Ziel kann es nicht sein, weitere gesundheitsgefährdende Drogen zu erlauben, sondern bisher erlaubte wenn dann zu verbieten.
Weil Prohibition einfach so wunderbar funktioniert
Was sollte sich durch die Legalisierung von Cannabis verbessern? Die Einstiegshürden sinken doch nur und mit der Zeit will der Abhängige nachvollziehbarerweise härteren Stoff.
Uff, wo soll ich anfangen:
- Menschen haben ein Bedürfnis nach Rausch - die einen mehr, die anderen weniger - und sie werden es auch mit bestehender Prohibition versuchen zu befriedigen. Ob sie das über Glückspiel, Extremsport, sich ständig neu verlieben, Bier, MDMA oder Cannabis erfüllen ist in der Sache vollkommen unerheblich. Den Cannabiskonsum in Deutschland zu beziffern ist schwierig, aber mehrere Millionen haben es auch trotz Prohibition schon mal gemacht oder machen es gar regelmäßig.
- mir ist keine - körperlich bedingte - Abhängigkeit von Cannabis bekannt. Psychisch besteht selbstverständlich ein Suchtpotential, aber das haben die oben erwähnten Aktivitäten auch. Umgedreht: Umfasst dein "weitere Drogen verbieten" auch Alkohol? Wenn nein, wieso nicht? Immerhin führt die Wirkung von Alkohol zu mehr Straftaten, sei es bei Verkehrs-, Gewalt- oder Sexualdelikten, schadet der Gesundheit des Konsumenten und kann schwer abhängig machen. Bei Cannabis sind solche Auswirkung kaum bis gar nicht messbar.
- die Strafverfolgungsbehörden müssten sich nicht mit Kiffern und ihren Dealern beschäftigen, weil die Kiffer ihren Stoff ganz legal, bei legalen Händlern besorgen. Die Dealer wiederum würden ihre Kunden verlieren.
- Besagte Kiffer hätten nicht das Problem, wenn sie erwischt werden, vorbestraft zu sein, was zu einer Verschlechterung ihrer sozioökonomschen Situation führen kann
- Wenn Cannabis - wie du behauptest - ein Einstiegsdroge ist, dann vor allem deshalb, weil die Händler eben auch noch all den anderen illegalen Kram verkaufen. Bei legalen Händlern könnten sie folglich gar nicht weiter einsteigen, wenn sie denn wollten, sondern müssten auf den Schwarzmarkt gehen. Wenn du dir dein Gras beim Tabakladen kaufst, du aber auf einmal Bock hast Kokain probieren zu wollen, ist es schwerer den Einstieg zu finden, als wenn du den Dealer, von dem du dein Gras beziehst noch gleich fragst, ob er nicht vielleicht etwas Koks besorgen könnte. (Im übrigen widersprechen die Meisten Suchtforscher der These von der Einstiegsdroge und wenn es welche gibt sind das eher Nikotin und Alkohol, aber das nur am Rande)
- Wirkstoffgehalt und Streckmittel können Qualitätsstandards haben, was die gesundheitlichen Risiken senkt.
- Nebeneffekt aber nicht mein Kernargument: Es würde eine neue Branche entstehen, die sich mit der Produktion und den Vertrieb beschäftigt. Das wiederum würde zusätzliche Steuereinnahmen und Arbeitsplätze schaffen.
Ich habe jedenfalls keine Lust künftig auch noch von Gras unfreiwillig benebelt zu werden, mir reichen schon die "normalen" Raucher.
Da hilft dir die Prohibition aber wenig, gerade jetzt im Sommer rieche ich in FFM jeden Tag Cannabisrauch - trotz Verbots. Mich störts jedenfalls nicht.
Ich mag den Geruch vom Grillen nicht so gern. Ich vermute der Rauch ist auch nicht so gut für meine Gesundheit und das Fleisch, dass da meistens drauf gebraten wird ist auch nicht das Gesündeste sein für den der grillt. Außerdem entstehen beim Verkohlen des Grillgutes krebserregende Stoffe. Die logische Konsequenz wäre es ja demnach auch mal über ein allgemeines Grillverbot nachzudenken.
Die Ursache der Drogenabhängigkeit bekämpft man nur mit besserer Bildung, höherer Chancengleichheit, unbürokratischeren Wegen in ein geregeltes Arbeitsverhältnis [...]
Soweit so richtig. Sozioökonomsiche Faktoren können Sucht begünstigen.
und massiven Kontrollen durch die Polizei in Kombination mit drastischen Strafen. Von einer Legalisierung oder der Kassenübernahme irgendwelcher Drogen halte ich nicht allzu viel :).
und hier fängt es an falsch zu werden. Natürlich kann die sozioökonomische Situation von Menschen viel dazu beitragen, dass ein Mensch eine Substanzabhängigkeit entwickelt. Die allermeisten Drogenabhängige hatten bereits vor der Substanzabhängigkeit psychische Störungen, welche die eigentliche Sucht auslösen (im Umkehrschluss:ja, es gibt Menschen, die Heroin und Crack probiert haben, ohne eine Abhängigkeit entwickelt zu haben). Es ist aber nicht so, dass Junkies beim ersten Mal nicht wüssten, auf welche folgen sie sich da einlassen.
Ist jemand aber erstmal abhängig, wird er das sein Leben lang bleiben. Natürlich gibt es Möglichkeiten von der Substanz abstinent zu werden und manche schaffen das auch erfolgreich, die allermeisten haben jedoch mit Rückfällen zu kämpfen oder schaffen es erst gar nicht, weil die Substanzen, von denen wir hier reden eben ein gewaltiges Suchtpotential haben. Weil Sucht aber eben eine Krankheit ist, nutzt es wenig, die Süchtigen durch Repression vom Konsum abzuhalten - das wird (und tut) es nicht. Sonst wäre dieser Thread hier nicht existent. Was man aber tun kann ist, die sozioökonomischen Folgen abzufedern und deshalb auch eine lockere Prohibition. Es geht mir nicht darum, dass man Heroin im Supermarkt oder der Apotheke kaufen können soll, sondern darum, dass Menschen, die schon abhängig sind, sich nicht dazu gezwungen sehen, sich zu prostituieren, zu klauen oder zu betteln. Außerdem kann eine staatlich kontrollierte Drogenausgabe die Qualität der Drogen gewährleisten, da diese nicht mit irgendwelchen gesundheitsgefährdenden Stoffen gestreckt werden müssten, was damit auch die Folgekosten der Sucht (die letztlich auch die Allgemeinheit tragen - privatversichert sind davon nämlich die wenigsten) reduzieren würde.
Auf der anderen Seite haben die Straßendealer keine Möglichkeit mit einem Monopolisten, wie der Staat es dann wäre, zu konkurieren, da ihr Produkt dort günstiger und besser angeboten werden würde. Wahrscheinlich würden die sich dann andere illegale Betätigungsfelder suchen (oder andere Substanzen), aber was das dann wäre ist reine Spekulation.
Die Dealer sind Strassenkinder aus Casablanca und generell Nordafrika (gezielt dafür eingeschleust), alle selbst high vom Zeug und hochaggressiv, die sind nicht mehr zu retten, denen geht es ...
Wenn dem so wäre (was ich nicht weiß, habe (leider oder eigentlich zum Glück) nicht so den Einblick in das Milieu und ob die selbst high von ihrem Zeug sind (welchen eigentlich? Heroin, Crack, Kokain, Cannabis?) sei mal dahingestellt. Aber wenn dem so ist und die im Falle eine gekippten Prohibition das tun würde, dann könnte der Rechtstaat mit ganz anderen Mitteln durchgreifen. Bei Raub oder Körperverletzung gibt es keine Kleinstmengen.
Aber eigentlich wollte ich mit meinem Vorstoß nicht die Vor- und Nachtteile von Prohibition im Allgemeinen diskutieren. Mir ging es nur um das Problem, dass man keine Nachhaltige Lösung für das Bahnhofsviertel und Frankfurt finden wird, ohne einen anderen Umgang mit den Substanzen und den Abhängigen zu finden.