Eine interessante Diskussion, die sich hier in den letzten Tagen wieder entwickelt hat. Sie zeigt, dass sich die Anhänger/Freunde der Moderne, bzw. des sozialistischen Stadtzentrums und jene, die eine Rekonstruktion der alten Straßenverläufe und vielleicht einiger Leitbauten wünschen, in den wesentlichen Punkten unversöhnlich gegenüberstehen.
Letztlich ist dies eine Frage, wie man persönlich "Ästhetik" definieren möchte, welche Anforderungen man an einen Stadtraum stellt. Bei manchen spielt mit Sicherheit die eigene Biographie eine Rolle und die Problematik Gewohntes oder Liebgewonnenes nicht einfach so wieder hergeben zu wollen. So kann man viele Ostberliner verstehen, die "ihr" Berliner Zentrum so lassen würden, wie es bisher war. Auf der anderen Seite finden sich Menschen - so wie ich auch -, die sich historische Aufnahmen ansehen und Bauchschmerzen bekommen ob der unwiederbringlichen Verluste in der Vergangenheit. Egal ob dies nun dem Krieg oder radikal durchgreifenden Stadtplanern geschuldet sein möge.
Vom Ergebnis her denkend ist es wünschenswert, wenn sich (zunächst) die eine oder die andere Linie vollumfänglich durchsetzen wird. Die Gefahr, dass sich hier in der Mitte Berlins wenig überzeugende Kompromisslösungen durchsetzen, die dann ihren status quo zementieren, wäre m.E. die schlechteste aller Alternativen. Hier wird ein Gesamtkonzept benötigt, kein Stückwerk bis zur nächsten Straßenecke. Dann ist es besser man wartet ab, bis der politische Wille und die Finanzierbarkeit erreicht sind, um wirklich hauptstadtadäquat umsetzen zu können. Die Schnelligkeit, mit der beispielsweise asiatische Städte ihr Zentrum verändern, ist bei uns - zum Glück - ein Ding der Unmöglichkeit.