Kulturforum

  • Nein - in den Punkten hast Du natürlich recht. Das ist eine enttäuschte Polemik, die unsachlich ist.


    Die Fassade war bereits im Ursprungsentwurf sehr geschlossen, dies wurde durch tausende von Perforationen zwischen speziellen Ziegeln aufgelockert. All das fällt jetzt weg. Die Wände werden geschlossen. Das Gebäude wird eine Art Bunker und erscheint sehr simpel. Wir alle kennen vergleichbare Bauwerke, die in den Siebzigerjahren in den Unis und Museen häufig waren. Beliebt sind die nicht und oft schon lange abgerissen.


    Ich habe mit Humboldtforum und Bauakademie verglichen, weil es aktuelle Kulturbauten sind, aber naheliegender ist der Vergleich mit den Gebäuden des Kulturforums. Mich ärgert es sehr, wenn Journalisten paradigmatisch schreiben, dass das Kulturforum der ödesteste Ort inBerlin sei (das selbe Superlativ scheint auf weitere 20 Orte zuzutreffen) obwohl das Kulturforum von herausragenden Bauwerken bestimmt wird. Die NNG, die Philharmonie und die Stabi sind Glücksfälle. Schwächer ist die Gemäldegalerie, die vor allem wegen ihrer unspektakulären Architektur viel weniger Besucher generiert, als die Sammlung verdienen würde. Geradezu vermurkst sind Kunstgewerbemuseum und Kupferstichkabinett. An letztere schließt das Museum der Moderne qualitativ wohl an. Die Umplanung ist für den Abstieg vom Niveau der Gemäldegalerie, auf das des Kunstgewerbemuseums verantwortlich. Der Bau setzt sich aber nicht an den Rand, sondern in die Mitte - sehr ärgerlich!

  • DerBe hat recht, wenn er auf die hanebüchenen Argumente einiger Mitforisten hinweist.


    Viele sind hier doch schon lange dabei und wissen, dass solche Projekte nicht immer 1:1 wie im Wettbewerbsentwurf umgesetzt werden. Das halte ich auch nicht für „Betrug“, sondern an der danach stattfindenden Feinplanung. Wer beispielsweise einmal eine Sitzung des Baukollegiums Berlin verfolgt hat, weiß, um welche Dinge da gerungen wird.


    Zum Gebäude: Das Dach wird kaum jemand, der im Kulturforum unterwegs ist, sehen. Ob das mit durchbrochenen Ziegeln oder Solarzellen gedeckt ist, kann nicht das entscheidende sein, zumal Klimaeffizienz immer wichtiger wird. Wenn bei so einem großen neuen Gebäude, die Möglichkeit besteht, in diesem Sinne nachzubessern, gerne. Der Eingang- und Durchgang von der Potsdamer Straße war vielleicht wirklich keine so gute Idee und die Eingangssituation im ersten Bild hier #1265 sieht für mich repräsentativ und schlüssig aus.


    Zum Thema Urwald: Ich glaube, so langsam wird man sich auch in Berlin klar - und hoffentlich bleibt das unter einer neuen Regierung auch so - dass mehr für den Klimaschutz auch in den Städten gemacht werden muss. Also weniger Stein, mehr grün. Dazu gibt es Beispiele und natürlich wissen die Fachleute, welche Pflanzen hier gedeihen. Mit Hitze im Sommer und Kälte im Winter. Aber das wird halt anders aussehen, als das, was wir bislang von Stadtgrün kennen.


    Ich war letzte Woche in Paris. Das Hochhausviertel La Defense galt ja bislang nicht gerade als das große Naturparadies. Aber genau hier wird begrünt an allen Ecken und Enden.

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  • Der Entwurf von Herzog & de Meuron (der im Grunde nur wie eine Großversion ihres Schaulagers im Vitra Design Museum aussieht) wurde offenbar vor allen Dingen aus zwei Gründen ausgewählt:

    1. Transparent wirkendes Dach und Wände, durch die nachts das Licht geradezu mystisch nach draußen strahlt. Das sieht in den Visualisierungen eindrucksvoll aus, aber wie realistisch waren denn diese Versionen? Wer verirrt sich denn auf das Kulturforum, wenn er nicht die Museen besucht? Sie schließen um 18 Uhr - wann ist es dann schon dunkel? Ein paar Monate im Winter? Oder sollte das Museum auch nachts von innen leuchten? Selbst die Hochhäuser am Potsdamer Platz strahlen nachts nicht mehr, um Energie zu sparen - von dem Problem der "Lichtverschmutzung" ganz zu schweigen.

    2. Es gibt immer wieder Architekturtrends, die ein Entwurf unbedingt erfüllen muss. Aktuell ist das die Schaffung "öffentlicher Räume", die jeder ganz diskriminierungsfrei nutzen kann. Deswegen waren für das Museum Passagen von Nord nach Süd und West und Ost geplant, die man kostenfrei durchlaufen kann. In meinen Augen eine totale Fehlplanung: Wo sind denn die Menschenmassen, denen das neue Gebäude sonst im Weg stehen würde? Diese Planung sorgte dafür, dass der Bau zerschnitten wird, größere Räume bzw. Raumfolgen unmöglich werden, die Klimatisierung enorm schwierig wird und aus organisatorischen und Sicherheits-Aspekten ein großer Aufwand betrieben muss. Die Reduzierung finde ich sinnvoll, ich würde sie ganz streichen. Wer das Museum besuchen will, soll das Museum besuchen, alle Anderen laufen dann eben daran vorbei. Diese Durchgänge hätten auch keinen weiteren Besucher auf das Kulturforum gelockt


    Ich lebe nicht in Berlin, war diesen Monat aber oft am Kulturforum und habe Aufführungen/Ausstellungen in der Philharmonie, dem Kunstgewerbemuseum, der Gemäldegalerie und der Neuen Nationalgalerie besucht. Natürlich sind die Philharmonie, die Staatsbibliothek und die Neue Nationalgalerie (deren Skulpturengarten leider weder betret- noch einsehbar (außer von oben) war) absolute Architektur-Ikonen - aber wenn das Rote Rathaus schreibt, dass das Kulturforum gar nicht so öde sei, weil bestimmt 20 weitere Orte in Berlin genau so öde sind, dann mag das stimmen. Vielleicht gibt es noch irgendwo in Berlin Brachen, Hinterhöfe oder Autobahnzufahrten, die nicht weniger einladend sind - aber wir reden über das Kulturforum! Hier haben die größten Architekten ihrer Zeit gebaut, hier versuchen seit Jahrzehnten Fachleute mit Riesensummen die Aufenthaltsqualität zu verbessern - und was ist das Ergebnis? Die "Piazzetta" ist ein Unort, eine große, sehr steile, völlig versiegelte Fläche, grau, trist, trostlos, voller Treppen und Ecken, die keinen Sinn ergeben. Weil das allein noch nicht deprimierend genug ist, lag auch noch überall Splitt (wegen der Rutschgefahr bei Glätte?). Dieses Mahnmal gegen moderne Architektur ist weder praktisch noch schön - bitte (trotz Denkmalschutz) abreißen! Das Kulturforum als echte Landschaft wäre mein Traum, verbunden nur durch Wege, Wiesen, Wasserflächen und Baumgruppen. Schön, wenn man das zumindest in Teilen tatsächlich so verwirklichen könnte - aber bitte nicht so, dass dann Bäume die Sicht auf die wirklich großartigen Architektursolitäre verstellen!
    Wer an dem "Piazzetta"-Debakel (da gibt es wirklich nichts zu beschönigen) schuld ist kann ich nicht beurteilen. Lag es an den Ausschreibungen? Dem Zeitgeist? Rolf Gutbrod war als Architekt doch sonst besser.... Ein richtiger Biergarten ist für mich auch keine Profanisierung des Kulturforums, sondern der richtige Weg die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Natürlich gibt es im Umfeld des Potsdamer Platzes genug Lokale - aber in den Osterferien war die Diskrepanz zwischen den Menschenmassen am Potsdamer/Leipziger Platz und der Leere auf dem Kulturforum besonders auffallend.

  • Viele sind hier doch schon lange dabei und wissen, dass solche Projekte nicht immer 1:1 wie im Wettbewerbsentwurf umgesetzt werden. Das halte ich auch nicht für „Betrug“, sondern an der danach stattfindenden Feinplanung.

    Du bezeichnest es also als "Feinplanung", wenn alle Details gestrichen werden, die dieses Gebäude zu einem überdurchschnittlichen Museumsbau gemacht hätten? Das ist belustigend.

  • Vielleicht findet sich ein Wettbewerbsteilnehmer, der noch klagt. Leider scheuen sich viele davor, da sie befürchten, dann auf einer "Sanktionsliste" für öffentliche Aufträge zu landen. Man denke nur an Herrn Braunfels, der geradezu als verrückter Querulant diffamiert wird. Er ist übrigens einer der wenigen, der das Kulturforum verstanden hat und in der Lage gewesen wäre, es angemessen und würdig zu vollenden.


    Das vorgestellte Ergebnis des "Fine-Tunings hat nichts mit den Ausschreibungsbedingungen zu tun. Ästhetisch ist das ganze eine Katastrophe! Das pechschwarze Dach wird das Kulturforum völlig erschlagen. Es wird von vielen Standorten aus, selbst auf Straßenniveau, als Dominate sichtbar sein. Das gilt insbesondere im Verhältnis zur filigranen "Neuen Nationalgalerie".


    Ideologisiertes Bauen hat noch nie gute Architektur hervorgebracht. Das hat Claudia Roth in ihrer kalkulierten, plump-naiven Ökowokeness mal wieder bestens unter Beweis gestellt! DAs ist "visuelle Lautmalerei"!

  • Ich vermute mal, dass das Dach aus den meisten Persektiven gar nicht zu sehen ist. Und warum ein dunkles Dach zu einer hellen Fassade oder der NNG nicht so recht passen sollte, erschließt sich mir nicht. Im Übrigen findet sich diese Farbkombi auch an der Gemäldegalerie.


    Und noch ein bißchen woke- bullshit-bingo.

  • ... aber, dass ein schwarzes Dach viel mehr Wärme anzieht als ein helles oder gar begrüntes ist nicht von der Hand zu weisen. Mit den Panels kann man zwar Strom produzieren aber das Dach und die Umgebung werden sich derart aufheizen, dass der gewünschte Klimaeffekt ad absurdum geführt wird. Das ist Schilda!


    PS. Danke KaBa1 für den La Defense-Link, superinteressant

    Einmal editiert, zuletzt von Camondo ()

  • Die "Piazzetta" ist ein Unort, eine große, sehr steile, völlig versiegelte Fläche, grau, trist, trostlos, voller Treppen und Ecken, die keinen Sinn ergeben. Weil das allein noch nicht deprimierend genug ist, lag auch noch überall Splitt (wegen der Rutschgefahr bei Glätte?). Dieses Mahnmal gegen moderne Architektur ist weder praktisch noch schön - bitte (trotz Denkmalschutz) abreißen! Das Kulturforum als echte Landschaft wäre mein Traum, verbunden nur durch Wege, Wiesen, Wasserflächen und Baumgruppen. Schön, wenn man das zumindest in Teilen tatsächlich so verwirklichen könnte - aber bitte nicht so, dass dann Bäume die Sicht auf die wirklich großartigen Architektursolitäre verstellen!

    Jawoll.


    Der Splitt ist vermutlich aufgebracht worden um die Skateboarder zu verjagen. Ich habe mich neulich auch geärgert als ich das gesehen habe.


    Wenn man dem gesamten Areal etwas Gutes will, macht man alle inneren Straßenflächen dicht, sorgt für Grün, Gastro und einen plätscherenden Brunnen. Dafür ist es noch nicht zu spät. Falls man neben Architektur Fans und Kulturbesuchern auch noch junge Touristen anlocken will, braucht es eine spannende Instagramtaugliche Skulptur, die als Magnet und Promoter wirkt.


    Ich hoffe weiterhin, dass die Klinkersteinfassade am neuen Museum eine milde, warme Natursteinwirkung erzielen kann. Das Dach sollte mit farbigen Solarmodulen ausgestattet werden. Eine total- schwarze Dachfläche, wie jetzt vorgeschlagen wird, kann nicht die Lösung sein.

  • ^Also jetzt mal ehrlich Arty Deco: So positiv habe ich dich ja noch nie erlebt. Woher kommt der Hoffnungsschimmer bzgl. des Kulturforums? (Ernstgemeinte Frage)

  • ^ Die leise Hoffnung basiert in erster Linie darauf, dass sich die Planer, Architekten, Behörden und Entscheider auf die wesentlichen Defizite des Kulturforums konzentrieren. Das KF hat ja inhaltlich eine Menge zu bieten. Und dennoch ist es als Gesamtensemble seit Jahrzehnten funktional und sozial eine trostlose Wüste ohne Lebensqualität.


    Wenn man einige immer noch behebbare Widrigkeiten eliminiert kann man den vermurksten Lost Place in ein halbwegs passables Gelände verwandeln.


    Das größte Verbesserungspotenzial sehe ich in der Aufwertung des Zwischenraums der Gebäude. Dazu braucht es nicht ganz so viel Geld. Was es jedoch braucht ist die Kenntnis wie Stadträume zu attraktiven Anziehungspunkten werden können. Im Sommer wie im Winter.


    Unsinniges Zitat des Vorposts gelöscht.

  • Jawoll.


    Der Splitt ist vermutlich aufgebracht worden um die Skateboarder zu verjagen. Ich habe mich neulich auch geärgert als ich das gesehen habe.

    ...

    Ich halte weder den Split auf der Piazetta, noch die Piazetta selbst für das Problem. Ein Hauptgrund - warum das Kulturform in diesem Bereich auf mich - eher ungemütlich, unfertig und diffus wirkt, sind die fehlenden Raumkanten. Und die liegen gar nicht an den einzelnen Architektur-Ikonen in der ersten Reihe, sondern vielmehr an den Rändern dahinter und gegenüber. Es gibt kein klar definiertes Forum - überall verschwimmen Plätze, Abstandsflächen, Brachen und Grünflächen ineinander. Das ganze Gelände würde durch klare Kanten und Ecken - beispielsweise hinter der Neuen Nationalgalerie - deutlich an Kontur gewinnen. Einen Rahmen quasi, vor dem die Ikonen auch zur Geltung kommen. Weiter oben wurde die Braunfels-Idee für das Gelände angesprochen: https://www.dbz.de/news/dbz_Da…zeigt_neue_M-1805359.html Ich finde das geht schon in die richtige Richtung...


    Zitat gekürzt.

  • (Also ich muss sagen: einiges was hier verzapft wird ist ganz schön unschön...)


    Ich finde auch, dass das Kulturforum unter viel zu laschen Raumkanten leidet.


    Besonders auf der Ost-Seite muss da noch ein gutes Konzept gemacht werden – und wenn es, mangels neuer Gebäude (bevorzugt), nur eine schöne Parkgestaltung mit einer Art Begrenzung in Form einer kleinen Mauer (kein Drahtzaun!) wäre. Und vor allem kein f***ing Parkplatz!


    Die Westseite ist dagegen schon zu fertig gebaut und m.E. auch das kleinere Problem, da ohnehin von interessanten Gebäuden geprägt.


    Ich höffe, die reichhaltige Bepflanzung, die ich im Prinzip begrüße, wird schön gemacht führt nicht zur von Camondo angesprochenen (weiteren) Verunklarung des Tiergartens.

    Besonders den Matthäi-Kirchplatz sollte man als urbane Freifläche gestalten (sieht auf dem Render auch so aus, als ob da alles bewachsen ist, aber Render Schmender...).


    Wenn man es schafft, die Oststeite im o.G. Sinne attraktiv und stabil zu machen, könnte man wahrscheinlich auch bei Nationalgalerie und Museum des 20. Jahrhunderts den Übergang zum Tiergarten fließend zu machen, ohne dass es verwirrt.


    Um das Museum selbst mache ich mir wenig Sorgen. Mal sehen, ob die Solarpanele (die man, wie jemand richtig bemerkte, sowieso kaum sehen wird), wirklich so düster aussehen werden.

    Und in der touristischen Praxis wird bei gutem Betrieb schon bald die schiere Wichtigkeit des Ortes alle echten und eingebildeten Banalitäten der Architektur vergessen lassen.

  • Meiner Ansicht nach liegt das größte Problem des KF in der Positionierung der gegenüberliegenden Stabi. Durch das Abwürgen der Alten Potsdamer Straße - das hat Hans Scharoun aus ideologischen Gründen ganz bewusst so entschieden - wird das Kulturforum vollständig vom Quartier am Potsdamer Platz getrennt. Die Stabi schiebt sich wie ein Riegel zwischen die beiden Stadträume, wodurch das ohnehin schon relativ isoliert gelegene KF in eine städtische Hinterhoflage gerät. Denn vom Tiergarten und Botschaftsviertel im Norden und Westen sowie dem vom Landwehrkanal getrennten Kurfürstenkiez im Süden schwappen wohl kaum nennenswerte Besucherströme rüber.


    Wenn man sich die Situation auf Google Maps genau anschaut, stellt man fest, dass das Kulturforum quasi unmöglich zu erreichen ist, ohne an der verkehrsumtosten Potsdamer Straße entlanggehen zu müssen. Wie soll dann die Gegend, die zudem nur mit dem Bus direkt angebunden ist, jemals zu einem attraktiven Stadtraum werden, auch wenn hier und da Aufwertungen erfolgen?

  • ^ Korrekt analysiert.


    Ich denke, dass es mindestens noch folgende Maßnahmen braucht:


    1. Das gesamte freie Gebiet zwischen NN und Philharmonie sollte zur Fußgängerzone bzw zu einer Park-, Wiesen- und Gartenlandschaft werden. Der heute schrammelige Parkplatz neben der Philharmonie sollte zu einer schicken HochTiefgarage werden.


    2. Der Platz zwischen Museum der Moderne Kammermusiksaal und Gemäldegalerie müsste zu einer Piazza umgebaut werden. Der Freiraum könnte auch für Freiluftkonzerte und Bücher-Flohmärkte ausgelegt werden.


    3. Ähnlich wie die Konzeption im Humboldtforum müsste irgendwo ein Restaurant mit entsprechendem Ausblick auf die Philharmonie platziert werden.


    Die Stabi fällt vorerst als Faktor bei der Neugestaltung heraus. Sie ist wie schon erwähnt ein durch die Potse abgetrennter Baukörper und kaum integrierbar.


    Unnötiges Zitat des Vorposts gelöscht.

  • maselzr , Arty Deco


    ... man sollte allerdings nicht vergessen, und das ist ganz wunderbar auf dem von Theseus532 geposteten Foto zu sehen,

    https://model2.de/img/11473/0804kul0diye.jpg

    ich denke, es ist ca. Mitte der 60er aufgenommen, dass die StaBi gegen die Mauer abschirmen sollte, gleich dahinter waren ja die Grenzanlagen mit den Türmen, und Selbstschussanlagen etc., so bildete die StaBi die Ostkante des Forums mit der Potsdamer Strasse davor die dann geradeaus in die Entlastungsstrasse mündete.

    Zum Thema Anbindung des Kulturforums an zum Beispiel das U-Bahnnetz, hatte ich schonmal geschrieben, dass die seit Jahrzehnten angedachte U10 das Forum prima hätte anbinden können in einer Verbindung vom Rathaus Steglitz bis jetzt nach Weißensee. Aber eine U10 taucht im neuen BVG Zukunftsplan ja gar nicht mehr auf.

  • dass die StaBi gegen die Mauer abschirmen sollte, gleich dahinter waren ja die Grenzanlagen mit den Türmen, und Selbstschussanlagen etc., so bildete die StaBi die Ostkante des Forums mit der Potsdamer Strasse davor die dann geradeaus in die Entlastungsstrasse mündete.

    Klarer Fall: Zu Mauerzeiten lag das KF in einer verkehrsberuhigten Sackgasse namens Potsdamer Straße. Es war eine Art Biotop am Ende der Westlichen Welt. Die Zeiten sind natürlich vorbei. Heute muss man sich eher darüber Gedanken wie man sich vor dem tosenden Verkehr schützt. Die Frage muss gestellt werden wie man die Besucherströme, die ja am Potsdamer Platz und im Tiergarten nebenan vorhanden sind attraktiv ins KF leitet und dort zum Verweilen einlädt. Zumindest am Wochenende.


    Einer der noch nicht erwähnten Standort Pluspunkte im KF ist die sehr licht- und sonnenreiche Treppenfläche vor der Gemäldegalerie. Hier müssten Neuplanungen für dauerhafte Cafés und Sommerbars ansetzen. Im Idealfall könnte man im KF ein Besucherlevel generieren, dass seinerseits Nachzüglern wie Straßenmusikern den Weg bereit.


    Wie genial wäre es, wenn dort ähnlich wie im Mauerpark Hobbyopernsänger und Musiker mit klassischen Instrumenten vor der Philharmonie, UMSONST, musizieren würden, weil sie dort Publikum erwarten können ? :love:


    Die U10 (und ich bin ein großer Freund von ihr) braucht es heute nicht mehr um das KF mit den Öffis zu erschließen. Die S- RE- und U-Bahn am Potsdamer Platz in 10 Minuten Fußwegreichweite langt aus.

  • ich denke, es ist ca. Mitte der 60er aufgenommen, dass die StaBi gegen die Mauer abschirmen sollte, gleich dahinter waren ja die Grenzanlagen mit den Türmen, und Selbstschussanlagen etc., so bildete die StaBi die Ostkante des Forums mit der Potsdamer Strasse davor die dann geradeaus in die Entlastungsstrasse mündete.

    Die Planung des Kulturforums begann 1958 - da gab es noch keine Mauer. Tatsächlich sollte die Staatsbibliothek das Kulturforum abschirmen, aber nicht gegen die Mauer, sondern die geplante Westtangente der Stadtautobahn, die direkt hinter der Staatsbibliothek herführen sollte, deswegen gibt es dort auch kaum Fenster.

  • Und findest du auch, daß Richter und Boys Müllkünstler sind? Und möchtest du den Bau auch stoppen und Millionen verbrennen?

    Millionen wurden von der Politik schon immer verbrannt, hier stellt sich halt die Frage ob die Fertigstellung des zu erwartenden architektonisch dürftigen Ergebnisses nicht eine Neuplanung im Endeffekt und auf längeren Zeitraum gesehen verantwortungsvoller wäre.

    Und bitte lassen sie den guten Joseph Beuys in Frieden, was würde der einstige Radikalpazifist wohl heute performen: "Wir brauchen Sonne, keine Grünen..." :)


    Warum nicht nur mir bei diesem schändlichen Vorgang der Hut hochgeht hat halt auch mit der Person Claudia Roth zu tun. Es überzeugt nicht, dass man hier wirklich im Sinne von Klimaschutzzielen dies oder das erreichen wollte. Wäre dies der Fall gewesen, so hätte man in erster Linie technisch überzeugende Lösungen vorgestellt (z. B. im Sinne von Energiekostensenkungen, etc.), oder man hätte die Solarzellen jeweils an der von der Straße nicht sichtbaren Oberkante der Ziegel des Daches angebracht. Man hätte sich halt mal ein bisschen was überlegen müssen.

    Hierbei kommt hinzu, dass ja das Dach eine wesentliche architektonische Funktion im gesamten Gefüge einnimmt. Die Schrägstellung ab gerade mal dem 2. OG macht das Dach zu einem weithin sichtbaren Fassadenbestandteil im Kulturforum. Hier stellt sich noch die Frage, ob die Paneelen überhaupt die Spiegelungsgefahr auf die Straße berücksichtig haben - hier wird es noch vieles (und zwar noch kostenintensivierender) zu klären geben.


    Also zusammenfassend lässt sich sagen,

    1. Wir haben die Aufgabe sämtlicher architektonisch wertvoller Merkmale, die zum Wettbewerbsgewinn von HdM führten.

    2. In Rothscher Ordinärität wird dem weithin sichbaren Dach Solarpanelen übergezogen (optische Qualität unbekannt bis fragewürdig). Hier eine Verbindung zur Nationalgalerie (Stiftung) herbeizureden, zeugt von Hilflosigkeit der Verantwortlichen.

    3. An den besonderen Raumkanten und architektonischen Blickbeziehungen von der StaBi und der Nationalgalerie wird die Fassade von einem wirren Urwaldgestrüpp überdeckt, der als Feigenblatt für das Thema Begrünung herhalten muss. Warum dann nicht das Dach begrünen?

    4. Die Materialität des Baus ist nun derart aufgeweicht, dass man zur Schauseite (Richtung Kammermusiksaal) auf eine plumpe Glasfassade blickt. Der Bierzeltcharakter verstärkt sich so, der ursprüngliche Archetyp wird gänzlich verunklart. Verlieren wird das Kulturforum als Ganzes, da die Gravitationskraft des neuen Museums nun nicht mehr erkennbar ist. Und um genau diese große Lösung nach Brache, nach Vision des Gästehauses, nach Stimmanns Klötzchen-Ideen geht es bei dem Bau. Die Scheune hätte durch ihre Stimmigkeit einen zwar ungewohnten aber doch in der Stadtlandschaft zwischen Nationalgalerie und Philharmonie merkbaren Ausgleich erzeugen können.

    5. An Stelle von Beuys, empfängt uns also nun Kunst von der Sieverding. Ich will nicht an Frauen-Quote glauben, aber des denkt halt in mir.

    6. Das Ganze soll nun "berlin modern" klingen, ja welche, die Früh- oder die Spätmoderne, die des 20. oder gar des 21. Jhdts - alles Wurst. Und hier denkt es halt wieder in mir, Hauptsache die Frau Roth hatte ihren Auftritt. Und, was kam dabei heraus?

  • Die Glasbausteine und Perforationen waren doch nicht in erster Linie eine Maßnahme zur Illumination von Innen nach Außen, sondern sie sollten Tageslicht nach Innen lassen. Der jetzige Entwurf ist doch zugebaut, kaum Fenster, geschlossene Wände und Dach. Die Lebendigkeit der Fassade ist weg und dem Inneren fehlt jegliches Tageslicht. Im vergrabenen Teil gibt es ja auch kaum Tageslicht. Für ein Museum der Moderne finde ich das sehr schwach. Da hätte man eine andere Lösung finden müssen auch mit der jetzt zentralen Frage nach der Klimatisierung.


    In Griechenland war ich in vielen wunderbaren kleinen Museen an Ausgrabungsorten ohne jegliche Klimatisierung und mit Tageslicht. Man sollte technisch vielleicht mal abrüsten und dafür freundlicher und lebendiger bauen.