Beiträge von gacki

    Aber ein gutes hat der Pirnaische Platz schon: Genau in der Mitte, auf der Verkehrsinsel, stehen Bänke. Ist doch schön. Da wollte ich schon immer einmal sitzen.

    Du wirst lachen: Die Bänke werden tatsächlich regelmäßig benutzt (wie man an der unterschiedlichen Bemoosung der Sitzfläche gut sehen kann). Und sie sind auch sinnvoll: In einem Zug über beide Fahrspuren kommt man als Fußgänger nämlich nur, wenn man ohnehin schon an der Ampel steht und bei grün dann im Sturmschritt losmarschiert. Kommt man erst während der Grünphase zur Ampel oder ist man nicht ganz so schnell zu Fuß, schafft man es nur bis zum Grünstreifen. In Anbetracht der Länge der Ampelphasen gibt es sicherlich einige Fußgänger, die diese Bänke in dieser Situation gern annehmen.

    Es handelte sich um einen städtebaulichen Wettbewerb, bei dem Baumassen dargestellt waren. Gacki, von dir hätte ich erwartet, dass du das unterscheiden kannst.

    Die Erweiterung des Rathauses erhält eine moderne und transparente Glasfassade mit großen Öffnungen zum Ferdinandplatz und zum Rathaus, welche einen Einblick in die Verwaltung und Blickbeziehungen zwischen den öffentlichen Räumen ermöglichen.

    Meinjanur.

    Ach, und das ist jetzt eine stichhaltige Begründung, wieso es einfach nicht möglich war, hier eine überzeugende Architektur zu verwirklichen? Wenn ein Turm erlaubt gewesen wäre, hätten die Architekten plötzlich bisher unentdeckte Talente entfaltet?

    Ich finde, wir sollte hier mal ein paar Dinge klarstellen.

    Erstens: Ja, ich fand den ursprünglichen geplanten "gläsernen" Entwurf besser (dieser war übrigens das Resultat eines Wettbewerbes). Für mich stach er aus den anderen Wettbewerbseinreichungen sehr deutlich heraus. Leider ließ sich dieser Entwurf anscheinend nicht auf die neuen Anforderungen (kein Turm, niedrigere Firsthöhe) abändern; bzw. wollte dies das Architektenbüro womöglich auch nicht.

    Zweitens: Dass die Architektur des ausgeführten Entwurfs nicht überzeugt, ist ganz sicher kein Konsens - nicht einmal hier im Forum. Ich sehe jedenfalls die genutzten Gestaltungsmittel, welche in den letzten Jahren anscheinend en vogue sind (interessanterweise war ja an diesem Entwurf BARCODE beteiligt, die bereits den Wettbewerb gewonnen hatten). Sprechen mich diese Gestaltungsmittel allesamt an? Ganz sicher nicht; aber ich mache MEINE Maßstäbe auch nicht zur allgemeinen Meßlatte. Dass die Stadt Dresden als Bauherr für dieses Gebäude eine architektonische Gestaltung gewählt hat, die von ihrem Ausdruck einen großen Teil der Gebäude der letzten Zeit deutlich überstrahlt (Postplatz...), ist FÜR MICH deutlich erkennbar.

    Man könnte fast den Eindruck bekommen man es handelt sich hier bewusst um ein eingekürztes und repariertes Gebäude, das an die Zerstörung Dresdens und die Folgen vom Krieg erinnert 🙃

    "Bewusst eingekürzt" ist nicht ganz falsch - die ursprünglich geplante Variante mit Eckturm wurde ja von den üblichen Kreisen nicht goutiert.

    Ich fasse zusammen: Städtebau bedeutet für Dich also in allererster Linie die Bedienung Deiner Bedürfnisse.

    Für mich sind meine Bedürfnisse wichtig, für andere Menschen wiederum deren Bedürfnisse. Stadtplanung soll/muss zwischen all diesen Dingen vermitteln. Das erfolgt in der Regel über demokratische Prozesse, die natürlich mit ihren ganz eigenen Fallstricken und Problemen daherkommen. Trotzdem halte ich das für einen besseren Prozess, als quasi ex cathedra eine bestimmte Art der Stadtentwicklung zu diktieren.


    Dass es schon zur Frage, was man unter "zukunftsfähig" versteht, ganz unterschiedliche Ansätze gibt, habe ich weiter oben ausgeführt. Welcher dieser Ansätze sich dann 25 oder 50 Jahren als der richtige erweist, können wir heute noch gar nicht wissen.

    Also wenn wir schon von persönlichen Befindlichkeiten sprechen: Ich persönlich empfinde 30 Minuten Bewegung und frische Luft auf dem Fahrrad oder alternativ 45 Minuten lesend in der Straßenbahn als "Dinge, die mich interessieren".

    Ah ja - 30 Minuten Bewegung auf dem Rad (vielleicht im Dezember oder im Februar? alternativ auch gern im Juli in der Mittagshitze) mit 20 Kilo Gepäck, um zur Arbeit zu kommen; und dann das gleiche um 21:30 Uhr zurück. Aber hey: Vor 100 Jahren haben das die Menschen ja schließlich auch gemacht, oder?

    (For the record: Ich habe das einmal durchgezogen und als "definitiv keine gute Idee" verworfen, trotz Wechsel-T-Shirt.) Und was das Lesen in der Straßenbahn angeht: Nein. Nicht in der Straßenbahn oder im Bus.


    Dass die Lebensqualität unter weniger PKW leiden würde, hielte ich für eine steile These.

    Ich dachte, ich hätte ausgeführt, dass es DIE Lebensqualität nicht gibt?

    Meine Lebensqualität würde auf jeden Fall unter weniger PKW leiden.

    Kurz gesagt, der MiV kostet die komplette Bevölkerung extrem viel Geld.

    Das ist aber irrelevant, so lange die Mehrheit der Bevölkerung bereit ist, diese Kosten mitzutragen.

    (Darüber hinaus halte ich diese Berechnungen nur für teilweise sinnvoll, weil eben nicht gegengerechnet wird und gegengerechnet werden kann, welche Nebeneffekte es hat, wenn bestimmte Dinge nicht mehr stattfinden, weil sie entweder mit ÖPNV nicht funktionieren oder weil sich der ÖPNV dafür nicht rechnet.)

    Sorry, das sind mir zu viele Allgemeinplätze.

    Wenn meine Vorstellung von Lebensqualität mit der von jemand anders kollidiert, ist das natürlich "Egoismus". Außerhalb der gesamten Verkehrsproblematik gibt es das selbstverständlich auch - siehe die Diskussion um "lebendiges Kiezleben" und "Nachtruhe".


    Hier geht es auch nicht um das "Fahren um seiner selbst willen", also "Cruisen" oder "Rennen fahren", sondern um den Transportaspekt.


    Was "der Allgemeinheit dienlich" ist, entscheidet bekanntlich die Allgemeinheit. Wenn die Allgemeinheit der Meinung ist, dass MIV mit all seinen Nebenwirkungen ihr dienlich ist, dann ist das nun mal so.

    Doch ist meine und Deine Bequemlichkeit der Maßstab für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung?

    Warum nicht? (Ich stoße mich allerdings etwas am Begriff "Bequemlichkeit"; ich finde "Lebensqualität" passender. Wenn ich mehr Zeit habe, um den Dingen nachzugehen, die mich interessieren, kann ich das nicht mit "Bequemlichkeit" fassen.) Wenn anderer Leute Lebensqualität als Maßstab taugt, weshalb dann nicht meine? (Dass ich dabei gewisse ökologische Dinge elegant ausblende, ist mir durchaus klar.)

    Dass die Maßstäbe für eine zukunftsfähige (hah!) Stadtentwicklung ganz unterschiedlich ausfallen, je nachdem, wer sie anlegt, ist bekannt. Für den einen ist es die 15-Minuten-Stadt, in der Verkehr nach Möglichkeit gar nicht erst entsteht, für den anderen sind es hochleistungsfähige ÖPNV-Systeme, die den Individualverkehr nach Möglichkeit ersetzen, und für den nächsten sind es intelligente Leitsysteme, die den Individualverkehr bestmöglich kanalisieren.

    Fände ich eine Zurückdrängung des Autoverkehrs generell wünschenswert? Auf jeden Fall. Für mich konkret? Natürlich nicht. Und das ist in vielerlei Hinsicht die Gemengelage, inmitten der Stadtentwicklung stattfindet.

    Ich hatte das Beispiel der von Radebeul Einpendelnden (und in gewissem Grade auch in Gegenrichtung - z.B. in meinem Fall) nicht ohne Grund gewählt. Unter anderem gibt es also das Bedürfnis, nicht dort zu wohnen, wo man arbeitet und umgekehrt (und dafür kann es ganz verschiedenen Gründe geben; z.B. dass man ein Haus geerbt hat oder anderes). Und diesem Bedürfnis kann man mit ÖPNV nur teilweise gerecht werden. Eine Kollegin pendelt jeden Tag aus dem Erzgebirge, eine andere aus Freital. Sicherlich könnte man versuchen, so etwas mit P+R-Angeboten abzufangen - aber dann handelt man sich eben die Parkflächen/-häuser an einer anderen Stelle ein (siehe auch die Diskussion zu Bühlau).

    Weil im Zusammenhang mit dem Zurückdrängen des Autoverkehrs gern mit dem Begriff "Lebensqualität" gearbeitet wird: Meine Fahrzeit Tür zu Tür nach Radebeul liegt abhängig von der Verkehrssituation zwischen 20 und 25 Minuten. Die reine ÖPNV-Fahrzeit beträgt 35 Minuten; dazu kommen die Fußwege zu und von der Haltestelle (bei Wind und Wetter, und mit zwei Taschen), die ich mal mit weiteren 10 Minuten veranschlage. Ich bin also mit dem ÖPNV in etwa doppelt so lange unterwegs; pro Arbeitstag sind das ca. 45 Minuten. Wenn ich 45 Minuten mehr Zeit für mich habe, ist das auch Lebensqualität.

    Wie haben unsere Vorfahren es nur geschafft, zu überleben? Noch vor 100 Jahren hatte kaum jemand ein Auto und dabei waren die Aktentaschen sicher schwerer als heute.

    Vor 150 Jahren hat man Wohnungen noch mit Außentoilette und ohne Bad gebaut. Deshalb käme man heute noch lange nicht auf die Idee, es gleichermaßen zu tun.

    Es gibt für mich da einen Unterschied zwischen "prinzipiell wünschenswert" und "praktikabel". Wir können versuchen, die Autos aus den Städten (oder zumindest den Stadtzentren) herauszudrängen - aber dann müsste man an ganz anderen Punkten ansetzen. Z.B. daran, dass die Menschen verstärkt wieder in der Nähe ihrer Arbeitsstätten wohnen. Das halte ich für wenig wahrscheinlich - unabhängig von städtebaulichen Entwicklungen.

    Die Struktur vieler Städte ist entstanden, als viele Wege noch zu Fuß zurückgelegt werden konnten. Das ist heute nicht mehr so, und dorthin kann und will man nicht zurück. Das Konzept der 15-Minuten-Stadt ist z.B. aus meiner Sicht und für meine konkreten Bedürfnisse weitgehend untauglich.


    Eine Stadt wie Dresden wird immer in einem hohen Maße Verkehr aus dem Umland anziehen. Du kannst Dir z.B. gerne mal ansehen, was frühmorgens aus Radebeul per PKW einpendelt. Das lässt sich auch nur teilweise durch ÖPNV abfangen, weil sich in diesen Gegenden der ÖPNV nicht so recht lohnt.


    Sicherlich kann man sich hinstellen und sagen "Das kann man heute nicht mehr machen." Aber ich vermute, das wird nicht vermittelbar sein.

    "im Grunde" ist so schön schwammig. Wer wird denn "nachweislich" auf so was angewiesen sein? Jemand, der an 3 von 5 Arbeitstagen ein Auto benötigt, wird wohl kaum mit einem Teilauto sinnvoll abzuspeisen sein. Wie ist es mit zwei Aktentaschen mit je 10 Kilo? Zumutbar für einen 30jährigen? Zumutbar für einen 65jährigen? Und so lässt sich das nahezu endlos weiterführen.

    na Hauptsache Aufschrei, gerettet und dann möge sich wer anderer drum kümmern... bis mal wieder einer was tun will und dann fängt der kotzmoderne Empörungskreislauf mit Wunschkonzert von vorn an

    An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Schalterhalle bereits Mitte der 90er Jahre unter Denkmalschutz gestellt wurde, also zu einem Zeitpunkt, als "Ostmoderne" als Begriff noch gar nicht existierte. Die Unterschutzstellung dürfte auch jedem einleuchten, der sich etwas mit Architektur beschäftigt hat.