BER Sonstiges

  • In der Morgenpost (Paywall) gibt es ein recht interessantes Interview mit Frau von Massenbach. Ich fasse mal die mE interessantesten Aussagen zusammen:

    - Zunächst ein Ausblick auf den Sommerflugplan: Im Vergleich zu 2024 gibt es hier nur kleinere Zuwächse im Angebot:

    Sommer 2024: 68 Airlines, 49 Länder und 148 Zielen

    Sommer 2025: über 70 Airlines, 50 Länder und 150 Ziele

    - Auch beim absoluten Wachstum rechnet man dieses Jahr nur mit 4 Prozent oder 1 Million zusätzlicher Fluggäste. Dies sei bereits ambitioniert angesetzt, da der Luftverkehrsstandort Deutschland insgesamt nicht mehr wettbewerbsfähig sei und mit Ryanair die größte Einzelairline ihr Angebot um 20% schrumpfe.

    - Da ursprünglich mal mehr Wachstum erwartet wurde, verlangsamt sich so auch die geplante finanzielle Sanierung. Man habe sich aber bereits frühzeitig auf die Einbußen bei Ryanair eingestellt und werde alles versuchen, trotzdem weiter mit der Gesundung voranzukommen.

    - Der Inlandsverkehr wird in dem früheren Maße nicht wieder zurückkehren (nichts Neues). Aber auch beim europäischen Punkt-zu-Punkt-Verkehr gibt es international einen Rückgang, was unter anderem an einem Rückgang bei den Geschäftsreisenden in Fliegern von ca. 15 Prozent liegt.

    Trotz grundsätzlich ähnlich guter Konnektivität bemerkt man das beim BER an teils merklich geringeren Frequenzen bei wichtigen Städten. Aufgrund des relativ hohen Preisniveaus werde sich das absehbar auch nicht ändern.

    - Die Lufthansa-Gruppe baut ihr Engagement am BER stetig aus. Die Lufthansa selbst erhöht die Frequenzen nach Frankfurt und München, während analog auch Swiss, Austria und Brussels die Anbindung an deren Drehkreuze verstärken. Aber auch Eurowings entwickle sich beim oben angesprochenen Mangelbereich der Punkt-zu-Punkt-Verbindungen am BER "sehr erfreulich".

    - Ebenso verstärkt sich bekanntlich deutlich die Anbindung an die großen Drehkreuze in der Golfregion. In Deutschland verbinde Qatar nur den BER so stark mit Doha (21/7 oder 3x täglich), was zu sehr guten Wartezeiten bei Anschlussflügen führe. Auch sonst kommen bis Herbst mehr Frequenzen und auch noch mehr Ziele in der Region hinzu. Sicher auch, weil die bisher angebotenen Verbindungen sehr gut laufen. Gemeinsam mit Istanbul habe man so inzwischen viele attraktive Optionen für Fernreisen nach Asien. Umgekehrt sei Berlin in diesen Regionen auch als Reiseziel beliebt.

    - Da absehbar nur wenige Langstrecken wie etwa Peking stabil funktionieren und auszulasten sind, wird es auch künftig auf gute Umsteigemöglichkeiten ankommen.

    - Das frühere Drama bei der Gepäckabfertigung gehört zunehmend der Vergangenheit an. Zuletzt startete die Gepäckausgabe am BER zu 98% maximal 30 Minuten nach der Landung und zu 100% unter 60 Minuten.

    - Beim Thema Flexibilisierung des Nachtflugverbots ist Frau von Massenbach bei Herrn Wegner: Auch ohne das Nachtflugverbot grundsätzlich in Frage zu stellen, könne man bei Grenzfällen besser reagieren. Aktuell müssten aufgrund des engen Luftraums immer wieder planmäßig gestartete Flugzeuge aufgrund von wenigen Momenten den bereits begonnenen Landeanflug wieder abbrechen und nach Hannover etc abdrehen. Dabei entstünden dreimal mehr Lärm, enorme Kosten und sehr viel Aufwand für die Betroffenen.

    - Was die Verkehrspolitik angeht, könnte die neue Regierung die Wettbewerbsbedingungen und damit die Aufteilung des Marktes besser im Blick haben. Mit dem aktuellen Trend würde Deutschland als drittgrößte Wirtschaftsnation sonst weiter zurück fallen.


    Insgesamt wirkt Frau von Massenbach mE sehr aufgeräumt. Sie macht sich und der Öffentlichkeit keinerlei Illusionen, macht im selbst zu beeinflussenden Bereich gründlich ihre Hausaufgaben und backt sonst notfalls auch erstmal kleinere Brötchen. Interessant finde ich auch, dass sie sich nie auf das Spiel mit den gegenseitigen Schuldzuweisungen einlässt.

    Sie kommentiert die Kritik von Ryanair und Co entweder gar nicht oder sucht nach Bereichen, in denen man übereinstimmt.

    Sie lobt umgekehrt die Zusammenarbeit mit den Airlines, die am BER wachsen.

    Und selbst die Forderungen an die Politik formuliert sie nicht als explizite Vorwürfe, sondern eher als Ausblick mit verschiedenen möglichen Szenarien. Ich bin weiter sehr zufrieden mit der Arbeit.

  • Sitzplatzangebot für Sommerflugplan 2025 um 2% über dem Vorjahr

    Nun ist also absehbar, dass der deutliche Einbruch bei der größten Einzelairline Ryanair durch das restliche Wachstum zumindest (leicht über)kompensiert wird. Wie das letztlich bei den realen Fluggastzahlen aussieht, bleibt natürlich abzuwarten. Insgesamt erreicht der BER so übrigens nunmehr knapp drei Viertel des Vor-Corona-Niveaus aus dem bisherigen Rekordjahr 2019.


    Zum Vergleich:

    Sitze/ Wachstum gegenüber 2024/ Erholung gegenüber 2019:

    Drehkreuze:

    1) Frankfurt: 21,6 Mio/ +5%/ 90%

    2) München: 14,9 Mio/ +6%/ 89%

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    Weitere größere bzw. mittelgroße Flughäfen:

    3) Berlin: 8,3 Mio/ +2%/ 72%

    4) Düsseldorf: 7,2 Mio/ +6%/ 81%

    5) Hamburg: 5,1 Mio/ +2%/ 86%

    6) Köln/Bonn: 3,3 Mio/ -1%/ 79%

    7) Stuttgart: 3,3 Mio/ +4%/ 73%

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    Die weiteren mittelgroßen bis kleineren Flughäfen lasse ich hier raus, teilweise gibt es dort aber deutliches Wachstum (aufgrund leicht geringerer Gebühren und entsprechender Verlagerungen), was den folgenden Gesamtwert erklärt.

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    Gesamt: 137,7 Mio/ +5%/ 90%


    Fazit: Während Deutschland ein gutes Stück des inländischen Verkehrs verloren hat (53% der früheren Zahlen, hierbei allerdings 68% von und zu den Drehkreuzen und dafür nur 20% bei den dezentralen Verbindungen), bewegt sich das Angebot sonst sowie auch insgesamt langsam wieder auf die alte Größenordnung zu (Europa: 95%, Langstrecke: 96%, Gesamt: 90%).

    Der BER dagegen liegt bisher deutlich unter dem früheren Volumen. Beim sehr geringen Wachstum für den Sommer 2025 wirkt sich nun zudem eben - ähnlich wie auch bei Hamburg und Köln/Bonn - deutlich der Rückgang bei Ryanair aus.

    Quelle airliners.de

    Quelle bdl.aero (1)

    Quelle bdl.aero (2)


    Condor: Gerüchte über mögliche Übernahme und neue Rolle

    Seit einigen Tagen kursieren Gerüchte, wonach Condor evtl. teilweise oder auch komplett von der International Airline Group (AIG) übernommen werden könnte. Diese ist aktuell nach Ryanair und Lufthansa die drittgrößte Airlinegruppe Europas (u.a. British Airways, Ibera, Vueling und Aer Lingus) und zudem Teil der global führenden Oneworld Alliance (OWA), zu der früher auch Air Berlin gehörte.

    Es heißt, dass Condor innerhalb von AIG sowie innerhalb von OWA dann eine ähnliche Rolle wie Air Berlin zukommen und eine stärkere Konkurrenz für die Lufthansa Gruppe entstehen könnte.


    Genau das Letztere empfiehlt übrigens eine vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie, die Lufthansa eine zu beherrschende Rolle bescheinigt und eine Fusion von Condor oder Tui Fly mit einer bestehenden ausländischen Airline-Gruppe (idealerweise innerhalb der OWA) empfiehlt, um den Deutschen Markt besser aufzuteilen. Auch die Kommentare zu den jeweiligen Berichten der einschlägigen Luftfahrtmedien attestieren der Lufthansa eine zu dominante Stellung mit hohen Preisen für zunehmend miserable Gegenleistungen.


    Nun steht leider nirgendwo, inwiefern Condor in so einem Szenario voraussichtlich auf den BER setzen würde/könnte - oder aber noch stärker als ohnehin schon auf das Drehkreuz Frankfurt bzw. ggf weitere relevante Airports wie München, Düsseldorf und Co. Wenn man das aktuell schon rasant ansteigende Engagement am BER sowie die bisherigen Äußerungen zu diesem Thema so ansieht, wäre ein spürbarer Anteil aber mE recht wahrscheinlich. Und bisher tut Condor eben beides: das bestehende Drehkreuz Frankfurt stärken - und Alternativen lancieren. Vom BER aus gibt es künftig nun sogar 2 statt 1 tägliche Verbindung nach Frankfurt, die auch früher als geplant starteten (aufgrund enormer Nachfrage). Zudem gibt es nun ja auch auf der Bahnstrecke Berlin-Frankfurt eine neue strategische Kooperation inkl. Codesharing mit der Deutschen Bahn. Zugleich baut u.a. Condor (aber ähnlich auch die Lufthansa selbst) aber auch die Zubringerflüge vom BER zu anderen Drehkreuzen aus.


    Bisher hat sich Condor selbst nicht geäußert, der bisherige Investor soll die Airline aber passend zu den Gerüchten zeitnah abstoßen wollen (und selten langfristige eigene Interessen mit übernommenen Firmen/ Sanierungsfällen zu verfolgen). Also eine spannende Entwicklung, die man mE nun weiter verfolgen sollte.

    Quelle aero.de

    Quelle frankfurtflyer.de

    Quelle airliners.de

    Quelle aerotelegraph.com