Beiträge von Jöran

    Lieblingsgebäude /-ensembles in München

    Hier wird viel darüber diskutiert, wie grässlich doch aktuelle (und vergangene) Architektur in München ist - was mich einmal interessieren würde ist, welche Gebäude oder Ensembles der (i) letzten fünfzig Jahre und (ii) der letzten 200 Jahre euch am besten gefallen. Das wird notgedrungen sehr subjektiv und sicher vielfältig. Ich zumindest kenne sicher auch viele sehenswerte Gebäude gar nicht. Ich probier es trotzdem mal.


    (i) Top 3 50 Jahre:
    1. Synagoge am St. Jakobsplatz. Klein aber sehr fein
    2. Olympiagelände. Komplett. Da passt zumindest in der Originalkonstruktion wirklich alles zusammen
    3. Das Doppelhochhaus in Schwabing


    (ii) Top 3 200 Jahre
    1. Wiener Platz
    2. Stachus zur Hälfte
    3. Viktualienmarkt


    Die Prachtstraßen (Maximilian, Prinzregenten, Leopold) finde ich sämtlich absolut grässlich.

    Aber ja, du hast recht - es wurde sehr dazugelernt. Der Hypobank-Neubau in Hannover, ebenso wie die NordLB, haben beide Geschäfte im Erdgeschoss. Die sind natürlich auch sehr zentral, aber vor zwanzig Jahren hätte man da wahrscheinlich auch nichts reingesetzt. Der Deloitte-Neubau ist da wieder ein massiver Schritt zurück.

    Ich denke in dem Fall nicht nur an Läden, sondern auch an Büros und Ateliers. Vor allem letzteres fehlt in München. Wenn du einmal durch Giesing läufst (alter Arbeiterstadtteil), dann sind dort kleine Läden in fast jeder Nebenstraße zu finden. Da drin sitzen aber keine Läden mehr, sondern vor allem Designer, kleinste Firmen und Selbstständige. Die erzeugen direkt ein komplett anderes Straßenerlebnis. Vielfalt.

    Alter, lass doch mal das "FAKT!" weg. FAKT!
    Das hilft deiner Argumentation keinesfalls.


    Da musste ich kurz prollig werden, 'tschuldigung.


    Zurück zum Thema. Vielleicht könnte man sich bei dem Thema "Urbanität" darauf einigen, dass Leben auf der Straße den wichtigen Wesensunterschied einer Stadt zu einem Dorf ausmacht. Vielfalt und Lebendigkeit auf der Straße ist wohl das, was wir intuitiv als urban empfinden. Deshalb sind sowohl das mittelalterliche Bario Gotico in Barcelona urban als auch Manhattan. Wie bekommt man Leben auf die Straße? Durch Funktionsvielfalt bei den Gebäuden, also genau dem Gegenteil des Corbusier'schen Ideals der funktional aufgeteilten Stadt. Geschäfte, Büros, Cafés, Wohnungen, Spielplätze, Behörden - alles durcheinander gemischt in einem Bereich oder sogar einem Gebäude. Frankfurts Hochhausgegend ist eben gerade nicht urban in diesem Sinne. Eindrucksvoll, aber kalt und unlebendig weil jedes Gebäude nur eine Funktion hat.


    Und genau das kann man an vielen derzeitigen Entwicklungen in der Stadtplanung (nicht nur in München) kritisieren. Reine Wohngegenden mit ein paar zentralen Plätzen, die mehrfache Funktionen anbieten (siehe Hirschgarten). Stattdessen sollte man die Mehrfamilienhausbauer zwingen, im Erdgeschoss eines jeden Gebäudes Platz für Gewerbe/Büros anzubieten, sei es auch noch so klein.

    ^^ Dieses Jahr wird ja wahrscheinlich die 1,5 mio geknackt (im letzten Quartal waren es laut http://www.muenchen.de/rathaus…tatistik/Bev-lkerung.html schon 1 484 535 Einwohner), daher kann ich mir nicht recht vorstellen, dass erst 2023 die 1,6 mio dran sind. 100 000 in neun Jahren wäre ein Nettogewinn von knapp 11 000 im Jahr. Die letzten Jahre waren es eher 30 000 - 40 000. Muss natürlich nicht so weitergehen, aber ich sehe auch keine grundsätzliche Änderung in der Europa- und Weltsituation, die einen solchen Einbruch der Nettozuwanderung erwarten lassen würde.


    Andererseits besagt diese neue Prognose natürlich auch, dass die Stadtverwaltung selber bereits eingesehen hat, dass die ursprüngliche Erwartung von 1,65 mio bis 2030 wahrscheinlich eine Unterschätzung war.


    Update: Okay, eher 20 000 pro Jahr (siehe http://www.muenchen.de/rathaus…hreszahlen/jt140101.pdf):


    2000 1 247 934
    2001 1 260 597
    2002 1 264 309
    2003 1 267 813
    2004 1 273 186
    2005 1 288 307
    2006 1 326 206
    2007 1 351 445
    2008 1 367 314
    2009 1 364 194
    2010 1 382 273
    2011 1 410 741
    2012 1 439 474
    2013 1 464 962


    Lineare Fortschreibung eines Trends macht natürlich keinen Sinn, aber ich sehe nicht, wie man einen zehnjährigen Trend von 20 000 - 30 000 Nettozuwanderungen pro Jahr auf 11 000 abschmelzen lassen soll. 11 000 macht es natürlich viel leichter für die Stadt, zu begründen, warum man eine Zielmarke von 7000 neuen Wohnungen im Jahr hat. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

    Laut Statistikseite der Stadt hatte München am 30.9. 1484535 Einwohner. Die 1,5 mio sollten wohl noch dieses Jahr geknackt werden. 1,65 mio bis 2030 scheint da eher eine Unterschätzung zu sein, kann aber natürlich sein, dass die Zuzüge ganz massiv einbrechen weil schlichtweg keine Wohnungen vorhanden sind. Mit so 35000 Wohnungen bis 2020 wird man auch wohl höchstens nochmal 70000 Menschen unterbringen können.


    Ich plädiere ja für größere Eingemeindungen um dann besser großflächig zu planen, aber das wird natürlich nicht passieren.

    Dicke-Bretter-Bohren ist richtig, daran haperts hier absolut. Andererseits ist es schon Neuland in Deutschland in den letzten dreißig Jahren und mehr, dass eine Stadt im Prinzip in zehn/fünfzehn Jahren 150 000 Wohnungen bauen soll. Darauf ist die Verwaltung in ihren Prozessen absolut nicht eingestellt, wird auch mit den ganzen notwendigen Verwaltungsakten gar nicht möglich sein.


    Wenn man sich ein Luftbild von München anschaut, sind die einzigen größeren freien un unbeplanten Flächen tatsächlich nur noch bei Englschalking, Feldmoching und in der Blumenau (die komischerweise immer vergessen wird bei der Betrachtung von möglichen Neubaugebieten, warum ist das so?). Kann man in die Gebiete jeweils ein Drittel Augsburgs einfügen? Viele leerstehende Wohnungen gibt es auch jetzt schon nicht mehr - wenn man das alles berücksichtigt, kann die Stadt eigentlich alleine aus physikalischen Gründen nicht auf die genannten Einwohnerzahlen wachsen.


    Ungeachtet dessen muss natürlich trotzdem die zusehends katastrophale Infrastruktur massiv ausgebaut werden. Was mir immer fehlt, ist dass die Absprache mit den umliegenden Gemeinden so gering ist (schade, dass Eingemeindungen keine Lobby heute mehr haben). Es wäre viel leichter, wenn man den Bau urbaner Strukturen auch im Umkreis befördern könnte - anstelle dieser elendigen Fünfzigerjahremehrfamilienhaussiedlungen im Halbgrünen.

    Wobei da schon einige Projekte drin sind. Es wird gebaut in München, doch ist es weit weniger offensichtlich als in Hamburg, Frankfurt oder Berlin, weil das meiste eher in den Außenbezirken stattfindet.
    Was mich erschreckt ist eigentlich, wie sehr doch die Ideen der Fünfziger/Sechziger in den neuen Projekten Eingang finden. Anstatt Stadt am Rand der Stadt weiterzubauen, wird lockere, grüne Bebauung ohne Geschäfte gebaut. Die Leute, die gerne in belebten Stadtvierteln innerhalb des mittleren Rings wohnen, werden nicht in den Hirschgarten ziehen. Oder den Arnulfpark (Stadtrand im Zentrum der Stadt, böse). Das andere Problem ist eines der Vergabe: es scheint, als würden Großprojekte an ein Architekturbüro alleine vergeben werden, die dann sowohl Raumaufteilung und Baukörper bestimmen als auch die endgültige Gestaltung einzelner Gebäude (siehe Freimann, Bayernkaserne und am schlimmsten im Arnulfpark entlang der Bahntrasse), was zu massiver Monotonie führt. Wesentlich besser für das Stadtbild wäre es, einen Architekten/Stadtplaner mit der Raumgestaltung zu beauftragen und dann jeden einzelnen Baukörper individuell zu vergeben. Hamburg macht das teilweise mit der Hafencity, Hannover macht das mit dem Pelikan Vier (http://www.vier-gundlach.de/start.html). Über das Ergebnis lässt sich streiten, aber zumindest sieht nicht das ganze Gebiet gleich aus.

    Vielleicht nicht allen bekannt, aber es gibt auf der Seite der Stadtplanung eine ziemlich gute Übersicht, die aktuelle und mögliche Projekte der Stadt darstellt. Wird anscheinend auch regelmäßig aktualisiert. Leider gibt es hier ja nicht so eine schöne Übersicht wie im Hamburg-Thread bei SSC, aber so kann man vielleicht doch den Eindruck gewinnen, wie viele Projekte eigentlich derzeit in München laufen - leider zählt es auch nicht alles auf:


    http://www.muenchen.de/rathaus…/pm/HandlungsraeumePM.pdf