Lüscher aber scheint jetzt erstmal eine Phase der Neo-Sachlichkeit in Berlin einzuleiten. Mal schauen, was dabei herauskommt. Die Gestaltungsarmut der Sachlichkeit kann in manchen Fällen durch sehr gute Verarbeitung und Materialien kompensiert werden, was aber eher die Ausnahme ist. Vieles wirkt eben aus der Nähe oder bei schlechtem Wetter in die Breite gezogen und trist. Aber sicher kann man in diesem Stil am ehesten viele, kostengünstige Sozialwohnungen schaffen. Man kann sich in der Stadt die Beispiele massenhaft anschauen.
Die Qualität der Architektur steht nur sehr bedingt in Relation zu den Kosten. Das zeigt allein schon die momentane Entwicklung in Berlin, bei der unter gleichen Marktbedingungen sehr diverse Qualitäten geschaffen werden. Vom trendigen Neo-Brustalismus bis zum verachteten -rote Karte- Post Modernismus, wird alles zu ähnlichen Qm-Kosten errichtet. Hochhäuser und Glasgebilden vielleicht ausgenommen. Es regieren in der Immobilien- und Bauwelt schlicht wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten.
Die Wahl des bevorzugten Stils ist ideologisch bedingt. Der großmaßstäbliche Sozialwohnungsbau aus den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts war der Sargnagel der Modernen. Für die damals Geborenen, die mittlerweile zu Amt und Würde gekommenen sind, bilden sie aber eine Art heimelige Referenz. Aus der großen Altbauwohnung in innerstädtischer Lage heraus lässt sich diese "Sachlichkeit" gut propagieren.
Am schlimmsten ist es sich mit den Themen der Vorgängergeneration, wie städtische Räume, Stadtreparatur, Reubaniserung, Blockrandbebauung, Traufkante, Tektonik, etc. auseinandersetzen zu müssen. Das sind so was wie (#3457) "vordemokratische" Themen.
Das erstaunliche ist, dass die "vordemokratische" Era des Planens in Berlin, gefühlt zwischen 1991 und 2007 angesiedelt, im Rückblick wie ein Zeitabschnitt mit klar definierten Zielen in der Stadtplanung und einem kontrovers, aber vor allem offen geführten Diskurs wirkt. Der Erfolg der Wiederauferstehung von Berlin als Metropole ist in diesem Zeitabschnitt entstanden.
Am MEF können wir uns also die nächste Jahren erstmal auf Hase und Igel freuen. 