Neubebauung am Schinkelplatz/Werderscher Markt

  • Ja, Konstantin, Du hast einfach keine Ahnung!


    Die Gebäude sind Rohdiamanten, deren Wert das gemeine Volk erst in einigen Jahrzehnten erkennen wird. Es gibt natürlich einige Propheten/Auserwählte, die in den Bauten schon heute einen Wassily Kandinsky erkennen.


    Das alte Berlin wird ja offensichtlich auch nicht für die breite Bevölkerung neu bebaut, sondern für die intellektuelle Architekturkritikerkaste. Ich hege allerdings die Vermutung, dass diese selbst inmitten eines vom Krieg weitestgehend verschonten Altbauviertels (bspw. Prenzlauer Berg) residiert.


    P.S.: Was mich neben der "minimalen Raffinesse" der Gebäude am meisten stört, ist die identische Höhe aller drei Gebäude. Auf diese Weise wirken die Gebäude wie modulare Stangenware.

  • ...P.S.: Was mich neben der "minimalen Raffinesse" der Gebäude am meisten stört, ist die identische Höhe aller drei Gebäude. Auf diese Weise wirken die Gebäude wie modulare Stangenware.


    Das ist mal ein gutes Argument dem ich mich voll und ganz anschliessen möchte. Hier auf die geheiligte Traufhöhe zu beharren erweist sich leider als völliger Schuss in den Ofen. Sie ist auch so historisch nicht gerechtfertigt.


    https://upload.wikimedia.org/w…nkel_Bauakademie_1831.jpg

    Einmal editiert, zuletzt von Camondo ()

  • ^ In einem Museum für barocke Malerei wäre ein Kandinsky völlig deplatziert.


    Nur gut das unter Kuratoren und Museumsleuten die subjektiven Stil-Vorlieben nicht so stark ausgeprägt sind und sich die kontextuelle Betrachtung nicht im Pinselstrich verliert. Die meistbesuchten Museen der Welt sind glücklicherweise etwas toleranter und „deplatzieren“ zur barocken Malerei noch Plastiken und Kunsthandwerk – die „schlimmstenfalls“ noch nicht einmal barock sind.


    ^ Genauso deplatziert ist es, im unmittelbaren Umfeld des Stadtschlosses architektonische Experimente wie den Staab-Bau durchzuführen.


    Der sich in der Fertigstellung befindliche "Staab-Bau" hätte sich auch am Staatsratsgebäude, oder dem Auswärtigen Amt im unmittelbaren Umfeld orientieren können, als an der Baustelle des Stadtschlosses.


    Dieser Aussage zufolge ist das Schloss schon vorwegnehmend das Maß aller Dinge. Wie sieht denn bitte ein Wohn- und Geschäftshaus aus, welches sich am Schloss orientiert? Gleicher Maßstab, gleiche Ordnung, gleiche Farbigkeit, gleiche Materialität, gleiche Ikonographie? Diese Art von architektonischem Experiment ging schon beim Raschdorff-Dom schief. :nono:


    Wer jetzt mit Gesimsen und Pilastern á la Patzschke argumentiert, bestenfalls als Sandstein-Riemchen, hat nicht nur den Kontext, sondern auch nichts vom schlüterschen Barock verstanden. Der Staab-Bau ist in seiner plastischen Ausformulierung und Tiefenstaffelung, der Neubau am Platze der am ehesten diesen Grundsätzen folgt.


    ^ Die Stadt ist groß genug. Solche plastischen Experimente wie den Staab-Bau kann man auch in "Szenevierteln", weit entfernt vom Stadtschloss, durchführen.



    Eine ähnliche Diskussion gab ja bekanntlich auch bei der Fertigstellung der Bauakademie - kein sichtbares Dach, kaum Bauschmuck, keine Mittelachse - eine untypische rote Backsteinkiste, vertikal gerastert und das vis-à-vis zum Schloss. Auch damals ein echter Fall fürs "Szeneviertel". :)

  • Seit orientierst du dich an hist. Beispielen, Camondo? Eine maximale Traufhöhe ist nicht gleichzusetzen mit einer einheitlichen, wie dein Link zeigt. Das liegt eben einfach daran, dass alles aus einem Guss, von - zumindest bei zwei der drei Bauten - einem Architekten und diese vermutlich für einen Bauherrn entstanden ist. Die Townhouses auf dem Friedrichswerder zeigen ja, dass es trotz Vorgaben bei der Traufhöhe auch anders geht. Und selbst wenn alle gleich hoch sind, kann man die oberste Zone unterschiedlich gestalten. Schrägdach, Staffel oder was weiß ich...


    Mal abgesehen davon, wie billig sie wirkt, aber wieso hat man die Fassade des mittleren Baus auf der Rückseite nicht auch auf die Platzseite übertragen? Hat man doch bei den beiden anderen auch? Der Effekt auf der Platzseite ist sicher größer, als in der kleinen Gasse auf der Rückseite.

  • Sagt jetzt wer? Der rechtsnationale Posemuckel?


    Nun, ich bin jedenfalls nicht so arrogant, zu behaupten, daß das Urteil einer Mehrheit im Zweifel nicht entscheidend wäre, weil eine kleine Architekturelite es besser weiß.

  • Die Gebäude sind Rohdiamanten, deren Wert das gemeine Volk erst in einigen Jahrzehnten erkennen wird. Es gibt natürlich einige Propheten/Auserwählte, die in den Bauten schon heute einen Wassily Kandinsky erkennen.


    Erstens sprach ich (und andere auch) lediglich vom Staab-Haus, nicht von den anderen Kisten, die in der Tat langweilig bis misslungen sind. Zweitens geht es mir auf die Nerven, wenn Leute sich als Stimme des Volkes gerieren, statt inhaltliche Argumente zu bringen und ihren Geschmack als das zu bennenen, was er ist: Eben ihr Geschmack. Ich bin ein Fan des Staab-Hauses, und ich meine, gute Gründe genannt zu haben, warum ich es für sehr gelungen halte. Aber ich würde niemanden wahlweise als dumm oder als Volksfeind hinstellen, dem das Gebäude nicht gefällt.


    Diese dauernde Berufung auf gefühlte Mehrheiten, um Minderheiten-Meinungen zu diskreditieren, finde ich gefährlich. Da schwingt mir zuviel "gesundes Volksempfinden gegen zersetzenden Geist mit" - ohne dem DickenB jetzt unterstellen zu wollen, dies bewusst zu tun...


    Zitat von Ben

    Tower meint auch die Container! Palais Modulaire ist echt ein knorker Name.


    Stimmt, das habe ich gestern vor lauter Empörung missverstanden. ;) Und "Palais Modulaire" ist wirklich lustig.

  • Ich find's einfach nur langweilig. Richtig fad. (Im Grunde sogar hässlich.)
    Und richtig schade um den Ort und die mit so viel Aufwand hergestellte Platzgestaltung. Verschwendet an unansehnliche Kisten in bester Münchner Hirschgarten-Manier.

  • Eine ähnliche Diskussion gab ja bekanntlich auch bei der Fertigstellung der Bauakademie - kein sichtbares Dach, kaum Bauschmuck, keine Mittelachse - eine untypische rote Backsteinkiste, vertikal gerastert und das vis-à-vis zum Schloss. Auch damals ein echter Fall fürs "Szeneviertel". :)


    Gutes Argument, da stimme ich dir zu. Die Bauakademie war zu ihrer Fertigstellug vergleichsweise schmucklos. Aber die Zeiten ändern sich. Heutzutage ist die Bauakademie für das Auge eines Traditionalisten "schöne", "gute", "alte" Architektur. Das liegt daran, daß die Bauakademie wie alte Industriearchitektur der Jahrhundertwende aussieht. Dachgesims, Friese, Fenstergiebel. Für heutige Verhältnisse, verglichen mit dem Staab-Bau, ist die Bauakademie ein geradezu reich verziertes Gebäude.


    Wenn man besagte Gebäude in eine Reihe stellt, dann kann man den Trend ableiten, dass vom Klassizismus über die Bauakademie hin zum Staab-Bau immer weniger Schmuck und Gliederungselemente eingesetzt werden. Und wenn dieser Trend zukünftig weiter geht, dann endet die Entwicklung irgendwann hier: http://www.stadtentwicklung.be…ID=688&modus=liste&pl=_18 (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Wohnhaus Oberwallstraße 16) "Kühlschrank-Architektur" vom Feinsten! Nur noch eine glatte weiße Fläche. Es gibt nicht einmal mehr Fenster als Gliederungselement. Die Oberwallstraße Nr.16 markiert den (vorläufigen) Endpunkt dieser fatalen Entwicklung. Und der Staab-Bau hat 50% dieser Strecke zurückgelegt, er befindet sich quasi auf halbem Wege zur Oberwallstraße Nr.16. Es kann sich jeder selbst die Frage stellen, ob eine solche Entwicklung wünschenswert ist.

  • Nur noch eine glatte weiße Fläche. Es gibt nicht einmal mehr Fenster als Gliederungselement.


    Zumindest mit geöffneten Fensterläden gefällt mir dein Beispiel sehr gut: http://www.apool.eu/de/oberwall.html. Die Häuserzeile empfinde ich insgesamt sogar als eine der gelungendsten in ganz Berlin, modern und doch irgendwie historisch kleinteilig anmutend: https://commons.wikimedia.org/…e_Oberwallstra%C3%9Fe.jpg. Auch hier am Schinkelplatz wäre dieses Konzept ein Segen gewesen. Durch die schmalen Parzellen ist Monotonie von vornherein ausgeschlossen. Das zeigt m.E. die Bedeutung des städtebaulichen Aspektes. Heute krankt das Stadtbild oft an zu langgestreckten, monotonen Fassaden.

  • ^ ich bezweifle ja gar nicht, daß das gezeigte Beispiel eine gewisse Verrücktheit im positiven Sinne besitzt. Aber stell' dir mal vor, es würden zehn solcher Häuser nebeneinander stehen. Angenommen, ganze Strassenzüge würden mit diesem Häusertyp bebaut werden. Das wäre ein Albtraum.


    Heute krankt das Stadtbild oft an zu langgestreckten, monotonen Fassaden.


    Immerhin, in diesem Punkt sind wir einer Meinung.

  • @ Architektur-Fan


    Du solltest dir wirklich mal die Mühe machen die geschilderten Gebäude in Natura zu erleben und nicht nur aufgrund der hier geposteten Fotos Dir ein so einseitiges Bild machen. Dann würdest du auch feststellen, dass der von Dir so vehemt verdammte Kühlschrank in der Oberwallstr. sehrwohl viele Fenster und Öffnungen besitzt. Nicht umsonst gilt er als eines der besten und innovativsten Gebäude der letzten Jahre hier in Berlin. Wie auch in Towers link zu sehen.

  • Camondo
    Wenn die Fenster geschlossen sind, resultiert eine weiße, flache, kahle Oberfläche. Kein Relief, keine Tiefenwirkung. Im geschlossenen Zustand leisten die Fenster keinen Beitrag zur Gliederung der Fassade. Oder irre ich mich, weil das auf den Fotos anders aussieht als in Natura?

  • Das ist ein kleines Gebäude in einer Vielzahl abwechslungsreich gestalteter Wohngebäude. Die Wallstraße ist auch in meinen Augen eines der gelungensten Beispiele für kleinteilige moderne Bebauung, auch wenn es sich hierbei aufgrund der Lage um ein Reichenghetto handelt.


    In meinen Augen unstrittig, dass so ein Gebäude wie dieser "Kühlschrank" nur als Kontrast zu seinen umliegenden Gebäuden und in begrenzten Dimensionen funktioniert. Aber grundsätzlich ist es eine mutige Spielart, das mit Konventionen bricht. An der Stelle völlig unproblematisch.


    Ich finde die hier geführte Diskussion im übrigen reichlich hysterisch. Am Ende sind wir wieder bei undeutscher Architektur und entarteter Kunst, die z.B. auch das Bauhaus angeblich war, obwohl es die größte deutsche Kulturleistung des 20. Jahrhunderts war. Viel kam dann die 7-8 Jahrzehnte danach aus Deutschland nicht mehr. Aber gut, wenn wir über moderne Architektur reden würden, dann müsste man natürlich die spärlichen Kästen von heute auch verdammen, denn die Moderne war visionär und opulent, während das heutige Bauen häufig verhalten, uninspiriert und billig ist. Neuer Biedermeier eben, nur eben renditeoptimiert.

  • Quatsch. Niemand hat was von irgendwelchem rechtsradikalen Kram gepostet. Es handelt sich nur einfach um vampiristische Architektur (die von der Strahlkraft der Nachbarn lebt) indem sie das Ensemble zerstört. Was, bitte, ist daran "mutig"? Wenn ich gegenüber wohnte und täglich auf diesen Egotrip schauen müsste würde ich die Stadt verklagen, weil sie den letzten Halbsatz des § 34 BauGB verdrängt hat.

  • Manchmal hilft es zu lesen, ich begann mit:


    "Am Ende sind wir wieder[...]" Von rechtsradikal habe ich nichts gesagt, ich wende mich damit gegen die Verdammung von Andersartigkeit in der Architektur. Es ist auffällig, dass es hier im Forum zunehmend lautstarke Anhänger von traditioneller Architektur und Städtebau gibt, die alles andere verdammen und es bei einfachen Aussagen wie "das sagt mir nicht zu" nicht belassen können. Diese Aggressivität der Argumentation stört mich, nicht der Standpunkt.


    Auch ich störe mich an vielerlei heute gebauten Gebäuden, aber ich muss daraus nicht diese gequälten "Jetzt geht schon wieder das Abendland unter"-Diskussionen daraus machen. Ja, manches ist schade, manches ist unnötig, manches ist auch diskussionswürig und häßlich, aber ist das jedes Mal ein Drama wert?

  • Nein, keine spricht sich hier gegen "andersartig" aus und deine Schlußfolgerung, dass wir "am Ende" eben bei totalitären Zuständen wären ist abwegig. Im Gegenteil: wir haben es bei den unter der Agide der Senatsbaudirektorin Regule Lüscher entstandenen Bauten durch ihre Vorschläge in den verpflichtenten Wettbewerben mit einer Gleichförmigkeit in der neu errichteten Architektur zu tun, wie es sie selbst zu Zeiten des hochgescholtenen jedoch für Berlin segensreich wirkenden Hans Stimmann nicht gegeben hat.


    Die Bauten sind in der Regel reine Zeitgeistsurferei, durch die Fassaden in der Zukunft auf 5 Jahre genau zu datieren und damit alle andere als ästhetisch nachhaltig. Das hat nichts mit dem Untergang des Abendlandes zu tun (wenn es dann überhaupt gibt) sondern ist Zeichen einer autistischen Selbstverwirklichungskultur, die das Ensemble und die Raumwirkung aus den Augen verloren hat.

  • Nein, ... wir haben es bei den unter der Agide der Senatsbaudirektorin Regule Lüscher entstandenen Bauten durch ihre Vorschläge in den verpflichtenten Wettbewerben mit einer Gleichförmigkeit in der neu errichteten Architektur zu tun, wie es sie selbst zu Zeiten des hochgescholtenen jedoch für Berlin segensreich wirkenden Hans Stimmann nicht gegeben hat....


    Die Bebauung des Friedrichswerder mit den Townhouses begann 2005.


    Regula Lüscher ist seit 2007 Senatsbaudirektorin.


    siehe:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Friedrichswerder


    und:
    http://www.stadtentwicklung.be…service/de/luescher.shtml


    ... leider lässt du Nichts unversucht um die Dame in Mißkredit zu bringen sie muss Dir irgendwas Schlimmes angetan haben... :nono:

  • Mir gefallen die von von RianMa am 02.06.2016 gezeigten Neubauten nicht wirklich.


    Ich bin eigentlich ein großer Freund schlichter Fassaden, aber diesen Bauten fehlt IMHO jegliche Eleganz. In ähnlicher Optik sind in den letzten Jahren in den besseren Berliner Wohnbezirken Wohnprojekte im Dutzend entstanden, häufig noch gelungener / pfiffiger im Design.


    Am schlimmsten empfinde ich die exakt gleichen Gesamt und Geschoßhöhen der drei Gebäude. Dazu ideenarme Fensterformate. Bei der Fassadenstruktur hat man Gestaltungswillen erkennen lassen, allerdings kommt dies durch die identischen Gebäude / Geschosshöhen nicht so rüber. Das re. Gebäude wirkt auf mich wie ein typisches drei Sterne Hotel. Das ganze sieht nach industriellem Bauen eines Gebäudes mit drei Fassaden aus.

  • bei den unter der Ägide der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher entstandenen Bauten


    => es geht allgemein um Lüscher