Beiträge von Arwed

    Ziegel, widersprechen heißt nicht widerlegen. Meine These, also Behauptung, dass der Neumarkt in Dresden und seine angrenzenden Gassen zwar ein schöner, aber monofunktional auf den Tourismus ausgerichteter Ort ist, kann ich leider nicht mit Zahlen belegen. Du kannst aber auch nicht das Gegenteil. Ich würde mich aber liebend gerne vom Gegenteil überzeugen lassen.

    Ich war früher zu jeder sich bietenden Gelegenheit dort vor Ort. Das war aber, als im Zuge des Wiederaufbaus sich dort täglich noch etwas veränderte. Jetzt zieht es mich nur noch selten dort mal hin, z.B. wenn ich mit Besuchern da bin. Die persönlichen Eindrücke sind nicht unwichtig, ersetzen aber keine konkreten Daten, die zum Platz offenbar nicht vorliegen.


    Aber hier geht es ja um die Chemnitzer Innenstadt. Dass die Chemnitzer ihre in der DDR- Zeit gebaute Innenstadt mehrheitlich ablehnen, ist auch nur so eine Behauptung ohne Beleg. Aus meiner Sicht, ist das Ensemble mit Marx- Kopf, Kongresszentrum, Parkanlage und den Gebäuden darum herum durchaus prägnant und erhaltenswert, ob nun unter einem Regime oder in einer Demokratie errichtet. Der innere Altstadtkern wurde nach der Wende zwar zu großen Teilen mit viel zu goßkalibriger Architektur wiederbebaut, doch wurde er immerhin wiederhergestellt.

    Ansonsten habe ich die Frage gestellt, wie man architektonische Qualität zwingend durchsetzen kann. Aus meiner Sicht kann man das nicht. Man sollte Brachen aber auch nicht endlos liegen lassen. Auch eine hässliche Stadt funktioniert immer noch besser als eine leere.

    Woher nimmst Du denn Deine Erkenntnis, dass Bauen mit Ornamenten nur soviel kostet, wie z.B. Glasfassaden oder vorgehängte Fassaden. Du meinst sicher keine industriell hergestellten Bekleidungen, oder? Wenn z.B. die Firma Simmel mit gleicher Rendite ihre Klötze mit ornamentierten Fassaden, Satteldach, usw. besser vermieten könnte, meinst Du, dass die das dann nicht tun würden?

    Bauten mit individueller Ornamentierung kosten richtig Extra- Geld, sowohl in der Planung als auch im Bau. Deshalb findet man die nur so vereinzelt.

    Die Ausgangslage war bestens? In welcher Parallelwelt lebst Du denn? Nachdem nach der Wende hier wie im ganzen Osten große Teile der Wirtschaft zusammen gebrochen waren, gab es zwar erstmal viel Bautätigkeit, aber dort konzentriert, wo es sich für die westdeutschen Investoren schnell realisieren ließ und wo es sich schnell rechnete. Ab Mitte der 90er kam dann im Bausektor erstmal eine große Flaute. Das betraf Chemnitz ebenso wie andere Städte im Osten (mit dem Dresdner Neumarkt ging es z.B. erst nach der Weihe der Frauenkirche ab 2005 richtig los / im Leipziger Osten gab es Konzepte, Stadtviertel in Waldflächen umzuwandeln). Was stimmt mit Euch Chemnitzern nicht, dass Ihr (trotz natürlich berechtigter Kritik an der Umsetzung) nicht sehen könnt, was auch hier wiedergewonnen wurde. So sah es hier noch nach der Wende aus, wie Ihr besser als ich wissen solltet:

    https://upload.wikimedia.org/w…_Karl-Marx-Stadt_1977.jpg

    Mir hingegen war schon beim ersten Mal lesen klar, dass Du Chemnitz definitiv mal von außen betrachten solltest. Die alte Stadt (ich meine die Innenstadt) war voll mit durchaus ansehnlichen Bauten des Historismus, die aber selten auf höchstem Niveau waren. Dazu kamen ein paar wirklich herausragende Bauten der klassischen Moderne, die aber zum größten Teil noch existieren (Schocken, Stadtbad,…).

    Wie man das auch alles bewerten mag, im Stadtkern hatte 1990 nur eine Handvoll an Vorkriegsbauten überlebt und etwas weitgehend Neues war an an deren Stelle getreten. DAS war die Ausgangslage.

    Wenn man eine Stadt wie ein normaler Tourismusmanager bewertet, hat Chemnitz sicher viel schlechtere Karten als Leipzig oder Dresden. Es wäre aber auch gar nicht fair, Dresden mit seiner jahrhundertelangen Residenzgeschichte und der Lage am Strom oder Leipzig mit der noch längeren Geschichte als Handels- und Messestadt mit den bescheideneren Anfängen von Chemnitz zu vergleichen. Chemnitz war eine Stadt des Historismus, wie die Innenstadt nun eine der DDR- Moderne ist. Klar, man kann das anders sehen oder sich anders wünschen. Doch ich denke, man täte gut daran, das nicht als Altlast, sondern als Chance zu begreifen. Realität ist es sowieso.

    Im Übrigen wurde Chemnitz und eben nicht Dresden für nächstes Jahr zur Kulturhauptstadt erhoben. Das wurde trotz oder vielleicht gerade auch wegen des heutigen Stadtbildes von Chemnitz getan.

    KMS1983, Deine letzten Sätze hatte ich ja schon vorweg genommen. Das Beibehalten von Brachen, schlechter Architektur vorzuziehen, ist natürlich eine legitime Meinung. Doch ich sehe das anders. Ich nehme da lieber den Spatz in der Hand.


    Du blickst also neidisch auf Dresden? Das ist echt komisch. Städtebaulich ist in Dresden gerade eine Planung auf eher hohem Level umgesetzt worden, der Neumarkt. Die Grundlagen wurden dazu aber bereits vor etwa 40 Jahren gelegt. Der Neumarkt war zudem zusammen mit der Frauenkirche ein herausragendes Ensemble. Trotz dessen ist der wiederaufgebaute Neumarkt heute leider eine monofunktional auf den Tourismus ausgerichtete Puppenstube (fehlt nur, dass dort Eintritt fällig ist). Bitte nicht missverstehen, ich verfolge bereits seit meiner Kindheit den Wiederaufbau dort. Aber ein wirklich lebendiger normaler Stadtraum für die Dresdener ist das nicht geworden.

    Was siehst Du denn vom alten Chemnitz auch nur annähernd auf dem selben Niveau wie den Neumarkt oder mit einem ähnlichen Vorlauf vorbereitet?

    Die Situation in Leipzig ist auch ganz anders gelagert. Hier war bedeutend mehr der Innenstadt übrig geblieben und es ging eher um punktuelle Ergänzungen.

    Vielleicht braucht es ja gerade den Blick von außen auf Chemnitz um zu erkennen, dass die vorhandenen Qualitäten und Chancen hier eher nicht im Anknüpfen an die historische Stadt von vor dem Krieg bestehen, sondern an die Stadt der 60er / 70er Jahre.

    Ninho, sehr interessanter Netzfund. Dieser Ecke wird ein Stück urbanes Flair sehr gut tun. An einer Seite schließt der Neubau ja an einen Altbau an. Mich würde interessieren, wie er in Richtung der Plattenbauten bzw. um die Ecke herum enden soll. Einen Grundriss oder Lageplan habe ich leider nicht entdeckt.


    @KMS + chemnitz_er

    Wenn ich Euch richtig verstehe, geht es Euch um die generelle Kritik an der kommunalen Planung. Was der Freistaat in Chemnitz macht, interessiert Euch deshalb nicht weiter. OK, könnt ihr gern machen.

    Da gibt es auch zu Recht Grund zur Klage. Für die neue Johannisvorstadt und (in meinen Augen noch gravierender) für die Bebauung am Getreidemarkt hätte ich mir viel mehr gewünscht. Jetzt kann man das alles der Stadt in die Schuhe schieben. Doch damit geht man davon aus, dass die hier Mittel gehabt hätte, die Investoren zu besserer Architektur zu zwingen. Die hat sie aber nicht, zumindest dann nicht, wenn man hier überhaupt Bebauung haben will. Chemnitz ist sicher alles andere als eine sichere Bank für Investoren. Die beiden genannten Areale lagen über 30 Jahre seit der Wende brach (und auch davor schon Jahrzehnte), ohne dass sich irgendwer darum geschert hätte. Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass die Brachen hier besser als der entstehende Investorenschrott gewesen sind. Das sehe ich aber nicht so. Menschen als Wohnende oder Arbeitende in die Innenstadt zu bekommen, bringt mehr urbanes Leben als Flächen ohne jeglichen Aufenthaltswert.

    Wo die Stadt Chemnitz tatsächlich Einfluss auf die architektonische Gestaltung hat, sind die in eigener Regie realisierten Bauten. Zufällig habe ich da beim Schulbau ein wenig Einblick und finde das hier erreichte Niveau insgesamt ziemlich hoch, zumindest aber für eine ostdeutsche Kommune mit knapper Kasse.

    Das tut mir jetzt aber wirklich total leid, dass das pauschale Herumgenöle am Bauen in Chemnitz bei mir auf dazu passende pauschale Kritik gestoßen ist. Ich gebe mir Mühe, in Zukunft nach weniger Sachkenntnis zu klingen.

    Erstens sprach ich nicht von kommunalem Bauen, sondern von öffentlichem Bauen in Chemnitz. Da gehören Bauten des Freistaates dazu. Zweitens könntest Du gute Architektur nicht mal erkennen, wenn man sie Dir auf dem Silbertablett präsentieren würde. Aber das ist nur meine Meinung.

    Wo ist das Problem? Dass Land und Stadt völlig unterschiedliche Bauherrn sind und Geld aus unterschiedlichen Töpfen beziehen, ist sicher bekannt. Überdachte Radstellplätze sind eigentlich Standard und auch nachhaltig. Ärgerlich fände ich es nur, wenn die ungenutzt blieben. Wenn der Freistaat eine Tiefgarage baut, gibt’s doch auch keine Tirade in Richtung Lobby.

    Civitas fortis, ich habe sehr deutlich geschrieben, was ich aktuell auf der Agenda zur Klärung sehe: Mich hat das Konzept von Querfeldeins begeistert, weil es aufzeigt, wie man die gesamte Stadt als Netz entwickeln kann und damit die Verkehrskonzentration von Petersburger Straße und Carolbrücke weg bekommt. Für letztere läuft jetzt die Uhr. Hier kann und muss man die Bevölkerung jetzt davon überzeugen, nicht erneut so eine Riesenbrücke zu bauen und warum das für die Stadt gut ist.

    Natürlich mache ich mir darüberhinaus auch Gedanken, was ich mir für die östliche Ringstraße wünsche. Auch dazu habe ich schon Gedanken geäußert, die aber noch keine konkrete Planung darstellen. Das sage ich gern nochmal: ich wünsche mir die Konzentration der Straße auf den östlichen Arm, einen Erhalt eines Großteils der Linden und die Aufwertung dieser Flächen zu einem hochwertigen parkartigen Raum. An den Plätzen und am Brückenkopf wünsche ich mir eine urbane Bebauung. Das sollte hochwertige Architektur werden. Wie aber die Plätze geformt werden, ob sie durch Solitäre gebildet werden oder eher geometrisch gefasst, sowie wie hoch die Gebäude werden sollen, all das kann ich Dir noch nicht sagen.

    Kein Gebäude an der früheren Ringstraße ist es aus meiner Sicht wert, rekonstruiert zu werden. Das heißt dabei aber nicht, dass ich Rekonstruktionen generell ablehne. Das tue ich nicht, aber hier definitiv. Ich hoffe, dass das jetzt klar genug war. Deutlicher kann ich mich nicht ausdrücken.

    Ich verfolge die Stadtentwicklung insbesondere von Dresden, aber auch von anderen Städten seit vielen Jahren. Daraus ziehe ich meine Schlüsse. Über die Umsetzung vieler Planungen werde ich immer wieder enttäuscht. Ich denke nicht, dass es hier an der Bürgerbeteiligung fehlt, eher an der Durchsetzungsfähigkeit und der Wirtschaftskraft städtebauliche Planungen auch über die Jahre konsequent zu verfolgen.

    Die genannten Beispiele sind alle bisher noch in der Konzeptphase. Wenn da am Ende mal wirklich etwas Gutes dabei herauskommt, dann werden das sicher gute Vorbilder sein. Bisher sind sie das aber eben nur im Ansatz. Für das Leipziger und das Magdeburger Beispiel ist die Komplexität zudem eher bei weitem nicht mit dem Stadtraum entlang der Petersburger Straße vergleichbar. In Leipzig ist die primäre Herausforderung der Umgang mit dem Stasibau In Magdeburg fällt mir da eigentlich gar nichts ein, außer vielleicht der Frage, wieviel Aussicht die dahinterstehenden Platten auf die Elbe behalten sollen.

    In Dresden wird die Diskussion viel umfangreicher und ich prophezeie, dass es damit gar nichts wird, wenn man hier mit einer weitgehenden Forderung nach der Rekonstruktion des einstigen Stadtraumes oder gar von Einzelbauten kommt.

    Ich bin hier aber wirklich offen, was man hier am Ende bekommt. Nur vor der Beibehaltung des Status quo fürchte ich mich.

    Wenn ich eine Stadt nennen soll, wo aus meiner Sicht viel richtig gemacht wurde, dann ist das Ulm mit seinem Straßenrückbau in der ehemaligen Straßenschneise durch die Altstadt. Vergleichbar mit Dresden ist das aber auch nur bedingt, denn in Dresden soll es zwar dichter, aber auch nicht zu dicht werden. Ich wünsche mir einen urbanen Stadtraum, der Altstadt und Vorstadt verbindet, aber auch einen hochwertigen Grünraum als Teil des Altstadtringes, der aber mehr als nur eine Allee mit Begleitgrün ist.

    Klar, es soll jeder mitreden der will. Ich glaube nur nicht, dass das zum Ziel führt, welches ja jeder woanders sieht.

    Die beiden Bespiele aus den anderen Städten haben bisher ungefähr so weit geführt, wie die Bürgerbeteiligungen am Leipziger Bahnhof und beim Neustädter Markt in Dresden.

    Ich denke, dass es erstmal Vorschläge braucht, wie man mit der Straße umgehen kann. Darüber kann dann diskutiert werden. Zu abstrakte oder viel zu detaillierte Wünsche führen nirgendwo hin.

    Bei der Komplexität dieses Themas sehe ich Bürgerbeteiligung schwierig. Neben Meinungsäußerungen wie „ich will das alte Dresden zurück“ und „macht mir ja nicht die Straße kleiner“ erwarte ich da nicht viel.

    Ich finde es ja auch richtig und sogar zwingend erforderlich, möglichst breite Zustimmung zu einem Stadtumbau an dieser Stelle zu bekommen. Doch sollte man das Thema, insbesondere die sich damit bietenden Chancen für die Allgemeinheit begreifbar bebildern.

    Die Offenlegung des Kaitzbaches ist doch noch lange nicht gesetzt oder habe ich da etwas verpasst? Das Argument zählt für mich daher nicht allzu sehr.

    Ansonsten kann ich mich nur wiederholen: der Umbau der Petersburger Straße wird sich aus finanziellen und logistischen Gründen am Bestand orientieren müssen. Es wäre der sinnvollste Weg, das (vorher reduzierte) Verkehrsaufkommen auf die östliche Fahrbahn zu konzentrieren und die westliche Spur dann aufzugeben. Dann wird man m.E. einen guten Teil der mittlerweile 50 Jahre alten Linden erhalten müssen. Hier kompletten Kahlschlag zu betreiben, wäre ein Unding.

    Bauliche Nachverdichtung wünsche ich mir an den Plätzen, insbesondere am Pirnaischen Platz, aber auch am Rathenauplatz und am Georgsplatz, sowie zudem am Brückenkopf.

    Ich weiß natürlich, wie die Ringstraße einst ausgesehen hat, welche Gebäude hier gestanden haben. Diese Straße war sicher schön, aber auch nicht unumstritten. Während Städte wie Wien ihre Ringstraße zum breiten Prachtboulevard ausgebaut hatten, hatte man in Dresden die Flächen der einstigen Wallanlagen einst verkauft oder verschenkt und hatte später zu tun, überhaupt noch eine Ringstraße umsetzen zu können. Später hat man immer wieder mal versucht, die früheren Versäumnisse zu korrigieren. Jetzt soll das die perfekte Lösung sein, die man unbedingt rekonstruieren soll? Das denke ich nicht.

    Ich verstehe es nicht! Der Städtebau des Neustädter Marktes und seine Freiflächengestaltung stehen nach meinem Verständnis nun unter Denkmalschutz, aber damit auch die Gebäude?

    Die Ensemblewirkung ist m.E. definitiv bereits durch die Umgestaltung der Eckgebäude hin. Was soll es noch bringen, die banalen Platten denkmalgerecht zu sanieren?

    Auf jeden Fall wird der Platz damit natürlich gewinnen. Aber für eine Verbesserung des Durchgangs zur Rähnitzgasse, in welcher Form auch immer, wäre das der Todesstoß.

    Die Planung für das Herzzentrum stammt von Sander Hofrichter Architekten. Die haben auch das oben gezeigte Zentrum für seelische Gesundheit geplant.

    Gegenüber dem Ursprungsentwurf (https://www.kuk.de/aktuelles/a…r-das-herzzentrum-dresden) wurden die Fassaden deutlich plastischer gestaltet.

    Bei der Planung ist auch AWB aus Dresden beteiligt. Bei Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten ist noch ein weiterer Entwurf zu sehen (https://www.krueger-landschaft…etail/herzzentrum-dresden). Auf jeden Fall gefällt mir der jetzt vorgestellte Entwurf mit Abstand am Besten.