Eindrücke aus dem Reich der Mitte

  • Eindrücke aus dem Reich der Mitte

    In diesem Thread möchte ich eine Reihe von chinesischen Städten und Landschaften vorstellen.


    Bis jetzt gibt's hier:


    Wuhan * Shanghai * Xi'an * Chongqing * und den Jangtse mit Drei-Schluchten-Staudamm (neu!)



    Immer wenn ich etwas zuviel Freizeit hab werd ich dann wieder was reinstellen.
    Vielen Dank für's Reinschaun und viel Spaß :)



    (Die Kopierrechte für in diesem Thread von mir eingestellte Bilder liegen natl. bei mir.)

    14 Mal editiert, zuletzt von Andi_777 ()

  • Eindrücke aus Wuhan

    Zuerst ein paar Fakten:
    Wuhan liegt im Inland von China am Jangtse-Fluss. Das Stadtgebiet hat 4 Mio. Einwohner, der Raum knapp 9 Mio. Der Name setzt sich zusammen aus den ehemaligen Städten Wuchang und Hanyang, die mit weiteren Städten vereinigt in Wuhan aufgegangen sind. Der Stamm der Han macht 99% der Bevölkerung Wuhans aus. Die Region ist seit 3000 Jahren besiedelt - vor 2000 Jahren erlebt die Stadt unter den Han ihre erste Blüte. Bis vor den Zweiten Weltkrieg war Wuhan ein wichtiger kolonialer Handelsstützpunkt wovon v.a. auf der westlichen Jangtse-Seite einiges an auch deutscher Kolonialarchitektur zeugt. Von Wuhan aus startete die Chinesische Revolution.
    Ihre deutsche Partnerstadt ist übrigens Duisburg ;)


    Zuerst ein Foto von meinem Hostel ;) eine echte Empfehlung (aber das sind Hostels in Asien generell)...


    Der Gelber Kranich Turm wurde 223 nach Christi Geburt errichtet und ist das Wahrzeichen von Wuhan...



    Und so sieht's aus zu Fuße des Turms: Einkaufsmeile auf chinesisch...



    Majong-Spielen auf der Straße, eigtl. nicht erlaubt aber was soll's...




    Auch der Winni ist am Start...


    Der Jangtse-Fluss...



    Kohlenachschub...



    Das Leben der Anderen...




    Die mächtige Eisenbahnbrücke über den Jangtse...





    ...hinüber auf den reichen Westteil der Stadt...


    ...der Mammon lockt, der Westen glitzert und auch der Andi macht rüber...



    Westlich des Jangtse, abends...




  • Sieht aus wie eine westliche Fußgängerzone, nur mit neueren Gebäuden und mehr Leuchtreklame! Toll und danke!

  • Eindrücke aus Shanghai

    Dass auch Shanghai über eine unglaublich große Fläche verteilt ist müsste einem eigtl. klar sein. Doch das hält mich natl. nicht davon ab mir bei meinem Hostel (das nicht gerade zentral lag) zuallererst einen Stadtplan zu erwerben und zu Fuß los. 1cm auf der Karte dauerte ca. eine Stunde. Leicht unterschätzt :D



    BMW Ausstellung im Zentrum Shanghais...


    Fitness hält jung, vor allem öffentlich praktiziert (Jing'an Park)...



    Platz des Volkes (eigtl. ein Park) im Stadtteil Huangpu...


    Im Zentrum des Platzes des Volkes (also praktisch im Zentrum des Zentrums): das Stadtentwicklungsmuseum :) so muss das sein, und ich natl. rein...


    Gibt einen sehr guten Überblick über die Stadt aus Hochhäusern, aber daran gewöhnt man sich in Asien zwangsläufig schnell...



    In der ehemaligen sog. Chinesischen Stadt im Zentrum Shanghais...



    Jetzt wird's touristisch: die wiederaufgebaute Shanghaier Altstadt...


    Sehr hübsch und sehr eng, aber gut ausgeführt die Reko...


    Der berühmte Bund, die Uferpromenade am Huangpu-Fluss. In Shanghai wurden vor dem Krieg einige ArtDeco-Hochhäuser ähnlich wie in New York gebaut - diese Phase des Städtebaus ließen wir in Europa ja leider aus, darunter zB. das berühmte Park Hotel oder das Shanghai Peace Hotel...


    Auch am Bund: das historische Gebäude der Hong Kong - Shanghai - Banking Corporation (kurz HSBC), bei der man als europäischer Asiat natürlich Kunde ist ;), im Hintergrund das Westin Bund Center...


    Auf die andere Seite des Huangpu-Flusses: Stadtteil Pudong mit Jinmao-Turm und Shanghai World Financial Center im Bau...



    Shanghais Wahrzeichen, der Fersehturm Oriental Pearl Tower...





    Entlang der Century Avenue Richtung Süden...


    Times Square...


    Die deutsche Magnetschwebebahn Maglev...


    430km/h auf der "Magnetschiene" - hat mächtig gerattert, derart starke Magnetfelder sind halt auch "hart" wie Kruppstahl - nix mit sachtem Gleiten ;)...


    Flughafen Pudong International...



    Ich fahr aber lieber wieder zurück Transrapid in die City...


    Bayern ist überall :)...



    Science Plaza Blick Richtung Century Avenue...



    Chinesen lieben Drachensteigenlassen...


  • Wahnsinn! Wirklich tolle Bilder, sehr autentisch gemacht. Unglaublich, wie abwechslungsreich diese Städte doch sind, welch krasse Unterschiede. Das kommt in deinen Bildern sehr gut rüber, wohl auch, weil deine Serie mit Bildern aus den "ärmeren" Stadtteilen von Wuhan anfängt. Da sind viel Bilder mit Sonnenuntergangslicht dabei, das sieht klasse aus - das vorletzte mit den Drachen ist ja wohl der Hammer! :daumen:

  • Eindrücke aus Xi'an

    Xi'an ist die Hauptstadt der Provinz Shaanxi und behergt für chinesische Verhältnisse eher moderate 7 Mio Einwohner.
    Historisch bedeutend ist die Stadt zum einen durch die Seidenstraße, vor allem aber als erste und langjährige Hauptstadt des chinesischen Kaiserreichs. Bekannt ist Xi'an daher für ihre Kaiserpaläste und natürlich das Mausoleum des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdis mit seiner Terrakottaarmee.


    7.300 lebensgroße Tonkrieger und wohl an die 200 Streitwagen aus Bronze oder Ton wurden bisher in mehreren Gruben gefunden. Die Ausgrabungen dauern noch an. Die Ansammlung stellt eine vollständige Armee mitsamt (echter) Bewaffnung dar, die bereits in Schlachtordnung (Vorhut aus Bogenschützen, Hauptmacht, Nachhut und Flanken) angeordnet sind. Bereit mit dem Kaiser im Jenseits in die Schlacht zu ziehen...




    Rekonstruierte Kaiserpaläste im Umland Xi'ans...





    Die "Altstadt" von Xi'an: ein perfektes Raster mit satten 4,3 auf 2,8 km mit kaum mehr historischer Bebauung, umgeben von einer perfekt erhaltenen eindrucksvollen Stadtmauer samt Wassergraben (Foto von der Mauer in die Altstadt)...



    Stadtmauer bei Nacht...


    Durchbruch vor dem Bahnhofsplatz...



    Insgesamt keine schöne Stadt - für einen Europäer sicherlich nicht die erste Wahl wenngleich ein Freund von mir dort beschäftigt war. Das Preisniveau Welten unter Shanghai. Aber sehr chinesisch und daher sehr sehenswert. Leider habe ich von der Stadt selbst kaum Aufnahmen. Das 550 km entfernte Chonqing, von dem ich jetzt noch einige Impressionen posten werde, gibt ein allerdings sehr ähnliches Bild ab.

  • Eindrücke aus Chongqing

    Chongqing ist eine aufstrebende Industriestadt im Herzen Chinas am Jangtse. Je nach Rechnung hat die Stadt 4 Mio (Innenstadt), 8 Mio (mit Vorstädten) oder 32 Mio (administratives Stadtgebiet) Einwohner. Zieht man letztere offizielle Stadtgebietsdefinition zu Rate ist Chongqing die flächenmäßig größte Stadt der Welt, mit einer Stadtfläche, die gar etwas über den Umfang des Österreichischen Staatsgebiets hinausgeht.





    Freiraumbüro...


    Plagiatdreier...






    Zusammenfluss des Jialing Jiang und des Jangtse in Chongqing...



    Um die Anmut eines Entwicklungslandes loszuwerden, versucht sich China im Charme der Moderne...



    Beide Welten bestehen noch: die Realität am Straßenrand...




    Baumwollverarbeitung...


    Markttreiben...


    Die neue Realität...




  • Eindrücke von Jangtse und Drei-Schluchten-Staudamm

    Meine Diplomarbeit ist geschafft und jetzt hab ich Muse mich wieder Dingen zu widmen, die mehr Spaß bereiten: diese Galerie hier mal weiterführen. Heute: eine dreitätige Schiffahrt den Jangtse runter von Chongqing zum Drei-Schluchten-Staudamm inklusive Ausflug zum Qinglong-Wasserfall. Ich hab diese Fotos schon mal hochgeladen - durch einen technischen Fehler überlebten sie aber nur einen Tag ;)


    Der Jangtse (auch bekannt als Yangtse Jiang oder Chang Jiang, wobei "Jiang" nix anderes als "Fluss" bedeutet), übersetzt "langer Fluss", macht daher seinem Namen alle Ehre: von Tibet fließt er auf über 6.000km Länge bis Shanghai und dort ins Ostchinesische Meer und ist damit der weltweit drittlängste Fluss. Er ist eine der (der?) bedeutendsten Verkehrswege Chinas. Binnenverschifft werden darauf nicht nur Waren, auch die Personenbeförderung spielt eine große Rolle. Zwischen den Städten verkehren regelmäßig Schnellboote, v.a. Tragflügler à la Delphin. Er ersetzt damit Zugverkehr.
    Große Probleme bereitet (Achtung: Überraschung) der hohe Verschmutzungsgrad des Flusses, da sämtliche Abwässer der anliegenden Orte (darunter viele Großstädte) praktisch ungeklärt in den Fluss geleitet werden. Trotzdem wird aus Flusswasser weiterhin auch Trinkwasser gewonnen.



    Typische Ortschaften an den steilen Hängen des Jangtse...


    Landwirtschaft in traumhafter Kulisse...


    Leute lernt man immer kennen in China, manchmal sogar deutsche Mädels. Ansonsten war unser "Kreuzfahrtschiff" (3 Stockwerke, das unterste mit 6 Pritschen pro 10qm) bis auf 2 Engländer voll mit Chinesen...


    Ausflug zum Qinglong-Wasserfall. 115m hoch und brüstet sich damit der "No. 1 Waterfall in Asia" zu sein. Schön ist er allemal...



    Untendurch geht auch :)...



    Auf gehts in die beeindruckenden Drei-Schluchten: Qutang, Wuxia und Xiling...


    Durch den Bau des Drei-Schluchten-Staudammes wird die Wasserlinie natürlich gravierend ansteigen. Dass die Schluchten dann etwas Imposanz einbüßen ist klar...



    Eine weitere Folge des Pegelanstiegs: Bauaktivität überall: ganze Stadtviertel werden versetzt, von tieferen Hanglagen in höhere...



    Harrt noch taper aus...


    Ich wusste bis zum Schluss nicht mal den Namen des Profis an der Reling, aber die drei Tage hindurch spielten wir "Kumpels" ;). Gegenseitige Fotobeschießung...


    Von der netten Dame weiß ich dagegen mehr, praktisch ihr komplettes Leben (Kindheitserinnerungen in Hanoi, Leben in Hongkong, Chinatown in LA, Speisekarte ihres Chinarestaurants (klar), und wie hübsch doch ihre Tochter wäre), denn: die einzige "Chines"in die Englisch sprach...


    Eine einstündige Fahrt einen Nebenzufluss aufwärts mit Katameran bringt uns zu einem rekonstruierten Touristenort. Das Original versank in den Fluten...


    Natürlich gibt's hier Waren und Darbietungen aller folkloristischer Art...



    Aus neu mach alt: historische Ladenstraße...


    Hier wird noch frisch alt gebaut...





    Ausflug mit kleinen Riemenstangen-betriebenen Booten in die "drei kleinen Schluchten". Diese entstanden erst durch den Anstieg des Wasserpegels hier in einer weitab vom Jangtse gelegenen Schlucht...


    Früher wurde hier Wildwasserrafting betrieben, heute singen hier Gondolieres in stillen Wassergrotten...


    Zurück zum Schiff und auf den Jangtse. Das Wetter war im übrigen nicht sonderlich schlecht - mit Nebel muss man hier leben...


    Der Drei-Schluchten-Staudamm, auch im Nebel natürlich,...


    "no crowdingin thunder stormy day" alles klar :D...


    Die beeindruckend großen Schiffsschleusen...



    Nochmal der Damm vom gegenüberliegenden Ufer...


    Zum Abschluss noch was zum Schmunzeln, Werbeplakate auf chinesisch...



    Obwohl ich anfangs mit einer stark negativen Einstellung gen Drei-Schluchten-Staudamm gestartet bin - natürlich hauptsächlich durch negative deutsche Berichterstattung beeinflusst - hat sich meine Ansicht nach tagelangen Diskussionen, Reflexionen und Vor-Ort-Anschauung verändert. Nach wie vor sehe ich die negativen Auswirkungen auf die Schönheit der Natur, der Schluchten und den Verlust an landwirtschaftlicher Fläche. Letzterer ist allerdings meines Erachtens sehr begrenzt, denn die Möglichkeit hier den Fluss zurückzustauen ergibt sich ja erst dadurch, dass das Bett hauptsächlich von steilen unzugänglichen Hängen eingefasst ist. Untergegangene Dörfer und Städte, Zwangsumsiedlung, all das was hier als desaströse Nachrichten kursieren, sind tatsächlich zu beobachten. Doch werden in Deutschland die positiven Seiten geflisstentlich totgeschwiegen. China ist ein kommunistisches Land. Wenn auch viele Bauern ihre Höfe aufgeben mussten und nun in Wohnblocks leben, so darf man nicht vergessen, dass die meißten der Zwangsumgesiedelten bereits vorher in staatlichen Wohnungen wohnten. Und wer China kennt weiß unter welchen Umständen Menschen leben, die in Gebäuden leben müssen, die bereits vor mehreren Jahrzehnten errichtet wurden. Ein Europäer würde das ohne langes Zögern als "unmenschlich" beschreiben. Da Wohnen staatlich ist, wären Investitionen in Neubauten so und so fällig und Umzüge der Bewohner damit verbunden. Was sie bekommen sind größzügigere moderne Wohnungen mit fließende warm und kaltem Wasser, sanitären Anlagen und Küchen. Was sie verlassen sind oftmals heruntergekommene Wohnhöhlen ohne seperate Zimmer für verschieden Funktionen. Dass der Landwirt, der sein ganzes Leben auf seinem kleinen Hof verbrachte, ein leidliches Bild abgibt, wenn er versucht auf dem Dach des Wohnblocks nun Gemüse anzubauen, ist vorstellbar und ein gefundenes Fressen für europäische Reporter. Aber wohl doch eher ein zu verkraftendes Schicksal, wenn man bedenkt, dass seine Kinder nun eine ordentliche Schule besuchen können und ihnen die Welt offensteht, denn leider ist in China im Gegensatz zum Westen in dieser Hinsicht das Land gegenüber der Stadt noch arg benachteiligt. Natürlich will ich damit nicht sagen, Landarbeiter brauchen sich nicht zu beschweren. Der Staat zwingt hier durchaus den Menschen einen vorgeschriebenen Lebensstil auf. Der Einzelne ist noch lange nicht seines eigenen Glückes Schmied. Doch: der Wohlstand steigt dramatisch. Einkommen, Wohn- und Lebensqualität, Versorgung mit Wasser, Lebensmittel aller Art, Gesundheitseinrichtungen, Medien und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten, all das ist plötzlich für die Masse verfügbar. Und benötigt im Gegenzug ENERGIE! Woher nehmen wenn nicht stehlen! Das Klima würde sich freuen, wenn statt des Staudamms 30 mittelschwere Kohlekraftwerke entstehen würden. Natürlich bedauert der Europäer den kulturellen Verlust von 20 Meter Schluchttiefe und der Agrarstudent den Verlust von wunderbaren Hanglagen. Aber dürfen wir den Bewohnern der Region den neuen Luxus eines Fernsehers und Elektroherds verwehren, weil wir übersättigten Europäer den Staudamm für verwerflich halten? Ist das nicht blanker Egoismus?

  • Sehr schöne Bilder, danke!


    Bei Sonnenschein kriegt man dieser Gegend wahrlich nicht oft zu sehen, oder? Ich kann mich jedenfalls an keine Fotos erinnern.


    Die Zwangsumsiedlung sehe ich allerdings doch etwas skeptischer. Als man nach dem Krieg bei uns alte Wohnviertel abgerissen hat und neue Wohnsiedlungen, bestehend aus Hochhäusern, gebaut hat, hat man die bestehenden sozialen Strukturen zerstört. Diese Wohnblocks sind heute oft soziale Brennpunkte. Sicherlich ist die Steigerung des Lebensstandarts positiv zu sehen, trotzdem ist die soziale Komponente sicherlich nicht zu unterschätzen.

  • Für ein Foto ohne Nebel kann man sicher gute Dollars einstreichen - davon gibt's nicht viele - mal googlen... :)