"Raumordnungsprognose 2035."
Ich glaube, das ist noch nicht erschienen, da es auf den Seiten des BBSR auch keine neuere als die von 2012 gibt. Sowas hätte definitiv eine Pressemeldung bekommen.
Leipzig: Stadtleben
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Nach längerem Suchen fand ich soeben diese hilfreiche Tabelle zum Zensus 2011:
http://www.ioer-monitor.de/fil…oester_gabriele_5dfns.pdfKreise des Freistaates Sachsen
Kreis - Einwohner am 9. Mai 2011 - Korrektur gegenüber dem 30. April 2011
..................................................- absolut - %
Kreisfreie Stadt Leipzig - 502 979..- -21350 -4,1
Kreisfreie Stadt Dresden - 512 354 - -11854 - -2,3
Landkreis Görlitz......... - 269 647... - -5983 - -2,2
Landkreis Meißen........ - 247 054....- -5241 - -2,1
Landkreis Nordsachsen - 201 165 ..- -4246 - -2,1
Landkreis Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge - 246 818 ..- -4695 - -1,9
Landkreis Leipzig.........- 262 214 ..- -4437 - -1,7
Landkreis Bautzen ......- 315 174 ..- -5266 - -1,6
Landkreis Mittelsachsen- 322 077..- -5106 - -1,6
Landkreis Zwickau....... - 335 220..- -5197 - -1,5
Vogtlandkreis............... - 240 053..- -3361 - -1,4
Erzgebirgskreis............ - 361 791..- -4912 - -1,3
Kreisfreie Stadt Chemnitz - 240 253 - -2714 - -1,1
Sachsen........................- 4 056 799 - -84 362 - -2,0Wenn man die "Zensuslücke" berücksichtigt, dann ergibt sich folgendes Bild für 2013:
Kreis......................... - Prognose - Stand - Diff. - Zensuskor. - Diff. ohne Zensuslücke
Kreisfreie Stadt Leipzig - 521600 - 531562 - 9962 - 21350 - 31312
Kreisfreie St. Dresden.. - 523800 - 530754 - 6954 - 11854 - 18808
Landkreis Görlitz......... - 266000 - 262168 - -3832 - 5983 - 2151
Landkreis Meißen........ - 247500 - 243716 - -3784 - 5241 - 1457
Landkreis Nordsachsen - 201300 - 197346 - -3954 - 4246 - 292
Landkreis Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge - 248400 - 245939 - -2461 - 4695 - 2234
Landkreis Leipzig.........- 263100 - 257596 - -5504 - 4437 - -1067
Landkreis Bautzen ......- 310.700 - 308.350 - -2350 - 5266 - 2916
Landkreis Mittelsachsen- 317200 - 314591 - -2609 - 5106 - 2497
Landkreis Zwickau....... - 331000 - 327062 - -3938 - 5197 - 1259
Vogtlandkreis............... - 237000 - 233970 - -3030 - 3361 - 331
Erzgebirgskreis............ - 355800 - 351309 - -4491 - 4912 - 421
Kreisfreie St. Chemnitz - 234000 - 242022 - 8022 - 2714 - 10736In der Raumordnungsprognose 2030 des BBSR wurde die Zuwanderung in die drei Großstädte Leipzig, Dresden und Chemnitz dramatisch unterschätzt. Bei den Landkreisen sind die Abweichungen deutlich geringer. Berücksichtigt man die Zensusabweichung, so liegen die realen Daten für 2013 zwischen 300 und 3000 über den Prognosen des BBSR von 2009. Der Landkreis Leipzig hat real sogar 1000 Einwohner_innen weniger als der Prognose zufolge. Das dürfte wohl auf Fehleinschätzungen der Suburbanisierungsprozesse um Leipzig zurückzuführen sein.
Weil das Thema oben von Cowboy angeschnitten wurde (und davon unabhängig weil sich in den Kommentarspalten der Artikel zur Demografie fast immer der Mob auskotzt) - mit der Zahl der Asylbewerber_innen hat dies kaum etwas zu tun. 2013 wurden für Sachsen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurden für den Bereich Sachsen 5.645 Erst- und Folgeantragsteller_innen registriert, das sind für das gesamte Bundesland ca. 3400 mehr als in den Jahren zuvor (2010: 2.305; 2011: 2.475). Diese Menschen wurden auf die einzelnen Landkreise verteilt, indem die Städte Dresden und Leipzig jeweils etwa 13 Prozent und Chemnitz und die Landkreise zwischen 5 und 8 % aufnahmen, also pro Landkreis etwa 150 bis 300 Menschen. http://www.landtag.sachsen.de/…-Hintergrund_08012015.pdf
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Abgleich Prognose und Stand 2013 in Sachsen-Anhalt
Sachsen ist auch nicht das ostdeutsche Bundesland mit dem größten prognostizierten Bevölkerungsverlust. Ich habe mir heute morgen noch mal den aktuellen Spiegel Heft 12/2015 angeschaut. Dort gibt es auf Seite 28 eine Grafik "Das große Wandern":
Zuwanderung (blau) und Abwanderung (rot) nach Bundesländern* von 2009 bis 2030
* Saldo; Variante: Untergrenze mittlere Bevölkerung; Quelle: DestatisAbwanderung:
Sachsen-Anhalt: - 109.000
Thüringen: - 84.000
Mecklenburg-Vorpommern: - 27.000
Sachsen: - 11.000Zuwanderung:
Saarland: + 3.000
Bremen: + 25.000
Berlin: + 61.000
Brandenburg: + 104.000
Hamburg: + 111.000
Hessen: + 123.000
Rheinland-Pfalz: + 160.000
Niedersachsen: + 167.000
Schleswig-Holstein: + 169.000
Nordrhein-Westfalen: + 259.000
Baden-Württemberg: + 273.000
Bayern: + 636.000Daraufhin habe ich mir noch mal die Raumordnungsprognose 2030 des BBSR für Ende 2013 und die realen Zahlen angeschaut, hier aber die Zensuslücke vernachlässigt, da die Abweichungen in Sachsen-Anhalt geringer waren als in den meisten Großstädten oder etwa in Sachsen:
Kreis......................... - Prognose - Stand - Diff. - Zensuskor. - Diff. ohne Zensuslücke
Dessau-Roßlau, Stadt - 82700 - 83616 - 916 - 350 - +1266
Halle (Saale), Stadt.... - 222800 - 231565 - 8765 - 3211 - +11976
Magdeburg, Landesh.. - 224300 - 231021 - 6721 - 3454 - +10175
Altmarkkreis Salzwedel - 86600 - 86312 - -288
Anhalt-Bitterfeld ...........- 168800 - 166828 - -1972
Börde..........................- 175500 - 172955 - -2545
Burgenlandkreis...........- 186400 - 184956 - -1444
Harz...........................- 224200 - 221043 - -3157
Jerichower Land..........- 93700 - 91721 - -1979
Mansfeld-Südharz.......- 143900 - 143246 - -654
Saalekreis..................- 192500 - 187690 - -4810
Salzlandkreis..............- 200600 - 198715 - -1885
Stendal......................- 117400 - 115471 - -1929
Wittenberg.................- 131500 - 129438 - -2062Sachsen-Anhalt..........- 2250900 - 2244577 - -6323
Am Zensus-Stichtag lebten in Sachsen-Anhalt 2.287.040 Einwohner. Wenn man diese Zahlen als neue Fortschreibungsgrundlage nimmt, hatte Sachsen-Anhalt am Jahresende 2011 insgesamt 2.276.736 Einwohner. Das ist eine Abweichung zur bisherigen Fortschreibung von 36.544 Einwohnern oder 1,58 Prozent.
Die Differenzen zwischen den Fortschreibungszahlen liegen am höchsten mit 2,39 Prozent im Landkreis Wittenberg und am niedrigsten mit 0,92 Prozent im Altmarkkreis Salzwedel. Keiner der Landkreise zeigt eine extreme Abweichung zur bisherigen Fortschreibung. -
Aktualisierung der Bevölkerungsvorausberechnung
Methodische Erläuterungen
Stand: März 2015
http://www.wegweiser-kommune.d…8e-4055-a3b1-de8a0bd35b70
Die Anzahl der Zuzüge über die Grenzen Deutschlands wird im Programm zur Erstellung der Vorausberechnungen vorgegeben und stellt die wichtigste Annahme dar. Der Durchschnitt (arithmetisches Mittel) aus den Jahren 2009 bis 2012 beträgt etwa 890.000 Zuzüge jährlich. Die Tendenz innerhalb der letzten Jahre ist allerdings steigend (2009: rund 721.000; 2010: rund 798.000; 2011: rund 958.000; 2012 rund 1.081.000 Zuzüge). Bei den Vorausberechnungen wurde angenommen, dass eine schrittweise Senkung der jährlichen Zuwanderung aus dem Ausland von 1.100.000 Zuzügen im Jahr 2013 auf 825.000 Zuzüge (davon ca. 487.000 Männer und ca. 338.000 Frauen) im Jahr 2030 erfolgt. Die Vorgabe der Zuzüge von 1.100.000 orientiert sich an der aktuellen Tendenz. Zusammen mit den Fortzugsraten ergibt sich ein positiver Saldo von rund 400.000 im Jahr 2013, rund 250.000 im Jahr 2017 und etwa 200.000 ab dem Jahr 2020. Gegenüber den bisherigen Vorausberechnungen erhöht sich der Wanderungsüberschuss zu Beginn des Vorausberechnungszeitraums um etwa 300.000. -
Abgleich Prognose und Stand 2013 in Thüringen
Dasselbe Spiel noch für Thüringen:
Kreis......................... - Prognose - Stand - Diff. - Zensuskor. - Diff. ohne Zensuslücke
Erfurt, Stadt............... - 202100 - 204880 - 2780 - 4432 - 7212
Gera, Stadt................ - 94300 - 94977 - 677 -
Jena, Stadt................ - 103700 - 107679 - 3979 - -965 - 3014
Suhl, Stadt................ - 36500 - 35665 - -835
Weimar, Stadt........... - 65400 - 63315 - -2085
Eisenach, Stadt......... - 42000 - 41567 - -433
Eichsfeld................... - 102500 - 100951 - -1549
Nordhausen............... - 86800 - 85380 - -1420
Wartburgkreis.............- 126700 - 126283 - -417
Unstrut-Hainich-Kreis..- 105800 - 104245 - -1555
Kyffhäuserkreis..........- 78300 - 77656 - -644
Schmalkalden-Meiningen - 126300 - 125574 - -726
Gotha........................- 134800 - 135155 - +355
Sömmerda .................- 71200 - 70833 - -367
Hildburghausen..........- 65400 - 65032 - -368
Ilm-Kreis....................- 109300 - 108958 - -342
Weimarer Land...........- 82800 - 81704 - -1096
Sonneberg.................- 57700 - 57252 - -448
Saalfeld-Rudolstadt....- 112600 - 110307 - -2293
Saale-Holzland-Kreis..- 86000 - 84001 - -1999
Saale-Orla-Kreis ........- 84900 - 83654 - -1246
Greiz.........................- 103700 - 102167 - -1533
Altenburger Land........- 94400 - 93605 - -795Kreisfreie Städte........- 544000 - 548083 - 4083
Landkreise................ - 1629200 - 1612757 - -16443
Insgesamt.................- 2173200 - 2160840 - -12360 - 39619 - 27259Wie das Thüringer Landesamt für Statistik mitteilt, lebten am 9. Mai 2011 nach dem Ergebnis der neuen Bevölkerungszählung, des Zensus 2011, im Freistaat Thüringen 2.188.589 Einwohner, das sind rund 40 Tausend Einwohner weniger als bisher angenommen ( - 1,8 Prozent). Fortgeschrieben auf den 31. Dezember 2011 betrug die Differenz zur alten Bevölkerungszahl genau 39.619 Einwohner (- 1,8 Prozent).
http://www.statistik.thueringen.de/presse/2013/pr_118_13.pdf -
Oberflächlich betrachtet stimmen die Zahlen für die meisten Großstädte nicht mehr, während sie für die ländlichen Regionen mehr oder minder zutreffen. Es wird aber auch seitens vieler Konservativer immer noch behauptet Deutschland sei kein Einwanderungsland. Dabei fällt ein großer Anteil des Bevölkerungswachstums der letzten Jahre in die Einwanderung (nicht Asyl). Denn diese ziehen bekanntlich nicht aufs Land, sondern in die Großstadt.
Bezüglich des starken Wachsen der Stadt Leipzig geht die Leipziger Internet Zeitung eine Schritt weiter, und nimmt die Verantwortlichen noch mehr in die Pflicht. Meines Erachtens recht treffend denn die Stadt wird nicht ewig ohne eine breite Grundlage in der Region wachsen bzw. sich entwickeln. Außerdem wird abermals die fahrlässige Landespolitik der letzten Jahre kritisiert. Das könnte man aber auch an die Landesregierungen in SA und TH machen. Denn Leipzig ist mehr oder minder umzingelt von wirtschaftlich schwachen Landkreisen und bezieht das starke Wachstum vorwiegend aus seinem eigenen Umfeld. Hier vor allem die Industriegebiete im Norden der Stadt.
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Natürliche Bevölkerungsentwicklungen lassen sich immer viel besser prognostizieren als Wanderungsbewegungen. Die Gesamtbevölkerung wird schrumpfen, sofern nicht eine 180°-Grad-Wendung zu einer tatsächlichen Einwanderungspolitik und eine auch politisch und gesellschaftlich unterfütterte Willkommenskultur jenseits der bloßen Lippenbekenntnisse zum Tragen kommen und diese Entwicklung abmildern.Das Grundproblem ist die niedrige Geburtenrate. Alles andere folgt daraus. Wie du ja selber feststellst, ziehen Ausländer nicht aufs Dorf. Der ländliche Raum profitiert also überhaupt nicht von Zuwanderung und die Großstädte wachsen auch heute schon. Eine Wanderung vom Land in die Stadt ist hingegen bis ins 20. Jahrhundert eine konstante gewesen und hat meist nicht geschadet, wenn genug Menschen zurückblieben um den Fortbestand der Dorfgemeinschaft zu sichern. Dieses System bricht bei 1.3-1.4 Kindern pro Frau völlig zusammen.
Überhaupt frag ich mich manchmal, warum Einwanderer unbedingt in die Großstädte drängen. Selbst wenn sie dort nicht mehr Aussicht auf Anstellung haben als anderswo, aber die Mieten deutlich höher sind. Mir scheint, gerade Bulgaren und Rumänien verwechseln Deutschland mit ihrer Heimat wo in der tiefsten Provinz teilweise noch wie vor 200 Jahren gehaust wird. In Deutschland aber gibt es einen solchen fundamentalen Unterschied im Lebensstandard zwischen Großstadt und Provinz nicht.
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Nur mal ein paar Zahlen vom Stat. Bundesamt.Es heißt ja immer, es gäbe keine "Armutszuwanderung" oder überdurchschnittliche Zuwanderung aus den östlichen Ländern:
Die neu ins AZR aufgenommenen Personen stammten mit + 306 700 zu fast 60 % aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU). Sie lassen sich drei Gruppen zuordnen: Der zahlenmäßig größte Zuwachs (+ 147 200) kam aus den drei Ländern, die seit 2007 beziehungsweise 2013 zur EU gehören. Dadurch hat sich der Bestand dieser Personengruppe im AZR um 22,5 % erhöht. Hier hatten Rumänien (+ 32,9 %) und Bulgarien (+ 24,8 %) den größten Anteil.Detaillierte Daten:
"Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) war das die höchste jemals in Deutschland registrierte Zahl seit der Errichtung des AZR im Jahr 1967."https://www.destatis.de/DE/Pre…7FCC23B2D25C01FC0810.cae1
PS: "Willkommenskultur" hat das Potential zum Unwort des Jahres, weil es so schwammig ist wie viele der Begriffe in der dt. Politik und Gesellschaft (bestes Bsp. "auf den Weg gebracht", "alternativlos" "Neuland" usw.)!
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Überhaupt frag ich mich manchmal, warum Einwanderer unbedingt in die Großstädte drängen. Selbst wenn sie dort nicht mehr Aussicht auf Anstellung haben als anderswo, aber die Mieten deutlich höher sind. Mir scheint, gerade Bulgaren und Rumänien verwechseln Deutschland mit ihrer Heimat wo in der tiefsten Provinz teilweise noch wie vor 200 Jahren gehaust wird. In Deutschland aber gibt es einen solchen fundamentalen Unterschied im Lebensstandard zwischen Großstadt und Provinz nicht.Lebensqualität ist mehr als ein Bad mit Wanne, Dusche, WC und Bidet nebeneinander.
Zum einen gelten für Migrant_innen die gleichen Motive wie für viele Leute, die aus der deutschen Provinz oder Klein- und Mittelstädten zuziehen. Die wurden hier schon mal angesprochen: http://www.deutsches-architekt…m/showthread.php?p=468527
Es ist ja ein beliebtes, aber trotzdem meist falsches Vorurteil, dass Migrant_innen und Asylsuchende meist sogenannte Armutsflüchtlinge sind. Gerade Asylsuchende aus arabischen Ländern, Iran oder Afghanistan stammen oft aus der Mittelschicht und sind nicht selten Akademiker_innen.Sie, aber auch allle andere Migrant_innen, suchen oft Gemeinschaften und Netzwerke, die bei der Wohnungs- und Jobsuche - letzte leider fast immer deutlich unterqualifiziert - und der Bewältigung des deutschen Behördendschungels helfen. Solche Netzwerke gibt es nun mal fast ausschließlich in Großstädten. Das ist nun auch keine sonderlich neue Erkenntnis, sondern gilt seit weit über hundert Jahren und so ziemlich überall in der Welt. http://www.bpb.de/gesellschaft…zdossiers/57320/netzwerke
Ein weiterer Grund gilt wiederum ebenso für Einheimische wie für Migrant_innen: Diversität als Qualität, zumindest aber als Normalität. In einer Großstadt, in der über die Hälfte der Einwohner_innen zugezogen ist, ist "Anderssein" weit weniger ein Problem bzw. auffällig als in der Kleinstadt oder dem Dorf, wo man auch in der dritten Generation noch der Fremde, die Ausländerin oder der Reingeschmeckte ist.
Man kann noch weitere Gründe anführen, "warum Einwanderer unbedingt in die Großstädte drängen." Die Frage wäre für mich eher, warum sollten ausgerechnet sie es nicht tun, wenn es auch viele der hier geborenen 20- bis 40-jährigen in die Großstädte zieht.
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Weil sie es sich schlicht nicht leisten können? Mit der Großfamilie (gerade EU-Ausländer kommen ja bei dauerhafter Auswanderung selten allein) in einer überteuerten und viel zu kleinen Mietwohnung? Die meisten Kriegsflüchtlinge, die hier ankommen, sind ganz und gar nicht mehr wohlhabend. Entweder sie können auf ihren Besitz nicht mehr zugreifen oder sie mussten ihn für die Flucht verscherbeln.
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Dadurch hat sich der Bestand dieser Personengruppe im AZR um 22,5 % erhöht. Hier hatten Rumänien (+ 32,9 %) und Bulgarien (+ 24,8 %) den größten Anteil.
Der Weltuntergang droht! Das sind im letzten Jahr 87.945 Menschen mehr aus Rumänien und 36.435 aus Bulgarien gegenüber 2013 bei lediglich 80,8 Millionen Einwohner_innen.
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Ein bisschen weniger Polemik würde dir guttun. Auf Grundlage von solch einzeiligen und inhaltsleeren Postings kann man wunderbar -nicht- diskutieren.Von Weltuntergang spricht Destatis nicht und ich auch nicht.
Es ging um die Fakten (+33 % in einem Jahr, Vorjahr 30,4%), die klar die Berichterstattung vor einiger Zeit wiederlegen, es gäbe keine deutlich höhere Zuwanderung (gern unter "Armutszuwanderung" tituliert) aus den neuen östlichen EU-Staaten. Einzig die BLÖD-Zeitung hat ja da gerne mal - ebenso polemische - Artikel verfasst, die allerdings eher auf "böse Leute die unser soziales System ausnutzen" einstimmten.PS: Außerdem handelt es sich hier um nur zwei Länder, die Welt hat bekanntlich noch mehr.
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^ Ja und, was willst du uns jetzt damit sagen?
reden wir jetzt von "Einwanderern" allgemein, von "Rumänen und Bulgaren" im besonderen oder speziell von "Kriegsflüchtlingen"? Oder alle in einen Topf und Deckel drauf? Die Frage, warum es Zuwanderer in die Großstädte zieht, stellt sich doch gar nicht. Die Gründe dafür sind nun wahrlich offensichtlich und das nicht erst seit gestern. Welcher Vermieter in welchem Dorf, noch dazu in Sachsen, vermietet außerdem seine Bude gern an eine ausländische Großfamilie?
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PS: Außerdem handelt es sich hier um nur zwei Länder, die Welt hat bekanntlich noch mehr.Unbestritten, neben der Bundesrepublik gibt es noch 192 weitere Staaten, die Mitglied der Vereinten Nationen (UNO) sind. Hinzu kommen 13 weitere Staaten, Nationen, Länder oder Territorien, bei denen die Staatseigenschaft umstritten ist oder die sich in freier Assoziierung zu anderen Staaten befinden, darunter Abchasien, Bergkarabach, Republik China, Cookinseln, Kosovo, Niue, Nordzypern, Palästina, Somaliland, Südossetien, Transnistrien und Westsahara.
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Staaten_der_Erde
http://de.wikipedia.org/wiki/L…aaten_anerkannten_GebieteEine Rolle als Herkunftsland von nach Deutschland kommenden Migrant_innen spielen dabei die wenigsten, obwohl gerade aus letztgenannten umstrittenen, z.T. militärisch umkämpften Gebieten Menschen logischerweise wesentlich häufiger fliehen als aus stabilen, demokratischen Staaten.
Die prozentuale Entwicklung ist das eine, die absolute Zahl der Migrant_innen eine andere. Wenn nun 2015 auf einmal 244 Menschen aus Liechtenstein zuwandern würden oder 375 aus Panama, dann hätten wir jeweils eine Steigerung um exorbitante 100 Prozent.
Möglicherweise ist es mir entgangen, aber wer hat wo behauptet, dass 2014 mit der vollen Freizügigkeit für die Bürger_innen Rumäniens und Bulgariens - sieben Jahre nach dem EU-Beitritt beider Staaten - nicht auch mit Zuwanderung zu rechnen sei?
Ich fand gerade das Interview des Spiegels mit dem EU-Sozialkommissar László Andor:
Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien: "Ich sehe nur Vorteile für beide Seiten"
http://www.spiegel.de/wirtscha…m-interview-a-925830.htmlAm Ende sagt Andor auf die Frage: "Mit wie vielen Zuwanderern aus Bulgarien und Rumänien nach Deutschland rechnen Sie insgesamt?"
"Es wird in Deutschland 2014 keine Migrantenschwemme und keinen Schock geben. Die wenigsten geben ihre Heimat und ihren Freundeskreis auf, wenn am Zielort nicht schon jemand ist, der ihnen beim Start hilft. 2012 kamen unterm Strich rund 71.000 Bulgaren und Rumänen in die Bundesrepublik. Im nächsten Jahr werden es voraussichtlich ein paar tausend mehr sein."
Letzlich waren es 2014 124.380 Menschen aus Bulgarien und Rumänien mehr als im Vorjahr. Das sind zwar mehr als "ein paar tausend", aber auch keine Zahl, die ein Staat mit über 80 Millionen Einwohner_innen nicht verkraften würde. Und es ist auch kein Massenexodus, Bulgarien hat 7,3 Millionen Einwohner_innen, Rumänien sogar 20,1 Millionen. 0,45 Prozent von denen gingen 2014 nach Deutschland.
Seit sieben Jahren sind beide Länder Mitglied der EU, wovon vor allem auch deutsche Firmen profitieren. Seit dem EU-Beitritt hat der Warenaustausch mit Bulgarien um rund 40%, der Warenaustausch mit Rumänien sogar um über 50% zugenommen ( http://www.pfalz.ihk24.de/link…ert_sich_ab_2014-data.pdf ). Ganze Betriebe wurden in beide Länder verlegt. Nun gilt auch für Rumänien und Bulgarien die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit wie für alle anderen EU-Länder auch. Und ganz schnell wird vergessen, wie stark der deutsche Staat und die deutsche Wirtschaft von der EU-Mitgliedschaft profitieren. Auch der damalige CSU-Innenminister Hans-Peter Friedrich beteiligte sich am Kesseltreiben, in dem er vor "Armutsflüchtlingen" warnte.
Gibt es eigentlich schon Zahlen darüber, wieviele der in Deutschland lebenden 355.343 Rumän_innen und 183.263 Bulgar_innen Anfang 2015 Sozialleistungen beziehen? Im Oktober 2014 lag die Arbeitslosenquote der in Deutschland lebenden Bulgar_innen und Rumän_innen bei 9,2 Prozent. Das waren 5,4 Prozentpunkte weniger als im Durchschnitt der ausländischen Bevölkerung und 1,9 Prozentpunkte mehr als im Bevölkerungsdurchschnitt. Dazu erklärte Herbert Brücker, Leiter des Forschungsbereichs „Internationale Vergleiche und Europäische Integration“ am IAB: "Gemessen an den Beschäftigungs- und Arbeitslosenquoten zählen die Bulgaren und Rumänen zu den relativ gut integrierten Ausländergruppen im deutschen Arbeitsmarkt. Das gilt insbesondere für die Rumänen, deren Arbeitslosenquote unter der durchschnittlichen Arbeitslosenquote in Deutschland liegt.“ Mit 16,8 Prozent war der Anteil an Kindern, für die Anspruch auf Kindergeld erhoben werden kann, bei der in Deutschland lebenden Bevölkerung aus Bulgarien und Rumänien im November 2014 vergleichsweise gering. Im Durchschnitt der ausländischen Bevölkerung lag dieser Anteil bei 27,1 Prozent und im Gesamtdurchschnitt bei 17,8 Prozent. „Für die Hypothese, dass viele Bulgaren und Rumänen wegen des Anspruchs auf Kindergeld nach Deutschland kommen, gibt es vor dem Hintergrund dieser Zahlen keine statistischen Belege“, unterstreicht Ökonom Brücker (http://www.iab.de/de/informati…informationen/zm1214.aspx).
Du wirfst oben lediglich die nackten Zahlen in den Raum, wonach 2014 in der gesamten Bundesrepublik im Ausländerzentralregister 32,9 % mehr Rumän_innen und 24,8 % mehr Bulgar_innen erfaßt sind. "Es heißt ja immer, es gäbe keine "Armutszuwanderung" oder überdurchschnittliche Zuwanderung aus den östlichen Ländern." Die Begründung, wie und warum diese Zahlen nun "Armutszuwanderung" belegen würden, bleibst Du uns allerdings schuldig.
Und weil wir hier im Leipzig-Forum sind: 2011 lebten 609 rumänische und 481 bulgarische Staatsbürger_innen in Leipzig. Aktuellere Zahlen liegen mir nicht vor.
http://www.leipzig.de/fileadmi…rschung/Migranten2012.pdf -
Gewerbesteuern in Höhe von 273 Millionen Euro in 2014
LVZ, 18.3.2015
Gewerbesteuer-Einnahmen: Leipzig hängt Dresden ab"Leipzig ist jetzt mit Abstand die Stadt in Sachsen mit der prosperierendsten Wirtschaft."
2014 wurden hier Gewerbesteuern in Höhe von 273 Millionen Euro entrichtet. Damit nahm die Stadt 58 Millionen Euro mehr ein als geplant. Fünf Jahre zuvor belief sich das Gewerbesteueraufkommen der Stadt noch auf 187 Millionen Euro. Dresden kam lediglich auf 211 Millionen Euro, so viel wie schon 2005.
Ob das Wachstum der Steuereinnahmen in dem Tempo weitergehen wird ist ungewiss. Auf Anfrage sagte ein Sprecher des Finanzbürgermeisters Torsten Bonew (CDU), dass sich die Steuereinnahmen der Unternehmen nicht zuletzt aufgrund der Gesetzgebung nicht exakt vorhersagen lassen. Im Jahr 2014 beispielsweise betrafen 80 Prozent der Steuerfälle gar nicht das laufende Jahr. Allerdings geht die Stadtverwaltung auch in den kommenden Jahren mit weiter steigenden Gewerbesteuereinnahmen aus. Für 2015 prognostiziert Bürgermeister Bonew 250 Millionen Euro, für das Jahr darauf 255 Millionen Euro.
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Ergänzend ein kurzes Interview mit Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU):
MDR, 18. März 2015
Doppelhaushalt 2015/2016
Leipzig kann aus dem Vollen schöpfen
http://www.mdr.de/sachsen/leipzig/haushalt-leipzig102.html -
Da passt der Vergleich der Rücklagen der drei sächsischen Großstädte ganz gut rein, der kürzlich in der Freien Presse war (Link). Dort hat Leipzig Aufholbedarf:
- Dresden: 234 Mio. Euro
- Chemnitz: 165 Mio. Euro
- Leipzig: 89,2 Mio. EuroZum Teil könnte das natürlich auch daran liegen, dass weniger zweckgebundene Verpflichtungen für verzögerte Baumaßnahmen und weniger Rückstellungen für laufende Reprivatisierungsverfahren gebildet werden mussten.
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Heute erschienen die Leipziger Zeitung.
Lokaler Journalismus für alle, die nach einer Alternative zu LVZ und Bild suchen (da gibt es bestimmt eine Menge
).
Schwerpunkt "Wohnen", daher auch passend fürs DAF. Unter anderem wird eine Preiskarte von "einundleipzig" dargestellt, verschiedene Artikel zum Wohnen ("Stadt für Alle") und ein Interview mit dem KSW-Sprecher runden den Schwerpunkt ab.
Verkaufspunkte und Co. für alle, die es interessiert, unter:
http://www.leipzigerzeitung.net -
Ralf Julke hat in der L-IZ mal wieder nachgerechnet und fordert eine Kurskorrektur der Landesregierung bei der alten Schrumpfungspolitik und eine stärkere Ausrichtung auf die drei Großstädte:
L-IZ, 20. März 2015
Höchste Zeit, die Schrumpfpolitik zu beenden
Sachsens Bevölkerungswachstum wird von den Großstädten befeuert
http://www.l-iz.de/politik/kas…ssstaedten-befeuert-81451Zu den Zahlen:
Die drei sächsischen Großstädte konnten von Dezember 2013 bis August 2014 ihre (landesamtlichen) Einwohner_innenzahl von insgesamt 1.304.338 auf 1.312.422 steigern – ein Plus von 8.084.
Dies verteilt sich auf
+ 5.593 in Leipzig - von 531.562 auf 537.155
+ 1.755 in Dresden - von 530.754 auf 532.509.
+ 736 in Chemnitz - von 242.022 auf 242.758Dagegen haben (fast) alle Landkreise – wie in den Vorjahren – deutlich eingebüßt. Ihre Einwohner_innenzahl sank von 2.742.047 auf 2.734.120 – ein Minus von 7.927.
Ich habe es mir gerade noch mal im Detail angeschaut. Der Landkreis Leipzig hat als einziger ein leichtes Plus von 186 Einwohner_innen zu verzeichnen. Die geringsten Verluste haben die beiden an Dresden angrenzenden Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge:
Erzgebirgskreis: - 1162 - von 351309 auf 350147
Mittelsachsen: - 1624 - von 314591 auf 312967
Vogtlandkreis: - 1124 - von 233970 auf 232846
Zwickau: - 1516 - von 327062 auf 325546
Bautzen: - 920 - von 308350 auf 307430
Görlitz: - 1439 - von 262168 auf 260729
Meißen: - 129 - von 243716 auf 243587
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: - 113 - von 245939 auf 245826
Leipzig: + 186 - von 257596 auf 257782
Nordsachsen: - 86 - von 197346 auf 197260
Freistaat Sachsen: + 157 - von 4046385 auf 4046542Bevölkerung des Freistaates Sachsen am 31. August 2014 nach Kreisfreien Städten und Landkreisen sowie Geschlecht
(Quelle: Bevölkerungsfortschreibung auf Basis der Zensusdaten vom 9. Mai 2011)
Gebietsstand 31. August 2014
http://www.statistik.sachsen.d…B-Bev/Bev_Z_Kreis_akt.pdfDas ganz leichte Plus von: + 157 Menschen für den Freistaat Sachsen insgesamt dürfte jedoch auf die Zunahme der Flüchtlingszahlen zurückgehen. Ohne die Berücksichtigung der Asylbewerber_innen würde das Land wieder (weit) im Minus liegen. Nun leben die Menschen hier, aber gleichzeitig werden ja Stimmen nach baldiger Abschiebung und der Erklärung weiterer Länder zu sogenannten sicheren Drittstaaten laut. Allein schon aus Tunesien kamen im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Oktober 2014 757 Asylbegehrende.
Zum Stichtag 31.10.2014 lebten in Sachsen insgesamt 13.747 Asylbewerber, davon waren 12.335 in den Kommunen und 1.412 in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) untergebracht.
Mit Stand Ende November 2014 waren über 10.000 Neuzugänge in der Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz und der Außenstelle Schneeberg registriert (Endstand 2014 noch nicht vorliegend).Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurden für den Bereich Sachsen Erst- und Folgeantragsteller registriert:
2010: 2.305
2011: 2.475
2012: 3.382
2013: 5.645
2014: 6.396 (bis 30.11.)http://www.landtag.sachsen.de/…-Hintergrund_08012015.pdf
Ohne die Asylbewerber_innen würde auch der Landkreis Leipzig ins Minus rutschen. Überschlägt man nur einmal die etwa 10.000 Menschen, die zwischen Januar und August bereits auf die Kommunen verteilt wurden, und nimmt die Quote von 6,39 % für den Landkreis an, dann sind das allein schon über 600 Menschen. Es ist absolut ausgeschlossen, dass auch nur ein Bruchteil von ihnen nach ihrer Anerkennung weiter in Käfern am Rande der Welt wie Thräna, Elbisbach, Hopfgarten oder Bahren bleiben wird, von den Bedingungen, unter denen sich dort in den Heimen leben mußten, mal ganz abgesehen. Wenn Menschen in eigenen Wohnungen in Markkleeberg, Grimma oder Borna leben und ihre Kinder dort in den Kindergarten, in die Schule und den Sportverein gehen, dann bestünden zumindest Chancen dafür, dass einige von ihnen dort bleiben.
Interessant ist überhaupt, wie sich der Bevölkerungsrückgang innerhalb der acht Monate auf die einzelnen Gemeinden verteilt:
http://www.statistik.sachsen.d…ev/Bev_Z_Gemeinde_akt.pdf
Selbst Grimma als größte Stadt im Landkreis Leipzig verlor 89 Einwohner_innen, ebenso Wurzen (- 42). Zugewinne verzeichneten nur die Städte im Speckgürtel Leipzigs:
Böhlen: + 13
Borna: + 119
Markkleeberg: + 112
Markranstädt: + 108
Rötha: + 72und bis auf wenige Ausnahmen unmittelbar an Leipzig angrenzende Gemeinden wie
Borsdorf: + 28
Großpösna: + 40
(Machern: + 42)
Zwenkau: + 92
Ähnlich sieht es im Landkreis Nordsachsen aus:
Schkeuditz: + 195
Taucha: + 187
Jesewitz: + 7
(Wiedemar: + 20)Aus den beiden größten Städten Delitzsch und Torgau wanderten im Saldo 31 bzw. 92 Menschen ab.
Es trifft auch die anderen größeren Städte nach den drei Großstädten
4. Zwickau: - 443
5. Plauen: -105
6. Görlitz: -56
7. Freiberg: -91
8. Bautzen: -64
9. Freital: + 117
10. Pirna: + 84
11. Hoyerswerda: - 260
12. Radebeul: + 238
13. Riesa: - 327
14. Grimma: -89
15. Meißen: + 71
16. Zittau: - 194
17. Delitzsch: -31
18. Limbach-Oberfrohna: -72
19. Markkleeberg: + 112
20. Glauchau: + 45 - Ausnahme!
21. Werdau: -99
22. Döbeln: - 88
23. Coswig: + 20
24. Annaberg-Buchholz: -132
25. Torgau: - 92, am 31. August 2014 genau 20.000 Einwohner_innen -
Das Grundproblem ist die niedrige Geburtenrate. Alles andere folgt daraus. ... Dieses System bricht bei 1.3-1.4 Kindern pro Frau völlig zusammen.
Dazu einmal eine längere PM aus Baden-Württemberg vom 2. September 2014:
http://www.statistik-bw.de/Pressemitt/2014300.asp
Frankreich und Irland haben innerhalb der Europäischen Union die höchste Geburtenrate
Durchschnittliche Kinderzahl je Frau in Deutschland und in Baden-Württemberg rangiert innerhalb der Europäischen Union im hinteren DrittelIm Jahr 2012 sind in den damals 27 Staaten der Europäischen Union knapp 5,2 Mill. Kinder geboren worden, darunter die meisten in Frankreich (822 000), gefolgt vom Vereinigten Königreich (813 000), Deutschland (674 000) und Italien (534 000). Noch 1998 kamen innerhalb der EU in Deutschland die meisten Kinder zur Welt, nämlich 785 000 und damit immerhin knapp 17 Prozent mehr als 2012.
Der Rückgang der Kinderzahlen in Deutschland ist jedoch nicht auf eine gesunkene Geburtenrate zurückzuführen, sondern auf einen Rückgang der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter, so das Statistische Landesamt. Denn die durchschnittliche Zahl der Kinder je Frau war mit 1,36 im Jahr 1998 sogar geringfügig niedriger als 2012 (1,38). Die Geburtenrate der baden-württembergischen Frauen lag hierbei im Jahr 2012 mit 1,36 Kindern je Frau im unteren Mittelfeld der Bundesländer. Am höchsten war die Geburtenrate in Sachsen und Thüringen mit jeweils knapp 1,5, am geringsten im Saarland mit 1,2 Kindern je Frau.
Innerhalb der Europäischen Union belegen Frankreich und Irland mit durchschnittlich 2 Kindern je Frau die Spitzenposition, gefolgt von anderen nord- bzw. westeuropäischen Staaten. Geringer als in Deutschland bzw. in Baden-Württemberg war die durchschnittliche Kinderzahl je Frau nur in Portugal, Polen, Spanien, Griechenland, der Slowakei und Ungarn.
Für die meisten Staaten der Europäischen Union konnte im vergangenen Jahrzehnt ein Trend hin zu wieder etwas höheren Geburtenraten festgestellt werden. Diese Entwicklung hat sich aber in den letzten Jahren nicht fortgesetzt – in der Mehrzahl der Staaten ist die durchschnittliche Kinderzahl je Frau sogar wieder gesunken.
Die Gründe für das Geburtenverhalten einer Generation bzw. für die unterschiedlich hohe Geburtenhäufigkeit in den einzelnen Staaten der Europäischen Union sind vielfältig. Entscheidend hierfür dürfte unter anderem sein, inwieweit sich Familie und Berufstätigkeit gut miteinander vereinbaren lassen, wie sich die wirtschaftliche Situation von Familien darstellt und inwieweit die Berufstätigkeit von Müttern mit kleinen Kindern gesellschaftlich akzeptiert ist. Schließlich hat sich auch gezeigt, dass Menschen in gesellschaftlichen Krisen- und Umbruchzeiten auf die Geburt von Kindern verzichten. So ist beispielsweise die Geburtenrate in den ostdeutschen Bundesländern nach dem Zusammenbruch der DDR von 1,5 (1990) auf unter 0,8 (1994) gesunken; seither ist sie wieder stetig gestiegen und liegt seit dem Jahr 2008 wieder über der des früheren Bundesgebiets.
In den drei sächsischen Großstädten leben 1304338 Menschen von insgesamt 4046385 Einwohner_innen des Bundeslandes und damit 32,2 %. In Sachsen wurden im II. Quartal 2014 8794 Kinder geboren, davon 3476 in den drei Großstädten (Dresden: 1554, Leipzig: 1394, Chemnitz: 528). Das sind 39,5 %. Die Zahlen sind ähnlich für 2013, hier waren es 40,4 % (14053 zu 34800). Betrachtet man nur Dresden und Leipzig, dann wird der Unterschied noch deutlicher. 26,4% der Einwohner_innen, aber im II. Quartal 33,5 % und 2013 34,2 % der Geburten.
Junge Frauen gehen in die Großstädte und bekommen dort offenbar mehr Kinder als auf dem Land. Für letzteres habe ich keine genauen Vergleichszahlen, das ist eher nur so gefühlt, weil bei vielen Freund_innen bereits das zweite Kind rumspringt, unterwegs oder in Planung ist, bei einigen auch das dritte. Aber der wesentliche Grund wird in der anderen Altersverteilung von Frauen in Großstädten liegen, außerdem ist ihr Verhältnis zu den Männern hier höher als auf dem Land.
Woran könnte all das liegen? Und wie schnell wird sich dieser Trend wieder umkehren?