Beiträge von Ivar

    Nun kann ich das Projekt auch durch ein aktuelles Inserat auf einem Immobilienportal ergänzen: für nur 7.000 Euro pro qm werden hier Wohnträume verwirklicht.


    Spannend wäre es weiterhin zu wissen, was hier um die Gründerzeit stand, denn die Gebäude Fregestraße 5-7 wie auch gegenüber in der Feuerbachstraße stammen wie oben erwähnt teils aus den 20ern. Den freigelegten und mit viel Aufwand entfernten massiven und teils 1m breite gemauerten Fundamenten nach zu urteilen, muss es sich um Gewerbebauten gehandelt haben. Darauf deutet auch das unter der Grasnarbe erkennbare Pflaster hin.

    Ich zitiere mich mal selbst: anbei der aktuelle Stand zum o.g. Projekt - die Bodenplatte ist gegossen und lässt erahnen, was hier Nachverdichtung für die umliegenden Gebäude bedeutet: img_1683aejkp9.jpeg">

    Ach was, die Abgesänge kommen zu früh. Wurde übrigens vor 20 Jahren über Leipzig genauso erzählt, als es noch als rußschwarzes Jammertal ohne DHL und BMW dastand. Ohnehin denke ich als Landbewohner in langen Zyklen. Nach dem Dreissigjährigen Krieg hatte Mageburg noch 450 Einwohner. Der Mensch und seine Sturheit ist zäher als politische Moden oder ökologische Tagesdiskussionen.


    Entscheidend wird sein, nach wie vor hinreichend Autoverkehr zuzulassen, um die wirtschaftliche Attraktivität der Stadt mit ihrere überregionalen Anziehungskraft zu erhalten. Dazu gehört Eventtourismus (40000 Zuschauer bei RB, 15000 bei Arena-Konzerten, 200000 bei großen Messeveranstaltungen) und das unkomplizierte Einpendeln aus der Breite des Umlands, nicht nur aus einigen gut angeschlossenen Mittelstädten. Aus meiner Sicht sind die Diskussionen zur Beförderung von Rad- und Fussverkehr zu einseitig aus Einwohnerperspektive gedacht, obwohl die Stadt nur das ist, was sie ist, weil sie verkehrlich immer sehr offen und zugänglich war. Leipzig ist historisch gesehen eben nichts weiter als eine sumpfige Waldlichtung, an der jemand angefangen hat, zwei mal im Jahr Rummel abzuhalten. In diesem Spannungsfeld bewegt man sich im immer noch vergleichsweise struktur- und einkommensschwachen Leipzig nach wie vor, so dass die Zugbrücken nicht hochgezogen gehören.

    Dass die Abgesänge auf die Großstadt zu früh kamen ist sicher richtig, ob sie auch in Bezug auf Klein- und Mittelzentren überholt sein werden, muss sich zeigen, da fehlt uns allen die funktionierende Glaskugel. Viele Faktoren spielen eine Rolle, darunter Kosten und Verfügbarkeit von Wohnraum im Zentrum wie in der Peripherie und demgegenüber Kosten und Machbarkeit des Pendelns (von bspw. sich ändernden Arbeitsmodellen bei vielen - nicht allen - Berufen abgesehen).

    Pendelbewegungen wird es immer geben, aber wie oben ausgeführt ändert sich die Art und Weise und es wird vermutlich künftig nicht mehr möglich sein, Einpendeln per Auto jedem/r Einzelnen zu ermöglich - es ist auch ökologisch wie logistisch nicht sinnvoll, denn es verschwendet Platz und andere Ressourcen (Platz der bspw. benötigt wird um die Stadt grüner zu machen, damit sie in Zeiten von steigenden Temperaturen kühler wird).

    Zum Thema Dienen: die Großstadt dient nicht dem Umland genauso wenig wie das Umland von Gnaden der Großstadt exisitert. In der Großstadt gibt es Einrichtungen (Krankenhäuser, Kultur) und Leistungen, die es auch ohne das Umland gäbe (die Leipziger können das Gewandhaus auch so auslasten). In keinem Fall jedoch sollte es so sein, dass bspw. die Bevölkerung der Stadt (hier 600.000 Leipzigerinnen und Leipziger) dem zahlenmäßig nicht größeren Umland einen bestimmten Lebensstil ermöglicht und dafür auch in Form von blockierten Flächen, Erschließungskosten oder eben insb. Lärm- und Schadstoffemission sowie einem erhöten Verkehrsunfallrisiko die Kosten trägt. Überhaupt geht es hier nicht darum das eine gegen das andere Lebensmodell auszuspielen, jedoch ist die Entscheidung an einem bestimmten Ort zu leben und einem anderen zu arbeiten eine individuelle für die nicht die Allgemeinheit die Kosten tragen sollte. Und ich muss Dir weiter widersprechen: eine Stadt sollte schon den dort lebenden Menschen ein gesundes und sicheres Umfeld bieten.

    Beschränkung von individuellem Pendelverkehr gibt es zudem andernorts seit Jahrzehnten - ich war 2003 in Trondheim (ca. 180.000 Einwohner) und die hatten schon damals eine City-Maut. In Deinem Fall ist das Parken in Altenburg eine völlig zumutbare Lösung (kannst auch bis Borna, Neukieritzsch oder Markkleeberg fahren).

    Zu Deinem letzten Punkt: ja, Verkehr war für Leipzig immer entscheidend. Das hat aber nichts mit Sumpf und Rummel zu tun sondern mit der Kreuzung von Via Regia und Via Imperia.

    "In den kriegsgebeutelten Städten Deutschlands muss man allerdings erst einmal wieder einen gewissen Bestand an objektiv schönen, sprich historisierenden Gebäuden herstellen, bevor man städtebaulich extrem relevante Orte mit Hässlichkeit zumüllt, die in 30-40 Jahren abgerissen werden müssen und demnach null nachhaltig sind, nur weil die Architektenschaft sklavisch einem selbsterfunden Zeitgeist folgt, der für 99% der Menschen vollkommen irrelevant und uninteressant ist."

    "Objektiv schön" ist ein Oxymoron und in jedem Fall nicht zwangsläufig verbunden mit "historisierend". Schönheit liegt im Auge der Betrachtenden und das ist auch gut so und es ist vermutlich eben gerade deshalb praktisch nicht möglich, jeden Geschmack zu treffen. Architketur folgt auch nicht sklavisch einem Zeitgeist, es gibt und gab jedoch in allen Zeiten architektonische Trends.


    Ganz grundsätzlich (und dies ist eine Wiederholung): Deine Meinung ist legitim, die Art und Weise, wie Du sie vorbringst passt nicht.

    Der Auftakt mit diesem Gebäude versinnbildlicht wieviel altmodische Herangehensweisen bei vielen Architekten noch verinnerlicht sind!

    Ich fürchte diesen nicht unberechtigten Vorwurf muss man dem Bauherren machen. Vielen der Argumente kann ich nur zustimmen: ein Bauen ohne Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten dürfte es längst nicht mehr geben. Nun weiß ich nicht, ob das Gebäude ansonsten über Mindestanforderungen bzgl. Ressourcenverbrauch hinausgeht und auch das Schaffen von Stellplätzen ist vermutlich schon aus Gründen der Barrierefreiheit geboten, jedoch sollten bei jedem öffentlichen Bauprojekt Dinge Radverkehr oder auch bspw. Kühlung der Umgebung mitgedacht werden.


    Bzgl. des Themas Kontraste in der Stadlandschaft ist es vielleicht besser zu formulieren, dass diese nicht vor allem aber eben auch von Brüchen lebt. Auch hierfür gibt es in Leipzig zahlreiche Beispiele. So stimmig der Augustusplatz der Vorkriegszeit vielleicht gewesen sein mag (auch hier gab es mit den beiden Hochhäusern ja bereits Brüche), so ungern wollen wir doch heute auf Gebäude wie das Gewandhaus verzichten. Und der lange Streit um das Paulinum hat am Ende den Platz bereichert. Auch wenn heute Menschen sehr gerne in Gründerzeitvierteln leben, wir uns an prächtigen Gebäuden wie der Albertina erfreuen (wie verschwenderisch man doch seinerzeit mit Material und Raum umgegangen ist und Unmengen von Sandstein aus der Landschaft gebrochen hat) und Fassasden mit verschiedenem Schmuck gefällig wirken, so wäre doch eine homogene Stadt am Ende auch irgendwie langweilig und eben auch nicht zeitgemäß.

    (...) Der Turm ist zwar nicht begehbar, war dafür aber einstürzgefährdet, weil die kleinste Glocke zu hochfrequent läutet. Hat man da eigentlich nachgebessert?

    Ist m.E. erledigt: https://www.lvz.de/Leipzig/Lok…ten-in-der-Propsteikirche.


    Zudem muss man das Wort Architekturbüro eigentlich nicht in Anführungszeichen setzen, denn es sind tatsächlich welche ...


    Eine Stadt lebt auch von Kontrasten und es gibt eben unterschiedliche Auffassungen darüber, ob ein Gebäude hauptsächlich äußerlich gefallen oder bspw. seinem eigentlichen Zweck gut dienen soll. Und dass sich Formensprache über die Zeit verändert ist auch erst einmal nicht schlimm - man erinnere sich nur an die unzähligen Gebäude, die in der Gründerzeit großen Messepalästen weichen mussten (Literaturtipp: LEIPZIG - Bilder aus der Vergangenheit - Ein verlorenes Stadtbild). Und schließlich braucht es für manche Gebäude auch etwas Zeit, um sie zu schätzen.

    Gottlos und hässlich. Moscheen sehen so schön aus, im Gegensatz zu dieser.

    (ist dies das Niveau auf welchem hier über Architektur diskutiert werden soll?) ... Was macht das Gebäude gottlos bzw. wie sollte eine moderner Sakralbau eher gestaltet sein? Hässlichkeit wiederum liegt im Auge des Betrachters und ist Deine Sicht. Hier wäre jedoch die Formulierung "ich finde den Entwurf hässlich" besser geeignet. Letztlich ist aus meiner Sicht dieser doch ein recht gelungener Versuch, auf einem Eckgrundstück an einer Hauptstraße einen Sakralbau zu errichten.

    Auch im Waldstraßenviertel schreitet die Nachverdichtung voran: im Innenhof der Hausnummern 5-7 entsteht ein Wohnhaus mit Tiefgarage (vgl. Amtsblatt 11/2021 Seite 10). Dafür musste einiges an Grün weichen und inzwischen kamen beim Aushub die Grundmauern schon lange nicht mehr existierender Gebäude zum Vorschein (vermutlich gründerzeitlich, die Vorderhäuser sind aus den 20ern). Spannend wäre zu wissen, wie die Bebauung um die Jahrhundertwende hier aussah. Auf ganz alten Karten ist hier sogar noch ein Flusslauf erkennbar gewesen.


    image.php?img=210629_fregestr_hinte5mjlu.jpgBild:


    Quelle: eigenes Foto

    Nun kann ich das Projekt auch durch ein aktuelles Inserat auf einem Immobilienportal ergänzen: für nur 7.000 Euro pro qm werden hier Wohnträume verwirklicht.


    Spannend wäre es weiterhin zu wissen, was hier um die Gründerzeit stand, denn die Gebäude Fregestraße 5-7 wie auch gegenüber in der Feuerbachstraße stammen wie oben erwähnt teils aus den 20ern. Den freigelegten und mit viel Aufwand entfernten massiven und teils 1m breite gemauerten Fundamenten nach zu urteilen, muss es sich um Gewerbebauten gehandelt haben. Darauf deutet auch das unter der Grasnarbe erkennbare Pflaster hin.

    Auch im Waldstraßenviertel schreitet die Nachverdichtung voran: im Innenhof der Hausnummern 5-7 entsteht ein Wohnhaus mit Tiefgarage (vgl. Amtsblatt 11/2021 Seite 10). Dafür musste einiges an Grün weichen und inzwischen kamen beim Aushub die Grundmauern schon lange nicht mehr existierender Gebäude zum Vorschein (vermutlich gründerzeitlich, die Vorderhäuser sind aus den 20ern). Spannend wäre zu wissen, wie die Bebauung um die Jahrhundertwende hier aussah. Auf ganz alten Karten ist hier sogar noch ein Flusslauf erkennbar gewesen.


    image.php?img=210629_fregestr_hinte5mjlu.jpgBild:


    Quelle: eigenes Foto