Museumsinsel und Erweiterungsbauten (James-Simon-Galerie)

  • Heute gab es im Tagesspiegel einen Interessanten Beitrag zum Pergamonmuseum von Nikolaus Bernau.

    Gegenstand ist die Kostenexplosion, Zeitverzögerung und und die addierte Ungersarchitektur- und eigentlich das sich erlauben eines Überdenkens dieser Architektur.


    Dem Beitrag Bernaus zum Kritisierten Ungersbau stimme ich auf ganzer Linie zu.


    Der Entwurf von 1999 wird bis zur neuesten Prognose der Eröffnung ins Jahr 2040 hinübergeschleppt und gilt heute schon als mental veraltete Exzellenzarchitektur, wenig einfühlsam und reflektierend im Bestand - und einem entwerferisch völlig aus der Zeit Gefallenen rücksichtslosen, kunstbemühtem Haltung die vielleicht in den 70ern gerade Mode war.


    Die monumentale Ausdruckswesenheit der Architektur Messels wird von Ungers missachtet oder eher geringgeschätzt und mit recht gerümpeligen Additionen verunklart - für mich war der Ungersentwurf von Anfang an eine Missliebige unreife Dreingabe die dem Hof des Pergamonmuseums überhaupt nicht steht - vielleicht hat der vollendete Entwurf in 2040 ja ein gnädigeres Echo - weils dann wieder Retro ist - oder die Übung in wachsenden Ansprüchen und modernen Baumängeln besorgt ein weiteres Bauvorhaben in ansprechenderer zeitloserer Optik von nem anderen Architekten.

  • ^ wegen der Eröffnung die Ist Erst ca. Am 2037 vorgesehen aber nur ein Teil nicht alles.

    Wenn man es so sieht einfach mangelhaft wie lange es dauert vorallem, wenn man sieht das die Jahre davor schon da Saniert wurde. Es werden parr Berliner auch Touristen das nicht erleben können bis zur Eröffnung.


    Die Quelle hier Beitrag März 2023

    Berliner Pergamonmuseum schließt komplett - ein Teil öffnet erst in 14 Jahren wieder


    & Heute hier ein Beitrag BZ das Touristen die ein Ticket gekauft haben gar nicht heute reinkamen....

    Nicht jeder mit Ticket kam rein Letzter trauriger Tag im Pergamon-Museum


    "Kleine " gute Nachricht: 2027 wird endlich wieder der Pergamonaltar zugänglich sein. Dann soll der Bauabschnitt fertig ein, der seit zehn Jahren saniert wurde.

  • Ich habe den Artikel von Herrn Bernau auch bemerkt und gelesen und denke einfach, dass Herr Bernau ein Profilierungsneurotiker ist. Er fühlt sich ja des öfteren berufen Aufmerksamkeit zu erregen.


    Ganz ehrlich, inhaltlich kann ich dem nicht besonders viel abgewinnen.

    Messels Entwurf zu kritisieren ist ja schön und gut, aber das kann man nicht ändern. Und was Ungers Neubau betrifft, der ja unter der Massgabe der Flächervergrösserung notwendig erschien, ergibt sich das aus dem Bestandsgebäude diesen vierten Flügel zu bauen. Und die Ausführung ist durchaus angemessen. Ich weiss jetzt nicht was daran so verwerflich sein soll.

    Ich denke die Raumwirkung im Innenhof wird grossartig sein. Und seine Tiraden gegen das Tempietto sind auch völlig daneben.


    Abgesehen davon finde ich es mehr als dreist von ihm einerseits die jetztigen Mehrkosten und den Zeitrahmen anzuklagen, um dann einen Satz später eine völlige Umplanung zu fordern.

    Alles ist bis auf's Detail geplant, bis auf die letzte Amphore , was wo stehen muss, wie was gebaut wird usw. Von den Auswirkungen auf die Promenade will ich gar nicht erst anfangen.

    Alles zu sehen in dem 360 Grad Rundgang. Eine Umplanung zum jetztigen Zeitpunkt würde mindestens einige hundert Millionen mehr kosten und mindestens fünf bis zehn weitere Jahre dauern. Aber das ist ja jetzt auch schon egal, so sein Fazit.


    Er weiss genau, dass das völlig illusorisch ist, weil es vom Ablauf her vielleicht theoretisch möglich wäre, aber de facto nicht machbar ist. Glaubt er ernsthaft, die Stiftung wird jetzt einen neuen Wettbewerb ausrufen? Das Büro Unger sich damit zufrieden geben und der Bund begeisternd hunderte von Millionen bewilligen und Berlin darauf verzichten weitere fünf Jahre oder mehr ohne Pergamonmuseum Touristen anzulocken.


    Das allein zeigt, dass es ihm nicht um die Sache sondern nur darum geht, Aufmerksamkeit zu erregen.

    Ich kann sowas einfach nicht ernst nehmen.

  • Die Kommunikation der SPK und der Medien zum Pergamonmuseum ist doch aber auch eine Zumutung.


    Gebetsmühlenartig wurde nun fast täglich geschrieben, das Museum mache komplett dicht und wird frühestens 2037 wieder eröffnet.


    In einem Nebensatz erfährt man nun, dass der Pergamonaltar (bzw. der umgebende Flügel) 2027 wieder zu sehen sein wird, weil dann dieser Flügel fertig saniert ist ???

    Das hieße ja dass 2027 schon ein wichtiger Teil des Museums wieder zugänglich wäre!


    Das wurde so vorher nicht kommuniziert, oder??

  • Dass der nördliche Flügel und der Pergamonaltar wieder aufmachen - ursprünglich für 2025 geplant und jetzt verschoben auf 2027 - wurde immer kommuniziert.

  • ^^ Keine Ahnung, wie deine Gebetsmühle so funktioniert.


    Ich habe genau die Info eigentlich überall gelesen und gehört:

    • Komplettschließung wegen Grundinstandsetzung bis Frühjahr 2027.
    • Dann Wiedereröffnung Nordflügel und Saal mit Pergamonaltar.
    • Eröffnung Südflügel mit Ishtartor und Prozessionsstraße sowie vollständige Fertigstellung dann frühestens 2037.

    Wurde eigentlich klar kommuniziert. Z. B. bei rbb.

  • Oops, dann habe ich das mit dem Pergamonaltar immer überlesen, danke für die Erklärung.


    Umso besser, dann sehe ich ihn doch noch vor der Berentung wieder.

  • Ich würde gerne im Detail verstehen, was diese langen Zeiträume zwingend macht.

    Im Louvre würde man kaum auf die Idee kommen, die Mona Lisa für 10 Jahre wegzusperren - allein schon weil an solchen Ikonen der Kunst Tourismus-Einnahmen hängen.

    Wir haben uns in Deutschland und Berlin an Realisierungszeiträume gewöhnt, die früher und anderswo als absurd betrachtet worden wären bzw werden. Oder um es etwas zynischer zu sagen: Ist das jetzt das neue "Deutschland-Tempo"?

  • ^ In Paris oder anderswo mussten die Museen aber auch nicht eine Bombardierung und eine anschließende Diktatur überstehen. Diese Umstände erschweren sicherlich eine Sanierung.

  • Ich würde gerne im Detail verstehen, was diese langen Zeiträume zwingend macht.

    Hier eine aktuelle Mini-Doku der WELT:

    PERGAMONMUSEUM BERLIN: Geschlossen bis 2037! Ein Exklusiver Einblick in den Umbau | WELT Reportage - YouTube


    Trotz ein wenig Effekthascherei und reißerischem Titel ("Geschlossen bis 2037!") bietet sie einen interessanten und aktuellen Blick hinter die Kulissen. Unzureichend instandgesetzte Kriegsschäden; marode Substanz von den Fundamenten über die Fassaden bis ins Dach; veraltete Gebäudetechnik... Dass das viel Zeit in Anspruch nimmt, wundert mich nicht. Zumal die meiste Zeit am offenen Herzen operiert wird. Die Komplettschließung dauert ja "nur" vier Jahre (23-27). Dann kommt sicherlich noch hinzu, das heutzutage gefühlte 100 laufende Meter Aktenordner an Normen, Richtlinien und Gesetzen berücksichtigt werden wollen, was den Prozess natürlich nicht beschleunigt (und wo ich mir auch generell mal eine eingehende, kritische Analyse hinsichtlich Reformierungspotentiale und Vereinfachung wünschen würde). Aber hier - so zumindest mein Eindruck - ist die bautechnisch extrem herausfordernde Situation aus dichter Bebauung, unmittelbare Nähe zu einem Wasserkörper an mehreren Seiten, laufender Betrieb und die Arbeit am Bestand, der ausschlaggebende Faktor für die lange Bauzeit. Mir fällt da auch kein passender Vergleich ein, aus dem sich eine nachvollziehbare Kritik ergeben würde. Mit Louvre und "die würden das nicht machen" machst du es dir zu einfach.

  • Ich weiss nicht ob irgend etwas davon wirklich zwingend ist. Der in Deutschland ziemlich einzigartig hohe Planung-, Genehmigungs- und Überwachungsaufwand spielt sicher eine Rolle. Ich bilde mir aber ein selbst genügend Projekte geplant zu haben um skeptisch zu sein, ob das alles ist. Ich würde die These wagen: Das ging und geht da halt alles seinen "sozialistischen Gang". Wenn sich dann eben alles zu 4 / 10 / 14 Jahren aufaddiert, ist das halt so. Zumal, so bekomme ich es mit, es intern Strukturen gibt, denen es eh am liebsten ist, wenn es gar keinen Publikumsverkehr gibt. Man wird ja weiterbezahlt und hat keine/weniger Arbeit. Und aus Sicht der Konservatoren ruiniert Publikumsverkehr sowieso nur die Exponate. Ohne irgendeinen Einblick zu haben würde ich wetten: Wenn man es nur wirklich wollte, ginge es in der Hälfte der Zeit. Genauso wie man eine Autofabrik in 1 1/2 Jahren bauen kann - wie Tesla - oder in 6-8 Jahren wie andere.

  • Nachdem also das Pergamonmuseum für die nächsten Jahre geschlossen ist, hier ein paar Bilder:


    Nordflügel (hier auf dem Bild links) und der Mittelteil mit dem Pergamonaltar eröffnen in 4 Jahren, also 2027 wieder, der Südflügel (rechts) erst in 14 Jahren 2037:


    20230915_130142rge47.jpg


    Von außen sieht die Nordseite und der Mittelteil ziemlich fertig saniert aus:


    20230915_130212k3i1y.jpg


    Am Kopfbau des Nordflügels sind in den Säulen die Einschusslöcher aus dem Krieg nicht beseitigt worden:


    20230915_13040226etd.jpg


    Und noch zwei Bilder von der sanierten Säulenkolonnade nordöstlich der Alten Nationalgalerie:


    20230915_122924j6da7.jpg


    20230915_1231245gfb4.jpg


    Bildrechte liegen bei mir

  • Im Louvre würde man kaum auf die Idee kommen, die Mona Lisa für 10 Jahre wegzusperren - allein schon weil an solchen Ikonen der Kunst Tourismus-Einnahmen hängen.

    Die Mona Lisa ist allerdings auch ein deutlich kleineres Ausstellungsstück, welches in den langen Jahren des Umbaus des ganzen Louvre-Komplexes mehrmals umzog. Insgesamt dürfte das Gebäudevolumen des Louvre mindestens/fast genauso groß wie die gesamte Museumsinsel sein. Dessen Sanierung und Umbau zog sich aber auch 30 Jahre hin, wenn man vom Beginn der Arbeiten Anfang der 80er bis zur Eröffnung der islamischen Abteilung im Jahr 2012 rechnet.


    Der Vorteil beim Louvre war allerdings, dass er vorm Beginn der ganzen Arbeiten nur zum Teil als Museum genutzt wurde und die wichtigsten Austellungsstücke des Louvre nun einmal beweglich und nicht wie beim Pergamonmuseum fest eingebaut sind. Zwar besitzt auch der Louvre einige Großskulpturen und Architekturelemente, welche man nicht beliebig hin- und herschieben konnte, da an diesen aber die Hauptbesucherströme vorbei laufen, fiel es auch gar nicht weiter auf, wenn diese zeitweise nicht zugänglich waren.

    Am ehesten wurde während der Sanierung des Louvre wohl das Raumerlebnis der großen Galerie, während deren Generalsanierung vermisst. Die wichtigsten Kunstwerke waren jedoch fast immer zugänglich. Die Austellungsfläche des Louvre wurde mit der Sanierung massiv vergrößert, so konnte man vielfach zuerst zuvor nicht als Museum genutzte Bereiche komplett sanieren, dort Austellungsflächen einräumen und dann die komplett (!) frei gezogenen Flächen sanieren. Das ist im Pergamonmuseum mit seinen fest eingebauten und empfindlichen antiken Architekturteilen so nicht möglich, wobei aber die römisch-griechischen Skulpturen aus dem Stadtbahnsaal ins Alte Museum umzogen und für den Pergamonfries ein eigenes Austellungsgebäude entstand.


    Die Mona Lisa kann man wenn überhaupt mit der Büste der Nofretete vergleichen, selbige zog nach der Wiedervereinigung auch zweimal um, bevor sie im saniertem Neuem Museum eine neue Heimat fand.


    Wenn die Mschatta-Fassade im Nordflügel aufgebaut und auch der Pergamonfries wieder angebracht ist, könnte man im im derzeitigem temporärem Austellungsgebäude fürs Pergamonmuseum, statt dem Pergamonpanorama, ein Panorama des Ischtar-Tores samt Prozessionstraße im Zustand seiner Entstehungszeit präsentieren und dazu die mobilen Stücke des vorderasiatischen Museums, dann dürfte deren Unzugänglichkeit während der Sanierung des Südflügels nicht ganz so schwer fallen.

  • ^ Auch der britische Economist berichtet in der aktuellen Ausgabe zum Projekt Pergamonmuseum und fragt: was sind schon 14 Jahre?


    In dem Artikel wird zusammenfassend auf den baulich schwierigen Untergrund eingegangen (die heutige Museumsinsel ist eigentlich eine Sandbank im ehemaligen Sumpfgebiet der Spree) und die rostigen Stahlfundierungen des Pergamon, die aufwändig ausgetauscht bzw. repariert werden müssen. Auch der Bau der unterirdischen Passagen als Verbindung mit den 3 anderen Nationalmuseen (ähnlich dem Louvre) wird genannt, ebenso die geplanten Anbauten. All diese Arbeiten müssen mit minimalen Vibrationen erfolgen. Parallel dazu werden die Ausstellungsstücke des Museums restauriert und die nach dem 2. Weltkrieg stark fragmentierte Kunstsammlung mühevoll wieder zusammengefügt.


    Der Economist schließt ab mit einer Erinnerung für diejenigen, die jetzt einige Jahre warten müssen, um z.B. das Ischtar Tor mit seinen babylonischen Tieren erleben zu können: 2,500 Jahre lang war das überhaupt gar nicht möglich. Das Tor lag nämlich in Einzelteilen verstreut im heutigen Südirak, bis diese vor 100 Jahren durch fleißige Archäologen eingesammelt und in Berlin über viele Jahre hinweg in liebevoller Kleinarbeit wieder zusammengesetzt wurden.

  • Unvorstellbar was allein die zeitliche Streckung an Kostenzuwachs auslöst: Weil man während der langen Zeit neue Erkenntnisse gewinnt und deswegen umplant. Weil es neue Vorschriften gibt und deswegen umgeplant werden muss. Und weil die öffentlichen Körperschaft sich jetzt mit 5% statt mit 0,5% refinanzieren müssen. Und weil die Baupreise steigen. Das dürfte locker für eine Verdoppelung des effektiven Aufwands reichen.

  • Ich denke man sollte nicht vergessen, dass der eigentliche Grund für die lange Verzögerung der Renovierung wohl der Tatsache geschuldet war, dass mit dem Humboldtforum sich die Gemengelage verändert hat. Das war Anfang 2000 als der Masterplan Museumsinsel aufgestellt wurde, nicht absehbar.

    Und nachdem Berlin bei der Museumsinsel bei der Finanzierung vollständig ausgefallen war und auch für das Humboldtorum nur einen läppischen Beitrag bereit und auch imstande war zu finanzieren, da muss man auch so ehrlich sein und verstehen, dass der Bund eben nicht so einfach Millarden für Berliner Kultur aus dem Ärmel schütteln kann, was eh schon für Unmut gerade in Bayern und woanders gesorgt hat.

    Das Humboldtorum hatte dann Priorität und jetzt ist eben das Pergamon dran und irgendwann dann danach hoffentlich noch das Alte Museum.

    Ich glaube auch, dass wenn erstmal der erste Teil 2027 wieder aufmacht, das Schlimmste überstanden ist.


    Hier ein erfreulicher Zwischenbericht über die unterirdische Archäologische Promenade, bei der es vorangeht. Die Verbindung zwischen Bode und Pergamonmuseum unter der Stadtbahn ist im Rohbau fast fertig.


    https://www.bbr.bund.de/BBR/DE…onmuseum-bode-museum.html

  • Richtig ist, dass Lamentieren leicht ist - besser machen schwer. Man müsste eine Gegenrechnung aufstellen: Ein Louvre hat knapp 8 Mio Besucher pro Jahr. Die Museumsinsel in der jetzigen Form 0,9 Mio. In der geöffneten Form vor der Pandemie zuletzt 3 Mio (2019). Wenn man also annimmt, dass das fertige Gesamtkonzept statt 0,9 dann 5 Mio Besucher schafft, geht es um einen Differenz von 4 Mio pro Jahr mal 20 Jahre mal = 80 Mio Besucher. Wenn jeder Besucher der Stadt 100 Euro bringt: 8 Mrd Euro! Für diesen Einnahmeausfall lässt sich locker eine Beschleunigung bezahlen! Oder 10 Humboldtforen à 700 Mio...

  • ^.... Danke Johannes_9065 für den Überblick. So gut so weit. Aber unverzeihlich schade und eigentlich nicht nachvollziehbar warum der wiederhergestellte Säulengang nicht ganz und gar gereinigt wird. So zerfällt das Ganze und das Auge, auch das geneigte, hat es schwer hier Harmonie zu finden. Das ist übrigens nicht nur hier der Fall sondern scheint mir eine Berliner Maläse zu sein. Vielleicht in der Zukunft, wenn sich ein edler Spender findet ....