Umgestaltung Rathausforum / Marx-Engels-Forum


  • Solch ein Ensemble findet man übrigens auch nicht in anderen ehemaligen Ostblockhauptstädten, weder in Prag noch in Budapest, Bukarest, Sofia oder Moskau. Einzig in Warschau lassen sich vergleichbare Strukturen finden.


    Ja natürlich! Und weißt du auch warum? Weil keine dieser Städte auch nur ansatzweise so zerstört wurde - mit der Ausnahme von Warschau. Diesen Umstand nun als herausragendes Beispiel der Moderne darzustellen, ist doch schlichtweg grotesk! Es ist das Resultat von Krieg und mutwilliger Zerstörung. Aus der Not geboren wird der Zustand der Leere und Brachfläche zum Kulturgut erhoben.:nono:

  • @ Konstantin: manche Dinge müssen eben beim Namen genannt werden.


    Das ist für mich auch ein Zeichen von Geschichtsrevisionismus. Das Auslöschen der Erinnerung durch mutwillige Entfremdung.


    Ahh, Revisionismus durch Revisionismus bekämpfen. Dafür 'nen Schumi-Daumen :daumen:

  • Na, wenn ihr hier alle so wenig zimperlich seid und es mögt, wenn die Dinge beim Namen genannt werden...


    Die namenlose Freifläche zwischen Spandauer Straße und Gontardstraße (nicht etwa ein "Rathausplatz", den es nicht gibt), entstand 1976ff. als Teil der repräsentativen Staatsachse der DDR. Ziel war die Symbolisierung des Sieges der Arbeiterklasse über die bürgerliche Gesellschaft. Da der Sozialismus den Beginn der bourgeoisen Gesellschaft in Deutschland im Frühmittelalter verortete bestanden keinerlei Bedenken den Platz von "Überlebenden" des 2. Weltkrieges zu beräumen. Mittelalter (Hoher Steinweg), Renaissance (Spreeflügel des Schlosses), Barock (Schlüterfassaden), Klassizismus (Bauakademie) und natürlich Historismus (Diverse) - alles mußte weg zum Wohle des Sozialismus. Nur die Zukunft wird gut - die Vergangenheit war nur Kampf.


    Da macht es die Sache auch nicht besser, daß bereits zu Kaisers Zeiten die Kaiser-Wilhelm-Straße als Verbindung zwischen dem Schloß und dem Babelsberger Platz (heute Rosa-Luxemburg-Platz) mit vielen Abrissen durchgelegt wurde. Der Straßenraster Alt-Berlin blieb weitgehend erhalten, wenn auch mit seinerzeit zeitgenössichen Gebäuden. Die Weimarer Zeit hat umfängliche Abrisse geplant aber aus Geldmangel nicht ausgeführt. Für die Nazis war nur die Ost-Achse und das Gauforum wichtig, jedoch sind auch Abrisse geplant aber nicht ausgeführt worden.


    Die Bezugspunkte der sozialistischen Machtgeste des Fernsehturmes (sowohl politisch, historisch aber auch materiell) sind fort. Die Gesellschaft hat sich (im übrigen durch viele freie Wahlen bestätigt) immer wieder gegen ein sozialistisches Gesellschaftssystem entschieden, selbst in Ost-Berlin. Insofern ist die Aufgabe der Verherrlichung des Sozialismus entfallen, es bleiben somit historische und städtebauliche Aspekte, unter denen der bauliche Bestand der DDR zwischen Gontardstraße und Spree beleuchtet werden muß.


    Unter historisches Aspekten ist es wichtig wesentliche Teile der Architektur der DDR zu erhalten und in eine Neubebauung zu integrieren. Dies betrifft natürlich den Fernsehturm, aber auch den sog. Magistratsbusen an der Rathaus-/Poststraße und die Rathauspassagen. Über Marx und Engels mit dem grotesk naiven Propagandadenkmal eines sowjetischen Künstlers kann man streiten - jeder Besucher sollte die Bildaussage der Reliefs "Alte Welt" und "Neue Welt" genau studieren, schiere Agitation. Jedem, der die DDR-Zuchthäuser in Bautzen und Brandenburg überstanden hat kommt beim Anblick der "Neuen Welt" wohl das kalte Würgen.


    Aus städtebaulichen Gründen kann man die "großzügige Geste des Fernsehturmes" (Baustadtrat Gothe) schön finden. Auch wenn diese nun auf das wiederentstehende Schloß weist - eine Ironie der Geschichte und sicher von den glühenden Verfechtern der Moderne nicht goutiert.


    Zusammenfassend stellt sich aber heute nicht mehr die Frage, was die Stadt für die sozialistische Architektur tun kann sondern was Fernsehturm & Co. für die Stadt tun können. Und da ist der Vorschlag von Bernd Albers städtebauliche ein sinnvoller, wiewohl die Grundstücksbreiten aus meiner Sicht zu oft zu groß und zu willkürlich gewählt wurden. Die Architektur Albers' ist etwas völlig anderes, da mag man streiten. Aber darum geht es nicht. Natürlich gibt es auch andere mögliche Lösungen. Jedoch bin ich mir sicher, daß such dieser Teil langsam, aber sicher wieder von der Stadt in Beschlag genommen wird. Allen DDR-Nostalgikern bleibt immer noch das Modell im Köllnischen Park Nummer drei.

  • Danke für diese "unzimperliche" Standortbeschreibung, Konstantin! :daumen:
    Der Vorschlag von Bernd Albers ist ein Baumassenmodell, mit dem ich mich anfreunden kann.
    Vorausgesetzt, die Kleinteiligkeit der Grundstücke misst sich nicht an den Bedürfnissen von Projektentwicklern sondern von Bürgern, die nach ihren Maßstäben Wohn + Geschäftshäuser als persönliche Geldanlage und Altersversorgung errichten wollen.

  • Marx und Engels hätten die DDR sicher nicht als "ihr Werk" angesehen und Marx sagte, dass er kein "Marxist" sei, ähnlich wie Keynes, der kein "Keynesianer" sein wollte. Marx war für sich genommen ein genialer Kopf, der die soziale Frage und die Ökonomie beispielhaft miteinander verknüpfte und der damaligen Ökonomie wichtige neue Impulse und Ausdrücke gab, auch wenn seine Analysen und Annahmen aus heutiger Sicht vielfach durch Praxis und Theorie widerlegt wurden, aber immerhin. Insofern stört mich das Denkmal keineswegs, denn eine Ehrung hat Karl Marx in jedem Fall verdient, es kommt nur darauf an, ob man dabei unbedingt die DDR assoziiert bzw. mitfeiert, was natürlich unangemessen ist.

  • Vorausgesetzt, die Kleinteiligkeit der Grundstücke misst sich nicht an den Bedürfnissen von Projektentwicklern sondern von Bürgern, die nach ihren Maßstäben Wohn + Geschäftshäuser als persönliche Geldanlage und Altersversorgung errichten wollen.


    Den Kleinanleger möchte ich sehen, der 2 Mio. € übrig hat. Der Ort ist kein Vorbezirk, wo man sich mal eben ein Eigenheim hinbaut, das wäre bei Bebauung eine Toplage und sollte es Firmen geben, die daran Interesse hätten, würden die die Kleinanleger sicher locker ausbooten.

  • ^
    Ironischerweise müssten vor der erneuten Bebauung des Marx-Engels-Forum wohl auch erstmal die Restitutionsansprüche der Erben der Alteigentümer erfüllt werden. So richtig konsequent ist man ja heutzutage mit Chancengleichheit und Leistungsgesellschaft auch nicht.

  • Den Kleinanleger möchte ich sehen, der 2 Mio. € übrig hat.

    Besser ist wohl die Formulierung: "finanzieren kann", und davon dürfte es selbst im mittelstandsarmen Berlin noch etliche geben: Rechtsanwälte und Ärzte, die über ihrer Praxis wohnen wollen,
    Juweliere, Apotheker, Einzelhändler etc. Hauseigentümer, die in der besten Wohnung des Hauses selbst wohnen und die anderen sechs oder acht vermieten und kleinere Unternehmen, die für ihr Büro die alleinige Hausnutzung unter ihrer Hausnummer haben wollen.
    Doch, diesen Bedarf sehe ich sehr wohl!

  • Konstantin
    Dein Beitrag ist nicht nur hochgradig ideologisch, sondern auch falsch.


    Was die Baugeschichte betrifft, so kann ich nur noch einmal auf meinen Beitrag 387 verweisen: Die Berliner Altstadt wurde vorwiegend während der Kaiserzeit zerstört. 1940 stammten von 440 Häusern in Alt-Berlin nur 132 aus der Zeit von vor 1840. Die DDR hat dagegen kaum wertvolle Gebäude abgerissen, genau genommen nur das Haus Hoher Steinweg 15. Bei der Garnisonskirche und dem Gymnasium Graues Kloster handelte es sich um Kriegsruinen, die nicht wieder aufgebaut wurden.


    Dann behauptest Du, die Neugestaltung des Gebietes um den Fersehturm sei eine sozialistische Machtdemonstration gewesen. Auch diese Sicht ist kaum zu halten. Man möge nur mal den (Westberliner) Wettbewerb Hauptstadt Berlin von 1957 als Vergleich heranziehen. Die Ausschreibungstext und die Entwürfe dieses unter demokratischen Vorzeichen veranstalteten Wettbewerbs haben die vorhandenen Gebäude und Strukturen für genauso wenig erhaltenswert befunden wie die DDR-Planer, viele hielten sogar den Dom für nicht wiederaufbauwürdig. Die West-Planer waren da also nicht weniger radikal als die Ost-Planer.


    Was das Marx-Engels-Denkmal betrifft, so stammt es nicht von einem sowjetischen Bildhauer, sondern von Ludwig Engelhardt.


    Auch war das Gebiet zwischen Ferrnsehturm und Spree nie die DDR-Staatsmitte, diese befand sich am Marx-Engels-Platz. Hier gab es auch nie Massenaufmärsche oder ähnliches. Im übrigen bedeutet der Untergang der DDR natürlich nicht, dass deshalb die städtebaulichen Strukturen aus der DDR-Zeit obsolet sind, denn dann müssten ja auch die städtebaulichen Strukturen aus der Kaiserzeit oder der Zeit des Feudalismus obsolet sein.


    Was die Demokratie betrifft, so gibt es in Berlin ein demokratisch gewähltes Abgeordnetenhaus, und dieses hat 2009 mit den Stimmen von SPD, Linken und Grünen gegen die Stimmen der CDU bei Enthaltung der FDP beschlossen, das Areal zwischen Fernsehturm und Spree als "grüngeprägten öffentlichen Freiraum" zu erhalten.


    Im übrigen ist mir unklar, woher Du Deine Informationen hast. Das Buch "Der Umbau Alt-Berlins zum modernen Stadtzentrum" des von Dir als Kronzeugen angeführten Benedikt Goebel bietet jedenfalls eine völlig andere Geschichtssicht.


    So schreibt Goebel beispielsweise in Bezug auf die erste Version des Planwerks Innenstadt von 1996:
    "Das Planwerk mißachtet das gegenwärtige Stadtzentrum in ähnlicher Art und Weise, wie die Stadtplaner des 19. und frühen 20. Jahrhunderts den historischen Stadtkern mißachtet haben." (Benedikt Goebel: Der Umbau Alt-Berlins zum modernen Stadtzentrum, Berlin 2003, S. 371)


    Beachte: Goebel schreibt von den Stadtplanern des 19. und frühen 20.Jahrhunderts!


    Und er empfiehlt:
    "Die Mitte des Stadtkerns, die namenlose zentrale Freifläche zwischen Spree und Fernsehturm, ist dafür prädestiniert, zukünftig zum Forum der gesamten Stadt zu werden. Alle in den 1990er Jahren gehegten Pläne für ihre Teil- oder vollständige Bebauung haben sich als unzureichend erwiesen. Die Planung sollte deshalb diese Fläche aussparen und sich stattdessen darauf konzentrieren, das nördliche und südliche Hinterland wieder aufzufüllen" (ebenda, S. 370)


    Noch etwas: In den Wohnscheiben an der Karl-Liebknecht-Straße und der Rathausstraße wohnen mittlerweile nicht mehr nur DDR-Nostalgiker, sondern auch viele Bürger, die aus den alten Bundesländern oder dem Ausland kommen. Diese Leute sind heute oft die vehementesten Anhänger dieses Freiraums zwischen Spree und Fernsehturm. Ich denke also, dass die Debatte mittlerweile längst über die alten ideologischen Frontlinien hinaus ist.

    3 Mal editiert, zuletzt von Klarenbach ()

  • ..... Allerdings werde ich mich weiterhin vehement für die Beseitigung von Kriegsbrachen und Liegewiesen im Stadtzentrum einsetzen. Ebenso für den Rückbau von Autobahntrassen über dem historischen Baugrund und anderen kulturrevolutionären Verfehlungen.


    Und wo sollen die Autos dann langfahren ? Durch enge Reko Gassen ?
    Ich erachte die jetzige Situation am Rathausplatz/MEF sowohl in städtebaulicher wie landschaftsgestalterischer Hinsicht für suboptimal.Allerdings erachte ich die Freiflächen,für den grössten Vorteil dieses Areals.Erst durch die Freiflächen kommt die Wirkung einer grossstädtischen Bebauung zur Geltung.Ich würde auch das MEF weitgehend unbebaut lassen und nur landschaftsplanerisch umgestalten.


    Die breiten Strassen sind ein Segen und betonen die grosstädtische Atmosphäre.Durch die Freiflächen wirkt der Verkehr auch nicht so störend.Ich fände es gut,wenn die Strassen noch grosszügiger ausfallen würden.Mit einem Grünstreifen in der Mitte und durchgänging dreispurig je Fahrtrichtung + Abbiegespuren und sehr breiten Gehwegen+Radwege.


    Ich erkenne in besagtem Areal nur wertvolle Freiflächen,keine Brachen.

  • ^Welche Autos? Du meinst eine achtspurige Trasse ala Grunerstraße, die letztendlich doch nur in einem Nadelöhr endet, hätte irgendeine verkehrstechnische Berechtigung heutzutage? Nun, damit stehst du glücklicherweise ziemlich einsam auf weiter Flur.
    Was jetzt kahle Liegewiesen abseits von Parkanlagen an großstädtischem Flair verbreiten sollen, ist mir auch vollkommen rätselhaft. Hier scheint mir eher provinzielle Sehnsucht nach suburbaner Vorstadtidylle ursächlich zu sein. Entschuldige bitte dass ich derlei Empfindungen nicht teilen kann, zumal wie gesagt das Berliner Umland mehr als ausreichend mit Natur und agrarer Weitläufigkeit gesegnet ist.
    Was das Thema 'Reko' angeht, empfehle ich weiterhin einfach mal die Beiträge hier im Thread zu lesen.

  • Kleist: wichtig ist es doch, gerade diese mehrspurigen Straßen zu fassen, um aus Autobahnen Großstadtstraßen zu machen. Die Grunerstraße ist jetzt so hoffnungslos und diffus gefasst, dass dadurch enorm viel Platz verschwendet wird, der nicht mal duch eine Liegewiese genutzt werden kann.


    Ich fände es gut, wenn die Strassen noch grosszügiger ausfallen würden. Mit einem Grünstreifen in der Mitte und durchgänging dreispurig je Fahrtrichtung + Abbiegespuren und sehr breiten Gehwegen+Radwege


    Noch großzügiger als jetzt schon? Das ist doch Satire - Arbeitest du undercover für die Titanic? ;)

  • Ich schrieb ja,dass ich die jetzige Situation für suboptimal halte.Die Strassen sind schon sehr breit,aber ohne dementsprechende Durchlassfähigkeit.
    Und sie strahlen keinen weltstädtischen Glanz aus.
    Mein Vorbild für z.B. die Gruner Strasse wäre die Avienda de 9.Julio in Buenos Aires.Mit einem mindestens 10-15 m breiten Grünstreifen in der Mitte.


    tel33. Du beantwortest mit keiner Silbe,wie der Verkehr durch stark verschlankte Strassen fliessen soll.Statt dessen kommen Floskeln,wie dass heute niemand mehr breite Strassen will oder braucht.
    Wir haben in Berlin knapp 1.000.000 private PKW+Firmenwagen+LKW/Transporter+auswärtiger Verkehr.Die Vorstellung,dass dieser Verkehr sich stark verringern lässt,ist irre.
    Es geht auch nicht um Freiflächen in Brandenburg oder im Spandauer Forst.Es geht um Freiräume und Sichtachsen im Zentrum.Da spielt es keine Rolle,ob 10 km weiter die Steppe anfängt.Das ist nicht provinziell,sondern grosstädtisch.


    Ich vermute mal,dass sich einige der Reko Befürworter im Jahrhundert irren.Wie geschrieben.Von mir aus kann man die Gegend neu bebauen aber nach den Ideen und Anforderungen unserer Zeit.

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    Ironischerweise müssten vor der erneuten Bebauung des Marx-Engels-Forum wohl auch erstmal die Restitutionsansprüche der Erben der Alteigentümer erfüllt werden. So richtig konsequent ist man ja heutzutage mit Chancengleichheit und Leistungsgesellschaft auch nicht.


    Obwohl ich es schon einmal postete: Alle - ich wiederhole - alle Alteigentümeransprüche in Alt-Berlin und Alt-Cölln sind höchstrichterlich entschieden.


    Sollten Alteigentümeransprüche durch Umwandlung von Grünfläche in Bauland im Wege einer juristischen Auseinandersetung wieder aufleben (drei Juristen, fünf Meinungen, Klarheit kann nur ein Gerichtsurteil geben) würde nicht mehr passieren als daß ein Alteigentümer ein Grundstück in historischer Parzellenbreite zurückbekommt und - selbst oder durch andere - wieder bebauen kann.


    Das ist doch gut für Berlin, oder?

  • Hochgradig ideologisch und falsch|Neues und Richtigstellung

    Mein lieber Klarenbach,


    Asche auf mein Haupt wegen der falschen bildhauerischen Zuordnung des Marx-Engels-Denkmal. Statt dieses Denkmals hatte ich wohl den Thälmann im Kopf, da wollte die SED einen deutschen Bildhauer; die KPdSU wies einen Sowjetischen (Lew Kerbel) an.


    Zu bestreiten, daß der Bereich zwischen Gontardstraße und (heutigem) Schinkelplatz, dem Bereich zwischen S-Bahnhof Alex und dem ehem. DDR-Außenministerium, die Inszenierung des sozialistischen Machtzentrums darstellt kann doch nicht wirklich dein Ernst sein. Da hört auch bei die Tolerenz gegenüber anderen "Meinungen" auf. Das ist Grundlagenwissen, Stand der Wissenschaft (und des eigenen Erlebens) zighundertfach durch Fotos der Massendemonstrationen auf dem Marx-Engels-Platz und Zeitzeugen bestätigt, alles im Kreise via Rathausstraße un Karl-Liebknecht-Straße. Das würde nicht einmal Thomas Flierl von den "Linken" bestreiten.


    In puncto Fakten bist Du ebenso unbelehrbahr ewiggestrig: Du fasst einfach die Abrisse von der Reichsgründung bis 1940 zusammen und stellst sie den Abrissen der DDR-Zeit (bis 1976) gegenüber. Das ist doch unredlich, beim besten Willen.


    Und deine Behauptung, die Sozialisten hätten nach 1945 von den Gebäuden, die den 2. Weltkrieg überlebt haben, an "wertvollen" nur den Hohen Steinweg 15 abgerissen (dessen Wiederaufbau nach willkürlichem Abriss gegen Protest aller Wissenschafter ein Anfang wäre) kann doch auch nicht wahr sein. Was ist denn mit dem Apothekerflügel des Schlosses? Dem barocken Schloß? Des Postamtes C1 inklusivem originalem Portal des Palais Grumbow (von 1724)? Den Resten des Hohen Hauses (unter den Rathauspassagen)? Dem Probst-Grüber-Haus? Dem Großen Jüdenhof? Der Reetzengasse? Dem Krögel? usw. usw.? Alles angeblich kriegszerstört und nicht aufbaufähig (*lachlach*) - es gibt eine Karte der Wiederaufbaueinschätzung der Berliner Stadtverwaltung vor der Ostwestteilung - da ist auch das Schloß und alles andere als "wiederaufbaufähig" gekennzeichnet, genauso wie das Rote Rathaus und das Stadthaus.


    Beim Goebel hast Du (wie vermutet) nur gelesen, was dir paßt. Seine (Goebels) Kritik an den bislang (bis zum Erscheinen des Buches 2003!) vorgeschlagenen Bebauungskonzepten kann ich nur teilen. Erst Albers hat 2009 ein Konzept vorgeschlagen, das städtebaulich diskutabel ist, wiewohl aus meiner Sicht noch zu wenig kleinteilig und vor allem nicht an den Vorderhausbreiten der ehem. Grundstücke orientiert. Architektonisch empfinde ich die Ideen von Albers als eher schwierig. Taugt aber ggf. als Baumassenmodell (danke ReinhardR).


  • tel33. Du beantwortest mit keiner Silbe,wie der Verkehr durch stark verschlankte Strassen fliessen soll.


    Welcher Verkehr? Es gibt keinerlei zwingenden Grund den Durchgangsverkehr auf einer breiten, nahezu unpassierbaren Schneise quer durchs Stadtzentrum fließen zu lassen. Solche Gedanken hat heutzutage Gottseidank auch niemand mehr. Du kommst zu spät! :lach:



    Es geht auch nicht um Freiflächen in Brandenburg oder im Spandauer Forst.Es geht um Freiräume und Sichtachsen im Zentrum.Da spielt es keine Rolle,ob 10 km weiter die Steppe anfängt.Das ist nicht provinziell,sondern grosstädtisch.


    Es ist vollkommen irrelevant wie du es nun bezeichnest. Es ist eben keinesfalls großstädtisch, stattdessen die Steppe ins Stadtzentrum zu verlegen, um dadurch eine möglichst 'weite Sicht' zu haben. Das ist einfach nur absurd und ja, selbstverständlich provinziell.

  • In puncto Fakten bist Du ebenso unbelehrbahr ewiggestrig: Du fasst einfach die Abrisse von der Reichsgründung bis 1940 zusammen und stellst sie den Abrissen der DDR-Zeit (bis 1976) gegenüber. Das ist doch unredlich, beim besten Willen.


    Ursprungsbehauptung war doch, hier handelte es sich um ein mittelalterliches Stadtbild und, nach '45 wären absolut gezählt die meisten Abrisse erfolgt. Das dies nicht der Fall ist, haben wir doch nun durch diverse Zahlen bestätigt bekommen. Da ist es vollkommen irrelevant, wer, wann, warum vor 1940 etwas abgerissen hat. Fest steht: der größte Teil des hier proklamierten mittelalterlichen Stadtbilds war bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden.


    Welcher Verkehr? Es gibt keinerlei zwingenden Grund den Durchgangsverkehr auf einer breiten, nahezu unpassierbaren Schneise quer durchs Stadtzentrum fließen zu lassen. Solche Gedanken hat heutzutage Gottseidank auch niemand mehr. Du kommst zu spät! :lach:


    Auf den genannten Straßen findet so gut wie kein echter Durchgangsverkehr statt. Welche alternative Lösung hast du zu bieten? Tunnel? Alles durch die umliegenden Wohngebiete jagen? Genial!


    Es ist vollkommen irrelevant wie du es nun bezeichnest. Es ist eben keinesfalls großstädtisch, stattdessen die Steppe ins Stadtzentrum zu verlegen, um dadurch eine möglichst 'weite Sicht' zu haben. Das ist einfach nur absurd und ja, selbstverständlich provinziell.


    Nur musst du erst einmal verstehen und damit leben, dass nicht jeder die diskutierten Gebiete als Steppe empfindet. Und unterschiedliche Prämissen liefern unterschiedliche Ergebnisse.

  • Fest steht: der größte Teil des hier proklamierten mittelalterlichen Stadtbilds war bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden.


    wo genau wird ein 'mittelalterliches Stadtbild' proklamiert? Und selbstverständlich war die strukturelle Einheit Alt-Berlins bis 45 noch erhalten. Häuser sind vergänglich, werden baufällig und ständig ersetzt, das ist ein normaler Zustand. Aber eben anhand des vorhandenen Grundrisses.



    Auf den genannten Straßen findet so gut wie kein echter Durchgangsverkehr statt.


    Was wenn nicht Durchgangsverkehr findet denn deiner Meinung nach auf der Gruner/Gertrauden/Leipziger Straße statt? Anlieger? also bitte... und selbstverständlich kann dieser Verkehr sehr wohl vernünftig verteilt werden. Nur ein verschwindend geringer Teil muss tatsächlich genau dort entlang. Oft liegen die Zielpunkte an anderen Stellen, die durch intelligente Umleitung und Öffnung weiterer Verbindungen durchaus besser erreicht werden können. Von der Intensivierung und Attraktivierung diverser ÖPNV Strecken mal ganz abgesehen.

  • Obwohl ich es schon einmal postete: Alle - ich wiederhole - alle Alteigentümeransprüche in Alt-Berlin und Alt-Cölln sind höchstrichterlich entschieden.


    In der Morgenpost gibt es einen dreiteiligen Artikel in dem das Problem erklärt wird.


    http://mobil.morgenpost.de/ber…j5qUfNRFJw**?cid=&emvcc=0



    ......würde nicht mehr passieren als daß ein Alteigentümer ein Grundstück in historischer Parzellenbreite zurückbekommt und - selbst oder durch andere - wieder bebauen kann.


    Das ist doch gut für Berlin, oder?


    Die Alteigentümer sind natürlich längst tot. Die Ansprüche würden also von Nachfahren, Erben, JCC und Nachfolgeunternehmen erhoben. Bei all der Ideologie in der Diskussion wollte ich auch nur darauf hinweisen dass diese Vererbung von Eigentum den Herren Marx und Engels (deren Denkmal dort steht) nicht gefallen hätte. Sie widerspricht aber eigentlich auch der heute propagierten Leistungsethik da es ja leistungsloses Einkommen ist.


    Außerdem gibt es natürlich bei solchen Altansprüchen selten einen allein berechtigten Erben eines Grundstückes sondern meist eine mehr oder weniger zerstrittene Erbengemeinschaft deren einzig gemeinsames Interesse es ist einen möglichst hohen Preis zu erzielen.

    4 Mal editiert, zuletzt von Chandler ()

  • Restitutionen

    Joachim Zeller ist Slawist und hat von diesem Themenkreis nun wirklich keine Ahnung; er verfolgt politische Interessen. Nur weil die Morgenpost den Unsinn druckt ist er nicht richtig.


    Richtig ist daß erst Grünfläche zu Bauland umgewidmet werden müßte (Bebauungsplan oder Einschätzung nach § 34 BauGB). Dann müßte sich eine ehem. Eigentümer (oder deren Erben) melden und ihr Eigentum geltend machen. Zusätzlich müßte das betroffene Areal auch nach 1949 enteignet worden sein, also alles recht spekulativ. Das Land würde sich hier sicher verklagen lassen, weil alle bisherigen Restitutionsanträge abgewiesen wurden.


    Sollte sich also ein Erbe finden müßte dieser erfolgreich klagen, erst dann könnte naturalrestituiert werden. Der Vorwurf, ein jüdischer Erbe sei nur an einem "möglichst hohen Preis" interessiert ist nicht nur latent antisemitisch sondern auch sachlich Unsinn: welcher Grundstückseigentümer ist das nicht (im übrigen allen voran das Land Berlin mit dem Liegenschaftsfonds)?


    "Millionen" kostet es also das Land sicher nicht, es vorlöre nur die ggf. unrechtmäßig erworbenen Eigentumsrechte an Teilen der bisherigen Grünfläche. Es fällt Dir offenbar schwer dich mit dem Gedanken anzufreunden, daß der deutsche Staat begangenes Unrecht (hier Enteignung durch die DDR) ggf. wieder rückgängig macht, oder?


    Deine Kritik am deutschen Eigentums- und Erbrecht bitte ich zu Beginn der nächsten Revolution nochmals vorzutragen. Die letzte (1989) hast Du wohl verpaßt.