Neue Wache

  • Die Diskussion um die General-Standbider brauchen wir ja nicht erneut aufziehen, aber wenn die Orginalstandbilder Schutz bedürfen, macht es doch Sinn sie anderswo geschützt aufzustellen und durch Kopien zu ersetzen.

  • Leider habe ich den Verdacht, dass es sich bei der geplanten Aktion um eine Verdrängungstat gegen das liberale Preussentum und seine Vertreter handelt. Warum allerdings dann noch "Hardliner" wie Bismarck gut sichtbar im Tiergarten stehen ist mir schleierhaft. Hier wäre mal ein Machtwort nötig! Wer ein wenig die Geschichte kennt wird wissen, dass ohne diese Herren, die jetzt klammheimlich verschwinden sollen, und ihre aufgeklärte Gesinnung das heutige Deutschland trotz der Widrigkeiten des 20. Jahrhunderts so nicht existieren würde.
    "Wer seine Wurzeln nicht kennt, kennt keinen Halt." Stefan Zweig.

  • Oder das Standbild des Soldatenkönigs, das gegenüber der Bundeszentrale der Linken steht. Oder die Generale am Zietenplatz. Vermutlich würden die Mitglieder des Landesdenkmalrates argumentieren, das sei alles "im Einheitsrausch" aufgestellt worden - sowas mache man heute nicht mehr.


    Das Bürgerforum Berlin hatte sich in den Medien nett geäußert: unter diesen Umständen sei man für eine Rückführung des Reiterstandbildes Friedrichs II. nach Sanssouci, die Rückgabe der Schloßbrückenfiguren nach Westberlin und die Demontage der Quadriga auf dem Brandenburger Tor - solche Schönheit, wie die der Berliner Bildhauerschule sei den Zeitgenossen schlicht nicht mehr zuzumuten.

  • Die Gründe, die gegen die Aufstellung vor der Neuen Wache sprechen, sind hier ja nun hinreichend dargelegt worden. Ich denke, diese sollte man wenigstens nachvollziehen können. Jetzt den Vergleich des Ziehtenplatzes zu bemühen beleidigt unseren Verstand.

    Einmal editiert, zuletzt von Tomov ()

  • Dann beleidige ich deinen Verstand mal weiter. Ich halte hier überhaupt nichts für "hinreichend" dargelegt. Die hier vorgebrachten Einwände gegen eine Wiederaufstellung waren m.E. völlig hanebüchen und in der Begründung schlicht inkonsistent. Gleiches gilt für die Begründung des Landesdenkmalrates. Inwiefern beeinträchtigt die Aufstellung von Generälen der Befreiungskriege die "Bedeutungszuweisung der Neuen Wache als 'Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft'"? Wenn überhaupt, dann trifft das auf die Neue Wache als ganzes zu. Das ist ein militärische Gebäude. Den Giebel schmückt eine Viktoria inmitten von Streitwagen und Kriegern. Also bitte schön, mir gefällt die Gedenkstätte, aber man soll doch nicht so tun, als sei das so, wie es jetzt ist, wirklich stimmig und durch die Wiederaufstellung der Statuen bedroht. Das ist einfach Unsinn.

  • Guten Abend Konstantin,
    natürlich geht es in dem von Dir aufgeführten Text darum!


    "Der Landesdenkmalrat empfiehlt, die gefährdeten Marmor-Standbilder an einen umweltgeschützten und öffentlich zugänglichen Bereich in der Nachbarschaft"


    Und dort steht auch warum die Standbilder nicht an den Orginalsstandort zurück sollen.


    Grüße

  • Berkowitz, Konstantin und Saxonia haben absolut Recht. Hinzu kommt noch die architektonische Form eines römischen Militärlagers sowie die historische Funktion als Haupt- und Königswache sowie Gedenkstätte für die Gefallenen der Befreiungskriege.


    Interessant ist auch, dass dieselbe Behörde im entsprechenden Eintrag in der Denkmalliste auf den engen Zusammenhang zwischen der Neuen Wache und den Standbildern hinweist, den sie in ihrer jüngsten "Empfehlung" jetzt auf einmal ignoriert.


    http://www.stadtentwicklung.be…j.php?obj_dok_nr=09095950

  • Ich kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. Die Generale sind doch da, sie stehen direkt gegenüber und bilden eine Art preußische Militärgalerie aus der Zeit der Napoleonischen Kriege. Ich halte die Herren per se keineswegs für verwerflich, ihre Statuen passen in die Szenerie und der Pietà von Käthe Kollwitz kann ich wenig abgewinnen, weil ich sie kitschig finde. Aber wenn Helmut Kohl den Kollwitz-Erben zugesichert hat, dass die Generale nicht wieder vor die Wache kommen, kann man das doch respektieren, oder?


    Andererseits könnte ich auch damit leben, wenn die Statuen (ob im Original oder als Kopie) ihre alten Plätze wieder einnehmen. Das geschichtspolitische Problem der Neuen Wache sind nicht die Militärs von 1810, die einst davorstanden – es sind die Schergen von 1940, derer in der "Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft" heute (mittelbar) gedacht wird. Ein staatliches Gedenken, das dem Holocaust-Opfer Anne Frank genauso gewidmet ist wie dem Bombenkriegs-Opfer Roland Freisler, ist schlicht falsch konzipiert.


    Randnotiz: Napoleon hatte zweifellos in erster Linie den eigenen Ruhm im Sinn, als er das verblichene Heilige Römische Reich besetzte, aber er brachte nicht nur Fremdherrschaft, sondern (vermittels des kurzlebigen Königreichs Westphalen) auch Verfassung, bürgerliches Recht, Juden-Emanzipation und die Abschaffung der Leibeigenschaft. Den Fortschritt, den die berühmten Stein-Hardenbergschen Reformen für Preußen bedeuteten, hätte es ohne die französische Besatzung in dieser Form nicht gegeben – oder zumindest erst viel später. Das zur Dialektik der Geschichte bzw. "List der Vernunft" (Hegel).

  • @Archtektenkind: Vielleicht solltest Du die "Ändern" Funktion benutzen ;)


    Ich glaube nicht, das es zum Konzept der Neuen Wache gehört, an die Verbrecher zu erinnern die "Opfer" des von Ihnen verschuldeten Krieges wurden.
    Wer Wind säht, wird Sturm ernten!!!

  • Die Generale sind doch da, sie stehen direkt gegenüber und bilden eine Art preußische Militärgalerie aus der Zeit der Napoleonischen Kriege.


    Bülow und Scharnhorst stehen derzeit auf den Plätzen von Blücher, Gneisenau und Wartenburg. Welche wiederum halb versteckt zwischen Bäumen inmitten einer Grünfläche stehen. Die gegenseitige Bezugnahme der Standbilder, die Forumsbildung über die Straße hinweg mit der Wache als Mittelpunkt, all das ist so überhaupt nicht mehr erlebbar. Mir völlig schleierhaft, wie der Denkmalschutz da für den Status quo sein kann.

    Einmal editiert, zuletzt von Saxonia () aus folgendem Grund: h

  • Erstens: Bitte Bülow und Zieten, nicht Bühlow und Ziehten.


    Zweitens: Was haben denn jetzt schon wieder die Nazis damit zu tun? Hier geht es um eine Rückversetzung der Generalsstandbilder der Berliner Bildhauerschule (Daniel Rauch) vor den Schinkel-Bau der Neuen Wache, einem einzigartigen Ensemble des Klassizismus. Die Aufstellung im Prinzessinnengärten hatte auch keinerlei speziellen Impetus, der einen Verbleib dort rechtfertigen würde.


    Drittens: Die Frage der Haltung der Erben Käthe Kollwitz' ist doch extra vertraglich geklärt: die Frist, in der die Wiederaufstellung zu unterbleiben hatte ist seit 2 Jahren abgelaufen. Das Werbeschild zum Kollwitzmuseum neben der Wache kann jetzt auch weg. Die Erben hätten ja auch auf einer längeren Frist bestehen können - haben sie aber nicht.


    Viertens: Wie soll denn die "Wanderung" deutlich gemacht werden? Viellicht durch neonfarbige Fußstapfen im Pflaster oder eine Laser-Installation? Es ist doch völlig abseitig an diesem bewußt durch die Wiederherstellung von Oper, Kronprinzenpalais, Kommandantur, Zeughaus, Neuer Wache und Humboldtuniversität geschaffenen harmonischen Ort irgendwelchen Unsinn zu treiben. Sonst verlange ich umgehend vor 5 Denkmalen der Moderne (Neue Nationalgalerie, Kongreßhalle Ost und West, Haus des Lehrers um am Hansaplatz Schinkellaternen aufzustellen!