Denn auch ich als Freund der Historie muß anerkennen, daß das Rathausforum eine kreative Leistung und ein Konzept darstellt.
Diese Kreativität sah folgendermaßen aus: „…die für unsere Gesellschaftsordnung bedeutungsvollen Bauwerke zu einem für den Arbeiter- und Bauernstaat typischen Zentrum zu vereinen.“ Und diese Kreativität sah die Nikolaikirche in den Plänen der 1950er Jahren nicht mehr vor. Nur aus Geldmangel, und weil sie weder Palast der Republik noch TV-Turm im Weg stand, blieb ihre Ruine erhalten. Auch die Altstadt sahen die Genossen nicht mehr vor in ihrem Konzept des Zerstörens und der Geschichtsverweigerung. Das Volk wurde dabei gar nicht erst gefragt.
Und ganz kreativ waren diese Kirchensprenger-Genossen darin, die Marienkirche, die 'leider' unbeschädigt durch den Krieg kam, zwischen überhoher Platte und Fernsehturm einzuklemmen. Ich frage mich, warum das viele nicht sehen können. Diese bewusste Degradierung der Kirche und des Glaubens anderer war das Konzept der Steinzeit-Kommunisten, das hier zugrunde liegt. Diese Herabwürdigung, auch der des Rathauses durch die Rathauspassagen, gilt es dem Boden der SED-Frechheit zu entreißen. In diesen Dingen entwickelten die Genossen wahrlich hohe Kreativität. Die senkrechte Mauer haben wir vor 25 Jahren eingerissen. Nun sollte die waagerechte, die auf den im Boden liegenden Straßen und Plätzen der Altstadt liegt, an die Reihe kommen. Die geraubte Geschichte an ihre Besitzer zurückgeben, indem auf den alten Grundrissen wieder aufgebaut wird, darum geht es. Und hier wird echte und freie Kreativität gefragt sein, und keine ideologisch eingehämmerte.
Auf dem Areal befinden sich nur noch vier wichtige Gebäude: St. Nikolai, St. Marien, Heiligengeistkapelle, und das Rathaus. Die Stadt hat sich ihnen in Ehrfurcht unterzuordnen, und nicht anders herum.