Fischerinsel / Petriplatz / Breite Straße

  • ^das ist mir auch unangenehm aufgefallen... die einzigen 'historischen Spuren' die in diesem Areal weichen müssen, sind die gruseligen DDR Ministeriumsbauten. Die Autobahn soll ja offensichtlich so bleiben wie sie ist.
    Das 'onto-kulturelle' Zentrum ist der Kirchenersatz, das archäologische Zentrum dient der Sichtbarmachung der Ausgrabungen. Insofern also nichts Neues.

  • Die Kommentare im besagten Tagesspiegel-Artikel sind ebenfalls nicht sehr wohlwollend. Schade, daß man an diesem historischen Platz doch in eine Beliebigkeit verfällt, obwohl eben diese Historie doch immer als Argument für eine Wiederbelebung dieses Areals herhält. Hier haben die Verantwortlichen meiner Meinung nach wirklich versagt.

  • Mich würde vor allem mal interessieren, ob die Verschwenkung der Gertraudenstraße (egal in welcher Breite) auf die alte Brücke noch Thema ist, oder endgültig verworfen wurde...

  • Mich würde ja interessieren, welche Reaktionen ein Entwurf a la Hackescher Mark (das rote Haus mit der Uhr oben) hervorgerufen hätte: eine Anlehnung an die frühere Bebauung in der Form, aber mit modernern Touch.


    Ich bin mal gespannt, was man sich für den Block am alten Kaufhaus ausdenken wird. Ob man sich da mehr Mühe gibt, gerade weil die Breite Straße ja zum Stadtschloss führt und dessen Formsprache mit einbezieht? Warhscheinlich nur in kleinen Referenzen, die nur "echte Architekten" sehen können.

  • ^ Für den Hertzog-Block soll es angblich "kleinteiliger" werden, dass hiess es aber für das Grundstück des Köllnischen Rathauses auch - im Ergebnis werden es wohl doch wieder rundgelutsche Investorenblöcke mit je etwa 10.000 qm Fläche, das was eben am besten geht. Antiurban und stadtfeindlich aber modern...


    ^^Die Ver- bzw. Rückschwenkung der Getraudenbrücke ist nicht verworfen, aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Da die Bausubstanz der Brücke nach Aussage von SenStadt tiptop ist ist ein Ersatz mit Steuermitteln angeblich nicht vermittelbar (putzig, diese plötzliche Sorge der Senatsverwaltung um Steuermittel).


    Deshalb ist der B-Plan Petriplatz/Breite Straße von einer Verschwenkung der Gertraudenbrücke (und damit einer Verschmälerung der via triumphalis stimmaniensis aka Leipziger-Gertrauden-Grunerstraße) unabhängig gemacht worden.

  • Ja das scheint wohl so. Allerdings wird zumindest die Grunerstraße weichen müssen, sollten die Pläne am Molkenmarkt jemals realisiert werden...

  • Erstens wird die Grunerteil nur zum Teil weichen müssen, falls die BauNVO irgendwann wirklich einmal novelliert wird und dann das Abgeordnetenhaus den B-Plan beschliesst - das kann noch dauern.

  • Sorry, zweitens glaube ich nicht an einen Sinneswandel von Regula Lüscher. Sie wird - trotz aller Kritk - so weiter machen.

  • Im Tagesspiegel findet man zum geplanten Geschäftshaus am Petriplatz den folgenden Artikel:
    http://www.tagesspiegel.de/ber…haus-weichen/7931302.html


    Hier wird die inzwischen nur noch nervende Polemik von bösen Investoren und Gewinnmaximierung und Betonmassen bemüht. Dann wird der historische Charakter des Ortes angeführt.
    Interessanterweise wird ein alternativer Entwurf eingebracht und bebildert. Einen sakralen Ort für alle Religionen würde Landschaftsarchitekt Hartmut Solmsdorf auf dem Petriplatz schaffen. Eine zwei Meter hohe, mit Kletterpflanzen begrünte Klinkerwand mit einer Erhöhung aus Glas soll zur Gertraudenstraße hin den Schall dämmen. Es wäre also eine Freifläche neben der natürlich viel zu riesigen Straße. Ich kann nur sagen, dass wäre der Tod, ein Unort, ein archäologisches Elefantenklo mit riesiger Mauer.
    Ich bin nicht begeistert über den Entwurf dieses Geschäftshauses aber auch nicht entsetzt und eine gute Alternative scheint es nicht zu geben. Die Altstadt kommt hier halt nicht zurück. Backstein hätte mir allerdings besser gefallen.
    Als Credo muss in dieser Ecke gelten: Verdichtung, Verdichtung, Verdichtung; auf keinen Fall Freiflächen und Abstandsgrün. Kleinere Parzellen wären vielleicht besser, können aber bei flächendeckenden Neubauten auch nach hinten losgehen.

  • Oh je, die Kommentare unterm Tagesspiegel-Artikel sind ja fürchterlich. Da wird sofort der Untergang der Stadt und aller Kultur herbeigeschworen, bei so einem Gebäude und Floskeln wie "schlimmer gehts nimmer" hervorgekramt.


    "Warum nicht lieber einen schönen kleinen Park dort hin?" fordert einer. Und damit die Gegend noch trostloser und leerer machen als sie ohnehin schon ist?
    Oh je.


    Ich weiß nicht was sich die Leute da wünschen? Dies ist ja nun eine seit
    Jahren weitgehend entvölkerte und tote Gegend, da ist doch jede Nachverdichtung nur zu begrüßen? Noch dazu ist der Entwurf doch recht stilvoll und zeitlos.


    Sicher, auch nichts wirklich besonderes, aber auch das ist mal wieder so ein Fall wo ich das auch garnicht erwarten würde. Ist halt ein guter Lückenfüller und mehr nicht.

  • ^ Ich denke, das ist ein Schulbeispiel dafür, was Hegel vor 200 Jahren als "abstraktes Denken" kritisierte: Wie wenig es bei solchen "Debatten" normalerweise um konkrete Fragen geht. Die richtigen Trigger ("Geschäftshaus", "historische Spuren" unter "gewaltigen Betonmengen begraben") reichen aus, um die Schleusen für ein diffuses Missbehagen gegen allgemeine Entwicklungen zu öffnen. Hätte man die Weichen im Teaser anders gestellt ("tote Asphaltwüste im historischem Zentrum Berlin wird endlich wieder bebaut"), wären die meisten Polemiken wahrscheinlich ausgeblieben.

  • Hegel hin oder her: ich jedenfalls erlaube mir meine Meinung zu ändern und plädiere nach den Erfahrungen am Petriplatz gegen jede Bebauung des Molkenmarktes, der Breiten Straße und des Marx-Engels-Forum.
    Dieser Senat kann's einfach nicht. Baustopp bis zum Aslaufen der Amtszeit von Frau Lüscher! Und nebenbei eine Initiative "Bürger gegen Eierkartons" gründen.

  • Gut gebrüllt, Löwe!

    Auf diese Idee kann man wirklich kommen, wenn man die Qualitätsentwicklung der wichtigsten Projekte anschaut.
    Was gab es für interessante Entwürfe für den Leipziger Platz, was für Ideen für Spittelmarkt, Mühlendamm und Molkenmarkt.
    Alles ist zu einem Eierschachtel-Einheitsbrei degeneriert, der hoffentlich nie gebaut bzw. baldmöglich durch Besseres ersetzt wird.

  • ^^

    Ich habs schon vorher geschrieben: das (Parzellierung, Breite der Gertrauden-Straße und der - frei nach Teherani - "Architektonische Würfelhusten", der dann nicht nur gleich gestaltet sondern "gleichgeschaltet" ist) ist ne Katastrophe und lässt in der Tat den Schluss zu, was beim Molkenmarkt und Alt-Berlin - nach Lüscher ja das Rathausforum - auf uns zukäme. Es wird eine Kombination aus Gertrauden, Hackesches Quartier, Alea und Alexa. Ohne Konzept wird im Ergebnis Alt-Berlin und Alt-Cölln als Investoren-Popanz plus Alibi-Friedrichswerder-Townhouses todgeplant. Jenseits irgendeines Ansatzes, für wen die Stadt (bzw. hier der Stadtkern) gemacht werden soll - ne es gibt ja einen: für Investoren und maximale Rendite. Das das nicht gut geht, den Kapitalismus in seinem freien Lauf machen zu lassen, müßte doch inzwischen jedem klar sein. In der Politik fordern ja einige auch den Stop des Ausverkaufs über den Liegenschaftsfond. Und das Lüscher weder Ochs noch Esel gestalterisch einfangen kann, beweist sie uns nun... Da sehnt man sich langsam nach Stimmann.... (Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schreibe).


    Die Bürgerinitiative formiert sich übrigens bereits, und zwar als Bottom-up-Plattform unter Beteiligung von Soziologen, Historikern, Wissenschaft (inkl. Forschung im Bereich sozialer Wohnungsbau), Architekturteams aus Berlin, Verkehrsplanern nebst Automobil- und Farhradclub, Stadtplanern, Medien und unter Bürgerbeteiligung von Anfang an.... Das ist kein Spruch, in drei Monaten online... Wer mitmachen will bitte persönliche PN an mich oder via http://www.2bd1.org ... Demnächst (vor Launch) in Absprache mit den Mods Vorstellung hier, weil wir möglichst viele DAFler oder deren Meinung dabei haben wollen.

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  • Baustopp bis zum Aslaufen der Amtszeit von Frau Lüscher!


    Diese Idee solltest du eventuell noch mal überdenken. Frau Lüschers 'Amtszeit' läuft nicht einfach aus, sie kann auch nicht abgewählt werden. Im Ernstfall kann sie bis zur Rente auf diesem Posten immer wieder von wechselnden Senatoren bestätigt werden... der einzige Weg der dir bleibt, ist permanent Druck auf die politisch Verantwortlichen auszuüben.

  • Wer mitmachen will bitte persönliche PN an mich oder via http://www.2bd1.org ... Demnächst (vor Launch) in Absprache mit den Mods Vorstellung hier, weil wir möglichst viele DAFler oder deren Meinung dabei haben wollen.


    Ich hoffe doch wohl sehr, dass sich das DAF nicht für solchen Unfug vereinnahmen lässt?! Wir haben in Berlin schon genug hauptberufliche Dampfplauderer ohne ernstzunehmende Konzepte - was letztendlich auch ursächlich dafür ist, dass man an den entscheidenden Punkten der Stadt seit 20 Jahren auf der Stelle tritt.

  • ^doch. frau lüscher ist staatssekretär. der posten ist ein politischer beamter und lauft mit dem ende der legislatur aus.

  • ^
    Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass Beamte nicht gewählt werden und insofern auch keiner demokratischen Legitimierung bedürfen. Die Stelle des Senatsbaudirektors ist daher keineswegs an politische Konstellationen gebunden. Auch wenn sie mit den Legislaturperioden ausläuft kann sie beliebig oft verlängert werden und wurde es in der Vergangenheit auch, unabhängig aller Koalitionen.


  • Die Bürgerinitiative formiert sich übrigens bereits, und zwar als Bottom-up-Plattform unter Beteiligung von Soziologen, Historikern, Wissenschaft (inkl. Forschung im Bereich sozialer Wohnungsbau), Architekturteams aus Berlin, Verkehrsplanern nebst Automobil- und Farhradclub, Stadtplanern, Medien und unter Bürgerbeteiligung von Anfang an.... Das ist kein Spruch, in drei Monaten online...


    Keine Zeit für ganze Sätze oder sinnvolle Formulierungen, aber Bottom-Up-Plattformen... damit gewinnt man jedes Buzzword-Bingo. Was soll denn das sein? Arsch-hoch-Bahnsteige?
    Dass die Bürgerinitiative unter Bürgerbeteiligung läuft finde ich übrigens toll, ein sensationelles neues Konzept.