Wiederaufbau Berliner Stadtschloss

  • Im heutigen Spiegel (02.01.2005) ist auf Seite 41 ein recht nichtssagender Artikel über den Abriss des Palastes der Republik. Für Forumsmitglieder natürlich viel zu veraltet und zu pauschal! ;) Vielleicht sollte man lieber gleich auf diesen Thread verweisen anstatt solche Gähnnummern zu veröffentlichen!;)

  • Zitat von Kent of Neapel

    Im heutigen Spiegel (02.01.2005) ist auf Seite 41 ein recht nichtssagender Artikel über den Abriss des Palastes der Republik. Für Forumsmitglieder natürlich viel zu veraltet und zu pauschal! ;) Vielleicht sollte man lieber gleich auf diesen Thread verweisen anstatt solche Gähnnummern zu veröffentlichen!;)


    Ja und jetzt? Wer toll wenn du daraus zitieren würdest. Habe nur Zugriff auf Spiegel-Online.

  • Habe heute im Berliner Fenster gelesen, dass eine nicht weiter nahmentlich genannte Berliner Gruppe von Künstlern eine Petition bei Wowi eingereicht haben um den Abriss des PdR zu stoppen, bzw jedenfalls so lange, bis für den geplanten Schlossbau Planungssicherheit bestehe.


    hier noch ein Link der Taz zum Thema


    http://www.taz.de/pt/2006/01/03/a0221.nf/text

  • Abriss des Palastes der Republik soll billiger werden als erwartet
    Firmen wollen mit acht statt 20 Millionen Euro auskommen


    Der Abriss des Palastes der Republik soll etwa knapp acht Millionen Euro kosten und damit weit günstiger werden als bisher erwartet. Das ist das Ergebnis der öffentlichen Ausschreibung, wie die Berliner Zeitung aus Kreisen der mitbietenden Firmen erfuhr. Senat und Bundesregierung hatten als Kostenrahmen für den Abriss bisher eine Summe von 20 Millionen Euro genannt.


    Der Abrissauftrag hätte für die Steuerzahler sogar noch preiswerter ausgeführt werden können, wenn der Bieter mit dem günstigsten Angebot den Zuschlag erhalten hätte. Das war die Firma Wilko Wagner aus Hamburg, die auch bei den Abbrucharbeiten am Berliner Olympiastadion beteiligt war. Sie wollte den Palast für nur 4,3 Millionen Euro demontieren - also für rund zwei Millionen weniger als die Bietergemeinschaft um Ludwig Freytag. Doch wegen eines Formfehlers wurde das Angebot von Wilko Wagner nicht gewertet, erfuhr die Berliner Zeitung. Die Firma hatte bei der Abgabe ihrer Offerte schlicht das erforderliche Deckblatt vergessen, auf dem unter anderem die Angebote für die verschiedenen Teil-Aufträge noch einmal zusammengefasst werden sollten. Damit sei das Angebot unvollständig und mit den anderen Angeboten nicht mehr vergleichbar, wurde dem Unternehmen mitgeteilt. Zwar überlegte man auf Seiten von Wilko Wagner zunächst, gegen die Entscheidung rechtlich vorzugehen, doch entschied man sich am Ende dazu, auf einen Widerspruch zu verzichten. Die Kosten eines Rechtsstreits wären zu hoch gewesen, sagte ein Mitarbeiter des Unternehmens.


    Gegen den Abriss des Palastes setzt sich ein parteiunabhängiges Bündnis ein. Es kritisiert die hohen Kosten für den Neubau und will erreichen, dass das Gebäude weiter genutzt wird. Grüne und Linkspartei unterstützen die Idee und fordern ein Abriss-Moratorium. Darüber wird noch im Januar der Bundestag beschließen. Die Chancen für einen Abriss-Stopp stehen jedoch schlecht. Grüne und Linkspartei waren mit ihren Anträgen bereits in mehreren Ausschüssen gescheitert.


    http://www.berlinonline.de/ber…eitung/berlin/514628.html

  • Artikel im Spiegel zum Thema "BALLAST DER REPUBLIK"

    Ich hab mir auch den Artikel im Spiegel (S.41) durchgelesen.
    Wichtige Themen sind hier nicht nur die Abrisskosten (die sich laut Spiegel auf
    mindestens 20 Millionen Euro beziehen) sondern auch schwerwiegende Probleme beim Abriss:


    Zitate aus dem Artikel:


    Zerzaust und störrisch hockt er in der Mitte Berlins und stemmt sich mit 52000 Tonnen Beton und Stein, 20000 Tonnen Stahl und 500 Tonnen Glas gege sein Ende. (...) Sie zu beseitigen wird teuer- und kompliziert.
    Sprengung oder Abrissbirnen kommen nicht in Frage. Im sumpfigen Untergrund der Museumsinsel an der Spree stehen sensible Nachbarn. Der Berliner Dom und die Museen ringsherum stützen sich auf mächtige Holzpfähle.
    Das auf Sand und Wasser gebaute Herz der Hauptstadt, so die Befürchtung, könnte aus dem Takt geraten, wenn dem morbiden Pallazo die stählernen Knochen gebrochen werden.


    Jetzt kommt das große Problem:


    Gefährlich werden kann weniger die Demontage der oberen Geschosse aus Stahlstützen und Stahlbetondecken - sie ist vergleichsweise einfach.
    Der wahre Abrissfeind lebt im Untergrund.
    Er heißt "Schwarze Wanne" und ist die Ruhe selbst.
    In bis zu acht Meter Tiefe hält eine riesige Stahlbetonwanne als Fundament das Grundwasser ab.
    Ohne Palast würde dieser 174 Meter lange Betonsarg aber nach oben gedrückt.

    Mögliche Folgen: Der Grundwasserspiegel könnte sinken, das Holzfundament der Nachbargebäude womöglich faulen.
    Im schlimmsten Fall könnten die Bauten gar absacken.


    Die richtige Lösung?:


    Nun soll die Wanne zwar bleiben , aber keiner darf sie sehen.
    Ihre aus dem Boden ragenden Ränder werden abgehobelt; der Rest wird mit einem Sand-Wasser-Gemisch aufgefüllt.
    Dann soll mittels "extensiver Begrünung" Gras über die Sache wachsen.


    Dann gibts eine Hundwiese mehr in Berlin;)

  • Danke Westfale, für das Zusammenfassen des Artikels.
    Das mit der schwarzen Wanne ist ja schon seit einigen Jahren bekannt.
    Neu ist, das eine Gruppe von Palasterbauern, die Übertragung der Demontage im Internet als Hinrichtung des Palastes bezeichnet!

  • Heute gibt es in der Berliner Morgenpost einen äußerst interessanten Artikel über die Dokumentation der Innenräume des Schlosses. Ein Auszug:


    "Farbfotos helfen beim Wiederaufbau


    Dank einer Sammlung von 152 Dias können auch einige repräsentative Räume des Berliner Stadtschlosses rekonstruiert werden


    Von Sven Felix Kellerhoff


    Rekonstruieren kann man nur, was dokumentiert ist. Das gilt für jedes beschädigte oder gar ganz zerstörte Gebäude - und natürlich auch für das Berliner Schloß. Nun gibt es zahllose Fotos des Barockbaus von außen. (...) Ganz anders bei den Innenräumen. Auch von ihnen gibt es zwar Hunderte, teilweise technisch brillante Fotografien - aber eben nur in Schwarzweiß. Nur ganz wenige Gemälde oder Aufnahmen zeigen Säle in ihren originalen Farben; die existierenden Farbpostkarten sind meist von Hand nachträglich kolorierte Schwarzweißfotos.


    Um so wichtiger ist ein bislang wenig bekannter Schatz, der in zwei kunsthistorischen Instituten in Marburg und München liegt; erst vor wenigen Wochen wurde er komplett ins Internet gestellt (http://www.zi.fotothek.de): Rund 39*000 farbige Innenaufnahmen von wichtigen Palästen, Kirchen und anderen Gebäude aus ganz Mitteleuropa, darunter dem Berliner Stadtschloß. Adolf Hitler und Joseph Goebbels hatten 1943 erkannt, daß ihr Krieg deutschen Kulturgütern fürchterliche Schäden zufügte. Also erging ein "Führerbefehl", die kulturhistorisch wertvollen Decken- und Wandgemälde sowie Raumausstattungen in 2000 Bauwerken für einen künftigen Wiederaufbau auf hochwertigen Farbdias zu dokumentieren, da sie nicht abmontiert und sicher eingelagert werden konnten (...).


    Insgesamt 152 Aufnahmen aus dem Stadtschloß finden sich auf der mustergültigen Website. (...) Dank der Internet-Datenbank kann man nun am heimischen Computer einen Blick in das untergegangene Stadtschloß werfen."


    Quelle: http://morgenpost.berlin1.de/c…/01/05/berlin/802271.html

  • Jetzt wird's zweifellos ernst


    Wenn es jetzt keine Sitzblockaden oder Besetzungen mehr gibt, dann kracht die Abrissbirne: Die Senatsverwaltung hat bereits Baufirmen genannt, die "Erichs Lampenladen" noch in diesem Monat dem Erdboden gleich machen könnten. Das "Bündnis für den Palast" hat bereits Widerstand angekündigt und plant einen "Stopptag."


    Dem Abriss des Palastes der Republik in Berlin steht offenbar nichts mehr im Weg. Die Widerspruchsfrist von zwei Wochen gegen die Auswahl der Abriss-Firma ist verstrichen, wie die Sprecherin der Berliner Senatsbauverwaltung, Manuela Damianakis, am Mittwoch sagte. Damit könne der voraussichtlich eineinhalb Jahre dauernde Abbruch des einstigen DDR-Prestigebaus noch in diesem Monat beginnen. Den Zuschlag erhielten die Firmen Ludwig Freytag Oldenburg (Niederlassung Beelitz), Jaeger Umwelttechnik Bernburg und Bunte Bau Papenburg. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) will am Freitag auf einer Pressekonferenz umfassend über den Stand der Dinge informieren.


    Im ganzen Gebäude seien noch fest gebundene Asbest-Reste verteilt und somit schwer zu beseitigen, sagte die Grünen-Sprecherin für Stadtentwicklung, Claudia Hämmerling. Die dafür veranschlagten Kosten in Höhe von 600.000 Euro dürften unter diesen Bedingungen nicht ausreichen. Eine Firma, die diese Aufgabe übernehme, werde "sich an ihr übernehmen". Nach Angaben von Damianakis ist dieses Problem bekannt und in der Ausschreibung berücksichtigt worden.


    Der Bundestag wird sich am 20. Januar noch einmal mit dem Palast-Abriss beschäftigen.


    http://www.tagesspiegel.de/berlin/index.asp?mbid=21225


    na wenn das alles mal gut geht

  • IG BAU kritisiert Auftragsvergabe für Palast-Abriss


    Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Berlin kritisiert die Auftragsvergabe zum Abriss des Palastes der Republik. «Hier soll mit der Firma Ludwig Freytag GmbH & Co KG, Zweigniederlassung Beelitz, eine Firma zum Generalunternehmer gemacht werden, die erwiesenermaßen im vergangenen Jahr gegen vielerlei Rechtsvorschriften und Gesetze verstoßen hat»


    Neben Verstößen gegen das Entsendegesetz und damit verbundener Unterschreitung des Mindestlohnes wirft die Gewerkschaft dem Unternehmen massive Behinderung der Betriebsratswahlen und willkürliche Entlassungen vor.


    Wenn solche Firmen als Generalunternehmer eingesetzt würden, «wundere ich mich nicht mehr darüber, dass der Abriss nur acht Millionen Euro statt der geplanten 20 Millionen Euro kosten soll», fügte Knerler hinzu.


    http://www.berlinonline.de/akt…_html/ddp_1364734970.html


    ok

  • Wowereit: Das Stadtschloss schnell aufbauen


    Der Regierende Bürgermeister will heute mit Kanzlerin Merkel darüber reden und hofft auf gute Zusammenarbeit mit dem Bund


    Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hofft – nach dem Abriss des Palastes der Republik – auf einen schnellen Wiederaufbau des Berliner Schlosses. „Die Stadtmitte schreit nach einer Lösung“, sagte er gestern auf der Jahrespressekonferenz. Jeder könne sehen, dass dort etwas fehle.


    Es werde sicher kein Problem sein, einen privaten Investor für den Aufbau zu finden, meinte Wowereit. Aber der Bund müsse zügig entscheiden, ob er bereit sei, die finanziellen Lasten für die öffentlichen Einrichtungen zu übernehmen, die im Stadtschloss untergebracht werden sollen. „Damit dort nicht auf ewig eine Grünfläche steht.“ Für landeseigene Nutzungen des Schlosses, stellte der Regierende klar, müsse natürlich Berlin die Kosten tragen. Wowereit betonte, dass die Bundesregierung und der Senat eine gemeinsame Position zum Abriss des Palastes und zum Aufbau „eines neuen Gebäudes in der Kubatur und mit der Fassade des Schlosses“ hätten. Heute will er mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über diese Frage sprechen.


    http://www.tagesspiegel.de/ber…6.01.2006/2275299.asp#art

  • Rückbau des Palastes der Republik - Zuschlag erteilt

    "...Derzeit laufen bei den Unternehmen die vorbereitenden Arbeiten zur Einrichtung der Baustelle. Vor Beginn der Baumaßnahmen erfolgt - voraussichtlich in der 2. KW - eine förmliche Übergabe vom derzeitigen Besitzer, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, an die DSK. Die jetzt beauftragten Unternehmen haben vertragsgemäß vier Wochen Zeit, einen detaillierten Bauzeitplan zu erstellen und untereinander abzustimmen. Die Einrichtung der Baustelle wird voraussichtlich in der 3. KW erfolgen. Die Abrissdauer wird – sofern nichts Unvorhergesehenes geschieht – insgesamt 14 Monate betragen...


    Als Elemente der Öffentlichkeitsarbeit sind eine Bauzaunausstellung zu der Bedeutung des Ortes, ein Informationsflyer, eine Aussichtsplattform mit Informationen zum Ablauf der Arbeiten sowie die Installation einer WebCam vorgesehen. Über die konkrete Ausführung dieser begleitenden Öffentlichkeitsarbeit wird noch im Januar entschieden."


    http://www.stadtentwicklung.be…h_0601/nachricht2135.html

  • Geschäftsprüfung bei Palastabriss-Firma
    Zoll reagiert auf Vorwürfe


    Beamte des Hauptzollamts Potsdam haben nach Angaben von Augenzeugen am Freitag bei der mit dem Abriss des Palasts der Republik beauftragten Firma Ludwig Freytag (Beelitz) eine Geschäftsprüfung vorgenommen. Damit hat das Zollamt offenbar sofort auf am Donnerstag laut gewordene, öffentliche Vorwürfe der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) reagiert, die dem Unternehmen Verstöße gegen das Entsendegesetz sowie zahlreiche weitere Rechtsvorschriften und Gesetze vorgeworfen hatte.


    Die Vorwürfe der Gewerkschaft beziehen sich unter anderem auf das Bauvorhaben Bundesautobahn 113. Dabei hat die Ludwig Freytag GmbH & Co KG nach Unterlagen der Gewerkschaft zu niedrige Löhne gezahlt. Die Gewerkschaft warf dem Unternehmen außerdem die massive Behinderung von Betriebsratswahlen und willkürliche Entlassungen vor.


    http://www.berlinonline.de/akt…_html/ddp_1365581480.html


    tja Chance vertan

  • New York Times vom 09.01.2006: Critic's Notebook: Trying to Save Berlin Relic From the Dustbin :


    Yet in the last year or so, a growing chorus of voices has been rising in defense of the building. These are not grizzled old Communists hoping for a return to the glory days of socialism. They are architectural activists, mainly in their late 30's and early 40's, who refuse to see the Palace in purely ideological terms. Less dogmatic than their elders, they have cited elements of the building's beauty that many Germans - conditioned by decades of cold war oratory - find difficult to to see. [...]
    The split between these forces has an Oedipal subtext, as well. Like most of us, many Germans are more comfortable dealing with the distant past, however fraught. In recent years, for example, Berlin has happily renovated many of its Nazi-era landmarks, like the 1936 Olympic Stadium by Werner March, a building whose rigid geometrical forms were a stark expression of Nazi conformity. (It will be home to the 2006 World Cup soccer championship.) [...]
    How many sites present as rich an opportunity to investigate how a society can move forward without cutting itself off from the most sensitive parts of its history?
    In this regard, the government's support for a kitschy castle should be viewed as the worst kind of architectural crime: an act of cultural parricide that rules out the possibility of redemption.