Humboldthafen OVG-Projekt [realisiert]

  • Einfach nur gruselig, diese Dikatur des Rasters! :nono:


    Es gab mal eine Zeit, da war Fassadengestaltung eine Kunst, an der auch Künstler beteiligt waren. Heute entwickeln Technokraten mit Hilfe von Computerprogrammen Raster aus möglichst kostengünstigen Materialien.
    Ein kultureller Rückschritt, wie er auch in vielen anderen Bereichen wie z.B. der Mode zu beobachten ist.
    Vergangene Zeiten hatten definitiv mehr Kultur als heute, wenn auch die politischen Systeme rückständig gewesen sein mögen.
    Wohin diese Entwicklung wohl führen wird? Vielleicht werden eines Tages unsere Häuser ohne menschlische Beteiligung von Computerprogrammen entworfen und von Robotern gebaut. wer will angesichts der rasanten technischen Entwicklung der letzten Jahrhunderte überhaupt irgendetwas für die Zukunft ausschliessen?


    http://wp1057834.server-he.de/archinet/Fassaden.jpg


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    Bato

  • Man soll ja nicht zu früh Urteilen, aber dieses Haus droht ein Fiasko zu werden. Was nicht am Fensterraster, sondern am Material liegt. Ich hoffen jetzt noch, dass nur an der einen Seite diese Verkleidung verwendet wird. Das Material wirkt so tot wie Einmalgeschirr aus Plastik. (Es scheint weiß lackiertes Aluminiumblech zu sein.)


    Und tatsächlich stellt die Visualisierung etwas anderes dar.

  • Für Kunststoffprofile wäre der Querschnitt ebenfalls zu stark. Ich gehe davon aus das es sich hier um Keramikelemente handelt, was auch eher für die Aluminiumprofile/schienen als Unterkonstruktion spricht.

  • Vielleicht ist es auch Textilbeton. Zugute halten kann man immerhin, dass die Fassade dadurch wenigstens etwas Profilierung bekommt. Auch wenn das Gebäude dadurch am Ende genauso durchnittlich langweilig aussehen wird, wie die restlichen Gebäude am Hauptbahnhof. Wahrscheinlich gibt's dann in 20-30 Jahren, wenn das Gebäude größtenteils abgeschrieben ist, eine neue hochwertigere Fassade. Ob diese Kurzlebigkeit wirklich so "nachhaltig" ist?


    Na ja, wahrscheinlich wird die Fassade zumindestens recyclebar sein:D

  • Vielleicht ist es auch Textilbeton. Zugute halten kann man immerhin, dass die Fassade dadurch wenigstens etwas Profilierung bekommt.


    Ich vermute, es handelt sich tatsächlich um Glasfaserbeton, wie im Thread schon orakelt wurde. Ich vermute auch, dass diese Betonteile mit etwas Patina besser aussehen werden.


    Und ich scheine der einzige zu sein, dem die Fassade bis jetzt sogar recht gut gefällt, wenn man das mal auf das Gesamtgebäude hochskaliert. Aktuell halte ich es mit dem Steigenberger für das attraktivste Gebäude im Europaviertel.


    Gruß


    Thrax

  • ^ Der Bau gefällt mir von der Kubatur her sehr gut und auch die bisher in den Visualisierungen gezeigte Fassade gefällt mir.


    Wenn ich wüsste das man diese Fugen zwischen den einzelnen Fassadenelementen später noch verschließt/verfugt, dann würde ich mich jetzt auch schon zu einem Fan des Gebäudes zählen. So warte ich jetzt aber erstmal das Ergebnis ab bevor ich ein Urteil abgebe, denn bislang finde ich die (für mich) deutlich sichtbaren Fugen unschön.

  • IUnd ich scheine der einzige zu sein, dem die Fassade bis jetzt sogar recht gut gefällt, wenn man das mal auf das Gesamtgebäude hochskaliert. Aktuell halte ich es mit dem Steigenberger für das attraktivste Gebäude im Europaviertel.


    Mag sein.


    Aber das änderte nichts daran, dass man aus einer für Berlin einmaligen städtebaulichen Figur (dem Humboldthafen) nichts gemacht hat. Dieses symmetrisch geformte Hafenbecken, das im Süden in die Spree übergeht und im Norden in den Spandauer Kanal, muss man doch als Ganzes begreifen!


    Der erste Fehler wurde gemacht, als man das Bahnhofsdach verstümmelte: das sollte nämlich eigentlich bis über das Hafenbecken reichen. Und der zweite (gravierendere) Fehler war, nicht das gesamte Becken - von der Spree bis zum Übergang in den Kanal - einheitlich zu bebauen.


    Hier ist in 1-A-Lage wirklich eine Riesenchance versemmelt worden.


    Wenn man schon von der Geschichte die Chance vor die Füße gespielt bekommt, im Herzen einer europäischen Metropole große Räume "für die Ewigkeit" (naja, zumindestens für die nächsten drei, vier Generationen) zu bebauen, dann soll man es auch tun und nicht alles mit diesen elenden renditeoptimierten Investorenbuden vollmüllen.


    Wie man am Potsdamer Platz und anderswo gesehen hat, lassen sich Investoren auch sehr kleinteilig vorschreiben, wie sie an Top-Standorten zu bauen haben, ohne dass die Nachfrage darunter litte. Aber das geschieht unter dieser Senatsbaudirektorin offenbar nicht mehr.

  • Aber das änderte nichts daran, dass man aus einer für Berlin einmaligen städtebaulichen Figur (dem Humboldthafen) nichts gemacht hat. Dieses symmetrisch geformte Hafenbecken, das im Süden in die Spree übergeht und im Norden in den Spandauer Kanal, muss man doch als Ganzes begreifen!


    Hatte man sich damals auch gedacht und es gab 1993/1994 einen Wettbewerb dazu bei dem ein Entwurf des inzwischen verstorbenen Oswald Mathias Ungers gekürt wurde. Nachdem sich aber bis zur Eröffnung des Hauptbahnhofs kein Investor dafür gefunden hatte wurde 2006 ein neuer Plan vorgestellt der marktgerechter sein sollte. Es gab aber immer noch Schwierigkeiten Investoren zu finden und schließlich wurden die Parzellen irgendwann einzeln versteigert.

    2 Mal editiert, zuletzt von Chandler ()

  • Ungers selig in allen Ehren – aber sein Entwurf für den Humboldthafen war städtebaulich doch noch deutlich ein Kind der Achtzigerjahre: Eine Megastruktur, die in der Aufsicht grandios wirkt, das aktuelle Bedürfniss nach Abwechslung und kleinteiliger(er) Fassadengliederung aber niemals erfüllen könnte. Das aktualisierte Konzept von 2006 ist da um einiges offener.


    In diesem Konzept ist nun das OVG-Haus der erste Baustein. Ich wünsche mir sehr, dass man dessen Pendant am Washingtonplatz eine interessantere Gestaltung gönnt, aber der hier vorherrschenden Katastrophenstimmung mag ich mich nun auch nicht anschließen: Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Fassade nicht aus Plastik besteht, sondern aus irgendeiner Keramik, die das Potenzial hat, ansprechend zu altern. Sicher taugt der Bau wenig, wenn man ihn als Solitär betrachtet – ich kann ihn mir aber gut als Element eines Ensembles vorstellen, dass sich gemäß dem 2006er-Plan um den Humboldthafen schließt.


    Das BMBF-Gebäude hat anfangs auch Entsetzen ausgelöst; inzwischen scheint es mir, als werde es mehrheitlich als Gewinn für das Kapelle-Ufer betrachtet. Trinken wir also Tee und warten ab – in 10 bis 20 Jahren werden wir wissen, ob der Humboldthafen eine schicke Sache wird... ;)

  • Dennoch stellt sich die Frage, warum man das Gebiet trotz mangelnder Nachfrage sofort auf Teufel komm raus bebauen musste. Man hätte das Gebiet natürlich sofort als Gewerbegebiet entwickeln können. Wie schon gesagt wurde, hätte man hier aber mit etwas Gedult auch einen zweiten Potsdamer Platz entstehen lassen können, da die Lage ähnlich zentral ist. Diese Chance ist nun nachhaltig vertan.

  • ^"Sofort" und "auf Teufel komm raus"? Nach über zwei Jahrzehnten ist noch nicht einmal das erste Haus fertig – kommt mir jetzt nicht unbedingt wie übertriebene Hektik vor... ;)

  • Der Potsdamer Platz war quasi eine nationale Aufgabe, politisch eindeutig so gewollt und in fünf Jahren aus dem Boden gestampft, das lässt sich mit dem Hauptbahnhof gar nicht vergleichen.
    Hier herrschen ganz schnöde Marktverhältnisse und die gaben bis vor zehn Jahren gar nix her und im Augenblick eben das was gebaut wird, das ist vielleicht nicht ideal aber that's life.

    Allein die Tatsache, dass - bis auf den Cube (und der kommt hoffentlich noch) - die geplante Bebauung schon fast vollständig ist, muss man schon als Gewinn ansehen und auch wenn das Ergebnis in der Architektur vielleicht nicht immer überragend ist, ist immerhin durch die vernünftige Planung und Parzellierung schon eine gewisse Qualität gegeben. Und wenn die vorhandenen Lücken noch geschlossen werden, mit den Bauten am Humboldhafen, das Haus der Zukunft und vielleicht sogar noch dem Turm am nördlichen Vorplatz, dann wird das meines Erachtens schon ganz eindrucksvoll aussehen.

  • Architektenkind: Ist ja auch nicht weiter verwunderlich aufgrund der allgemein schwachen Nachfrage und dem Vorhandensein zahlreicher weiterer Baugrundstücke in der Vergangenheit. Schlussfolgerung: Die Realisierung einer qualitätsvollen Bebauung war schlicht unrealistisch. Die Konsequenzen hat man aber in Kauf genommen und den Investoren das Feld überlassen. Und nun, da das ganze Mittelmaß hochgezogen wird, wäre sicherlich schon viel mehr möglich.
    Edit: Tatsächlich startete die Bebauung des Areals ja trotz der miserablen Architektur erst seit die Marktlage sich entspannt. Dennoch verläuft sie nach wie vor sehr schleppend.


    @Theseus: Vielleicht war es am Potsdamer Platz auch einfach der Anspruch, der höher war. Das liegt auch nur daran, dass der Potsdamer Platz schon vor dem Krieg ein sehr wichtiger Ort war, was aber nach der Wende, außer in den Köpfen, keine entscheidende Rolle spielte. Das Projekt zeigt doch, dass man sich nicht mit dem Mittelmaß zufrieden geben muss, das einem so vorgesetzt wird. In München z.B. gibt die Marktlage z.B. alles nur denkbare her; das was dann gebaut wird, reicht aber an Berliner Maßstäbe bei weitem nicht heran. Der Grund hierfür kann also nur Ideen-, Konzept- und Anspruchslosigkeit sein

  • ^^
    Es gab in den letzten 10 Jahren viel Leerstand in den noch recht neuen Bürogebäuden rund um den Tiergarten. Deswegen gab es wenig Interesse in weitere zu investieren. Der aktuelle Immobilien-Boom ist ja noch jung.

  • Wo ist der Mut zur Farbe?

    Na! Bei der Wahl der Farbe haben die Macher enormen Mut bewiesen. Dieses Schneeweiß ist so schön bunt. Ein wohltuender Farbtupfer! Wenn das so weitergeht, dann entwickelt sich dieses Gebäude noch zum echten Paradiesvogel. Drohen eigentlich irgendwelche Sanktionen (vielleicht Strafsteuern?), wenn man Farbe benützt? Na ja, vielleicht erbarmt sich noch jemand und wirft eine paar Farbbeutel an die Fassade. :)

  • ^ Wieso solle es dort denn überhaupt einen Farbtupfer brauchen? Unweit vom OVG-Projekt steht das grüne BMBF, direkt hinter dem Bau stehen die mit rotem Backstein verkleideten Gebäude auf dem Campus der Charite und der bläulich-dunkel wirkende Hauptbahnhof ist auch gleich nebenan.


    Ich kritisiere sonst auch häufig die einfarbigen Fassaden diverser Neubauten, aber hier finde ich es vollkommen okay.

  • Wobei dieses Weiß auch auf mich recht steril und etwas "billig" wirkt. Wenn es ein weißlicher Stein mit etwas Struktur/ Muschelung etc. (zumindest Ansatzweise wie auf der Visualisierung) wäre, hätte sich vermutlich keiner groß beschwert. So hoffe ich wie Rotes Rathaus andeutete, dass es vielleicht auf diese Seite beschränkt bleibt. Die Hoffnung stirbt zuletzt...

  • ^ Ich habe mir das heute morgen nochmals angesehen. Die Fassade ist gewachsen und gefällt mir immer besser. Es scheint sowieso eine völlige Umplanung der Fassade gegeben zu haben. Die Vertikalelemente verfügen über eine Nase, die sich über die Gesimsbänder legt. Das gab es in den Visualisierungen nicht. Die Stellung der V-Elemente an der Nordseite ist sowieso enger als bei dem Rest des Hauses. Das ist vermutlich der Nähe zu den Gleisen geschuldet. Ich bin gespannt wie das im Ganzen wirkt.

  • Ungers selig in allen Ehren – aber sein Entwurf für den Humboldthafen war städtebaulich doch noch deutlich ein Kind der Achtzigerjahre: Eine Megastruktur, die in der Aufsicht grandios wirkt, das aktuelle Bedürfniss nach Abwechslung und kleinteiliger(er) Fassadengliederung aber niemals erfüllen könnte.


    Genau den Entwurf meinte ich - danke für's Posten.


    O.M. Ungers ist mir ansonsten etwas zu zwanghaft "quadratisch", aber diesen Entwurf finde ich immer noch einfach genial (und auch genial einfach).


    An dieser Stelle habe ich persönlich auch kein Bedürfnis nach Kleinteiligkeit, zumal das Areal auch kein gewachsener Innenstadtbereich ist, sondern historisch gesehen extra muros lag. Die ganze Gegend lebt doch gerade von ihrer Weitläufigkeit.

  • Ungers selig in allen Ehren – aber sein Entwurf für den Humboldthafen war städtebaulich doch noch deutlich ein Kind der Achtzigerjahre: Eine Megastruktur, die in der Aufsicht grandios wirkt, das aktuelle Bedürfniss nach Abwechslung und kleinteiliger(er) Fassadengliederung aber niemals erfüllen könnte


    Interessante Aussage. Warum sollten Megastrukturen nur in den Achtzigerjahren erlaubt sein? Warum sollten Megastrukturen an einem Ort wie dem Humboldthafen heute nicht mehr sinnvoll sein? Ich würde gerne wissen, inwiefern die Abkehr vom Ungers-Entwurf dazu beigetragen hat, am Humboldthafen Architektur zu realisieren, die diesem Ort angemessen ist?


    Was das Bedürfnis nach Kleinteiligkeit angeht: Grundsätzlich teile ich das Bedürfnis nach Kleinteiligkeit. Aber ich habe nicht den Eindruck, daß durch Projekte wie HumboldthafenEins diesem Bedürfnis entsprochen wird. HumboldthafenEins ist letztendlich ein grobschlächtiger Kasten, der mit Kleinteiligkeit nichts zu tun hat.