Museumsinsel und Erweiterungsbauten (James-Simon-Galerie)

  • Kieselgur spricht zwei Sachen an, die man auseinander halten sollte:


    Dass öffentliches Bauen sich sehr oft verteuert und in diesem Zusammenhang der Eindruck entsteht, die Verantwortlichen gehen mit Steuergeldern zu sorglos um und gäben zu viel aus, ist m. E. eher eine medial induzierte Scheinrealität denn wirklicher Fakt. Diese ergibt sich ja meist nicht daraus, dass etwa mangelhafte oder dilettantische Planung, unprofessionell geführte Vergabeverfahren und Vergabefehlentscheidungen sowie schlechte Kontrolle der Bauabwicklung zu unnötig hohen bzw. künstlich hochgetriebenen Preisen führen würde, sondern daraus, dass die basierenden Kostenschätzungen zu niedrig sind, d. h. mit realistischen Ansätzen von Beginn an ergäben sich keine oder zumindest viel geringere tatsächliche Kostensteigerungen. Sicher ist das Hantieren mit unrealistischen Kostenansätzen bei vielen Projekten Teil der Politik (weil Projekte z. B. anders nicht vermittelbar wären), was natürlich auch nicht gerade dem zurecht bestehenden Anspruch der Öffentlichkeit hinsichtlich aufrichtigem und verantwortlichem Handeln entspricht.


    Davon abgesehen kann natürlich bei Planung, Vergabe und Bauabwicklung einiges schief gehen – klar. Das Vergaberecht ist dann aber doch zum Glück weit komplexer, als dass dieser von Kieselgur beschriebene Weg ins Verderben eine reale, geradezu zwangsläufige Konsequenz darstellen würde. Anders als oft zu lesen, gibt es keinen Zwang, den billigsten Anbieter zu beauftragen. Welche Kriterien zur Vergabeentscheidung beitragen, liegt im Ermessen des AG und muss sich aus dem jeweiligen Fall ergeben und nachvollziehbar begründet sein. Das ist niemals der niedrigste Preis, sehr oft das kostengünstigste Angebot (ein Unterschied zu „am niedrigsten“), sehr oft werden aber mehrere Kriterien unterschiedlich gewichtet miteinander verkettet, wobei manchmal auch andere Kriterien als der Preis wichtiger sein können. Darüber hinaus ist natürlich kein Auftraggeber von der Pflicht befreit zu prüfen, inwiefern Anbieter auskömmlich und realistisch kalkuliert haben, ob sie sowohl technisch, als auch wirtschaftlich geeignet sind und ob eine zügige und planmäßige Abwicklung des Auftrages erwartet werden kann. Das ganze ist eine komplexe und anspruchsvolle Aufgabe für den Auftraggeber, für die er sich jedoch üblicherweise professioneller Hilfe von Planungsbüros oder Projektsteuerern bedient. Die Hauptverantwortung liegt also bei den Akteuren (AG, Planer, Überwacher), sie sind in der Pflicht, den vom Vergaberecht vorgegebenen Rahmen richtig anzuwenden und da hapert es sicher öfters mal, aber keineswegs immer und schon gar nicht ist es realistisch davon auszugehen, bei richtiger Anwendung des Vergaberechts seien sämtliche Unbillen des Bauens vorhersehbar und planbar ergo sich daraus ergebende Kostenunsicherheiten und in der Endkonsequenz Kostensteigerungen vermeidbar.


    Nach allem was ich bisher so gehört und gelesen habe, ist das Humboldtforum ein positives Beispiel hinsichtlich der Einhaltung des Kosten- und Zeitplanes. Als weiteres positives (eher unbekanntes) Beispiel kann auch die Sanierung der MVA Ruhleben der BSR genannt werden bei der auch mehrere Mio EUR ausgegeben wurden und werden.

  • Das Schweizer System - die Vorgabe des zweitniedrigsten Preises

    Anders als oft zu lesen, gibt es keinen Zwang, den billigsten Anbieter zu beauftragen.


    Allerdings gibt es zu wenig Anreize, die dazu führen, daß die Anbieter auf eine unrealistisch niedrige Kalkulation verzichten.


    Welche Kriterien zur Vergabeentscheidung beitragen, liegt im Ermessen des AG und muss sich aus dem jeweiligen Fall ergeben und nachvollziehbar begründet sein. Das ist niemals der niedrigste Preis, sehr oft das kostengünstigste Angebot (ein Unterschied zu „am niedrigsten“)



    Ich habe Berufserfahrung im Strassen- bzw. Tiefbaubereich. Dort gibt es zwischen niedrigstem Preis und kostengünstigstem Angebot de facto keinen Unterschied. Am Ende des Tages erhält dann doch der Anbieter mit dem niedrigsten Preis den Zuschlag. Das führt zu folgendem, perfiden Resultat:
    Entweder man plant kostendeckend, bekommt aber den Auftrag nicht. Oder man bekommt den Auftrag, macht aber Verluste. Die Folge ist, daß ein Unternehmen im Strassen bzw. Tiefbau Verluste macht und den Bach runter geht.


    Die Schweiz hat in diesem Bereich das bessere System. In der Schweiz erhält derjenige Anbieter den Zuschlag, der den zweitniedrigsten Preis geboten hat. Die Vorgabe des zweitniedrigsten Preises ist raffiniert. Die Folge ist, daß Preis-dumping unterbunden wird. Denn kein Anbieter möchte den niedrigsten Preis abgeben. Da kein Anbieter den Preis des Konkurrenten kennt, wird jeder Anbieter dazu übergehen, realistisch zu kalkulieren und Angebote mit kostendeckenden Preisen abzugeben.

  • ^ Ich habe nicht gesagt, daß in der Schweiz alles besser ist. Meine Aussage ist vielmehr, daß die Vorgabe des zweitniedrigsten Preises sinnvoll ist, weil sie Preisdumping wirksam verhindern kann. Ich würde es begrüßen, wenn wir dieses gut funktionierende Prinzip auch in Deutschland übernehmen würden.

  • ^ Das Konzept des "zweitgünstigen Angebots" ist in der Tat raffiniert und erwägenswert. Nur scheint mir die Formulierung, dass damit Preisdumping "wirksam verhindert" werden könne, etwas zu optimistisch. Manipulationsmöglichkeiten sind ja leicht vorstellbar: Zwei Bewerber sprechen sich ab und verhelfen sich wechselseitig zu Aufträgen, indem sie gemeinsam in Ausschreibungen gehen und abwechselnd für den jeweils anderen die Rolle des günstigsten Anbieters spielen. Oder man bezahlt jemanden dafür, die Rolle des billigsten Anbieters zu spielen etc.


    Wohlgemerkt: Nichts gegen Deine Aussage, dass die Übernahme der Vorgabe des zweitniedrigsten Preises sinnvoll sein kann und erwogen werden sollte. Nur die Erinnerung daran, dass jedes System umgangen oder sabotiert werden kann und man daher grundsätzlich gut daran tut, nicht allzu viel Vertrauen in irgendein System zu setzen.

  • James-Simon-Galerie

    Bei der James-Simon-Galerie sind weitere Baufortschritte sichtbar. Die schräg nach unten verlaufende Fläche könnte eine ins Untergeschoss führende Treppe werden, die auch große Besuchermassen bewältigen kann. Von hier aus sollen später die Besucher der einzelnen Museen unterirdisch zum richtigen Museum gelangen können, wenn das richtig verstanden habe.




    Links vom Neuen Museum ist schon die erste Kolonade der James-Simon-Galerie erkennbar:


  • Die schräg nach unten verlaufende Fläche könnte eine ins Untergeschoss führende Treppe werden, die auch große Besuchermassen bewältigen kann. Von hier aus sollen später die Besucher der einzelnen Museen unterirdisch zum richtigen Museum gelangen können, wenn das richtig verstanden habe.


    Wär nur blöd, dass die großen Besuchermassen sich am Ende der Treppe mangels Platz schlecht verteilen könnten.;) Ein wenig treppab gehts da allerdings schon, dient dieser Teil der Galerie doch als Auditorium, wie man den Grundrissplänen entnehmen kann. Darüber wird sich dann die äußere Freitreppe befinden, die als Hauptzugang dient.

  • Wie? Jetzt gibt´s doch keine "Kellerfenster"zur Spree hin?


    Grundsätzlich ist das kein großer Verlust - aber jetzt ist die Mauerfläche noch öder! :nono:

  • In einem Tagesspiegel-Artikel stand, dass diese nachträglich hinzukommen (der Artikel ist allerdings nicht gerade aktuell). Bei dem letzten Baustellen-Foto von Abrissbirne sieht es auch noch so aus, als ob in der Mitte des Sockels noch Aussparungen für Fenster rein könnten.

  • Ich glaube, ReinhardR hat gefragt, weil auf der Visualisierung des RBB-Berichts plötzlich keine mehr vorhanden sind. Es scheint eine neue Visualisierung zu sein, weil ich sie zumindest noch nicht gesehen habe.

  • In einem Tagesspiegel-Artikel stand, dass diese nachträglich hinzukommen...


    Da stand das sie "später hinzugefügt" wurden (Vergangenheit) - in die Planung! Macht doch gar keine Sinn sie "später hinzuzufügen". Sie kommen natürlich und sind auch auf der offiziellen Webseite überall zu sehen.


    Die Fenster liegen ziemlich hoch und sollten im nächsten Schritt auf die hier im Hintergrund zu sehende betonierte Wand aufsetzten.


  • Die Fenster liegen ziemlich hoch und sollten im nächsten Schritt auf die hier im Hintergrund zu sehende betonierte Wand aufsetzten.


    Et voilà: Der Fenster-Beweis! ;)



    Auch sonst geht es beim restlichen Bau weiter langsam aber sicher nach oben.


  • James-Simon-Galerie - Update

    Übersicht:



    Jetzt sind die Aussparungen für die liegenden Fenster deutlich zu erkennen - wesentlich höher über der Wasseroberfläche, als ich nach den Visualisierungen erwartet hatte:



    Details:




    Im Nordflügel des Pergamonmuseums wurden einige Fenster herausgenommen, der Umbau scheint auch innen in vollem Gange zu sein:


  • Virtueller Rundgang durchs Bode Museum

    Seit kurzem gibt es die Mögichkeit eines virtuellen Rundgangs durch Bode Museum. Hier der Link!


    62 miteinander vernetzte 360°-Panoramen-Aufnahmen erfassen fast das gesamte Erdgeschoss und den größten Teil des Obergeschosses des Museumbaus. Der virtuelle Rundgang bietet dabei Infos zu allen 850 erfassten Skulpturen und Gemalden und zudem weiterführende Links zur Online- Datenbank der Staatlichen Museen zu Berlin.
    Konzipiert und umgesetzt wurde dieses Projekt in ehrenamtlicher Arbeit vom Vereinsmitglied des Kaiser Friedrich Museumsvereins Wolfgang Gülcker. PM