Beiträge von Baukörper

    Pardon, @RothesRathaus, ich möchte mich nicht mit den irren Taliban und den verwirrten und teils ebenso irren von der AFD in Zusammenhang setzen lassen.


    Es geht nicht um aufräumen oder wegwerfen.

    Wenn die Hohenzollern gerne ihre Toten aufbewahren möchten, sollen Sie das gerne tun, auch gerne an derselben Stelle und auch gerne mit ihrem eigenen Geld.

    Aber bitte ohne dazu noch ein neues Gebäude zu errichten und das Ganze noch mehr in die Öffentlichkeit zu stellen. Das ist der Zeit nicht angemessen. Lasst die Toten einfach Ruhen.

    Ich muss ja sagen, dass ich da sehr skeptisch bin. Weniger wegen dem Ergebnis, sondern eher, dass es überhaupt einen solchen Wettbewerb gab.


    Wäre es nicht angebracht, diese adlige Särgesammlung aufzulösen und sie tatsächlich in eine letzte Ruhestätte zu verbringen?


    Mal ehrlich, Normalsterbliche kommen, wenn's gut läuft in eine Dose in einer Mauer oder unter die Erde und nach 25 Jahren wird reiner Tisch gemacht. Zu sehen gibt's da nix mehr und das ist auch gut so. Aber hier werden zum Teil Kindersärge von vor Jahrhunderten leider viel zu früh gestorbenem Nachwuchs ehemaliger Regenten, aufbewahrt und zur Schau gestellt und zu Kulturgut erklärt.


    Das ganze ist, für mich, ich wiederhole mich, ein Kuriositätenkabinett und es gehört aufgelöst und nicht erweitert und noch besser präsentiert, auch nicht für die ehemals bedeutendsten unter den Toten. Die sollen bitte eine letzte Ruhestätte finden, wo dann auch wirklich Ruhe ist.

    Das kann auch gerne an der gleichen Stelle sein, wie jetzt, aber dann bitte ohne gaffende Touris und Neonlicht.

    Hydraulik, Federung und Hebelgesetze sind aber gerade keine ganz so neuen Erfindung die bei dem Denkmal zum allerersten Mal versuchsweise ausprobiert werden.


    Ein Unikat ist es nur hinsichtlich der Bauform und das ist doch toll, es wird ein Alleinstellungsmerkmal für Berlin.

    Ich finde ja den hier zu oft gezogenen Vergleich zwischen den Wippen am Tilla-Durieux-Park und dem Einheitsdenkmal für völlig falsch.

    Diese Wippen sind, weltfremd, für zwei Personen konzipiert, was ja ohne Überwachung nicht funktionieren kann. Sie wurde außer Betrieb gesetzt, da eine Nutzung von mehr als zwei Personen zu Lockerungen der Verankerung führte.


    Das Einheitsdenkmal ist von Anfang an für die Nutzung durch viele Menschen konstruiert, die auch benötigt werden, um die Bewegung überhaupt auszulösen. Die meisten Zeit wird es daher gar keine Bewegung geben, es sei denn, es werden ganze Busladungen mit Schulklassen und Touristen dort hingekarrt.

    Spielplätze oder auch Uferkanten in Häfen, Anlegestellen für Boote, Brücken über Täler und Flüsse, Freitreppen und Rollstuhlrampen - all sowas funktioniert ohne ständige Überwachung. Die meisten wissen schon, dass man stürzt, wenn man sich oben an der Treppenkante fallen lässt.

    Wenn jemand an einem x-beliebigen Platz anfängt zu randalieren, kommt irgendwann die Polizei und bringt den weg, mit den entsprechenden Konsequenzen.

    Ich sehe auch nicht, dass das Denkmal irgendwen besonders dazu provozieren sollte zu randalieren oder zu trinken oder beides.

    Darunterunter krabbeln und den Kopf in die Mechanik zu stecken, soll ja sowieso durch Netze unter der Schale verhindert werden.

    Wenn nötig kann auch eine Lichtschranke, ähnlich wie beim Aufzug die Bewegung der Schale stoppen, wenn Gefahr für irgendwen, der unabsichtlich darunter geraten ist, besteht.


    Abwarten, wenn das Ding fertig ist, und das ist mehr eine politisch-finanzielle, als eine technische Frage, dann wird es eins der Top-Highlights in Berlin.

    Wieso sollte es übermäßige Beschilderungen geben? Piktogramme, die die wichtigsten Regeln bezeichnen, passen auf normale Schilder und mehr braucht es nicht.


    Die andere Sache ist die, dass es natürlich auch Betriebszeiten geben kann, an denen dann Personal anwesend ist um eventuelle Unwägbarkeiten abzufangen. Dass könnte z.B. der Fall sein, wenn sich zu oft zu viele Personen am und auf dem Denkmal aufhalten wollen.

    Genauso gut könnte es dann auch Führungen geben um den Mechanismus und damit die Intention der Schale zu Erläutern und begleitet vorzuführen.


    Aber soweit ist es leider noch nicht. Das Denkmal muss zuende gebaut werden. Das kann jetzt auch noch was dauern, die Deutsche Einheit ist ja auch was komplizierter geworden als viele von uns 1989 hofften, daher ist das unvollendete Denkmal doch zur Zeit ein passendes Symbol.

    Ich glaube ja mittlerweile, dass es hier Zweckskepsis bei den "Gegnern" des Projekt gibt. Warum sollte es nicht funktionieren? Zumal die durchgeführten Bewegungen überschaubar bleiben. Bei Aufzügen, Rolltreppen, Schwimmbädern, Freizeitparks usw. gibt es auch Risiken und dennoch werden sie in grosser Zahl betrieben ohne dass dort eine Vielzahl an Unfällen passiert.

    Sicher wird das Denkmal enge Wartungsintervalle haben, es wird Sicherheitseinrichtungen geben und Notabschaltungvorrichtungen, eine permanente Bewachung ist ebenso unnötig wie an Bahnsteigkanten oder Fussgangerüberwegen. Wer sich an die allgemeingültigen und speziellen Regeln (nicht die Sicherheitsvorkehrungen überwinden und den Kopf in die Mechanik stecken) hält, wird genauso wenig zu Schaden kommen, wie derjenige, der Aufzüge und Achterbahnen regelrecht benutzt.

    Merlin :
    Danke für den ausführlichen Bericht!

    Ich kann mich gut erinnern, als ich das "Schätzchen" das erste Mal, vom Landwehrkanal aus entdeckt habe, und mich über die ausgefallene Architektur freute. Das muss dann kurz nach der Fertigstellung gewesen sein

    Sollte ich die Fotos davon finden, teile ich sie hier.

    Der grosse Vorteil der heutigen Fläche, ist die Öffentlichkeit, die dort entstanden ist. Diese zu erhalten und den Raum ansprechend zu gestalten ist offenbar und erfreulicherweise Konsens in der Stadtgesellschaft. Die Forderungen dort zu bauen, zielen schließlich darauf, diesen öffentlichen und viel genutzten Raum zu privatisieren und somit größtenteils der Öffentlichkeit wieder zu entziehen.

    Hinzu kommt, dass die historischen und besonderen modernen Gebäude, auch viel Platz haben, gut zur Geltung kommen und auch die Sicht auf diese nicht einigen wenigen Privilegierten vorbehalten ist.

    Ich freue mich sehr auf die Umsetzung, insbesondere die Reduzierung der Spandauer Straße.

    Ich finde das Ergebnis viel besser als von mir erwartet. Klar, ist das keine Rekonstruktion, sondern eine Weiterentwicklung eines historischen Gebäudes, die ist aber m.M.n. gut gelungen und könnte Vorbild sein, für ähnliche Projekte. Schön wäre es, wenn der Block hin zur Stadtbahntrasse, noch geschlossen würde.

    3XN ist aber wieder so was wie Tetris, für meinen Geschmack, gerade in der Ecke mittlerweile schon zu oft gebaut.


    Der Vorschlag vom "schwarzen Hund" gefällt mir dagegen gut. Ist eine kurzweilige Mischung aus "später DDR-Edelplatte" w.z.B. das Hilton am Gendarmenmarkt und den klassischen Kollhof Entwürfen und daher ein gute Verbindung zwischen DDR-Bestand und Neubauten.

    Das lag aber nicht daran, weil es Jugendstilgebäude waren, sondern an der Nähe zum Checkpoint Charlie. Vermutlich wäre auch dieses Haus platt gemacht worden, hätte es ein Block weiter südlich gestanden. Hinzu kommt aber auch der Erhaltungsgrad nach dem Krieg, der umso höher war, je jünger und moderner die Gebäude waren. Und da schnitten die Gebäude aus den Jahren 1910 bis 1940 besser ab, als die beliebten Gründerzeitler, die doch noch recht viel Holzanteil hatten und entsprechend weniger widerstandsfähig waren.

    Dass es an dieser Stelle nicht um plattmachen von ungeliebter Architektur ging, sieht man auch gut an dem Jugendstilgebäude direkt gegenüber.

    https://www.chronik-der-mauer.…3x2-article1200.jpg?6FF8E


    Das würde bereits recht früh instand gesetzt.

    https://static.dw.com/image/51081146_902.webp

    Ich freue mich sehr, dass dieses Gebäude so sorgfältig saniert wurde. Noch zu Mauerzeiten war es ja weithin sichtbar und durch die Nähe zum Checkpoint Charlie ist es auf vielen historischen Fotos abgelichtet Es hat dadurch auch eine gewisse Bekanntheit.

    Mir ist es bereits bei meinen ersten Reisen nach Berlin, Mitte der achtziger Jahre, aufgefallen und de facto ist es eins der Gebäude, die mein Interesse an Berliner Geschichte und Architektur geweckt haben.

    Mir gefällt besonders die horizontale Gliederung mit dem vertikal hervorspringenden Treppenhaus an der Südseite. :daumen:

    Ziegel: Pardon, aber es ist tatsächlich leider nur die Sprache von der Wiedererrichtung der Bauakademie und dieser Begriff ist halt nicht eindeutig.

    Steht so in allen Quellen, die ich gerade dazu finden kann. Selbst die heuchlerische AFD hat kürzlich im Bundestag einen Antrag gestellt, diesen Beschluss Richtung Rekonstruktion zu konkretisieren. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1006512

    Ganz ehrlich, bevor die Rechtsradikalen Schinkel vereinnahmen, sollte da besser ein schlichter Glasquader entstehen, dann spiegelt sich wenigstens die Umgebung darin...

    Ich befürchte ja mittlerweile, dass eine Rekonstruktion gar nicht die Intention der Politik war und ist. Somit sind wir möglicherweise einem Etikettenschwindel zum Opfer gefallen oder haben uns vielleicht auch was eingebildet, was es nie gab.


    Die Begriffe lassen halt leider einen Interpretations- und Deutungsspielraum.


    Bauakademie ist nicht zwingend das Gebäude, das Schinkel damals errichtet hat. Hier geht es auch um die Institution, die dann nur noch wenig mit dem Original zu tun hat.


    Wiedererrichten heißt tatsächlich nicht Rekonstruktion, sonder nur Wiederaufbau.


    Und schließlich: Soviel Schinkel wie möglich, bezieht sich auch nicht zwingend auf das Äussere des Gebäudes, sondern nur auf sein geistiges Erbe.


    Die Bundesstiftung geht, laut ihrer Homepage, wohl von diesen Prämissen aus und hat daher gar nicht den Anspruch, soviel wie möglich zu rekonstruieren. :rolleyes:

    Es ist leider schwerer neue Wege zu finden und diese zu vermitteln und durchzusetzen, als bei Altem zu bleiben und einfach zu sagen, früher war eh alles besser.


    Bei der Bauakademie bleibt ja die Kontroverse mit den Fragen, wie würde Schinkel heute bauen oder soll wieder so gebaut werden wie Schinkel es tat.

    Die Rekonstruktion scheint hier der einfachere Weg (s.o.), ob es auch der bessere ist, bleibt dahingestellt.

    Allen Umfragen zum Trotz, gehe ich auch davon aus, dass die weitaus größte Mehrheit die Bauakademie gar nicht kennt, schon gar nicht von früher, daher hilft dies der Legetimation nicht weiter.

    Ich denke, insbesondere um die demokratische Entscheidung pro Schinkel nicht zu konterkarieren, sollte der Kompromiss bei x Seiten rekonstruiert und y Seiten modern gebaut liegen, wobei x grosser 0 sein muss.


    Die sogenannten Vorstudien der Bundesstiftung halte ich für Testballons. Hier muss einfach der demokratische Prozess abgewartet werden. Auf Frau Kahlfelds (@RotesRathaus: hoffentlich gilt hier bzgl. Städtebau nicht nomen est omen ...) und andere politischer Akteure Reaktion hierzu, werden wir bestimmt nicht mehr lange warten müssen.


    Ich erinnere in diesem Zusammenhang gerne an den Versuch, das damals ebenfalls bereits demokratisch beschlossene Einheitsdenkmal zu torpedieren, indem der untergeordnete Wirtschaftsausschuss viel Geld für die Rekonstruktion des Nationaldenkmals bereit gestellt hat. Sowas ist also auch keine links-grüne Spezialität.

    jan85: Die Selbstzerfleischung und das trügerische Gefühl moralischer Überlegenheit, im linken politischen Lager ist sicher ein Problem, auch für die ganze Gesellschaft, weil dringend notwendige Veränderungen dadurch eher verzögert und verhindert werden. Andere sind da klarer und somit leider auch schon weiter.


    Dennoch, und hier muss ich dir und Ziegel klar widersprechen, greift es zu kurz, nur die Gebäude zu sehen und nicht die Geschichte dahinter. Das gilt für Schlösser genauso wie für Kirchen. Die Fürsten, die diese Gebäude errichteten, hatten ihren Reichtum nicht, weil sie als Jugendliche erfolgreich in "grüne" Projekte investiert hatten.

    Es ist ja kein Geheimnis, dass auch in Deutschland und selbst im glorreichen Preußen, der Reichtum des Adels und des Klerus, auf Ausbeutung, Sklaverei und Kriegsbeute fußt.

    Wenn ich mich also heute vor eine Kirche oder ein Scholss stelle und über die Architektur freue, darf ich das nicht ausblenden.


    Die moralische Diskussion, die wir heute bei Rekonstruktionen führen dreht sich daher um zwei Positionen.


    Die eine Seite sagt: schöne Gebäude können nichts für die Zeit und Umstände in der sie entstanden sind, also lasst uns rekonstruieren.


    Die andere Seite sagt: das Gebäude mag äusserlich schön sein, wurde aber mit Blut und Tränen gezahlt, Rekonstruktionen sind daher zu vermeiden


    Ich persönlich glaube nicht mehr an eine Versöhnung dieser beiden Seiten.

    Schlussendlich halte ich gerade das Berliner Stadtschloss (also die rekonstruierte Fassade) für ein gesellschaftliches Fiasko.

    Äusserlich schön, aber innerlich schon wieder verbrannt. Tausende haben Millionen gespendet und doch nichts gemeinschaftliches geschaffen. Schade!