Nochmal zum Planverfahren. Klar laufen die beim Planungsamt, Abyssalon hat aber trotzdem nicht Unrecht. Im B-Plan zu den Höfen wurde immer vom Erhalt der denkmalgeschützten Fassaden gesprochen. Lediglich in einem kleinen Passus wurde auf einen existierenden Vergleich zwischen Investor und damaligen RP zum Umfang und Erhalt der Fassade hingewiesen. In der Änderung zum B-Plan ist dann auch von dem 15 m zu erhaltenen Fassadenausschnitt zu lesen. Nur gab es da ja auch noch im Vorfeld ein Informationsblatt des Stadtplanungsamtes zur frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und darin ist nichts von dieser wesentlichen Änderung zu lesen. Hier wurde dann nur über B-Plan Änderungen, die sich "sachlich auf das veränderte Erschliesungskonzept beschränken" , informiert. War das nun Zufall oder wollte man hier unnötige Diskussionen vermeiden? Ein Investor beantragt i.d.R. alles, was für ihn nützlich und möglich ist - die Stadt hat die Planungshoheit und entscheidet letztendlich über Tun und Lassen. Insofern hat Abyssalon Recht. Aber nochmal drüber nachgedacht: Sandstein wird unter großer Hitzeeinwirkung (wie hier durch die Brandbomben) zu Glas, oder?
Leipzig: Höfe am Brühl (eröffnet)
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Aber nochmal drüber nachgedacht: Sandstein wird unter großer Hitzeeinwirkung (wie hier durch die Brandbomben) zu Glas, oder?
Wurde Dresden im Februar 1945 zur Smaragdenstadt?! Das Gebäude wurde 1943 von Phosphorbomben getroffen. Erste Sicherungsmaßnahmen fanden erst nach Ende des 2. Weltkrieges statt und waren sehr mangelhaft (vgl. Artikel "Ein Haus ist emporgewachsen - aus der Geschichte der 'Blechbüchse'", Leipziger Blätter Heft 40, 2002.). Das heißt, als 1966 mit dem Umbau begonnen wurde stand das Haus bereits 23 Jahre relativ ungeschützt. Die glänzende Alu-Fassade musste ja nach diesem Zustand regelrecht wie ein Raumschiff vom anderern Stern wirken.
Worüber und in welchem Umfang das SPA über Vorhaben und Veränderungen informiert - da darf man meiner Meinung sicher sein: Der Kunde ist König
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Von Bodenburgs Aktion berichtete auch das ZDF. Viel ist dem Beitrag aber nicht zu entnehmen, es wird nicht darauf eingegangen, dass die "berühmte Aluminiumfassade" wieder angebracht wird, und es wirkt eher, als ginge es den Protestierenden um die Alufassade. Undifferenziert auch der Kommentar zu den Kriegsschäden ("[...] Im Krieg zerstört, wurde es wieder aufgebaut [...]" Besonders schön auch der Wortlaut einer Bürgerin, für die die Blechbüchse Menschen aus der ganzen Welt nach Leipzig lockt.
Hier der Link: http://www.zdf.de/ZDFmediathek…pzig:-Rettet-das-Kaufhaus -
Hm, super Beitrag, ein Glanzlicht des investigativen Journalismus, ähnlich wie vor kurzem bei der Causa Unister. Wie fast immer bei solchen Fernsehbeiträgen werden nachher die mit Abstand dämlichsten Wortmeldungen ausgestrahlt, kein Wunder also, dass die Ossis gemeinhin als beschränkt gelten.
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Ja, gegen diese argumentativ überzeugende Wortmeldung ist einfach kein Kraut gewachsen. Es geht um den Erhalt der Blechbüchse, Pardon, um den Erhalt der Hänsel-Fassade, und die Frau redet wirr von Glaspalästen, die im Emsland stehen, oder in Paris oder sonstwo.
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Menschenketten-Aktion um Brühl
Da ich momentan mit Herrn Bodenburg in Verbindung stehe, plant er eine Menschenketten-Aktion um die Brühl-Baustelle. Alles soll am Samstag, 17.04.2010 ab 16 Uhr stattfinden.
Seit dabei, vielleicht bewegt die mfi doch noch etwas. Wenn nicht, verbreitet diese Info einfach weiter. Dankeschön!
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BRÜHL-ABRISS - AKTUELL
...und der Abriss geht weiter >>
Der Abrissbagger naht sich Tag für Tag an das alte Kaufhaus am Brühl.Weitere Bilder auf http://baustelle.stadtbild-leipzig.de <<
So wie es aussieht, startet nächste Woche der Abriss des Kaufhauses. Heute Mittag hatte man am Richard-Wagner-Platz einen Teil des Bauzauns vergrößert.
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@ Dave
Was genau erhofft man sich von einer Menschenkettenaktion die doch ganz offensichtlich zum Scheitern verurteilt ist?
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LE Architekt - Man versucht es einfach, nutzt die Chance. Auch wenn es nicht klappt, was ich nicht bezweifel, hat man es trotzdem versucht. Abgesehen davon, kann man ja ein Zeichen setzen, dass es tatsächlich noch Bürger gibt, denen ihr Stadtbild nicht egal ist. Das muss nicht gerade voll auf das Kaufhaus am Brühl bezogen sein.
P.S. Auf jeden Fall ist diese Veranstaltung natürlich interessant. Ich werde da sein
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als denkbare alternative wäre ein gewisses wellenreiten von herrn bodenburg natürlich auch vorstellbar.
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ENTWURF FÜR BRÜHLSCHE HÖFE
Den o.g. Namen, der auch in Betracht für das neue Shoppingcenter gezogen wurde, finde ich natürlich schöner als Höfe am Brühl - jedoch besser als Brühl Acarden.
Auf der Seite des Architekten Friedrich Humbeck aus Stuttgart habe ich diese Projektstudie entdeckt >> http://www.humbeck-architekten.de/index.php?path=projects|---Projektstudien|------Handel|0
Sieht eigentlich gar nicht mal so schlecht aus.
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^ Weder Name noch Entwurf gefallen mir. Die nach oben hin offene Passage versprüht für die Leipziger Innenstadt zu wenig Urbanität. Architektur und Qualität sind zudem eher mittelmäßig. Nach wie vor halte ich den Entwurf von Grüntuch & Ernst für den besten.
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^Ist schon schick. Aber ARCADEN ist ehrlicher, weil gleichgültiger. Gleichgültige Architektur für Allerweltshausen.
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mfi hat auf den "offenen brief" (beitrag # 646) geantwortet und bietet an,
über den zu erhaltenden fassadenabschnitt hinaus weitere fassadenelemente beim abriss zu sichern, einzulagern und dadurch eine spätere nutzung durch dritte zu ermöglichen. -
Ist diese Antwort irgendwo einsehbar? Oder wie wurde das verbreitet?
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Die Humbeck-Skizze gefällt mir überhaupt nicht, das wirkt eher wie eine Remineszenz an die vormaligen Plattenbauzeilen. Mit dem Charakter der Innenstadt hat das noch weniger zu tun. Der Name ist auch unpassend, bei "Brühlsche..." denkt man natürlich unwillkürlich an Dresden.
@673: Das ist meines Erachtens im Moment das Beste, was man jetzt noch erreichen kann. Allerhöchstens ist ohne größere Umplanungen vielleicht der Erhalt eines größeren Anteils der alten Fassade unter dem wieder anzubringenden Alukleid möglich, ich weiß naturgemäß nicht, ob es da statische Bedenken gibt. Der Wunsch der Stadt war ja, beide Fassaden im Kontext zu erhalten. Noch eventueller könnte mfi den Abstand beider Fassaden etwas erhöhen und einen Parcours einbinden, mit dem die Besucher der Höfe die alte Fassade, zum Beispiel zum Teil originalgetreu rekonstruiert, zum Teil gesichert und im gegenwärtigen Zustand belassen, hautnah erleben könnten. Das wäre doch in vielerlei Hinsicht - vor allem dokumentarisch - eine interessante Lösung. Alternativ könnte auch ein Abschnitt der restaurierten Hänselfassade hinter halbtransparenten müllerschen Fassadenelementen (ein großer Teil muss ja sowieso ersetzt werden) je nach Illumination von außen sichtbar gemacht werden. Das stelle ich mir in seiner Wirkung doch recht spektakulär vor. Fast ein bißchen dick aufgetragen für ein Parkhaus. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Ideen in der Planungsphase auch erwogen wurden. Schade, dass die Entscheidung des Investors für eine doch eher rabiate Lösung fiel.
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Deine erste Idee kam mir so ähnlich auch schonmal. Find ich gut. Schlag das mal vor
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Hab ich ja gerade, soll ich etwa an mfi schreiben (die lesen hier doch sowieso mit)?
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Na hoffentlich. Vllt. an das Stadtforum oder Herrn Bodenburg...? Ich weiß nicht, wie realistisch Chancen bei sowas bestehen, aber ich halte das für sinnvoller als anketten oder Menschenketten bilden. Aber gut, dass mfi zumindest entgegenkommen signalisiert. Da bin ich recht positiv überrascht.
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Na klar, der Sympathiedruck ist ziemlich groß, - wenn das Einkaufszentrum, das ja sowieso in der Bevölkerung sehr umstritten ist, mit einen groben Schnitzer startet, könnte es vielleicht wirklich eine groß aufgezogene Boykott-Kampagne geben. Das Geschrei wäre aber mindestens genausogroß gewesen, hätte man die Blechhülle entsorgt, da gebt euch mal keinen Illusionen hin. Tja, mfi stiefelt hier auf vermintem Gelände rum, schon die Entscheidung im Stadtrat war eine Zitterpartie. Ich denke schon, dass auf ein Entgegenkommen gebaut wird, zumal ja bei einem Investitionsvolumen von 200 Mio. Euro die paar Peanuts auch noch drin wären. Viel schlimmer, wenn wie beim Bildermuseum bei jeder Gelegenheit gegen den vermeintlichen Schandfleck geätzt wird. Sowohl für die Mieter als auch für's Publikum ist ein positives Image viel wert (ins Bildermuseum gehen trotzdem genug Leute).