Rund um die Siegessäule - Großer Tiergarten

  • In Berlin werden Denkmäler, Häuser, Straßenzüge nicht umgewidmet, sondern abgerissen... Andererseits dien(t)en manche Gebäude sowohl der NS-, der DDR- als auch der bundesdeutschen Regierung.
    Die Neue Wache hat seit 1931 mindestens vier Gedenk-Metamorphosen durchlaufen, aus der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wurde ein "Kriegsmahnmal für den Frieden".

  • Camondo, dann widerspichst du dir doch selbst. Eine volkstümliche Umwidmung der Siegessäule hat längst stattgefunden, den allermeisten historisch weitgehend uninteressierten fällt dazu wohl als erstes die Loveparade und Barack Obama ein.


    Und wenn hier geschrieben wird, dass nur die schöne Hülle interessiert und nicht die Bedeutung, wofür das eine oder andere Denkmal errichtet wurde, dann sage ich wie oberflächlich muss eine Gesellschaft denn noch werden, schliesslichlich heisst es DENKMAL


    Richtig, im übetragenen wie auch im materiellen Sinne. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was dein Problem ist. Die Siegessäule sollte als authentischer Zeitzeuge möglichst originalgetreu erhalten bleiben. Da sind wir uns wohl einig. Und wenn wir auch den Zeitgeist, der mit ihr zum Ausdruck gebracht wurde, nicht mehr teilen, so ist es immer noch ein Denkmal des damaligen Zeigeistes und als solches ebenfalls unverfälscht erhaltenswert. Genauso ist es mit anderen Denkmälern. Niemand stellt sich heute vor das Moritzmonument in Dresden und sagt "klasse, so muss es sein." Völliger Hafer, aber erhalten werden muss doch wohl trotzdem, oder nicht?


    Was den Arc betrifft, er ist überhaupt nicht als Napoleonisches Siegesdenkmal im Bewusstsein der Französischen Öffentlichkeit verankert sondern vielmehr als das Grabmahl des Unbekannten Soldaten, dieser könnte auch ein Deutscher oder Franzose oder Brite oder Belgier sein... wer weiss .... Hier ist es also gelungen dem glorifizierten einen neuen kritischen verbindenden Inhalt zu geben. Nicht zuletzt gedenkt dort die Republik ihrer Kriegstoten und der aller Länder.


    Mit Verlaub, das ist Quatsch. Die Franzosen wissen sehr genau, um was sich beim Triumphbogen handelt. Die sind ja nicht völlig bescheuert. Als Erinnerungsstütze findet auch jedes Jahr eine nicht gerade popelige Militärparade statt. Das Grabmal des unbekannten Soldaten ist auch keine "Umwidmung", sondern eine Erweiterung. Als ob die Franzosen in der höchst deutschfeindlichen Stimmung nach dem Ersten Weltkrieg auch nur einen Millimeter von der glorifizierenden Interpretation der napoleonischen Feldzüge abgerückt wären, also Bitte.... - Auf dem Grab steht dementsprechend auch: "Ici repose un soldat français mort pour la patrie." Bis heute ist es der Ort um dem nationalen Opfer der Kriege zu Gedenken und das finde ich auch nicht wirklich verwerflich.



    Das kann man von dieser Siegessäule nun wirklich nicht sagen.


    Wozu auch, sie hatte erinnerungspolitisch nie den Stellenwert des Pariser Triumphbogens.


    ich meinte ein Denkmal, dass doch zuerst für etwas anderes stand und dann inhaltlich umgewidmet wurde zu einem besseren humanistischeren Ansatz hin.


    Das ist für dich beim Triumphbogen gegeben aber bei der Neuen Wache nicht? Dann schau dir einfach mal die Widmungstexte an. Noch humanistischer als allen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken, geht es wohl kaum. Ansonsten besteht Deutschland im Gegensatz zu Frankreich ja nicht nur aus Paris (vorsicht, Übertreibung). Das Marinehrenmal in Laboe, errichtet zur Glorifizierung der deutschen Marine ist heute offiziell allen Toten der Seefahrt gewidmet. Auch das Luftwaffenehrenmal in Fürstenfeldbruck ist allen Opfern der Luftfahrt gewidmet. Das Reichskolonialehrenmal in Bremen wurde zum Antikolonialdenkmal umgewidmet usw.

  • werter Camondo, warum so abgeneigt gegen die Siegessäule?


    Wie Sie selbst schreiben ist es ein Zeugnis seiner Zeit. Aktuell nicht mehr zeitgemäss, aber alte Sichtweisen sollte man erhalten, um daraus zu lernen.


    Im Sockel wird über die Zustände des D-F-Krieges informiert.



    Die Franzosen(die Allgemeinheit) haben den Krieg eh aus Ihrem Gedächtnis gelöscht. Der "Grande guerre" hat alles ersetzt.


    Und ich, als in Frankreich lebender, empfinde dieses Land als deutlich militaristischer und poliziestaatlicher als das moderne Deutschland. (dies zeigt auch die Parade jeden 14.Juli).


    Beide Länder haben in der Aufarbeitung von Geschichte noch etwas nachzuholen; Sprichwort Kolonialisierung; Frankreich hatte bis in die 60iger Jahre Kolonien! und hat auch danach noch einigen (negativen) Einfluss auf diese Länder genommen. Da gibt es auch so einige Statuen in Paris die nicht zeitgemäss sind. Aber entfernen sollte man sie meiner Meinung nach nicht.

  • ...Mit Verlaub, das ist Quatsch. Die Franzosen wissen sehr genau, um was sich beim Triumphbogen handelt. Die sind ja nicht völlig bescheuert. Als Erinnerungsstütze findet auch jedes Jahr eine nicht gerade popelige Militärparade statt.


    … Wie man das in Frankreich einschätzt hat hier gerade Forumsmitglied sebiart aus Paris geschildert. Wobei man in Deutschland wahrscheinlich „Grand guerre“ mit WWII assoziiert und nicht wie die Franzosen mit WWI.


    … Das ist für dich beim Triumphbogen gegeben aber bei der Neuen Wache nicht? Dann schau dir einfach mal die Widmungstexte an.


    …. Hab ich doch geschrieben es kommt dem schon sehr Nahe.



    Ich habe mir mal gerade Fotos vom alten Standort angesehen, eigentlich kann man garnicht sagen, dass die Säule direkt vor dem Reichstag stand. Vor dem Reichstag stand das Bismarck-Denkmal und dann erst zwischen Kroll-Oper und Reichstag mittig und achseal die Säule, die dann ihren Platz wegen der Speerschen Planung für die große Halle im Spreebogen räumen musste. Ich muss gestehen in diesem räumlichen Kontext flankiert von Kriegsministerium und Marineministerium macht es für mich mehr Sinn als im schönen Tiergarten. Auch wenn sie hier auf der Speerschen Ost-West-Achse steht.
    https://model2.de/light/11473/1d3fe9.jpg

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  • @ Camondo


    nicht zu vergessen die Siegesallee(später entstanden) im Tiergarten, die direkt auf die Siegessäule zulief. Symbol für: Vom alten Reich und seinen Herschern bis zur damaligen Krönung, dem Krieg 70/71.


    Aber auf dem grossen Stern im Tiergarten passt die Siegessäule auch herrlich. Ich glaube die deutsche Gesellschaft hat ein halbwegs akzeptables Geschichtsbewusstsein, das so ein patriotischer "Kitsch" nicht stört oder schädlich ist. Die Kanonen sieht man auch nur wenn man direkt davor steht und die Siegesgöttin ist einfach eine gelungene und friedliche Statue mit guter Fernwirkung.

  • … die Siegesgöttin ist einfach eine gelungene und friedliche Statue …


    :lach: Klar, Sieg ist schliesslich gleichbedeutend mit Beginn des Friedens, denn der Sieg wurde ja errungen oder was?


    Wie kann man Patriotismus unter Generalverdacht stellen („… oder schädlich ist."), aber eine Siegesgöttin, die für den Patriotismus der Götter und die Unterwerfung der Gegner unter göttlicher Führung steht, als friedliche Statue bezeichnen?


    ^ #adminfeundlich markiert als potentiellen Start für die Verschiebung eines eventuellen Blocks von Postings in den „Boulevard of Spam“.

  • Erneuerung der Reichstagswiese

    Die bereits seit Ende Januar eingezäunte Reichstagswüste, äh, -wiese, bleibt noch bis 31. Juli gesperrt. Laut einer RBB-Meldung muss der Rasen regelmäßig erneuert werden, dieses Jahr auch die Bewässerungsanlage für insgesamt rund 225.000 Euro. Den Steuerzahler kostet die Grünpflege am Platz der Republik jährlich rund 75.000 Euro, bis zu 800 Euro fallen weiterhin für mutwillig zerstörte Bewässerungsdüsen an.


    https://www.rbb24.de/panorama/…asen-gesperrt-berlin.html

  • ^ Ja, ganz schlimm. Normalerweise wird hier immer kritisiert, dass in Berlin zuwenig Geld für Grünflächenpflege ausgegeben wird. Jetzt wird Geld dafür ausgegeben, und das ist auch nicht recht?

  • Die sollen diese dämliche goldene Bananenschalenwippe auf dem Platz der Republik bauen und drum herum noch ein paar Parkbänke und Beete. Man könnte den Platz im Prinzip ähnlich gestalten wie Trocadero in Paris.
    Eine Demokratie, die den Platz vor ihrem Parlament verkommen lässt, ist wie ein Literaturkongress in einem Bordell.

  • Der Rasen vor dem Reichstag wird regelmaessig erneuert, ich wuesste nicht wo das Problem liegt. Ich finde es grossartig, dass dieser Platz von der Oeffentlichkeit so genutzt werden kann, dementsprechend intensiv ist die Beanspruchung. Die Kosten dafuer sind doch mehr als gerechtfertigt. Und ganz ehrlich, 800 Euro durch mutwillige Zerstörung von einigen Duesen ist geradezu laecherlich gering.
    Jedes Graffiti auf nem Ubahnwagen kosten mehr zum entfernen.

  • Leider ist die Rasenkur ja stets nicht von Dauer. Nach wenigen Wochen sieht der dem Reichstag zugewandte Teil wieder wie eine Schlammwüste aus.
    Ich hatte ja hier schonmal irgendwo angemerkt, dass ich das für eine Fehlplanung halte. Der Vorplatz des Reichstages ist angesichts der Besuchermassen zu klein. Zumal ein guter Teil ja seit Jahren auch noch abgesperrt ist.

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  • Genauso ist es. Statt jedes Jahr 50.000 Euro wortwörtlich in den Sand zu setzen, sollte man den besonders stark genutzten Teil vor dem Reichstag einfach mit Steinen pflastern und das dadurch eingesparte Geld besser in den Lustgarten stecken, der dringend mehr Pflege nötig hätte.

  • Neubau der Löwenbrücke

    Seit 2008 (!) war die kleine, aber feine Löwenbrücke wegen Baufälligkeit gesperrt und wurde später abgebaut. Dementsprechend gibt es zwei uralte Beiträge, in denen die Brücke erwähnt wurde: Hier und hier. In meinem Foto von 2011 ist die gesperrte Brücke noch zu sehen. Lage siehe OSM.


    Zwischenzeitlich wurden die Planungen zum Neubau unbefristet zurückgestellt. Inzwischen wird sie nach über 15 Jahren (!) endlich wieder aufgebaut, zumindest verspricht dies das Bauschild vor Ort und es sieht dort auch tatsächlich nach Bautätigkeiten aus. In Q1 2025 soll sie fertig sein. Wir werden sehen:


    loewenbruecke01.jpg


    loewenbruecke02.jpg


    loewenbruecke03.jpg