Beiträge von Der Schüler

    Solange das „Sony Center“ dieses schiefe, asymmetrische Zirkuszelt an der Spitze aufweist, kann man den Potsdamer Platz abschreiben; eine Verschandelung, ein ungeschlachtes Monstrum! Die fragwürdige Symbolik eines fernöstlichen „Heiligen Berges“ darf doch keinesfalls die Optik ausgerechnet des Berliner Zentrums bestimmen. Noch dazu ist Sony an diesem Ort gar nicht mehr präsent. Eine überdominante Fremdadaption, die Sputnikkugel auf dem Fernsehturm mitten in der Hauptstadt, sollte doch wirklich reichen. Eine normale flache Kuppel muss her!

    Das ist ein Witz, oder? Eines der interessantesten architektonischen Highlights der Stadt, zumal der letzten Jahrzente, soll also durch eine olle flache Kuppel ersetzt werden? Außerdem bestimmt es nicht die Optik des Berliner Zentrums, weil das Berliner Zentrum deutlich größer als Potsdamer Platz ist und genügend weitere Gebäude hat, die dieses und dessen Skyline prägen (z.B. Fernsehturm, Siegessäule). Aber ja, es ist ein prägendes, weil spektakuläres und einzigartiges Element der Skyline, das internationalen Wiedererkennungswert hat. Dass das Zelt durch seine Gestaltung den Fujiyama nachahmt und nicht "einfach ein Zelt" ist, macht das Zelt eher noch erhaltungswürdiger. Umso mehr, weil es auf die Geschichte des Sony-Centers als ehemaligen Sony-Standort verweist.


    Ganz ehrlich, ich bin nicht ganz sicher, ob der Kommentar hier vor Ironie trieft (aber in dem Fall sehe ich nicht den Bezug zu vorherigen Kommentaren) oder ernst gemeint ist.


    In jedem Fall aber herzlich Willkommen im Deutschen Architekturforum!

    Ich hätte den Architekt*innen allerdings ein bisschen mehr Mut zu Farbe gewünscht.


    Wäre das Haus Braun und Beige, oder pink und blau, oder in CMYK-Optik - das wäre ein richtiger Hingucker.


    Eigentlich würde es schon reichen, etwas kontrastreichere Farben zu wählen. Da hat man den coolen Clou mit der mäandernd geschwungenen "Schicht" auf der Fassade und dann kommt aber genau dieses herausstellende Merkmal kaum zur Geltung, weil diese Schicht sich farblich von der darunterliegenden kaum abhebt. Wieso nicht ein kräftiges Weiß für diese Schicht und ein dunkles Braun für die darunterliegende Schicht? Das wäre optisch deutlich anregender und würde auch besser von einem bewölkten Himmel zu unterscheiden. ^^


    Was die Formensprache finde ich das Gebäude aber ganz in Ordnung. Jedenfalls deutlich überdurchschnittlich.

    Höhe eignet sich als Metrik eben hervorragend für einen architektonischen Schwanzvergleich. Wer hat den Höchsten? 😉


    Spaß beiseite, ich glaube es ist ziemlich offensichtlich, dass hier niemand nur nach Höhe schielt, sondern dass die Gestaltung entscheidend ist. Es dürften sich beispielsweise ziemlich wenige Forumsteilnehmer mehr Hochhäuser im Stil der Fischerinsel wünschem. Es gibt jedoch einige Faktoren, die hier zusammenspielen, weshalb oft nach höheren Gebäuden gerufen wird. Erstens gibt es in Berlin wenige wirklich hohe Hochhäuser. Die meisten Hochhäuser liegen irgendwo zwischen 60m und 120m, weshalb ein Wunsch nach Differenzierung in der Höhe besteht. Zweitens ist es oft so, dass Hochhäuser in diesem Höhenbereich, zumal bei einer schlichteren Kubatur, eher gedrungen rüberkommen, was etwas unglücklich ist, weil dieser Eindruck in Dissonanz mit der Bezeichnung als Hochhaus steht. Dieser Eindruck kann durch eine geeignete Kubatur abgeschwächt werden, wie meines Erachtens sehr gut vom Zoofenster und Upper West demonstriert wird. Drittens ist es einfach so, dass die Höhe von Hochhäusern mit anderen Größen wie wirtschaftliche Dynamik und Wohlstand positiv korreliert, weshalb höhere Gebäude positiv assoziiert sind. Viertens sorgen höhere Gebäude unmittelbar zu einer stärkeren Belebung einer Gegend, denn mehr Höhe bei gleicher durchschnittlicher Nutzfläche pro Stockwerk bedeutet tendenziell mehr Menschen pro Grundfläche, und eine höhere Menschendichte bedeutet mehr Transit, mehr Geschäfte und allgemein mehr Lebendigkeit... Was bis zu einem gewissen Punkt wünschenswert ist, irgendwann wird es auch einfach anstrengend. 😁

    Vielleicht hat die unterschiedliche Geschwindigkeit bei der Realisierung etwas mit der unterschiedlichen Nutzung zu tun. Ich habe den Eindruck, langsamere Hochhausprojekte wie Max & Moritz und die Aggromex-Hochhäuser neigen dazu, von der Hauptnutzung her Wohngebäude zu sein (ich habe aber keine Statistik darüber geführt, meine Intuition sollte also äußerst kritisch betrachtet werden). Ich sehe auch nicht unmittelbar, inwiefern sich ein schnellerer Bau von Bürogebäuden mehr lohnt als bei Wohngebäuden, aber möglicherweise gibt es einen Zusammenhang.

    Ich weiß nicht, wo diese Gewissheit herkommt, dass am Potsdamer Platz nur Touristen unterwegs seien. Hat jemand mal eine Statistik dazu erstellt oder ist das ein urbaner Mythos, der sich irgendwann als Gewissheit etabliert hat? Ich zumindest bin öfter mit Freunden und Kommilitonen am PP gewesen, vor allem wegen des Cinestar Kinos. Leider hat das ja nun geschlossen.

    Lustig, dass HGHI Tower ein Anagramm von HIGH Tower ist. Coincidence? I think not! 😁


    Ich war gestern auch vor Ort (konnte leider keine Fotos machen). Ist ganz okay geworden, die Kubatur ist etwas plump, aber die Ausführung sieht einigermaßen wertig aus und durch die farbigen Sonnenblenden und die dunklen Fassadenelemente ist es nicht ganz so langweilig. Das doppelte Sockelgeschoss hilft auch, das Gebäude weniger gestaucht erscheinen zu lassen, nur hätte man dann konsequenterweise auch das Entrée über die zwei Sockelgeschosse ziehen sollen. So wirkt das Entrée doch arg gestaucht, versteckt und uneinladend, wie eine Nische in der Wand. Das ist für mich eindeutig der größte Schwachpunkt dieses Gebäudes.

    ^^ Och, also mir gefällt der Entwurf von Patzschke ausnahmsweise sehr gut. Klar, es ist Art-Deco-Retro-Kitsch, aber wie ich finde ziemlich gelungen. Wie die Umsetzung wäre, wäre natürlich eine andere Frage und ob so was an den Ernst-Reuter-Platz passen würde. Im Sinne einer Aufwertung der Aufenthaltsqualität des ERP wäre das meiner Meinung nach eine deutliche Verbesserung (bei hochwertiger Ausführung), aber der massive Stilbruch würde der Absicht zuwiderlaufen, dieses charakteristische Ensemble in seiner Gesamtheit denkmalgerecht zu erhalten (falls man das denn wollte). Unter dieser Prämisse ist der Entwurf wohl eher ungeeignet für den ERP (leider), aber vielleicht könnten wir ja an anderer Stelle so etwas ähnliches kriegen. 😁

    @ UrbanFreak: "Zielgruppenorientierter Populismus" hört sich im ersten Moment gut an, ist aber bei genauerem Hinsehenein Widerspruch in sich (contradictio in adjecto). Wenn eine Politik nur bei einer bestimmten Zielgruppe Zustimmung findet, kann sie gerade deswegen nicht "populistisch" genannt werden.

    Ich glaube du machst da einen Denkfehler, weil du dich zu sehr an dem "populus"-Teil des Wortes "Populismus" aufhältst. Populisten erheben zwar den Anspruch, für die breite Masse des "Volkes" zu sprechen, aber der Populismus ist eine Ansammlung von Methodiken, die darauf abzielen durch Stimmungsmache bestimmte Zielgruppen für eigene politische Interessen zu mobilisieren. Dass deine Logik nicht funktioniert siehst du zum Beispiel daran, dass Präsident Trump nach deinem Verständnis kein Populist wäre, weil er nicht über alle Zielgruppen hinweg breite Zustimmung findet und seine Rhetorik und Methoden nur auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten sind. Entscheidend für die Bewertung eines Politikstils als "populistisch" ist weniger die Effektivität oder die ideologische Ausrichtung, sondern das "Wie", also die eingesetzten Methoden.

    Ich habe auch den Eindruck, dass die Formensprache deutlich schnörkeliger als bei Nöfer sonst üblich ist (mit Ausnahme von Palais Holler). Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein. Das Gebäude hat eine weniger zurückgenommene Eleganz, aber aufgrund der stimmigen Proportionen und hochwertigen Materialität ist es für mich immer noch ein eleganter und sehr gelungener Entwurf. Und trotz des schnörkeligen Stils ist ziemlich eindeutig als Werk Nöfers erkennbar.

    Der Turm stellt für mich eine aktive Verschlechterung des Stadtbildes dar. In diesem Fall wäre mir grau deutlich lieber.

    Wieso das? Abgesehen davon, dass der Turm dann weniger sichtbar wäre, fällt mir eigentlich kein Grund ein, wieso Grau eine Verbesserung wäre. Graue Langeweile gibt es doch wirklich zu Genüge (gerade im Winter sieht das dann sehr unvorteilhaft aus). Da nehme ich doch lieber ein freundliches Gelb.


    Ich finde es übrigens sehr interessant, welche Wirkung das Viertel von der Ferne entfaltet. Durch die einfachen, quadratischen, aber doch stark variierten Formen und die fröhlichen Farben wirkt es fast wie eine Stadt aus einem Cartoon. Das kann man jetzt gut oder schlecht finden, aber es ist auf jeden Fall erfrisched anders.

    Die Verwendung von hellem Backstein als Baumaterial ist positiv hervorzuheben, aber bei der Größe wäre mMn eine etwas differenziertere Gliederung der Fassade anzuraten. Ich denke, es bedarf hier noch eines übergeordneten horizontalen Gliederungselements. Ein repräsentatives, zweigeschossiges (?) Entree mit Vordach würde auch helfen, die Monotonie der Fassade etwas aufzulockern.

    Ich wiederhole mich: besser wäre es gewesen, dieses Gebäude an anderer Stelle zu realisieren. Hier am Hochmeisterplatz hätte man den Vorgängerbau aus den 20er-Jahren erhalten und renovieren können. Den wuchtigen Neubau stattdessen in die Wilhelmstrasse / Friedrichstadt / Dorotheenstadt setzen. Dort würde ich mir solche Gebäude wünschen.

    Sicher, aber für die Bewertung intrinsischer Eigenschaften des Gebäudes an sich ist es doch unerheblich, wo dieses steht. Ich denke, wieso konkret dieses Gebäude wuchtig wirkt ist etwas, was fundamental an der Gestaltung des Gebäudes liegt und auch nicht viel anders wirken würde, wenn das Gebäude beispielsweise von Hochhäusern umstellt wäre.

    ^ Inwiefern? Weil beide versuchen, Gestaltungselemente vergangener Bauepochen neu zu interpretieren? Ich sehe nicht, was daran grundsätzlich verwerflich sein sollte. Zumal Nöfer einen sehr eigenen, charakteristischen Stil hat, der deutlich über den Anspruch bloßen Imitierens hinausgeht.

    Hm, ich denke "monströs" ist übertrieben, obwohl das Gebäude einige sehr augenfällige Schwächen hat. Die Plastizität der Fassade wirkt teilweise irgendwie "falsch", u.A. da, wo die Gestaltungselemente zu flach sind (z.B. die Fensterrahmen oder die horizontalen Rillen im Erdgeschoss). Außerdem ist die Fassade für mich persönlich an einigen Stellen zu dicht und unruhig und das Gebäude in der Tat ziemlich wuchtig (was wohl u.A. der Größe der Baumasse geschuldet ist). Diese Wuchtigkeit hätte man auflockern können, indem man z.B. die Fassade im mittleren Abschnitt etwas anders gestaltet hätte.


    Dennoch, wenn man das eher langweilige Durchschnittsniveau von Neubauprojekten in Berlin berücksichtigt, denke ich schon, dass man von einem (zumindest leicht) überdurchschnittlichen Projekt sprechen kann. Sehr zugutehalten sollte man dem Gebäude auch, dass die Gestaltung auf der Straßenseite auch konsequent auf der Seite zum Innenhof/Durchweg fortgeführt wird. Ich glaube, wir haben im Forum schon so einige Projekte diskutiert, wo man versucht, die Vorderseite durch Ansätze von Gestaltungswillen aufzuhübschen und der Innenhof nichts außer glatt verputzten Wänden und rechteckigen Löchern in der Fassade als Fenster zu bieten hat.


    Die grünen Kupferelemente finde ich weniger problematisch, wenn es ein paarmal auf das Dach geregnet hat, wird das schon noch braun-schwarze Patina kriegen. Dann sieht es auch nicht mehr so uncanny homogen grün aus.

    ^ Ich hoffe, wenn du Patzschke und Nöfer in einem Atemzug nennst, liegt es nicht daran, dass du sie qualitativ auf die gleiche Ebene stellst. ^^


    Wie dem auch sei, ich sehe jetzt auch kein grundsätzliches Problem damit, wenn solche Brüche jetzt in Mode kommen sollten. Jede baugeschichtliche Epoche hat bestimmte Trends und Motive, die verstärkt eingesetzt werden. Ich hatte nur Zweifel an der konkreten Form, wie der Bruch in diesem Entwurf ausgeführt ist, konkret dass mMn beide Kanten des Bruchs gleichartig ausgeführt werden sollten. Mittlerweile tendiere ich sogar dazu, beide zackig zu bevorzugen, irgendwie wirkt der Bruch durch die Abstufung dann weniger "hart".

    Hm, ich verstehe auch nicht so recht, was du an dem Entwurf so schlecht findest, Georges Henri. Aufgrund der Formensprache und der Dimensionen würde das Gebäude eher an das obere Ende des Kurfürstendamms in der Nähe von swissotel und Upper West passen, aber ich finde es auch hier nicht völlig deplatziert. Und gegenüber dem Bestandsgebäude ist es auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung. Für sich betrachtet gefällt mir der Entwurf sogar ganz gut. Die geschwungenen Formen gefallen mir sehr, die Fassade dürfte durch den Mix von Glas und Naturstein (?) und der warmen Tonalität sehr edel wirken. Meiner Meinung gibt es aber zwei deutliche Probleme mit dem Entwurf:


    1. Der diagonale Bruch. Es gefällt mir nicht, dass die eine Kante des Bruches sauber und die andere gezackt ist. An sich ist die Idee nicht schlecht, weil dadurch eine Fläche mit mehr Naturstein präsentiert wird, aber die Zackung der einen Bruchstelle erzeugt nach meinem Gefühl eine Dissonanz mit der ansonsten glatten und schwungvollen Formsprache der Fassade. Ich glaube, ich würde die Zackung oder den Bruch ganz weglassen. Es stört mich auch, dass der diagonale Bruch nur an einer einzigen Stelle in der Fassade vorkommt. Außerdem habe ich den Eindruck, dass der Bruch das zweite Problem vestärkt, und zwar


    2. Der massive "Kopf" des Gebäudes. Je länger ich den Kopf betrachte, umso mehr habe ich den Eindruck, dass da etwas von den Proportionen her nicht stimmt. Ich glaube, da fehlt noch etwas, was diesem etwas optische Wucht nimmt. Am swissotel und Sofitel wurde die Wucht der Fassade zum Bespiel durch Rückversetzung und konkave Wölbung der Fassade reduziert. Ich denke, es könnte hier vielleicht helfen, die oberen zwei Geschosse zurückzuversetzen, um eine leichte Abstufung zu erzielen, und diese außerdem mit einer leichten konkaven Wölbung zu versehen.