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  • Die CDU ist verkehrspolitisch nicht allzu weit von der FDP entfernt. Verkehrspolitische Themen haben sicherlich in erheblichem Maße zu dem rasanten Zugewinn der CDU beigetragen, schließlich waren das DIE Reizthemen schlechthin, in der letzten Zeit. Wenn man sich einige Wahlbezirke mit laufenden Verkehrsmaßnahmen anschaut, ist die Bilanz für Jarasch & Co. dramatisch. Bspw. im Bereich Friedrichstraße. Oder zwischen Moritzplatz und Gitschiner, wo massiv Parkplätze weggefallen sind. Krass ist auch die Entwicklung in und um Alt-Berlin sowie im Bereich Karl-Marx-Allee (Stralauer Vorstadt). Ich finde die Verkehrspolitik von RRG grundsätzlich nach wie vor richtig, nur die Art und Weise wie man die einzelnen Maßnahmen anging, war insbesondere kommunikativ eine Vollkatastrophe.


    Ich finde die Überlegungen hinsichtlich einer Fortführung von RRG grundsätzlich bedenklich. Auch wenn es mir persönlich nicht unbedingt gefällt, wurde diese Koalition abgewählt. Mit satten zehn Prozentpunkten Vorsprung hat die CDU den glasklaren Auftrag zur Regierungsbildung. Ich halte es nicht für klug, an solchen demokratischen Gepflogenheiten zu graben. Da sollte man sehr vorsichtig sein, was man sich wünscht.

  • ^ Das war dann aber doch eine etwas andere Zeit. Da gab es im Prinzip ja nur zwei große Volksparteien und die waren für die FDP und ihre Anhänger grundsätzlich gleichermaßen legitim (klar war der Umschwenker trotzdem hoch kontrovers). Hier dagegen haben wir eine Situation, wo die Grünen nicht nur gewisse sondern ganz immense und grundsätzliche Differenzen zur CDU aufweisen, sodass es letztlich einfach nicht durchsetzbar wäre. Wenn sie da jetzt groß pokern, sind sie weder glaubwürdig noch wird das mE dem Ernst der Lage gerecht. Sollten sie es dennoch versuchen, wird das mE nur negativ auf die Koalition zurück fallen, was sie wiederum auch bei den Linken nicht beliebter machen wird.


    Aber natürlich wird jetzt auch jeder innerhalb der Koalition seine Position sichern wollen. Giffey hatte ja schon immer das Problem, dass die Basis teilweise eine deutlich andere Erwartungshaltung an sie hat als ein nicht unbedeutender Wählerteil (wer sehr weit links tendiert, wählt eben oft ohnehin schon eher Linke oder Grüne als SPD). Die Berliner SPD insgesamt mag sich mit Grünen und Linken wohl(er) fühlen als mit der CDU, kann sich aber schon jetzt schwer nach links von diesen abgrenzen und kann im Grunde auch kaum noch mehr Zugeständnisse machen, wenn sie sich nicht weitgehend als Alternative zu diesen auflösen möchte.


    JimmyMcGill Ich vermute mit relativ hoher Sicherheit, dass es aber trotzdem genau so umgesetzt wird (schon weil weder Grüne noch SPD mit der CDU wollen und die SPD dann zudem nur noch 2. Kraft wäre). Es reicht immer noch für eine Mehrheit und für die SPD reicht es immer noch für das Bürgermeisteramt. Das wird man nicht aufgeben. Stattdessen wird es mE wieder zerknirschte Worte und Geschlossenheitsparolen geben, wie man die Inszenierung von Demut und Einigkeit ja auch schon nach der letzten Wahl öffentlich probte. Der Druck wird aber insgesamt eher größer, dem nun auch Taten und Ergebnisse folgen zu lassen. Das wissen hoffentlich alle 3 Parteien und bekommen es auch endlich auf die Kette. Denn ob die Koalition sonst überhaupt 5 Jahre hält, muss man abwarten. Von einer zusätzlichen Amtszeit ganz zu schweigen.


    Unnötiges Zitat des Vorposts gelöscht.

  • Diesmal also keine Chaos-Wahl, sondern ein Chaos-Wahl-Ergebnis. Was auffällt ist, dass die Führungsebene der Parteien im Großen und Ganzen und die Berliner Bevölkerung anscheinend in zwei verschiedenen Welten leben.


    Anders ist es nicht zu erklären, dass so viele Führungskräfte wie Senatoren und sogar Bürgermeisterinnen kein Direktmandat holten (Giffey, Saleh, Geisel, Jarasch, Lederer). Aus meiner Sicht wäre es für die Demokratie und auch für die Rückgewinnung von Vertrauen (siehe Wahlbeteiligung) notwendig, dass nur noch Gewählte mit einem Direktmandat Anspruch auf das Amt eines Bürgermisters bzw. eines Senators haben sollten. Gerade in einem Stadtstaat wie Berlin eine mögliche wie gerechte Lösung. Sollten die Herrschaften aus SPD, Grüne wie Linke nochmal Platz nehmen auf ihren Posten so kann man das nur noch als Verhöhnung der Wähler bezeichnen und ihre Handlungen würden stets den Makel der Unglaubwürdigkeit tragen.

  • Nun, die Situation ist schwierig. Auch wenn das CDU-Ergebnis beachtlich ist (auch wenn dieses z. T. nur aus Unzufriedenheit mit der Koalition und weniger aus Überzeugungsgründen zustande gekommen ist), ist es weit entfernt von einer absoluten Mehrheit und die möglichen Koalitionspartner haben nun auch nicht so dramatisch schlechte Ergebnisse erzielt, als dass die CDU sie mit ein paar Almosen wie bei einem 5,x % Partner abspeisen kann. Es müssten also auch seitens der CDU gewaltige Kompromisse und Zugeständnisse gemacht werden. Und immerhin hat RRG weiterhin deutlich mehr Stimmen als die CDU. Ein Weitermachen von RRG wäre daher auch kein Unding. Wobei Jan85 (siehe zwei Beiträge zuvor) völlig recht hat: Der Druck auf RRG würde immens steigen und die Gefahr wäre groß, bei der nächsten Wahl dann richtig baden zu gehen.


    Selbst die Verluste der SPD (- 3 % ) würde ich übrigens nicht als „dramatisch“ oder „erdrutschartig“ bezeichnen. Man hat verloren (die SPD deutlich, die Linke moderat, die Grünen nur minimal), aber eine Klatsche war das nicht.


    Ich würde es nicht ausschließen (auch wenn es für mich ein worst-case-Szenario wäre), dass die SPD am Ende mit der CDU koaliert. Teile der SPD und insbesondere Frau Giffey halte ich doch für sehr konservativ. Andererseit ist es ebensowenig auszuschließen, dass Frau Giffey in der SPD abgelöst wird...


    Die Frage für Grüne und SPD ist, ob man sich als Juniorpartner der CDU eher aufreibt und sein eigenes Profil verwischt, oder ob man etwas erreichen kann, was man seinen eigenen Wählern als Erfolg verkaufen kann. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was die beste Lösung wäre - keine Option vermag mich zu überzeugen. Zu glauben, dass mit einer CDU geführten Regierung alles schnell anders und/oder besser wird, halte ich für naiv. Zumal auch nicht alles schlecht war, was RRG in den letzten Jahren gemacht hat. Sollte die CDU am Ende den RG stellen, kann es gut sein, dass sie bei der nächsten Wahl wieder ordentlich Federn lässt. Zaubern kann sie nämlich auch nicht.

  • Backstein Eine Klatsche für alle Parteien ist mE alleine schon die deutlich verschlechterte Wahlbeteiligung, die natürlich auch eine Abrechnung mit dem organisatorischen Versagen bei der ersten Wahl darstellt aber mE vermutlich nicht nur damit zu erklären ist. Die zweite Klatsche für die amtierende Regierung ist mE innerhalb dieses verbleibenden Stimmenpools die substanzielle Wählerwanderung von RGR zur CDU und teilweise sogar zur AfD (die SPD und die Grünen z.B. haben im Saldo beide nochmals Wähler an die Rechtspopulisten verloren). Bei der SPD ist es für Berlin sogar einer der schlechtesten Werte überhaupt, was mE die für sie missliche und unbefriedigende Gemengelage gut widerspiegelt.

    Das ist in Summe mE dann schon ein ziemlich deutliches Zeichen der Unzufriedenheit und womöglich ein letzter Warnschuss, bevor die Regierung komplett vor einem Scheitern steht.

    Zumal, wie Du völlig richtig sagst, auch die CDU ja keine glaubwürdigen Erfolgsrezepte präsentieren kann. Natürlich hatten sie lange auch keine Chance zum eigenen Gestalten (zuletzt rot-schwarz), aber wirklich positiv habe ich ihre Performance auf Landesebene ob in Regierung oder Opposition eigentlich nie in Erinnerung. Umso bezeichnender die doch historisch hohen Werte. In einer Regierung sehe ich sie aber nicht.

    Eine Verbindung mit der CDU hat Giffey schon einmal erwogen und ist daraus intern erheblich geschwächt hervorgegangen. Aufreiben wird sich die SPD zudem mE in beiden Szenarien. Giffey selbst würde sich an der Seite der CDU womöglich tatsächlich besser verwirklichen können, nicht aber als zweite Kraft. Sie hat im Grunde nichts mehr groß zu gewinnen und muss noch aufpassen, nicht komplett als Lame Duck zu enden.


    Die entscheidende Frage wird mE nun sein, ob RGR selbst jetzt besser liefern und die Menschen auch kommunikativ besser abholen kann. Die Vorwürfe der Modethemen sowie der Symbol- und Klientelpolitik sowie die Ergebnisse kommen ja nicht von ungefähr. Klar, es war auch nicht alles schlecht und teilweise habe ich den Mut zu der einen oder anderen großen politischen Entscheidung gerade auf dem Wohnungsmarkt sogar zunächst bewundert. Aber unter dem Strich hat man dann gerade bei dieser entscheidenden Baustelle versagt und soziale Nöte haben sich trotz viel gutem Willen teils massiv vergrößert (klar, auch extern bedingte Krisen spielen da mit rein).

    Einmal editiert, zuletzt von jan85 ()

  • Meine Deutung der Wahl:


    - Neue Rahmenbedingungen durch Inflationsschock, Wohlstandsverlusten, Bau- und Investitionsstopp in Berlin

    - Neue Rahmenbedingung mit SPD-Kanzler in Deutschland


    - Es war ein Aufschrei der Berliner Bevölkerung, der in einer Quasi-Protestwahl geendet ist

    - Der größte Wahlgewinner ist der Nichtwähler, die Berliner Parteien konnten das Wahlvolk wenig mobilisieren


    - Die Berliner wollen mehr CDU-Politik aber laut Umfrage keinen Wegner als Bürgermeister

    - Die Berliner wollen kein Weiterso mit RGR (historisch schlechteste Umfragewerte für eine Regierung in Berlin)

    - Die Berliner wollen weniger SPD aber favorisieren laut Umfrage Giffey für das Amt der Bürgermeisterin

    - Die Berliner strafen Jarasch und Lederer ab, die kein Direktmandat erringen können.


    Fazit: Es bleibt kompliziert. Meiner Beobachtung nach sind die Berliner insbesondere abgenervt, weil das Spitzenpersonal der Parteien wenig überzeugt und die Stadt zu wenig professionell gemanagt wird.

    2 Mal editiert, zuletzt von Arty Deco ()

  • Wie manche hier das Ergebnis von RRG schönreden ist schon beachtlich, und die Grünen als Königsmacher zu bezeichnen eher grotesk. Und die Stärke der CDU als reine Ablehnung oder Frust gegen die Regierung kleinzureden, ist schon deshalb irrelevant, weil bei fast keiner Wahl eine Opposition gewählt, sondern meistens eine Regierung abgewählt wird. Das ist eine Binsenwahrheit.

    Die Wahlbeteiligung halte ich für gut angesichts der Umstände einer Wiederholungswahl. 63% ist nur knapp drei Punkte niedriger als 2016. 2021 kann man nicht vergleichen, da waren auch Bundestagswahlen.


    Natürlich kann die Regierung weitermachen, als ob nichts gewesen wäre, sie haben eine Mehrheit. Es ist auch nichts verwerfliches, wenn die nicht stärkste Partei den Bürgermeister stellt. Und Grüne, SpD und Linke sind eh Autisten in Berlin und nehmen die Wirklichkeit nicht mehr richtig wahr. Sie halten sich für die legitimen Regierungsparteien.


    Frau Jarasch sollte sich eigentlich in ein Loch verkriechen. Wie Jan es beschrieben hat, kann man als Spitzenkandidatin noch großartiger scheitern? Bevor man Frau Pop abgesägt hat und Frau Jarasch aus der Versenkung geholt hat, lagen die Grünen bei 27 Prozent und das stabil über ein Jahr lang. Frau Jarasch wollen weniger als 15 Prozent als Regierende und ihr Erststimmenergebnis ist ein Fiasko. Eigentlich müsste sie zurücktreten.


    Herr Lederer weint Freudentränen weil die Linke so großartig abgeschnitten hat mit ihren kläglichen 12 Prozent, klar er will seinen schickem Posten behalten, ansonsten hat die Linke nach dem Supergau von Frau Lompscher absolut nichts mehr inhaltlich anzubieten, eine reine Mehrheitsbeschafferin für Rot-Grün als nichts anderes wird sie noch wahrgenommen.

    Und Frau Giffey klammert sich verzweifelt an die 105 Stimmen mehr als die Grünen, bei 2,4 Millionen Wahlbetechtigten, ansonsten wäre sie schon längst zurückgetreten oder in Gesprächen mit der CDU.


    Wenn es nach den Dreien geht sind sie sich einig und alles bleibt wie es ist. Und das obwohl sich Frau Giffey und Frau Jarasch nicht ausstehen können, was mehr als deutlich wurde.


    Objektiv betrachtet ist also nach wie vor eine Fortsetzung des Elends wahrscheinlich, aber ich denke, es kommt auf die Dynamik an, die sich jetzt vielleicht entwickelt und auf die Stimmung in der Stadt.

    Wenn man die Presse verfolgt, sieht man, wie die wenigsten sich eine Fortsetzung vorstellen können. Die Berliner Zeitung plädiert für einen CDU geführten Senat, das muss man sich mal vorstellen.

    Was die Fortsetzung erschwert:

    Der Vorsprung der CDU ist einfach gewaltig. Es sind nicht nur ein paar Prozentpunkte, wie in Bremen, das so gern als Beispiel genannt wird, das spielt eine Rolle. Ob man das noch so einfach ignorieren kann?


    Ebenso haben alle Regierungsparteien verloren, keiner ein Direktmandat gewonnen, niemand kann auch nur irgendwie für sich etwas reklamieren.

    Ein Blick auf die Bezirkswahlen zeigt, dass in neun von zwölf Bezirken die CDU vorn ist, teilweise erheblich eine völlige Umkehr der Mehrheitsverhältnisse. Kein einziger Bezirk hat eine SPD Mehrheit, die Grünen drei. Es wäre eine so eindeutige Koalition von Verlierern, wie es selten der Fall ist und ein fatales Zeichen von Ignoranz und das dämmert den Protagonisten so langsam.


    Dazu kommt, es gibt erhebliche Differenzen zwischen Grünen und SPD, die Linke ist eh irrelevant geworden und wird von den anderen ignoriert.


    Das alles dürfte eine Regierungsbildung erschweren, Mehrheit hin oder her.

    Frau Giffey liegt politisch der CDU und FDP näher, wurde aber von ihrem linken Landesverband genötigt. Herr Müller wird weiter kräftig die Strippen ziehen um sein Lieblingsprojekt zu retten, da bin ich mir sicher. Es kommt allein auf den Landesverband der SPD an. Eine Koalition von Grünen und der CDU ist in Berlin nicht möglich, kann ich mir nicht vorstellen


    Die beste Lösung wäre eine grosse Koalition zwischen CDU und SPD. Die SPD hat eines ihrer schlechtesten Ergebnisse eingefahren, 18 Prozent ist ein Debakel, das muss ihr zu denken geben, ein Weiter so verbietet sich einfach.

    Ich bin sicher Herr Wegner wird der SPD das Maximum anbieten und ich glaube auch, dass zumindest bei vielen die trotzig weitergegeben wollen, ein Denkprozess anfangen wird. Die Stadt braucht einen Neuanfang und genauso wenig wie die Welt untergegangenen ist mit RRG geht sie auch nicht unter mit Herrn Wegner so wenig geeignet er erscheinen mag.

  • Die CDU sollte Giffey das Bürgermeisteramt anbieten und eine Schwarz-Rote Koalition schmieden.

    Dann wäre die nach Wahlergebnissen größte Partei im Senat und die nach Umfragen beliebteste / fähigste Bürgermeisterin an der Spitze. Win-Win für die beiden größten Parteien. Und für Berlin würde sich eine stabile Regierung bilden.


    Wenn die CDU Regieren will und Bürgermeister sein will, läuft sie Gefahr ausgebootet zu werden.

  • Theseus532 Die Berliner Wahlbeteiligung ist zugegeben grundsätzlich seit ca. 20 Jahren kein Ruhmesblatt mehr. Der Trend ging aber trotzdem seit einigen Durchläufen immerhin stetig immer weiter hoch. Durch die Bundestagswahl gab es jetzt zuletzt natürlich eine "Verfälschung" nach oben und durch die Probleme bei der letzten Wahl und die Modalität einer Wiederholung hätte es vielleicht unabhängig von der politischen Stimmung ohnehin einen Rückgang gegeben. Trotzdem finde ich es enorm viel. Effektiv bedeutet es sogar, dass weit über 10 Prozent der letzten Stimmen ausgelöscht sind. 😟 Das ist weit(!) schlimmer als irgendwas, was damals organisatorisch schief gegangen ist/ sein kann und mE ohne zu viel Pathos zu bemühen definitiv kein guter Tag für die Demokratie. Ich hoffe, spätestens das gibt allen genügend zu denken, damit so ein Debakel nicht noch einmal passieren kann. Ich habe mich jedenfalls selten so geschämt für meine Heimatstadt wie aktuell - und das will immerhin was heißen.


    Schwarz-Rot sehe ich trotz dem aktuellen Druck nicht kommen. Die drei werden trotz Differenzen schnell zueinander finden, dafür kleben sie alle viel zu sehr an der Macht. SPD und Grüne müssten das intern auch überhaupt erstmal durchsetzen. Da muss es mE erst der Wähler zwingen, was womöglich sogar noch passieren kann. Eigentlich hat Berlin ja traditionell gemeckert aber (auch mangels halbwegs überzeugender Alternativen) trotzdem noch brav genug Stimmen abgeliefert. Das scheint auf einmal nicht mehr ausgemacht zu sein. Der Warnschuss war mE überraschend deutlich. Mich hat es jedenfalls ziemlich überrascht. Das einzige Gute an der Wiederholung ist mE daher auch, dass RGR jetzt deutlich angezählt ist, innere Differenzen hoffentlich besser überbrückt bekommt und seriös sowie respektvoller gegenüber allen Berlinern agiert. Sonst sind sie beim nächsten Durchgang vielleicht doch mal fällig.

    Einmal editiert, zuletzt von jan85 ()

  • Arty Deco Hat es so eine Konstellation denn schon mal gegeben? Kann mir irgendwie nur schwer vorstellen, wie eine Bürgermeisterin so in dem Amt agieren und funktionieren soll. Klar würde es den Menschen erst einmal in Teilen geben, was die mutmaßliche Mehrheit wünscht. Als Gefüge muss es aber trotzdem auch unter Differenzen funktionieren. Das wird nun freilich auch unter RGR nicht ganz einfach werden.

  • ^ Die entscheidende Frage ist nicht wie das SPÄTER funktionieren soll oder ob es so etwas schon mal gab. Sondern welche Partei HEUTE welche Druckmittel in der Hand hat um ihre Positionen bzw. Kandidaten durchzukriegen.


    Es wird ein äußerst kompliziertes, taktisches Sondierungsverfahren. Die SPD hat dabei momentan noch die besten Karten, da sie wahrscheinlich am ehesten in einer Zukunftskoalition dabei sein wird. Giffey, falls sie die nächsten Tage in der eigenen Partei übersteht, ist der Königsmacher und womöglich sogar die Königin selbst.


    Unsinniges Zitat des Vorposts gelöscht.

  • ^Klingt in der Theorie spannend. Praktisch glaube ich aber nach wie vor an eher kurze Gespräche und eine personell weitgehend unveränderte Weiterführung von RGR. Auch sehe ich nicht, wie oder gegen wen die SPD nach der Wahl Giffey austauschen will. Diese war doch sogar noch eins der wenigen Zugpferde. Dann kommen sich die Leute doch erst Recht verhohnepipelt vor.


    Insgesamt sollte man gerade unter diesen Umständen dringend darauf achten, dass die Menschen weitgehend bekommen, was sie bestellt haben bzw. sich nun in Anbetracht der möglichen Alternativen mehrheitlich "gut" vorstellen können. Ich finde aktuell leider keine frischen Umfragen zu bevorzugten Koalitionen. Vielleicht kommen die ja demnächst noch. Tendenziell muss es mE entweder eine Führung der CDU oder zumindest weiter Giffey als Bürgermeisterin geben, beides zusammen wird mE aber nicht eintreten (und die maximal unpopuläre GRR-Variante ist ja auch knapp raus, sollte es keine Neuauszählung mit überraschenden Ergebnissen mehr geben).

  • Meine Prognose ist, dass die Dinge ähnlich wie in Bremen laufen werden. Die SPD wird bis zum Abschluss der Koalitionsverhandlungen jede Personaldiskussion vermeiden, weil dadurch die eigene Verhandlungsposition geschwächt würde. Dann wird es aber einen neuen Regierenden Bürgermeister geben, ich tippe auf Kevin Kühnert. Die nächste Wahl ist ja schon im Herbst 2026, und ich glaube kaum, dass die SPD dann nochmals mit Frau Giffey antreten wird. Frau Giffey hatte schon auf dem Landesparteitag im letzten Juni nur 58,9 Prozent erhalten, und das ohne Gegenkandidatin. Nach diesen Wahlverlusten, die ja immer auch mit einem Verlust an Mandaten und handfesten finanziellen Ressourcen verbunden sind, wird ihr Rückhalt noch geringer sein.

  • ^^Die Umfragen sind inzwischen rein und das Bild ist schon recht deutlich:

    - 65% sind der Meinung, dass die CDU den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten hat (SPD: 15%, Grüne: 10%), selbst SPD-Anhänger sehen den Regierungsauftrag zu 54% bei der CDU

    - interessant zudem: nach der Wahl wollen 39% Wahlsieger Wegner auch als Bürgermeister sehen, Verliererin Giffey nur noch 27%, Jarasch 19%

    - 45% glauben, dass schwarz-rot die Stadt am erfolgreichsten regieren würden (RGR: 33%, schwarz-grün: 15%)

    - 42% wünschen sich zudem auch explizit schwarz-rot, immerhin 35% wünschen sich eine Fortsetzung von RGR (immer noch sehr viel, aber zugleich doch auch weit weniger als das kollektive Wählerpotential dieser Parteien!) sowie nur 16% schwarz-grün


    Trotzdem haben u.a. SPD und Grüne bereits signalisiert, es weiter versuchen zu wollen und das mutmaßlich wohl auch unter Giffey (nicht dass ein Wechsel mE jetzt attraktiver wäre). Politikologen kritisieren das teilweise scharf, werden sich vermutlich aber wie die zitierten Wählerumfragen und die zahlreichen scharfen Kommentare in den Medien vermutlich nicht gegen den Machterhaltungstrieb durchsetzen. Meine Vermutung: RGR geht mit zwei blauen Augen in die nächste Runde und hofft, dass keine ähnlichen Entwicklungen wie zur Silvesternacht oder aber eine weitere Verschärfung der anderen Baustellen (neben Sicherheit und Ordnung zählten auch Wohn- und Verkehrspolitik zu den wichtigsten Anliegen und nirgendwo sind die Berliner bisher zufrieden mit RGR) den endgültigen Knockout bedeuten. Gerade wenn sie dabei nicht massiv an ihrer teils arroganten Haltung und Kommunikation gegenüber Gegenpositionen und unliebsamen Mehrheitsmeinungen arbeiten, dürften Frust und Spaltung in der Stadt indessen massiv zunehmen. Wahrlich kein guter Tag für Berlin. Und womöglich der Start eines Umbruchs, den ich so kaum noch für möglich aber womöglich doch für nötig gehalten habe (ich habe keine naiven Hoffnungen in Schwarz-Rot, denke aber, dass es tendenziell doch runder laufen wird).


    P.S.: Übrigens hat die Umfrage auch gezeigt, wie zufrieden die Anhänger der verschiedenen Parteien mit dem Wahlergebnis sind (weil es ja noch hieß, das sei u.a. für die Grünen einen gutes Ergebnis). Kurz: Nur bei der CDU ist man zufrieden (73%), alle anderen sind mehrheitlich unglücklich (genannt werden in den Berichten leider nur die Linken mit 84%, die originale Quelle mit allen Daten finde ich noch nicht).

    Quelle Tagesspiegel

    Quelle Stern

    Quelle Focus

  • Kevin Kühnert? Das wäre das Todesurteil für die SPD.

    Man kann nicht mit Frau Giffey in die Wahl gehen, dann die gleiche Koalition fortsetzen und Herrn Kühnert wählen. Das ist doch vollkommen hanebüchen und niemals durchsetzbar.

    Das Narrativ der 'Protestwahl' von Seiten der SPD, Linken und Grünen muss jetzt den Erfolg der CDU delegitimieren um nur irgendwie die Fortsetzung zu rechtfertigen, nach dem Motto ' Die wurden gar nicht gewählt' Es ist vollkommen respektlos und zeigt den völligen Mangel an Einsicht.


    Die Forsaumfrage gibt genau die Stummung wieder, die SPD Wähler wollen keine Fortsetzung und Frau Giffey ist bei weitem nicht so populär wie immer kolportiert wird.


    Bezeichnend auch, dass inmitten der Grünen Hochburgen in Mitte ausgerechnet im Stimmbezirk der Friedrichstraße die CDU die Mehrheit geholt hat.

  • Und wenn Wegner keine Mehrheit bzw. keinen Koalitionspartner findet, dann kann das dauerempörte CDU-Klientel einpacken. Dann gibt es eben wieder RRG. Auch das wäre demokratisch.

  • Die Berliner Zeitung hat heute eine repräsentative Umfrage zu Koalitionspräferenzen und dem gewünschten Regierenden Bürgermeister veröffentlicht.

    gewünschte Koalitionen

    -CDU - Grüne: 15 %

    -CDU - SPD: 32 %

    -SPD - Grüne - Linke: 45 %

    gewünschte Regierende Bürgermeister

    -Kai Wegner: Ja: 34 %, Nein: 53 %, egal: 13 %

    -Franziska Giffey: Ja: 20 %, Nein: 65 %, egal: 15 %

    Die Zahlen deuten auf eine gewisse Unzufriedenheit mit den derzeitigen Spitzenpolitikern hin. Mal schauen, was die Parteien mit diesen Zahlen anfangen.

    https://www.berliner-zeitung.d…rmeister-werden-li.318028

  • Die Berliner Zeitung hat heute eine NICHT repräsentative Instagram-Umfrage zu Koalitionspräferenzen und dem gewünschten Regierenden Bürgermeister veröffentlicht.


    siehe Absatz 1

    Vielleicht hast Du diesen ersten Absatz überlesen, aber das ist einfach nur eine spontane Internetumfrage unter dem Leserspektrum der Berliner Zeitung (wohlgemerkt einer bekanntlich eher im Osten der Stadt sowie im linken Spektrum etablierten Tageszeitung).


    Eine repräsentative Umfrage hatte ich 4 Beiträge weiter oben beschrieben und verlinkt. Dort ist die Zustimmung zu schwarz-rot sowie zu Wegner als Bürgermeister deutlich größer. Ändert aber eh alles nichts daran, dass es weiter stark nach RGR aussieht.


  • Da hat man fast das Gefühl, dass die Bürger Würfel-wählen gemacht haben. Wie kann denn die CDU mit Abstand stärkste Kraft werden, was eigentlich nach Unzufriedenheit und dem Willen nach einem Regierungswechsel schreit (was ja nicht abwegig ist bei dem Mist was RRG hier seit Jahren betreiben), und dann wollen fast 50% den Mist weiter? Das will mal jemand verstehen. CDU - SPD würde auf jeden Fall zur Abwechselung Berlin ganz gut tun nach Jahren RRG.