Stadtschloss Berlin: Der Thread für den Wiederaufbau

  • Die Infobox oder was meinst du? Der offizielle Name lautet nun Temporäre Kunsthalle Berlin. Vielleicht sind die selbst darauf gekommen, dass eben weder Farbe noch Form für diesen stimmen. White Cube scheint allerdings eine Art Fachbegriff zu sein...


    Ich würde gerne mal die legendäre Betonwanne des PdR sehen...

  • Weiss jemand, ob im Zuge der Fassadensanierung des Neuen Marstalls wenigstens der nach dem Krieg entfernte Tympanon der Hauptfassade wieder hergestellt wird? Auf dem ersten Bild erinnern die Treppenkerne an mittelalterliche Geschlechtertürme.

  • Weiss jemand, ob im Zuge der Fassadensanierung des Neuen Marstalls wenigstens der nach dem Krieg entfernte Tympanon der Hauptfassade wieder hergestellt wird? Auf dem ersten Bild erinnern die Treppenkerne an mittelalterliche Geschlechtertürme.


    Keine Ahnung, aber ich denke, wohl kaum...
    Ich habe mir mal angesehen wie der Marstall früher aussah und...wow...ein Gebäude so zu entstellen ist auch schon eine Kunst für sich. Damals stand da dieses Prachtgebäude:
    http://commons.wikimedia.org/w…Marstall,_Berlin_1900.png
    Und die Innenräume (Reitsäle und Hallen für Kutschen) waren auch mal ein echter Hingucker, wie ich recherchiert habe...

  • Tja, die Nischen der Brunnen zieren jetzt diese wahrscheinlich erhaltenswerten, aber bei weitem nicht so schönen kommunistischen Reliefs und der Tympanon wird wohl - wenn überhaupt - auf eine weitere Mega-Spende von Wall o.ä. warten müssen. Viellecicht wenn das Schloss erst mal steht und der Brunnen (hoffentlich) wieder an den Schlossplatz zurückgekehrt ist...

  • Da schrieb wohl ein Palast-Fan beim BK. Demnach ist die Architekten-Jury die alsbald den Siegerentwurf küren soll sehr unzufrieden mit den Gestaltungsdiktat des Bundes und präferiere einen modernen Neubau. Eine gegenseitige Meinung findet sich bei der Bild.


    Die Berliner Zeitung meldet zudem, dass bis Jahresende auch die Treppenhäuser entgültig verschwunden sein sollen.


    Und zu guter letzt: Polemik beim TS; 7 Gründe waum aus dem Schloss nichts Gutes werden könne:


    1. Das Schloss wird zu teuer
    2. Das Schloss ist eine Mogelpackung
    3. Das Schloss ist zu klein
    4. Der Humboldt-Gedanke ist Humbug
    5. Die Traditionalisten ziehen die Modernisten über den Tisch
    6. Das Schloss ist ein Anachronismus
    7. Nur wer sich ändert, bleibt sich treu


    Es darf diskutiert werden :)

  • Das ist der letzte traurige Versuch, noch einmal Verwirrung zu stiften. Es lohnt nicht, sich damit auseinanderzusetzen. :)

  • Hab heute eine Leserbrief-Mail an den SPIEGEL geschickt, der ins gleiche Horn stößt wie der Tagesspiegel. Meine Meinung:
    Das Schloss Charlottenburg wurde auch im Weltkrieg bis auf die Grundmauern zerstört und sorgfältig rekonstruiert. Hätte man in den 50er Jahren beschlossen, es "in der Kubatur des Schlosses und mit (damals) moderner Architektursprache" wieder aufzubauen - Mal ehrlich: wie würden wir heute wohl darüber urteilen?:confused:

  • Guter Punkt, wobei "die" bestimmt auch da was zu mäkeln finden würden.


    Verrät Frau Weinmiller nicht schon ihren Beruf, wie sie es in einem der anderen aktuellen Artikel den Befürwortern vorwirft, indem sie dort mitmacht? Die hist. Fassade ist doch nun mal Vorgabe, wer also mitentscheidet entscheidet - wenn vielleicht auch unfreiwillig - für diese. Über die Vorgaben wurden die Juroren ja nicht erst gestern aufgeklärt. Wenn einigen der Juroren der Sache von vornherein ablehnend gegenüber stehen, dann den Juroren-Posten doch lieber dankend ablehnen und so seinen Standpunkt klarstellen, auch wenn diese Stimmungsmache vielleicht zu deren Strategie gehört.


    Aber ist aber schon spannend das ganze. Nach all den Jahren Gerede und Gestreite gibts nun in 2-3 Wochen endlich ein (vorläufiges?) Erebnis! Mal schauen, was es dann zu diskutieren geben wird :).

    Einmal editiert, zuletzt von Ben ()

  • Tja, da schauste ;)!? Naja, rekonstruiert, wie es das Stadtschloss sein wird, ist es nun nicht. Aber es hat ebenfalls ganz schön was auf den Deckel bekommen und man hat sich mit der Genehmigung der Sicherungsmaßnahen und der Wiederherstelungarbeiten auch ziemlich schwer getan. Ich möchte mir nicht vorstellen wie eine zeitgenössisch gestaltete Kuppel in alter Kubatur als Kontrast ausgesehen hätte. Aber stört es heute jemanden? Glaube nicht...Und die Tatsache, dass es mal zerstört wurde, steht in den Reiseführern und auf den Infotafeln.

  • Die jetzigen Vorgaben, mit drei originalgetreuen Fassaden & einer modernen sind ein Grauen, die Pest, die schlimmste Kopf-Kompromissgeburt die überhaupt denkbar ist.


    Entweder man baut komplett historisiert oder total neu.


    Bei den momentan Planungen bekomme ich terroristische Gedanken.

  • Nun hat sich auch Bundesminister Tiefensee zum Streit geäußert und bekräftigte die Absicht des Bundes die 3 Schlossfassaden zu rekonstruieren. Außerdem wurde das Vergabeverfahren für die Humboldtbox begonnen in der von 2010 - 2013 eine Info-Schau, ein Museumsshop, ein Café und eine Aussichtsterrasse beherbergt vorgesehen sind.


    Ehrlich gesagt finde ich diesen neu aufgeflammten Streit auch ziemlich überflüssig; vor allem jetzt so kurz vor der Entscheidung (das hätte der Jury eigentlich eher einfallen sollen).


    Ben
    Das mit dem Schloss Charlottenburg war mir auch noch nicht bekannt; danke für die Info.

  • Was ist mit #8: Das Schloss war schon früher städtebaulich schlecht.


    Ich persönlich mag Solitäre in der Stadt nur in Ausnahmefällen, wenn die Umgebung so geschaffen ist, dass sie das auch verträgt, also wenn die Stadt über einen großen Baubestand äußerst schlichter harmonischer Bebauung verfügt, die eine solche Akzentuierung verträgt. In Berlin ist das nicht der Fall, das Umfeld mit den Museen, dem "Dom", den irgendwann der Bauakademie und der Friedrichswerderschen Kirche ist so heterogen, dass man da nur ein Gebäude bauen kann, das ganz dezidiert auf diese Situation eingeht. Das Schloss verweigert sich aber vollends diesem Ort.


    Wie gesagt mag Ich keine Solitäre, Ich kann aber in jeder korrektur sehen, wie von 15 Kommillitonen 10 wieder einen Solitär in eine ehemals dichte, urbane Stadt setzen. Mittlerweile kann Ich da sogar ein Entwurfsprinzip erkennen:


    1. Zuallererst wird ein Klotz genommen, egal welche Form das Gebäude haben soll und auf das Grundstück gestellt. Um schon in diesem noch konzeptlosen Stadium schon klarzustellen, dass es ein Solitär ist, wie dieser um etwa 15° nach links oder rechts gedreht.
    Im 3.Semester haben es während der ersten Chefkorrektur 18 von 20 Studenten (mich damals eingeschlossen) geschafft zu sagen: Damit das ein Solitär wird, dreh Ich den aus der Strassenachse raus.


    2. Danch der ersten Solitärfindung kommt Phase 2 des Grauens, denn jetzt gilt es das Bauvolumen zu Formen, die Nutzungen zu verteilen und sich grob über die Erschließung klar zu werden. Hier könnten (im Normalfall) Dinge kommen, wie ein großes sich zum städtischen Raum öffnendes Foyer, vielleicht mit einer einladenden Treppe, aber wo soll die hin, in den Norden, wo die ganzen Leute sind, oder in den Süden wo die warme Sonne draufschein?Vielleicht gleidert man sein Gebäude in mehrere Teile und komponiert die zu interessanten Räumen, die Einganssituationen Markieren, je für verschidene Nutzungen da sind etc, aber dann ists ja kein Solitär mehr.
    Nomalerweise wird dann Trick 17 angewandt, man erschließt das Gebäude durch eine Art innerer Kern, der alle Funktionen verbindet, die eigentlichen Räume zentriert man dann auf die Mitte und doch nicht nach außen. Wunderbar, so hat man eine einfache Erschließung und muss sich nicht drum scheeren, wie sich die verschiedenen Nutzungen nach außen zeigen.


    3. Da sind wir auch direkt bei 3. Wenn sich alle Räume wie gesagt nach Innen orientieren, dann kann Ich auch die Fassade viel einfacher gestalten. Da nimmt man sich dann ein Fassadenraster (glücklicherweise sind die Kantenlängen eines Würfels ja gleich, da muss man dann nichtmal rechnen) und klebt die gleiche Fassade ein Mal um das Ganze Gebäude drum herum. Da kommt natürlich das Problem auf, dass man so ein Raster bis ins Unendlich erweitern kann, jetzt müsste man sich wie van der Rohe, oder die Griechen bei ihren Tempeln eine besondere Ecklösung einfallen lassen. Bestes Beispiel auch hier wieder der Cube am Bahnhof. Es scheint heutzutage wie leider auch früher schlicht zu viel Arbeit eine Gebäudeecke ordentlich zu detailieren.


    Das Stadtschloss erfüllt zwar nicht alle Punkte, die mir immer wieder sauer aufstoßen ist aber kreativ immer wieder neue Missgriffe zu offenbaren.

    • aus dem mittlerweile veränderten Kontext erscheint das Gebäude wie ein Klotz den man aus dem Strassenraster, also maßgeblich den Linden heraus gedreht hat
    • das Gebäudevolumen ist praktisch unbearbeitet, ein Ehrenhof hin zum Lustgarten und den Linden wäre perfekt gewesen
    • abgesehen davon, dass Schlüter versucht hat, die Risalite vor wichtige Räume zu positionieren (meist sind dahinter ja Säle im GR) läuft das Fassadenraster einfach Meter für Meter des Schlosses ab, unbeeindruckt davon, was es da gerade verhüllt
    • das Gebäude ist nirgends zum städtischen Raum hin orientiert. Es ist ein introvertiertes, verschossenes Gebäude. Wenn Ich von den Linden herkomme, wo muss Ich denn da rein, wenn Ich zu Kapelle/Thronsaal/Ballsaal/Kaiser will? Das Gebäude hat kein Zentrum, es ist eher wie ein baublock mit 20 verschiedenen Gebäuden und Nutzungen.
    • den beschissendsten Ort hat man sich für die Kuppel ausgesucht, nur oben auf dem Apothekerflügel wäre noch grausamer. Gerade dort ist der Stadtraum besonders eng, gerade da quetscht sich das Schloss bis zum äußersten an den Kupfergraben. Zudem zerreißt das den Blick aus den Linden auf den Lustgarten, weil der städtebauliche Leuchtturm am falschen Platz steht.


    Ich bin der Ansicht, dass besonders gelungene Stadträume entstehen, wenn sich diese über Generationen hinweg verändern. Die Grundanlage ist nie das Gelbe vom Ei, erst das ausprobieren und verändern macht einen Stadtraum schön. Wenn immer wieder Menschen kommen und das was sie gerade stört entfernen, eine neue Idee verwirklichen, und so den Stadtraum harmonischer machen. Es ist wie bei einer Waage, die man auch nicht meit einem einzelnen Gewicht ausgleiche kann, sondern die man mit immer kleineren Gewichten in die Waage bringt. Das Statdschloss ist ein Relikt, dass sich nie grundlegend verändert hat, nie der veränderten Umgebung Respekt gezollt hat. Für einige der umgebenden Gebäude wie das alte Museum war es Bildgeber doch kann es den Ansprüchen die heute noch viel extremer sind als vor dem Krieg überhaupt nicht entsprechen. Berlin hat sine Zentrum so oft umgebaut, immer wieder neue Anläufe gemacht, dieser Schlossbau ist wieder ein Kapitel einer vergebenen Chance.







    Die Jury kritisiert denke Ich jetzt gerade so viel, weil sie die Entwürfe in Händen hält und ein adäquate Lösung für Berlins Mitte finden muss. Könnt Ihr euch vorstellen, dass man jetzt der Meinung ist sogar den Beweis dafür zu haben, dass die stringenten Regeln des Bauherren zu halbgaaren Lösungen führen? Ich habe hier schon einmal darüber geschrieben, dass Ich der Meinung bin, dass Grenzen irgendwann einfach zu starr sind, um überhaupt noch ein angemessenes Resultat zuzulassen, dass man das jetzt an den Entwürfen sieht wundert mich nicht und wahrscheinlich auch sonst keinen hier im Forum. Wenn man merkt, dass man keine angemessene Lösung unter den Kriterien des Bauherrn findet, dann ist es auch die Pflicht der Jury das so zu sagen. Sind euch Architekten ohne Engagement lieber die sagen: Ist zwar Schrott, aber was besseres wurde uns nicht geliefert? Wollt Ihr nur das kleinste eingereichte Übel oder eine Lösung? Solange die Jury-Mitglieder den Wettbewerb nicht manipulieren und vorsätzlich einen (besonders) schlechten Entwurf zum Sieger küren gilt auch für diese Meinungsfreiheit.






    Als diese komische Wanderausstellung "Wiederaufbau-Berliner-Stadtschloss" in Braunschweig, also im EKZ hinter der Schlossfassade war, durfte Ich einem Vertreter des Förder"vereins" ein wenig zuhören. Der meinte, heute würde man Berlin nur mit Nazis un der Mauer in Verbindung bringen, mit dem Humboldt-Gedanken würde das komplett geändert, die Menschen die D. besuchen würden dann ein seit Jahrhunderten weltoffenes Land finden und nicht mehr Mauer und Nazis. Unter Schenkelklopfern wie "das Berliner Schloss ist das architektonisch bedeutendste Werk des Barock nördlich der Alpen" und "wir sind auf dem besten Weg das Geld für die Fassaden einzuspielen" war das mein Favorit.:lach:

  • Danke für das Einreichen Ihrer Arbeit. Ich bewerte diese mit einer Gesamtnote von 3-.


    Zur Begründung im einzelnen:


    Der Autor versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten, die Entwicklung des Bauprojektes Humboldtforum zu beschreiben und zu bewerten. Leider wird auf die historische Bedeutung des Schlosses nicht eingegangen. Behauptungen von 15 oder 10 Kommilitonen und ihren Vorlieben können nicht belegt werden. Insgesamt ist die Quellenlage als dürftig zu bezeichnen. Es gelingt dem Autor nur ungenügend, seine persönliche Meinung von einer absoluten Aussage zu trennen, so finden sich wohlwollende Ansätze von "meiner Meinung nach", dicht gefolgt von Aussagen wie "das Gebäude ist nirgends zum städtischen Raum hin orientiert" ohne weitere Quellenangaben. Die Arbeit verliert im Verlauf deutlich an Profil aufgrund der zahlreichen Profanitäten wie "Klotz" oder "beschissen", welche auf mangelndes Wissen und Argumentationsvermögen hinweisen. Andere Ansichten oder vielzitierte Aussagen wie "das Berliner Schloss ist das architektonisch bedeutendste Werk des Barock nördlich der Alpen" werden undifferenziert als "Schenkelklopfer" abgetan. Der Autor hätte hier detaillierter auf die Baugeschichte und die Beiträge von Schlüter, Eosander, Gontard, Knobelsdorff, Stüler, Schinkel und Weitere eingehen müssen.


    Die Arbeit erfüllt trotz ihrer Mängel die Grundanforderungen der freien DAF Universität.



    Ein Zweitkorrektor wird bei Zeiten sein Gutachten einreichen.


    Gez.
    paderwan



    edit: mein Beitrag würde gerade wutschnaubend negativ bewertet, denn der obige Beitrag war ja undifferenziert "so klasse". Wieder mal jemand, der sich nicht traut, hier ordentlich und "öffentlich" zu argumentieren. Traurig.

    3 Mal editiert, zuletzt von paderwan ()

  • Eigentlich bin ich ja kein Defätist, aber bei dem Thema denke ich liegt in jeder Krise eine Chance...
    Zum Beispiel dafür, daß der ganze nostalgische Schloßreko-Mist in nicht ferner Zukunft eh gekippt wird, weil es dem Volke im Lande schwer vermittelbar sein dürfte, bei dem, was jetzt auf die Leute zukommt mal eben eine halbe Milliarde €s (oder realistischerweise eher eine ganze Milliarde?;-) zum Fenster rauszuwerfen, nur damit im Zentrum der Reichshauptstadt wieder alles heile Gänschen wird...
    Laßt den Schloßplatz liegen, gestaltet ihn so, daß man sich in der Zwischenzeit zumindest im Sommer gerne dort aufhält (im Winter sollte man in dieser Stadt die Wohnung am besten eh nur im Notfall verlassen), und in 20 Jahren sehen wir weiter, welche Bedürfnisse für diesen Ort da sind, und welches Bild von sich selbst dieses Land und diese Stadt da verwirklicht sehen will;
    vielleicht kommt dabei ja was 'rum, was heute noch gar niemand auf der Rechnung hat...

  • ....vielleicht (bzw. höchstwahrscheinlich) eher nicht.


    Es wird ja schon seit inzwischen 15 jahren debattiert und debattiert und debattiert und debattiert.


    Und es ist nix wirklich gutes "modernes" rausgekommen.
    Kein einziger Entwurf, keine einzige Idee, die so gut wäre, das man sie anstelle des jetzt geplanten guten Gewissens realisieren könnte.


    Und dieses Scheinargument von wegen "in heutigen Zeiten solch hohe Geldbeträge zum Fenster raus bla bla bla" kann ich echt nicht mehr hören. Es erstaunt mich viel mehr, das damit heute noch jemand umzustimmen sein soll...

    Einmal editiert, zuletzt von pflo777 ()