Übrigens, ich persönlich hätte auch ein moderner wirkendes Haus schön gefunden, obwohl ich einer klassischer wirkenden Variante eher zugetan bin.
Das hängt für mich hauptsächlich vom Gestaltungswillen ab und da sagt mir meine persönliche Erfahrung/Wahrnehmung, daß der klassischere Entwurf meist mehr zu bieten hat und somit oft im Vorteil ist Baulücken verträglich zu schließen bzw. Stadtstrukturen wirklich heilend zu reparieren.
So ist es.
Der entscheidende Satz von Baukörper ist ja dieser: "Da bin ich dann doch für gute moderne Architektur, die auch so aussieht." Das Problem ist halt, dass der Großteil der modernen Architektur für den Großteil der Menschen nicht gut ist -- also nicht als angenehm empfunden wird, geschweige denn als schön. Und weil es die moderne Architektur (gemeint sind hier natürlich immer auch Bauherren, Investoren und politische Entscheidungsträger) ganz überwiegend nicht verstanden hat, gut zu bauen und damit ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden, sehnen sich die Menschen nach klassischen Formen. Für mich persönlich ist der Wunsch nach diesen klassischen Formen inklusive Rekos vor allem Notwehr.
Ich frage mich immer, was diejenigen, die althergebrachte Formen so allergisch ablehnen oder doch zumindest lächerlich machen, eigentlich frühstücken oder sonst so essen. Kaffee, Tee, Bier, Wein oder Brot kan es nicht sein, denn das gibt's so teilweise schon seit tausenden von Jahren. Die Architektur ist der einzige Bereich, wo eine sich als aufgeklärte Kenner ausgebende Minderheit der Mehrheit ständig weißzumachen versucht, althergebrachte Dinge seien kleingeistig und daher abzulehnen. Wie ein Koch, der ständig Hering mit Vanillesauce serviert und dann empört ist, wenn seine Gäste das ablehnen und lieber etwas essen möchten, was ihnen schmeckt.