. Warum sollten wir das nicht auch können, nur in fair und schön?


    Teil dieser Debatte seid aber eigentlich auch Ihr Architekten, Stadtplaner und Baufachleute, und aus Eurer Ecke hört man auch wenig, was über die geregelten und bewährten Bahnen hinaus geht.


    Mich würde ehrlich interessieren, was Ihr über meine vorgeschlagenen Maßnahmen denkt. Dazu könnt ihr gerne über meine Naivität und fehlende Fachkompetenz drüberfahren. Es würde mich extrem freuen, wenn sich hier eine konstruktive Diskussion inkl. Einblicke/Vorschläge über das normale Denken hinaus etc. entwickeln würde. Das Thema brennt mir wirklich auf den Nägeln. Vielen Dank.