Der Altstadt-Salon

  • Ein Modernist der alten Schule. Immer noch davon überzeugt, dass der autogerechte Nachkriegswiederaufbau eine richtige Sache war. Völlig frei von Selbstkritik, verbittert dass nun ein winziger Teil der Altstadt rekonstruiert wird und keine modernen Kisten hinkommen. Kann einem fast schon Leid tun.

  • Bürger für mehr Rekonstruktionen

    Mehr als 300 Vorschläge zum Stadtentwicklungskonzept "Frankfurt 2030" haben die Bürger auf http://www.frankfurtdeinestadt.de eingestellt. Am meisten sind Rekonstruktionsvorschläge bewertet worden, meldet die FNP. Hier ein kurzer Überblick:

    • Altes Schauspielhaus am Willy-Brandt-Platz
    • Rathaustürme "Langer Franz" und "Kleiner Cohn"
    • Viertel zwischen Alter Mainzer Gasse und Römer
    • Garküchenplatz hinter dem Dom
    • Dächer, Kuppeln und Kandelaber am Bahnhofsplatz


    http://www.fnp.de/lokales/fran…ie-Buerger;art675,2136261

  • ^ Seine Gedankengänge sollte der Mann erst mal erklären - jedes einmalig gestaltete Haus mit Charakter ist per se einzigartig. Sonst zitiert der Artikel den Oberbürgermeister, der vom Skeptiker zum Anhänger des Wiederaufbaus wurde als er sah, wie die Rekonstruktionen die Menschen berühren. Davor zitiert der Artikel drei Besucher - zwei freuen sich, eine Frau sieht die Rekos ambivalent, macht 2,5:0,5. Noch ein paar Ecken in der Altstadt könnte man historischer neu gestalten.

  • Na, Herr Josef scheint ja den Durchblick zu haben. Nachdem was er mittlerweile alles so von sich gegeben hat, wünsche ich mir echt Cunitz zurück.

  • Die Argumentation ist traumhaft - "keine neuen Rekos, da sie die Einmaligkeit des Dom-Roemer Projekts reduzieren."
    Uebertragen auf zB Essgewohnheiten heist das "Ich esse einmal im Jahr Torte. Den Rest des Jahres esse ich trockenes Brot, damit mir die Einmaligkeit des jaehrlichen Tortenerlebnisses erhalten bleibt." Entweder ist Herr Josef jedem Moench in punkto Genuegsamkeit weit ueberlegen oder die Stringenz der Argumentation gegen mehr Rekos (die er ja angeblich mag) laesst etwas zu wuenschen uebrig:-)

  • Hahaha, der Herr Josef ... dann bekommen wir jetzt also alle nur noch ein Kind, denn das zweite würde ja das erste seiner "Einzigartigkeit berauben" ... :D

  • https://model2.de/light/2206/hmf_treuner_roemerber9azrq.jpg


    Quelle: Treuner Altstadtmodell


    Wenn man jetzt Bestandsaufnahme macht, dann sieht man:
    Rekonstruiert oder teilrekonstruiert
    Rathaus
    Paulskirche
    Römerzeile
    Dom-Römer
    Dom
    Saalhof
    Karmelitenkloster


    Neu:
    Historisches Museum
    Schirn


    Wenn man sich das Areal südlich der Berliner Strasse ansieht und mit der historischen Altstadt vergleicht, dann könnte man mit wenigen Verbesserungen viel erreichen.


    Paulskirchen-, Rathaustürme- und Rathausdach rekonstruieren
    Häuserzeile auf dem Paulsplatz rekonstruieren (kein Abriss, reiner Gewinnbringer für Stadt)
    Partieller Abriss von Wohnhäusern am Mainufer, gr. Fischergasse, Saalgasse mit Teilrekonstruktionen


    Dafür liessen sich sicher Sponsoren finden und die Stadt würde weiter aufgewertet.


    -----------------
    Mod: Direkteinbindung der urheberrechtlich geschützten Fotografie entfernt. Bitte fremde Rechte beachten und bei zulässigen Einbindungen immer den Inhaber der Bildrechte angeben, siehe Richtlinien.

  • ^


    Sicherlich hast Du mit der Forderung, die Rathaustürme und das Rathausdach zu rekonstruieren, Recht, und es gilt, sich in den öffentlichen Debatten dafür stark zu machen. Durch die Initiative des Brückenbauvereins ist schon die kommenden Jahren mit dem Ausbau der beiden Türme zu rechnen. Die Rekonstruktion des Rathausdachs bedarf noch weiterer Anstrengung, um eine politische Mehrheit zu bilden: Das gewichtigste Argument scheint mir, dass die sich dadurch ergebenden Proportionen der Paulskirche städtebaulich mehr Gewicht verleihen würden.


    Das Dach der Paulskirche wiederum wird nicht zu rekonstruieren sein und sollte es auch nicht, da es Teil des veränderten Wiederaufbaus ist (der ganz eigene architektonische Qualitäten hat) und mit dessen Innenwirkung eminent verbunden ist.


    Die Rekonstruktion der Häuserzeile auf dem Paulsplatz, auch oder vielleicht sogar noch eher deren zeitgemäße Interpretation ist zweifelsohne eine begrüßenswerte Forderung. Auch Christoph Mäckler hat sich immer wieder für die Platz-Bebauung stark gemacht, indem er darauf verwies, dass nur so der Römerberg wieder zu ganzer Dominanz und Wirkung gelange. Denn die Wirkung eines Platz gründet auch in der vorigen Enge und Geschlossenheit seiner Wegeverbindungen. Albert Speer Junior aber war dessen größter Widersacher und brüstet sich noch heute damit, Ende der 1960er Jahr als Student gegen die damaligen Bebauungspläne der Stadt erfolgreich auf die Barrikaden gegangen zu sein. Es scheint mir schwer bis unmöglich, der Stadtgesellschaft nach all den Jahrzehnten die Widerbebauung dieses Platz schmackhaft zu machen, da sie den Platz und dessen gastronomische Nutzung abseits aller städtbaulichen Theorie liebgewonnen hat.

  • Schöne Ideen, aber man wird wohl wieder mal auf bessere Zeiten warten müssen, in denen die Stadtpolitik sich wieder in ruhigerem Fahrwasser befindet und Sinn fürs Repräsentative hat. So lange die SPD in der Stadtregierung den Ton angibt, werden es derart bourgeois angehauchte Themen schwer haben. Schon weil es einer Revision ihrer eigenen Aufbaupolitik unter Walter Kolb und Nachfolgern gleichkäme, wird die Partei weiter mauern. Man hat sowieso mit Neubaugebieten, sozialem Wohnungsbau, neuen Schulen etc. genug Themen, mit denen man sich jetzt in den Dezernaten - nicht ganz unberechtigt - weitaus lieber befasst und auf die ungeteilte Unterstützung der Basis rechnen kann. Aber man hat ja seinerzeit auch nach dem Bau der Ostzeile und dem Wechsel zu Rot-Grün nicht ernsthaft geglaubt, daß da nochmal so etwas kommt, wie das jetzige Altstadtprojekt.

  • @ PetraPak: Vielen Dank für die interessanten Ausführunegn in deiner Antwort.


    Ich dachte das Projekt Rathaustürme wäre gestorben. Ich lass mich überraschen.


    Ich gebe dir auch bei dem Paulskirchenplatz recht. Allerdings wird die Gastronomie dort nicht besonders angenommen. Sehr touristisch das Ganze. Man könnte sicherlich auch in dem neuen Häuserblock Gastronomie einrichten.


    Für die Stadt wäre es ein reiner Gewinn. Sie erhält vermietbare / verkaufbare Fläche in bester Lage. Man müsste sich nur mit den Geschäftsleuten dort einigen. Das sollte machbar sein.

  • Also an eine Bebauung des Paulsplatz glaube ich nicht mehr in diesem Leben. Die schon angesprochene Problematik, das den Bürgern zu vermitteln (Kaum ein heutiger Einwohner Frankfurts wird sich noch an einen bebauten Paulsplatz erinnern) ist das Eine. Eine Freifläche zu bebauen, und sei sie auch noch so sinnlos, wird doch umgehend zum Politikum (siehe auch die Bürgerinitiative zur Erhaltung der freien Sicht auf den Dom, die nach Abriss des Technischen Rathauses aus dem Gebüsch sprang). Das Andere ist aber vielleicht auch noch eine rein praktische Überlegung: wohin mit dem Großteil des Weihnachtsmarktes? Da sehe ich keine gleichwertige Lösung in Bezug auf Fläche und Lage.

  • Leider sehe ich die Frage einer Bebauung des Paulsplatzes genau so skeptisch wie OllaPeta. Aber eine andere Freiflaeche ganz in der Naehe, genauer gesagt zwischen Rathaus und Berliner Strasse, hat vielleicht mehr Aussichten in absehbarer Zeit bebaut zu werden. Hier gingen lediglich ein paar Behoerdenparkplaetze verloren und die Stadt koennte das Grundstueck sicher zu einem ziemlich hohen Preis verkaufen!
    Eine Bebauung dieser Flaeche wuerde die Raumkanten von Berliner Strasse und suedlichem Kornmarkt wesentlich besser fassen und falls man das Ganze noch mit einer Oeffnung des Rathaus-EGs verbindet (wird ja seit ca 15 Jahren diskutiert), koennte hier eine sehr schoene Ecke fuer Gastronomie und Geschaefte entstehen.

  • Schrille Töne gabs bei einer Podiumsdiskussion auf dem Campus Riederberg. Der "praktizierende Architekt" und "begabte Pianist" Daniel Libeskind, nicht zu verwechseln mit dem Taschen-Label Liebeskind, hat sich hinreißen lassen, zu sagen, dass das Altstadt Projekt eine "gefährliche Sache" und ein "Donald-Trump-Projekt" sei.


    Was soll man dazu sagen? Zumindest aus linguistischer Sicht ist diese Einlassung doch interessant: der etwas abgenutzte Disneyland-Vorwurf hat eine Steigerung bekommen, einen neuen Superlativ: Trump-Projekt!


    http://www.faz.net/aktuell/rhe…er-riedberg-14542389.html

  • Libeskinds Äußerung sind nun wirklich vollkomener Schwachsinn. Auch wenn man ein absoluter Altstadt-Rekonstruktionsgegner ist (kann man ja sein), ist der Vergleich in keiner Weise nachvollziehbar. Schon der Disneyland-Vergleich hinkt. Was das ganze aber mit Trump zu tun haben sollte, ist mir völlig rätselhaft. Ich kenne jedenfalls kein Trump-Projekt, das man mit dem Altstadt-Projekt vergleichen könnte.

  • Pergola am Krönungsweg

    [FONT=&quot]Dom-Römer-Areal: Bau-Thread + Planung Neubebauung[/FONT]

    [FONT=&quot]Pergola am Krönungsweg[/FONT]

    [FONT=&quot]Wie weit die Planung und der Bau der Pergola fortgeschritten ist kann ich noch nicht erkennen, aber bevor alle Freunde und Befürworter der “neuen Altstadt“ sich durch zu mageren Protest am Errichten einer “Pergola“ am ehemaligen Krönungsweg mitschuldig machen, ein eigentlich sinnloses Bauwerk, vergleichbar wie schon erwähnt mit dem ehemaligen “Tisch“ auf dem Schirn-Plateau, möchte ich diesen Problempunkt nochmal aufgreifen.[/FONT]
    [FONT=&quot]Die Planer und Entscheider der “neuen Altstadt“ sind offensichtlich müde und lustlos geworden und wollen sich nun wieder auf das einfache und bequeme, moderne, rechtwinklige und gerade zurückziehen.[/FONT]

    [FONT=&quot]Diese geplante Pergola in der ehemaligen Altstadt aber verschlimmert die Situation an dieser ohnehin kurios verbauten Ecke nochmal erheblich:[/FONT]

    [FONT=&quot]- Die eigentlich auch misslungene Rückseitenbebauung der Römerberg-Ostzeile mit diesen seelenlosen hohen Stützen, die oben moderne Wohnbebauung tragen.[/FONT]
    [FONT=&quot]- Der unselige Kubus des Kunstvereins[/FONT]
    [FONT=&quot]- Die dann vielen Treppen zum Schirn-Kunsthallen-Plateau.[/FONT]
    [FONT=&quot]- Die U-Bahnrolltreppen[/FONT]
    [FONT=&quot]- Der unmaßstäbliche, dominierende Rundbau der Schirn-Kunsthalle[/FONT]
    [FONT=&quot]- Die nur wenigen Rekonstruktionen oder angepassten Füllbauten an der Südseite des “neuen Krönungsweges“.[/FONT]

    [FONT=&quot]“Wenn mir nichts mehr einfällt baue ich eine Pergola“ (Oder gar eine Galerie mit hohen “Stelen“, siehe Berlin Museumsinsel,[/FONT] “James-Simon-Galerie!“[FONT=&quot], wo ein Architekt nur seine erdrückende Duftmarke gesetzt hat).[/FONT]

    [FONT=&quot]● Anstatt schnöder, moderner “Pergola“ könnte man eine Reihe von ca. 2,5 Meter hohen Säulen aufstellen, die oben auf Kapitellen stehend passende Spolien tragen, entweder direkt aus dem Areal stammend oder restaurierte oder nachgebildete Figuren aus dem Innenstadt Bereich.[/FONT]

    [FONT=&quot]● Oder 2 bis 3 Meter hohe Säulen oder Vierkant-Stützen in Reihe, die oben auf Kapitellen ruhend erfundene, stilisierte oder karikierte Büsten von möglichen Bewohnern der früheren Altstadt tragen, die neugierig herunter Blicken auf den Zug des neuen Kaisers zum Dom. Gerade so wie einheimische Frankfurter vielleicht damals aus den dort vorhandenen Fenstern heruntergeschaut haben könnten.[/FONT]

    [FONT=&quot]● Oder, auf hohen, durchgängigen Stelzen, Stützen oder Säulen ruhend, wie auch immer, an dieser Stelle die oberen Geschosse der damaligen, dort befindlichen Altstadthäuser wieder aufbauen und damit auch noch Wohnungen schaffen, siehe Rückseitenbebauung der Römerberg-Ostzeile. Auch der Architekt Christoph Mäkler hat in Kronberg auf dem Berliner-Platz ähnliches verwirklicht.[/FONT]

    [FONT=&quot]Dann könnte diese ohnehin verbaute Ecke noch etwas Positives hinzugewinnen[/FONT]

    Einmal editiert, zuletzt von RobertKWF () aus folgendem Grund: "n"

  • Am 30. Dezember 2016 verstarb Rolf Schmitz im Alter von 87 Jahren. Bekannt als "Klaa Rölfche" war er einer der letzten Zeitzeugen der historischen Altstadt. Viel hat er von seiner Kindheit in der Saalgasse erzählt, auch in dem Buch "Ein Groschen fürs Licht". Die Fertigstellung des Dom-Römer-Projekts konnte er leider nicht mehr erleben.

  • Einige wenige Dächer und etliche Dacheindeckungen fehlen noch, das Ganze sieht aber jetzt schon altstadtmäßig eng und munter gemischt aus


    Und auf dem ersten Bild sieht man leider allzu deutlich, wie dringend nötig Frankfurt die Neue Altstadt hat. Drumherum ist Frankfurt ja an Eintönigkeit kaum zu überbieten, ein weißer kastenförmiger 0815-Bau reiht sich an den nächsten. Schrecklich! Wenn man bedenkt, dass meine Oma in ihrer Kindheit Frankfurt als schönste Stadt überhaupt bezeichnet hat.