Rund um die Siegessäule - Großer Tiergarten

  • Zurück zum Thema Denkmalsanierungen. Hier wünsche ich mir, dass bei preußisch-deutschen Denkmalen in Zukunft genauso gründlich und vorbildlich vorgegangen wird wie bei sowjetischen Ehrenmalen. Dabei sollte man das Ziel verfolgen, die Monumente so weitgehend wie möglich in ihren Originalzustand zu versetzen.


    Konkret für das Bismarck-Nationaldenkmal hieße das, Nachgüsse der verlorenen Bronzereliefs anzufertigen, die ursprünglichen Proportionen wiederherzustellen sowie störendes Buschwerk zu entfernen. Im Falle der Siegessäule müssten beispielsweise fehlende Reliefdarstellungen ergänzt und unschöne Einschusslöcher beseitigt werden.


    Nach Abschluss der Bauarbeiten auf der Spreeinsel könnte man sich dann der Rückgewinnung künstlerisch wertvoller Ensembles, wie des Nationaldenkmals Wilhelm I. vor dem Stadtschloss sowie der Reiterstandbilder Friedrich Wilhelm III. im Lustgarten und Friedrich III. an der Spitze der Museumsinsel, widmen. Doch das ist wieder ein anderes Thema.

  • Ich störe mich an den Panzern auf dem sowjetischen Siegesdenkmal nicht besonders. Wie hier schon angemerkt wurde, sind Waffen oder andere militärische Geräte eigentlich seit jeher Bestandteil von Denk- und Mahnmalen. An der Siegessäule befinden sich erbeutete Geschützrohre und auf vielen Kriegerdenkmälern schultern Soldaten Gewehre und ein Schwert, auf das sich Bismarck in Hamburg stützt, dient auch nicht zum Acker pflügen. Hier kommt noch der Entstehungszeitraum von wenigen Wochen nach Kriegsende hinzu.
    Die sowjetischen Ehrenmale in Berlin sind allein schon architektonisch erhaltenswert. Darüberhinaus sind sie Kriegsgräber. Gleichwohl sollte man sich von den Dimensionen und natürlich beabsichtigten Wirkungen auf den Betrachter nicht einlullen lassen. Verklärungen, wie neulich in der ZEIT zu lesen, sind sicherlich unangebracht. Dann sollte man sich immer klar machen, dass die Sowjets diesen Krieg nicht geführt haben, um Europa von den Nazis zu befreien. Das hat sie bis 1941 nicht gestört, ganz im Gegenteil. Auch hat die eigene Form der Kriegsführung wahrscheinlich hunderttausenden von Soldaten und Zivilisten unnötig das Leben gekostet. Ich denke, dass sollte man auch angesichts der natürlich noch schrecklicheren Alternative eines deutschen Sieges sagen dürfen.
    Wenn ich bei einem Unfall nicht drauf gehe, sondern nur beide Beine verliere, feier ich ja auch nicht jedes Jahr den Verlust meiner Beine.

    2 Mal editiert, zuletzt von Saxonia ()

  • Die Siegesallee, die nach der Umgestaltung der Ost-West-Achse im Zuge der Germaniaplanungen vom Kemperplatz (wo die Tiergartentunnel-Einfahrt ist) zum Großen Stern führte, sollte m.E. unbedingt wieder entstehen. Aus rein parkästhetischen Motiven heraus :)
    Der Name Siegesallee ist dabei etwas irreführend. Kein konkreter Sieg, sondern 500 Jahre Brandenburg-Preußische Herrscher (jeder mit seinen eigenen Siegen) wurden gehuldigt. Im Grunde nichts anderes als x mal Königin-Luise-Denkmäler in Reih und Glied in wilhelminischem Zeitgeschmack. Die Hälfte der "Puppenallee"-Figuren gibt es noch im Lapidarium der Zitadelle Spandau zu sehen.

  • Neue Übersichtspläne im Tiergarten

    Im Frühjahr 2011 hatte ich in diesem Beitrag #109 (9. Foto) u. a. die neuen Übersichtspläne im Großen Tiergarten gezeigt, die damals die ganz alten aus der Vorwende-Zeit ersetzten.


    Keine 3 Jahre später wurden inzwischen wieder andere, noch neuere Pläne aufgestellt. Farblich sind sie etwas blasser, zeigen aber mehr Details, auch zur umgebenden Bebauung. Diese Gesamtübersichts-Pläne wurden an allen Haupt-Zugangswegen aufgestellt:




    Hinzu kommen an unterschiedlichen Stellen "Detailkarten", die einzelne Teilgebiete des Tiergartens genauer vorstellen:



    Außerdem wurden zahlreiche neue Wegweiser aufgestellt, die auf einzelne Sehenswürdigkeiten (Plätze, Denkmäler usw.) im Park hinweisen:




    Hier zum Vergleich noch einmal die alten Übersichtspläne. Zunächst der von 2011:



    Und der ganz alte aus Mauerzeiten:


    2 Mal editiert, zuletzt von Backstein () aus folgendem Grund: sw

  • Pergola im Rosengarten restauriert

    Auch hier dauerten die Restaurierungsarbeiten scheinbar ewig, aber jetzt ist die Pergola im Rosengarten des Großen Tiergartens endlich wiederhergestellt. Baugeräte und -container sind weg, jetzt fehlt nur noch mehr Grünzeugs (und natürlich die Rosen), aber das ist ja im Kommen:





    Dieser letzte Drahtgitterzaun muss noch weggeräumt werden:


  • Das Ergebnis ist ein merkwürdiger Mix von Alt und Neu. Das Holz oben drauf erschient mir arg hell. Und man sieht weit und breit keine Pflanze, die auf absehbare Zeit diese Pergolen umranken würde.


    Ich werde da frühestens in 5 Jahren wieder hingehen, wenn es vielleicht wieder etwas eingewachsen ist und der helle Stein etwas patiniert ist.

  • (...) jetzt fehlt nur noch mehr Grünzeugs (und natürlich die Rosen), aber das ist ja im Kommen:


    Was demnächst sicher auch noch kommt, sind ausgedehnte Graffiti. Schließlich sind wir in Berlin. ;)

  • Metamizol
    Im allgemeinen und im Tiergartenfall im Speziellen kann ich sagen, dass er von Graffittis und anderem Rowdytum doch ziemlich verschont ist. Schliesslich sind wir hier in Berlin!


    Um dem Altern des hellen Steins nachzuhelfen kann man ja auf einen bewährten Gärtnertrick zurückgreifen und ihn mit Naturjoghurt bestreichen. Das hilft ungemein. Also lieber Graffitti mit Joghurt :)

    3 Mal editiert, zuletzt von Camondo ()

  • Das Ergebnis ist ein merkwürdiger Mix von Alt und Neu. Das Holz oben drauf erschient mir arg hell. Und man sieht weit und breit keine Pflanze, die auf absehbare Zeit diese Pergolen umranken würde.


    .



    Kein Problem, die Zeit heilt Wunden. Auch bei den Fellini-Residences?

  • @ BerlinExCinere und Metamizol:


    Da wird eine verfallene Pergola als Teil eines Gartendenkmals wieder aufgebaut und ihr könnt nur meckern ;).


    Dass nicht mehr vorhandene Träger und Säulen durch neues Material ersetzt werden müssen, ist unumgänglich. Dass solche "arg hellen" Holzgitter weiß gestrichen sind, ist nicht unüblich und
    wahrscheinlich war der Orinialzustand ebenso. Zudem wird das weiß schnell verblassen.


    Dass es kurz nach der Fertigstellung noch unbewachsen und kahl aussieht, ist logisch. Aufgrund der Lage im Freien und in einem Park wird es sicher keine 5 Jahre dauern, bis die Pergola wieder bewachsen ist und Patina angesetzt hat. Und wie Camondo schon sagte, im Tiergarten ist Graffiti eher selten anzutreffen.


    Man kann sich doch einfach auch mal freuen, dass so ein Gartenbaudenkmal wiederhergestellt wurde.

  • Ich frage mich auch, ob diese Maßnahme in diesem Umfang tatsächlich nötig war. Waren denn die Steinsäulen kurz vor dem Bersten, dass sie so umfangreich ausgetauscht werden mussten?


    In Deutschland ist man da ja etwas paranoid, in anderen Ländern ist man da entspannter und lässt Alterungsprozesse eher zu.

  • Eine zeitgenössische Neubewertung solcher Denkmäler sollte durchaus öfter geschehen. Meiner Meinung nach sind die Panzer durchaus ein Symbol der (ja auch tatsächlichen) Unterdrückung und haben mit dem Gedenken an die Kriegsopfer nichts zu tun und gehören entfernt.

  • Es gibt viele Wahrzeichen, die man mit Krieg, Unterdrückung und co. in Verbindung bringen könnte. Die Berliner Mauer z.b. ebenso.


    Trotzdem spreche ich mich ausdrücklich gegen die Auslöschung solcher Zeitzeugen aus. Viele dieser Mahnmale, Denkmäler, Mauern und co. haben nämlich auch eine Wirkung aus Mahnmal für kommende Generationen eben gerade auch gegen das, was sie teilweise verkörpern. So steht die Berliner Mauer auch als Zeitzeuge und Mahnmal und erzählt ein Stück Geschichte.

  • Berlin würde ziemlich schlecht aussehen, wenn Necrokatzen unsere Stadt plant. Keine Mauer mehr, keine sowjetischen Ehrenmale. Ich wundere mich echt, wie man so gegen die East Side Gallery agitieren kann - oder gegen das Mahnmal. Am besten noch die Gedächtniskirche wegmachen.

  • ^Wäre die Hinterlandmauer an der Mühlenstraße nicht mit Streetart bemalt und so ihrer zeithistorischen Zeugenschaft vollständig entkleidet, würde sie jeder abbrechen oder zumindest perforieren wollen.


    Aben bunt anmalen wäre wirklich eine gute Idee für die beiden T-34 am Brandenburger Tor.

  • Irgendwie eine müßige Diskussion und ich verstehe auch die Redakteure der BILD an dieser Stelle nicht, die wissen es sicher besser.


    Die sowjetischen Ehrenmale genießen aufgrund bilateraler Verträge zwischen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland Bestandsschutz. Eine bauliche Veränderung oder gar ein Abriss wären eindeutig völkerrechtswidrig.


    "Wir" haben uns zu Erhalt und Pflege der Denkmäler, die übrigens auch Grabstätten sind, aus guten Gründen verpflichtet und jetzt sollten "wir" uns daran auch halten!


    PS: Bitte jetzt nicht mit Krim und Co polemisieren ;)

  • Da haben BILD und BZ wirklich mal wieder den Vogel abgeschossen :lach:
    Ob die Panzer nun gefallen oder nicht, Denkmale sind immer in Ihrer Zeit entstanden. Diese zu tilgen oder zu ändern ist nun wirklich absoluter Quatsch und nimmt ja schon fast revisionistische Züge an. Ob Panzer nun das richtige Mittel sind oder nicht ist eine ganz andere Frage, die sich aber damals nicht gestellt hat. Abgesehen von dem Vertragsbruch der sich ergeben würde ist eine Diskussion darüber nur Müßig und alles andere als angebracht. Die "Redakteure und Journalisten" der oben genannten Zeitungen haben wirklich keine ernsthaften Probleme denke ich. Als alternative Petition schlage ich vor, die Berliner Siegessäule zu sprengen (was die Franzosen nach dem Krieg ja auch vorhatten, es wurde aber eben NICHT umgesetzt), da die Kanonen und das Gedenken an die Schlacht von Sedan ja nun wirklich unangebracht sind!

  • ^Wenn das Ändern von Denkmalen Revisionismus wäre stünde bald die ganze Welt still. Die Beurteilung der Vergangenheit von Vorgängen ändert sich nunmal, ob man es mag oder nicht. Man kann doch nicht einfach die Erde in ihrer Veränderung anhelten - ein recht naiver Gedanke.

  • Da kann man drüber denken wie man möchte, ich werde mich hier sicherlich nicht aufschwingen und versuchen jedem meine Meinung aufzudrücken. Naiv finde ich die Annahme in diesem Fall aber nicht. Ich habe niemals gesagt, dass ich Veränderungen (der Erde) aufhalten möchte. Es gibt aber ein paar Dinge, die in Deutschland nun mal nicht vergessen werden dürfen. Ob und wie gedacht wird, steht in diesem Fall den Siegermächten zu.
    Das die Vergangenheit nach einiger Zeit anders beurteilt werden kann, stelle ich nicht in Frage, was das aber mit der Diskussion um die "Russenpanzer" am Brandenburger Tor zu tun hat erschließt sich mir nicht ganz.