Beiträge von Taxodium

    Inwiefern diese Dialogforen irgendwas mit Demokratie zu tun haben, oder inwieweit dort ein Querschnitt der tatsächlichen Stimmungslage vermittelt wird, wäre zumindest mal diskussionswürdig.
    Beim Halbzeitforum der Stadtdebatte haben sich sage und schreibe 168 Personen beteiligt.
    In meinen Augen geht das alles über eine staatlich alimentierte Freizeitaktivität für einige wenige Interessierte nicht hinaus. Dafür wird dem Ganzen aber entschieden zuviel Bedeutung beigemessen.


    Dieses Fazit ist anscheinend so ernüchternd, dass keiner sich mehr berufen fühlt zu reagieren. Ja, die verlorene Mitte von Berlin bleibt vorerst weiterhin den Karnickeln überlassen.
    Aber hier im Forum könnte doch wenigstens ein Anstoß gegeben werden mal über die Zeit nach September 2016 nachzudenken. Wer könnte die Nachfolge von Regula Lüscher antreten und wie groß ist die Chance, dass es dann besser wird? Klar scheint, dass der Weg des "so ein wenig irgendwo hin Moderierens, und zum Schluss kommt ein eidgenössischer Architekt, der eine Kiste baut", nicht die Antwort auf die Fragen der Gestaltung des wachsenden Berlins sein kann. Die grundlegend anti-urbane Haltung der Modernen, die ihren Tiefpunkt in den jetzt wieder aus der Versenkung gehobenen Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte, ist es jedenfalls nicht.


    Lüscher aber scheint jetzt erstmal eine Phase der Neo-Sachlichkeit in Berlin einzuleiten. Mal schauen, was dabei herauskommt. Die Gestaltungsarmut der Sachlichkeit kann in manchen Fällen durch sehr gute Verarbeitung und Materialien kompensiert werden, was aber eher die Ausnahme ist. Vieles wirkt eben aus der Nähe oder bei schlechtem Wetter in die Breite gezogen und trist. Aber sicher kann man in diesem Stil am ehesten viele, kostengünstige Sozialwohnungen schaffen. Man kann sich in der Stadt die Beispiele massenhaft anschauen.


    Die Qualität der Architektur steht nur sehr bedingt in Relation zu den Kosten. Das zeigt allein schon die momentane Entwicklung in Berlin, bei der unter gleichen Marktbedingungen sehr diverse Qualitäten geschaffen werden. Vom trendigen Neo-Brustalismus bis zum verachteten -rote Karte- Post Modernismus, wird alles zu ähnlichen Qm-Kosten errichtet. Hochhäuser und Glasgebilden vielleicht ausgenommen. Es regieren in der Immobilien- und Bauwelt schlicht wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten.
    Die Wahl des bevorzugten Stils ist ideologisch bedingt. Der großmaßstäbliche Sozialwohnungsbau aus den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts war der Sargnagel der Modernen. Für die damals Geborenen, die mittlerweile zu Amt und Würde gekommenen sind, bilden sie aber eine Art heimelige Referenz. Aus der großen Altbauwohnung in innerstädtischer Lage heraus lässt sich diese "Sachlichkeit" gut propagieren.
    Am schlimmsten ist es sich mit den Themen der Vorgängergeneration, wie städtische Räume, Stadtreparatur, Reubaniserung, Blockrandbebauung, Traufkante, Tektonik, etc. auseinandersetzen zu müssen. Das sind so was wie (#3457) "vordemokratische" Themen.
    Das erstaunliche ist, dass die "vordemokratische" Era des Planens in Berlin, gefühlt zwischen 1991 und 2007 angesiedelt, im Rückblick wie ein Zeitabschnitt mit klar definierten Zielen in der Stadtplanung und einem kontrovers, aber vor allem offen geführten Diskurs wirkt. Der Erfolg der Wiederauferstehung von Berlin als Metropole ist in diesem Zeitabschnitt entstanden.
    Am MEF können wir uns also die nächste Jahren erstmal auf Hase und Igel freuen. :Nieder:

    Es fehlen für mich die Darstellungen des Straßenniveaus um den Anspruch an eine URBANE MITTE beurteilen zu können. Offensichtlich ist die Planung auf Fernwirkung von der Parkseite oder aus der Vogelperspektive angelegt. Urbanität entsteht nicht durch eine Ansammlung von kleinen Hochhäusern entlang einer Bahntrasse, weder in Post Sixties look noch in trendiger Schütteloptik. Die Fischer Insel geht kaum mittiger, hat viele Hochäuser, eine hohe Dichte ist dabei aber eine der am wenigst urbane Orte in Berlin.
    Die urbane Stadt wird aus der Fußgängerperspektive wahrgenommen. Da geht es um Begriffe wie Stadraum, Straßen und Plätze mit Aufenthaltsqualität. Und um Materialität. Dass es dann auch noch Hochhäuser gibt um Fläche zu generieren ist sekundär.
    Und wenn man sich schon vom Retrostil der Late Moderns inspirieren lässt, wieso dann nicht noch ein paar Jahre weiter zurückgeguckt und hohe Häuser gebaut statt Hochäuser:
    https://it.wikipedia.org/wiki/Torre_Snia_Viscosa

    Alle drei Projekte zeichnen sich durch den zur Zeit grassierenden Rückgriff auf Gestaltungsmittel der 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts aus. Horinzontalität war damals das einzig "erlaubte" Gestaltungsmittel um Referenzen an eine Architektur der Vergangenheit zu vermeiden. Die Folgen sind bekannt. Der IBeB Entwurf in Beitrag #77 erinnert vom Süden nicht wenig am Sozialpalast.
    https://michaelzoll.files.word…om/2012/11/20101024_3.jpg
    Es gab in der Vergangenheit für das Metropolenhaus bereits einen eleganteren und urbaneren Vorschlag von WiegandHoffmann der offensichtlich nicht zum Zuge gekommen ist.
    http://wiegandhoffmann.de/wp/?…shaus-lindenstrase-berlin

    Danke, Kleist, für die Präsentation! Das Haus Crelle - ein äußerst gelungener Neubau, wie mir scheint. Wieder einmal ein Nachweis, dass mit allerschlichtesten Mitteln hervorragende Architektur zu schaffen ist. Nicht der finanzielle Aufwand ist entscheidend, sondern die Kapazität des Architekten.


    Die Einschätzung kann ich teilen, eine gelungene Nachverdichtung, mit der Qualität eines urbanen Wohngebäudes. Leider haben die neo-moderne, anti städtische Solitären in Lüscher-Berlin mittlerweile Hochkonjunktur. Weiß eigentlich jemanden wer der ArchitektIn ist?
    Übrigens, Platz für neue Linden vor dem Gebäude gibt es auch noch und es würde mich wundern wenn der Bauherr die lt. Baumschutzverordnung üblichen Ersatzpflanzungen nicht vornehmen muss. Soll er gleich eine Selektion Pflanzen die nicht von Lausen befallen wird um die geparkten Autos der Nachbarn nicht zu verkleben, als Versöhnungszeichen.

    [quote='Backstein','http://www.deutsches-architekturforum.de/thread/?postID=478878#post478878']das BV wurde m. E. schon einmal erwähnt.


    Es befindet sich am Kaiserkorso unmittelbar nördlich des Polizeipräsidiums und unweit vom Platz der Luftbrücke.


    Bilder der Baustelle:






    Der Baufortschritt dieses Projektes ist schleppend. Wahrscheinlich wird noch an der Glasstatik dieses Gewächshauses geknobelt. Die in der Visualiserung dargestellte Scheibengröße ohne Unterteilung wäre in Berlin ein Novum.

    Köpenicker Straße 104 -114
    Der Hipster von Grüntuch und Ernst vorne im Bild guckt doch recht bedrückt. Es gibt offensichtlich in den Siegerentwürfen überhaupt keine Ambitionen der Köpenicker Straße eine städtische Aufenthaltsqualität zu geben. Alles wirkt sehr objekthaft.