Umgestaltung Rathausforum / Marx-Engels-Forum

  • Ben, @ tel33


    oh mann Leute, Schatten ist eine Metapher, jedenfalls in meinem Beitrag.
    Ein Widerhall am Boden.
    Manchmal möchte man sich schon die Haare raufen hier!
    Alles Banausen.
    Die Bäume müssen doch auch nicht da unbedingt stehen bleiben wo sie dir im Blick stehen. sei doch mal einen funken fantasievoll.
    Mir schon klar, daß man den Fernsehturm von überall her sehen kann.
    Gerade weil er so hoch ist braucht er diese freie Fläche zu seinen Füßen.

  • Camondo: Ne dann verstehe ich Dich sogar noch weniger als ich dachte. Mir scheint es aber auch, als wenn Du Dir mitunter selbst widersprichst oder Dich zumindest nicht so festlegst, dass man wirklich weiß was Du meinst. Erst redest Du beim MEF von einer signifikanten schöpferischen/ kreativen Leistung die es zu achten (und behüten?) gilt, jetzt ist es nur der freie Raum den man erhalten muss. Die reine Fläche wäre doch aber auch bei einer wirklichen Brache da - und dann würden die ganzen angesprochnenen Sichtverbindungen sogar noch viel besser "wirken" können. Trotzdem ist das MEF mE in keinem wünschenswerten Zustand. Deshalb die angesprochenen Optionen wie es mE besser laufen könnte.


    Ben: Ich glaube tel33 meint eher den Schatten des Turms auf das ParkInn.

  • jan85
    Sei mir nicht böse aber wahrscheinlich denken wir zu verschieden. Ich habe übrigens nie von signifikant gesprochen. wenn zitieren dann richtig. Von meiner Seite beende ich die Diskussion hier, sie führt eh zu rein garnichts.

  • Zu seinen Füßen hat er doch eine große Fläche, eine von ca. 800x250m. Ach, die Bäume müssen nicht alle stehenbleiben? Das widerspricht aber deinem Tilgungs-Argument, hat der Architekt die Bäume doch bewusst dort und nicht woanders pflanzen lassen? Wenn schon, dann dürfte man sie lediglich beschneiden. Damit wäre dann zwar die Sicht auf den Turm von einigen Standorten vielleicht eher ermöglicht, die Wirkung von Fassaden entlang den Straßen hätten die aber Bäume weiterhin.


    Hach, waren die anderen wieder schneller...


    Jan
    Ach, so. Ja, daran habe ich gar nicht gedacht :achso:.

  • Jan 85
    Es geht mir auch um die Fläche in Kubikmetern Freiraum. Das ist der unglaubliche Schatz. In der Mitte einer Stadt. Die Fläche stellt ja auch räumlich einen Wirkungsraum dar, soll heissen sie verhilft anderen Gebäuden zu wirken, schafft ihnen den Platz den sie brauchen damit mann sie erfassen kann. Was nicht geht wenn man 2 Meter davor steht weil man die nächste Mauer im Rücken hat. Deswegen sehe ich beides MEF und RF als ganz wichtige Wirkungsfläche für den Fernsehturm.


    1. Diese Freifläche im MEF wäre dann ein Schatz, wenn es "in der Mitte einer Stadt" keine weiteren Freiflächen gäbe. Dies ist hier nicht der Fall: Lustgarten, Schinkelplatz, die Fläche vor dem Fernsehturm sind ebenfalls unbebaute Flächen.
    2. Welche Gebäude brauchen denn den MEF um wirklich zu wirken? Aquadom und Nikolaiviertel wirken auch ohne MEF. Und bei diesen Gebäuden wird auch nicht 2 Meter herangebaut, wenn das MEF bebaut wäre.
    3. Wie in einem anderen Beitrag zu sehen war, ist das Areal um den Fernsehturm ohne Freifläche am MEF geplant worden (kein Wunder, damals standen ja dort auch noch einzelne Gebäude aus den Vorkrieksjahren, das Nikolaiviertel war hingegen noch nicht bebaut, der Vorgängerbau des Aquadoms meines Wissens nach ebensowenig).

  • Wie kann das ParkInn, das einiges weiter weg steht, denn einen Schatten aufs RF werfen, wenn es der Turm nicht tut?


    Der Turm wirft einen Schatten aufs Park Inn ;)... kann ich später nochmal was raussuchen

  • Im Tagesspiegel gibt es einen Artikel über den Vorschlag des Architekten Stefan Braunfels (u.a. Marie Elisabeth Lüders Haus - Paul Löbe Haus) zu einer schicken Sichtachse vom Fernsehturm bis zu der nach seinen Vorstellungen geöffneten Schloßfassade.


    Das entspricht auch meiner Vorstellung wie eine mögliche Bebauung von Marx-Engels- und Rathausforum angeordnet sein sollte.Besonders nett fand ich ja den Hinweis im Artikel, dass bei seinem Vorschlag der Öffnung der Schlossfassade zu einem Platz die plumpe historisierende Wiedererstellung früherer Blöcke auf dem MEF ausgeschlossen wäre. ;)


    http://www.tagesspiegel.de/ber…f-ostfassade/8982138.html


    Er vergleicht die Sichtachse übrigens auch mit jener in Paris auf den Tuilerienpalast.


    edit: bei der Berliner Zeitung gibt es mehr Bilder dazu
    http://www.berliner-zeitung.de…ls,10809148,24770166.html

    Einmal editiert, zuletzt von Chandler ()

  • Mir scheint, der gute Herr Braunfels möchte lediglich Aufmerksamkeit erhaschen. Der Drops ist doch schon lange gelutscht, die Detailplanung für's Humboldt-Forum abgeschlossen und der Tiefbau längst begonnen (bzw. bald schon abgeschlossen).
    Der Bund wollte schon 2008 nichts von diesen Plänen wissen. Warum sollte das jetzt anders sein?


    Seine Vorstellungen von Großbauten auf dem MEF erinnern mich sehr an die Bauklötzchen-Spiele am Lehrter Stadtquartier, O2-World Areal und BBI.
    Dann doch lieber kleinparzelliert auf historischem Raster.

  • ^ Man sollte auf einen Schlossflügel verzichten, damit die Blickachse mit einer barocken Fassade abgeschlossen wird. Es gibt noch eine Lösung - man gönnt diesem Flügel noch eine Barockfassade.


    Sollte der MEF-Teil näher am Schloss doch bebaut werden, dann natürlich klein parzelliert, bitte. In diesem Fall würde sich jedoch wahrscheinlich eine Sichtachse-Allee in der Mitte auf der Linie Fernsehturm-Schlossfassade durchsetzen, mit einer Fußgängerbrücke über Spree vielleicht. Im Barock war schließlich Symmetrie unverzichtbar - die würde zum Gestaltungsgeist des Schlosses passen.

  • @Bato:
    Ich kann seinem Vorschlag einiges abgewinnen.


    1) Ich mag die Ostfassade nicht wirklich. Ist mir zu einfallslos und erinnert micht an eine typische Rasterfassade einer Bank oder eines Ministeriums.


    2) Baukosten werden gesparrt


    3) Mir gefällt der Ansatz zum MEF und Rathausforum.
    In den letzen Diskussionen zum MEF ging es immer um Freifäche vs. Bebauung.
    Eine Bebauung lässt den Fernsehturm nicht wirken. Die Freifläche schon aber auf Kosten eines urbanen Ortes.
    Hier finde ich den Braunfelsches Vorschlag sehr gut.
    - Eine Sichtachse zwischen Fernsehturm und Innenhof des Schlosses.
    - Bebauung an den Rändern der Sichtachse.


    Die Sichtachse muss eine entsprechende Größe haben. Groß genug wegen der Wirkung des Fernsehturms und klein genug um ein urbanes "Wohlfühl" Viertel entstehen zu lassen.


    Ich geb dir recht Bato bei deiner Kritk, was Großbauten bzw. Bauklotzspiele angeht.


    Aber denke mit diesem Vorschlag kann man arbeiten.
    Meine Idee wäre eine repräsentative Architektur, die mit dem Barock des Schlosses und der Moderne des Fernesehturms spielt.
    Die von Bau-LCF angesprochene Symmetrie finde ich dabei auch einen wichtigen Aspekt.
    Hinter dieser "Fassade" fände ich ein "Nikolaiviertel 2.0" klasse, was die Marienkirche einbezieht

  • Ich finde es gut, dass Braunfels seinen Vorschlag abermals vorbringt. Noch besteht schliesslich die Möglichkeit, diesen Unsinn zu stoppen und damit größere städtebauliche Möglichkeiten zu eröffnen.


    Wenn die Kleinteiligkeit auf dem MEF auf moderne oder historisierende Gebäude auf einem Altstadtgrundriss hinausläuft (anstatt einer Teilrekonstruktion von midestens der Hälfte der ehemaligen Bauten), dann präferiere ich doch eindeutig die von Braunfels vorgeschlagene Variante mit dem Boulevard. Die Gebäude, die in seinem Entwurf zu sehen sind sind doch ohnehin eindeutig Platzhalter. Hier könnte man interessante und hochwertige Entwürfe verwirklichen und ein Gesamtkunstwerk schaffen. Dieses "Augen zu und durch" finde ich furchtbar. Ich habe noch von niemandem ein Statement gehört oder gelesen, der mit dem Ergebnis der derzeitigen Planung des Humboldtforums zufrieden gewesen wäre.

  • Braunfels Sichtachse Schloss Fernsehturm ist imho zwingend als Würdigung und Zitat der DDR-Planung, die ja auch Ausdruck der Stadtmoderne war/ist und vor allem als Teil des Geschichtsgedächtnisses der Stadt auch erhalten werden sollte. Und auch zwingend wegen eben dem Fernsehturm und der zukünftigen Skyline Berlins dahinter. Der Verlust von Marienkirchhof und Neumarkt in seinen historischen Dimensionen, der riesige Platz vor dem Rathaus, als auch Parzellierung gehen dagegen überhaupt nicht. Zum Schloss selbst: Der offene Schlüterhof ist spitze, sowohl bleibend offen als auch offenbleibend für eine Ostflügelschließung in Zukunft. Aber das wird nix, wie Bato sagt: Drops gelutscht. Man wird nicht freiwillig gerade das Schloss zu einer weiteren BER-Baustelle machen.

    Einmal editiert, zuletzt von libero ()

  • Seinen ebenfalls vorgestellten Entwurf für die Umgestaltung der Freifläche zwischen Schloss und Fernsehturm finde ich allerdings sehr bemerkenswert und durchaus umsetzbar.
    Mann muß sich nur von ein Paar alten Zöpfen trennen. ;)


    Wie geschrieben, befürchte ich in den Braunfels'chen Kuben die üblichen Rasterfassen (Lehrter Stadtquartier, Mediaspree etc lassen grüßen).
    Sichtachsen sind nicht alles. Das MEF wirkt aus meiner Sicht durch die große Schneise trotzdem zerstückelt und wenig konsistent. Man muss ja nicht das alte Straßenraster aufleben lassen, aber warum orientiert man sich nicht an die üblichen Berliner Stadtquartiere (Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Friedrichshain Charlottenburg etc siehe Vorschläge in #Beitrag 1904)?

  • Wie geschrieben, befürchte ich in den Braunfels'chen Kuben die üblichen Rasterfassen (Lehrter Stadtquartier, Mediaspree etc lassen grüßen).


    Ich denke diese Kuben in den Visualisierungen sind ja nur Platzhalter-


    Könntest Du mit soetwas leben?


    http://upload.wikimedia.org/wi…e_de_Rivoli_Paris_088.jpg


    Unten in den Gebäuden sind Arkaden mit Geschäften...Restaurants...Galerien... durch die Bäume verdeckt.


    http://www.aly-abbara.com/voya…ages/Paris_rue_rivoli.jpg

  • Heute fand in der Nikolaikirche ein Kolloqium mit dem Titel "Enteignung mit System" statt. Die Veranstaltung, die im Rahmen der Ausstellung "Geraubte Mitte" durchgeführt wurde, widmete sich der Enteignung jüdischer Grundeigentümer Berlins. Ich will versuchen, einen kurzen Überblick über die vierstündige Veranstaltung zu geben.


    Den Beginn markierte ein Grußwort der Generaldirektorin des Stadtmuseums Berlin Franziska Nentwig. Frau Nentwig rief die Teilnehmer des Kolloqiums dazu auf, mehr für die Ausstellung "Geraubte Mitte" zu werben, da die Besucherzahlen bisher unter den Erwartungen geblieben wären.


    Anschließend sprach Kulturstaatssekretär Andre Schmitz. Schmitz äußerte sich diesmal deutlich zurückhaltender als während der Ausstellungseröffnung im September, möglicherweise hat ihm doch jemand einen Wink gegeben. Jedenfalls meinte er nur, dass man über das Thema Enteignung diskutieren müsste.


    Dann folgten fünf Vorträge zum Thema Judenverfolgung in Berlin. Christoph Kreutzmüller vom Haus der Wannsee-Konferenz Berlin referierte über den Umgang mit jüdischen Immobilienunternehmen. Diese waren bis 1938 vor allem Schikanen ausgesetzt, nach 1938 erfolgten dann systematische Enteignungen.


    Die Historikerin Susanne Willems behandelte den Zusammenhang zwischen Räumungen von Juden aus ihren Wohnungen und den Plänen für die Neugestaltung Berlins. Anhand von beklemmenden Originaldokumenten stellte sie dar, dass Juden in zweierlei Hinsicht Opfer von Räumungen wurden. Einerseits wurden sie geräumt, weil ihre Wohnungen für Neugestaltungsprojekte abgerissen werden sollten. Diese Räumungen betrafen vor allem Wohnungen im Bereich Spreebogen und im Tiergartenviertel. Von diesen Räumungen waren auch Deutsche betroffen, allerdings erhielten diese im Gegensatz zu den Juden Ersatzwohnungen. Andererseits wurden Juden geräumt, weil ihre Wohnungen als Ersatzwohnungen für geräumte Deutsche gebraucht wurden. Diese Räumungen konzentrierten sich auf vier Gebiete: das Gebiet um den Kurfürstendamm, das westliche Tiergartenviertel, das Bayerische Viertel und Teile von Zehlendorf. Oft wurden die geräumten jüdischen Familien direkt in die Vernichtungslager transportiert.


    Der nächste Vortrag von Benedikt Goebel und Lutz Mauersberger berichtete von den Geschichten der Familien Gadiel und Intrator, die nach Großbritanien und in die USA emigriert sind und deren Nachkommen heute in New York und Sydney leben.


    Der Rechtsanwalt Gunnar Schnabel behandelte den Umgang mit jüdischen Enteigungsopfern in der Gegenwart. Demnach ist die Rechtslage so, dass enteignete Immobilien grundsätzlich zurückgegeben werden sollten. Eine Ausnahme liegt dann vor, wenn sich enteignete Grundstücke im Gemeingebrauch befinden, wenn sich dort beispielsweise Straßen oder Grünflächen befinden. In diesem Fall müssen Entschädigungen gezahlt werden. Die Schwierigkeiten beginnen dann, wenn der Gemeingebrauch eines Grundstückes endet. Dann würden die Rückübertragungsansprüche wieder aufleben. Diese Regelung wäre zwar nur eine Kann-Bestimmung, allerdings sieht Schnabel eine starke Rechtstellung der Alteigentümer. Nach Schnabels Ansicht würde diese Situation dazu führen, dass eine städtebauliche Entwicklung dieser Gebiete über viele Jahre blockiert würde, da es dann "Rechtsstreitigkeiten bis zum Sankt Nimmerleinstag" und den Weiterverkauf von Restitutionsansprüchen an Spekulanten geben würde.


    Daher schlug Schnabel vor, dass das Land Berlin eine allgemeine Vereinbarung mit allen jüdischen Alteigentümern Berlins aushandeln sollte, die solche Restitutionsforderungen gegen eine Entschädigungszahlung ausschließen würde.


    Manfred Kühne von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zeigte anhand der verschiedensten Beispiele, wie seine Verwaltung mit diesem Problem umgeht. Er räumte ein, dass die Enteignungsgeschichte Berlins bisher zuwenig erforscht worden wäre. Insbesondere die Enteignungen am Spreebogen wären im Zusammenhang mit den Parlamentsneubauten kaum thematisiert worden. Auch bei den Bauprojekten in der Friedrichstadt hätten die jüdischen Alteigentümer keine Rolle gespielt. Dort wären Restitutionsansprüche durch das (bis Ende 2000 gültige) Investitionsvorranggesetz im Interesse einer schnellen Bebaubarkeit abgewiesen worden. Ähnlich wurde bei der Bebauung des Friedrichswerder verfahren.


    Gleichzeitig stellte er die Frage, inwieweit eine Restitution enteigneter Grundstücke überhaupt möglich wäre. In Ost- wie Westberlin wurde die Stadtstruktur nach 1945 radikal überformt. Als Beispiel zeigte er das Hansaviertel, in dem sich früher viele jüdische Grundstücke befunden hätten. Diese Neugestaltungen ließen sich heute nicht mehr rückgängig machen. Weiterhin hätte er bei der Planung am Molkenmarkt die Erfahrung gemacht, dass die Erben der Alteigentümer ihre Grundstücke nicht wiederhaben wollen, sondern dass sie diese möglichst gewinnbringend weiterverkaufen wollen.


    Daher plädierte er dafür, sich in erster Linie auf Erinnerungsarbeit zu konzentrieren. Als konkrete Projekte benannte er den Umgang mit dem Konzentrationslager auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof. Hier wäre ein Runder Tisch unter Leitung von Andreas Nachama eingerichtet worden. Weiterhin plant er eine stärkere Beschäftigung mit dem Geburtsort Berlins in Spandau. Dort hätte sich auch die älteste jüdische Gemeinde Berlins befunden, diese wäre derzeit kaum erforscht.


    Anschließend folgte eine Diskussion unter Leitung des Welt-Redakteurs Sven-Felix Kellerhoff. Kellerhoff fragte zunächst Manfred Kühne nach der Zukunft des Rathausforums / Marx-Engels-Forums. Kühne antwortete, dass es zu diesem Gebiet keinen gesellschaftlichen Konsens geben würde und dass es daher keine Planungen seitens seiner Verwaltung geben würde. In der folgenden Debatte ging es teilweise auch kontrovers zu. So warf Benedikt Goebel Manfred Kühne vor, er hätte in seinem Vortrag vom Thema abgelenkt. Seiner Meinung nach sollte man die Diskussion auf den Bereich des Berliner Stadtkerns beschränken. Manfred Kühne, Susanne Willems und Christoph Kreutzmüller plädierten dafür, die Themen Judenverfolgung und städtebaulicher Umgang mit dem Rathausforum voneinander zu trennen. Susanne Willems bewertete die Debatte über die Rückgabe von Grundstücken auf dem Rathausforum als heuchlerisch, da diese Fragen bei anderen Bauprojekten keine Rolle spielen würden. Christoph Kreutzmüller warnte vor einer Instrumentalisierung des Themas für restaurative städtebauliche Projekte. Er wies darauf hin, dass die Zerstörung der Altstadtstrukturen schon während der Kaiserzeit begonnen hätte, er nannte exemplarisch den Bau der Kaiser-Wilhelm-Straße. Diese Statements bewegten dann den Journalisten Gerwin Zohlen, der im Publikum saß, zu lauten, aber auch unverständlichen Schreiereien. Insgesamt gab es aber während der Debatte einen Konsens, dass man die Verbrechen des NS-Regimes nicht durch Restitutionen wiedergutmachen kann, sondern dass man nur die Erinnerung daran wachhalten kann.


    Alles in allem war die Veranstaltung sehr interessant. Besonders hervorheben will ich den beklemmenden Vortrag von Susanne Willems, der das ganze Grauen der NS-Mordmaschinerie darzustellen wusste. Leider war das Kolloqium nur schwach besucht. Nur rund 50 Personen hatten sich zu der Diskussion eingefunden.

  • Dass sich die Stadtentwicklungsverwaltung mehr auf das Gedenken als auf die Rückgabe von geraubten Grundstücken konzentrieren mag ist konsistent: so kann man ohne lästige Grundstückseigentümer planen.


    Ich verstehe aber nicht den Vorwurf an jüd. Alteigentümer sie wollten "ihr Grundstück nicht wiederhaben sondern gewinnbringend verkaufen". Ist das den nicht wirklich legitim, wenn man als Nachfahre der Geschädigten in Jaffa oder Neu York sitzt und kaum vorhat, den Wohnort zu wechseln?

  • Weiß man denn was Braunfels mit der FT-Fußbebauung vor hat?
    In seinem Entwurf ist sie genau wie die Wasserkaskaden jedenfalls nicht mehr zu sehen.
    Ein Empfangsgebäude benötigt der FT m.E. aber auf jeden Fall.