Rationale Schemata sind aber kein Alleinstellungsmerkmal der Moderne. Es gibt natürlich viele alte Kasernen und sogar Schlösser mit schlicht-strenger Achsenstruktur bis zum Horizont.
Das fällt mir bei Barockschlössern immer wieder auf, man betrachte zum Beispiel die Seitenflügel vom Schloss Charlottenburg. Ganz zu schweigen von Bauten der Romanik. Oder man denke an einen antiken Tempel. Trotzdem werden solche Gebäude von den allermeisten zumindest als angenehm empfunden. Daher ist die Forderung nach "Abwechslung" so (pauschal) auch nicht richtig. Und schon gar nicht die Forderung nach "Innovation" (jenseits von Gebäudetechnik o.ä.). Ein Gebäude muss nicht innovativer sein als ein Tag am Strand oder ein Waldspaziergang, es sollte aber so angenehm sein. Der Leipziger Platz ist leider nicht angenehm, schon gar nicht schön.
Es ist im Prinzip sehr einfach: Dach entweder mit Schrägen, Überhang und Dachziegel o.ä. oder flach und mit gestaltetem Gebäudeabschluss, Türen und Fenster mit Einfassungen und nicht nur als Löcher in der Wand, unterteilte Fenster, horizontale oder vertikale Fassadengliederungen statt durchgehender (Putz-)Fassade und ein paar Schmuckelemente. Alleine schon mit diesen (oder ähnlichen) wenigen Merkmalen kommt man schon sehr, sehr weit. Das alles hat sich über Jahrtausende der Menschheitsentwicklung herausgebildet, also bewährt, und wird vom modernen Bauwesen (also neben Architekten, die oft in Zwänge stecken, auch von Bauherren, Investoren und der Politik) überwiegend abgelehnt. Die moderne Architektur ist weitgehend wie ein Koch, der sich standhaft weigert, Salz, Peffer und Fett (Öl / Butter ...) zu verwenden, weil das altmodisch ist, und dann beleidigt wird, wenn der überwiegende Teil der Gäste seine Gerichte nicht goutiert.