Kulturforum

  • Nachhaltigkeit was auch immer das heißen mag wurde also jetzt der "Scheune" verordnet, die neuen Visus zeigen das trostlose Ende einer aus meiner Sicht nicht ganz unspannenden Grundidee. Im Grunde sollte man den letzten Schritt zur WDVS-Fassade noch unternehmen, sogar das Schrägdach könnte man noch -ganz im Sinne von Roths Nachhaltigkeit- wegsparen. Oder warum nicht die Baugrube mit Kompost auffüllen, nachhaltiger gehts dann gar nicht mehr.

    Wie Gaga das Ganze ist lässt sich nur im Vergleich zum zeitgleichen Neubau ganzer Wüstenstädte wie der neuen Hauptstadt Kairos, Neom oder am pers. Golf betrachten. Klimaanlagen in der Wüste sind natürlich ganz klimaneutral, da muss man in Berlin schon einen Durchgang durch ein Museum opfern (der Clou der bisherigen Idee).

    Leider wurde das Museumsprojekt nun ganz verwurstet und in die Banalität der Alltäglichkeit überführt. Zugeben muss ich jedoch, dass ich die Scheunen-Idee und ihre ursprüngliche materielle Beschaffenheit für sehr reizvoll fand. HdM haben hier (a. m. S.) sehr gekonnt mit dem Genius Loci der Umgebung gespielt. Traurig was daraus wohl wird.

  • Also .... es ist für mich eine echte Verschlimmbesserung. Jetzt sieht es erst recht aus wie eine Scheune, eine amerikanische. Warum hat man, wenn der geringe Neigungswinkel des enormen Daches dies schon ermöglicht, nicht zu einer Dachbegrünung gegriffen. Anstatt jetzt es mit dunklen Solarpanels zu pflastern und das Grün ringsum eher zerfranst zu verteilen. Wodurch zudem die Tiergartenkante gestalterisch aufgelöst wird. Ich weiss nicht wie der Denkmalschutz das beurteilen will. Der frühere sehr seichte Schwung des Gebäudes entlang der Potsdamer Strasse war für mich immer der eigentliche Kniff, der ist nun ganz weg. Sieht aus wie ein Gebäude, ein Hangar das nur als Provisorium gedacht ist. Sehr schade das ganze. Gut hingegen die Entscheidung zur Verlegung des Haupteingangs in Richtung Kammermusiksaal. So sind zumindest die Eigänge aller großen Solitäre an einem Platz zu finden. ... und auf der Visu der BZ kann ich nicht den grauenhaften Hotelneubau an der Ecke Tiergartenstrasse, Botschaft Österreich finden, wenn der wegfällt, wäre es nicht nachweinenswürdig.

  • Das FAZ-Feuilleton (Bezahlschranke) berichtet auch über die Umplanungen vom Museum des 20. Jahrhunderts - aka 'Scheune' im Berliner Volksmund - und fasst die gravierenden vier zusammen:

    - Entfall der gläsernen Dachziegel, ersatzweise eine geschlossene Fläche die mit Solarpanelen belegt wird. Die eingeschaltete Innenbeleuchtung sollte durch die transparente Dacheindeckung Nachts den umliegenden "menschenleeren" (sic) Stadtraum indirekt illuminieren.

    - Entfall der Ziegelmister an Seitenwänden die Nachts ebenfalls für Leuchteffekte sorgen sollten. Ersatzweise helle Flachziegel als wellige hitzeabweisende Fassade.

    - Entfall der Schiebetore die das Gebäude zu einer Durchgangszone zw. Potsdamer Straße und Kulturforum machen sollte. Ersatzweise niedrige gläserne Eingangsschleusen.

    - Entfall der weiten Durchgangshallen für die Durchgangszone. Ersatzweise eine "Raumsequenz" aus klimatisierte und nichtklimatisierte Bereiche.


    Die ursprünglichen architektonischen Hauptmerkmale waren jedoch die Kriterien für die Auswahl des Entwurfs von Büro Herzog & De Meuron und wurden nun zu Gunsten der energieeffizienteren Optimierungen ersetzt.

    M.E. hätte der Wettbewerb unter diesen Umständen neu gelauncht werden müssen da von Anfang an das Kriterium Energieeffizienz (und Flächenverbrauch) eigentlich hätte stärker im Focus stehen müssen. Erstaunlich dass dies anscheinend jetzt völlig 'überraschend' ein Thema für das Staatsministerium für Kultur und Medien und die Architekturbüros wird.


    Die neuen Visualisierungen welche die Änderungen in der oben genannten Reihenfolge zeigen.

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    Der Stadtraum bei Tag:

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    Visualisierungen: Herzog & De Meuron, Berlin

  • Was die Visualisierungen nicht zeigen sind die kahlen Räume in der vegetationslosen Zeit von November bis April. Das müsste standardmäßig immer mitgeliefert werden. Es sei denn man setzt von vornherein auf immergrüne Bepflanzung.


    Auch die bebilderte Menschenmenge und die damit einhergehende soziale Urbanität wird sich nur dann einstellen, wenn in der Umgebung kleine Gastroangebote vorhanden sind, wie mobile Streetfoodwagen, Restaurants oder Kioskcafes.


    Die jetzigen Pläne zeigen eine ausschließlich für den Sommer ausgelegte Architektur des Gesamtareals. Da Berlin jedoch witterungsbedingt keine Temperaturen anbietet, die ganzjährig zum Flanieren einladen müssten in solchen Gebieten mehr Indoorlösungen her, wie überdachte Sitzgelegenheiten oder mobile Pavillons.

  • Wenn ich die aktuellen Visualisierungen sehe, stellt sich mir eine ganz grundsätzliche Frage zur Visualisierung von Grünpflanzen:

    Vielleicht liest hier ja der eine oder andere mit, der auch beruflich mit Visualisierungen zu tun hat. Wenn in Deutschland Grünpflanzen visualisiert werden, werden immer irgendwelche buschartigen Urwälder dargestellt. Warum eigentlich? Ich frage mich immer, warum man Grünpflanzen nicht auch in regelmäßigen Anordnungen (z.B. 2*3 Gruppe, 3*3 Gruppe) darstellen kann.


    An der Potsdamer Straße würde eine regelmäßig angeordnete Baumreihe (sprich: eine Baum-Allee) deutlich besser aussehen als dieses unregelmäßig, wuchernde Gestrüpp.

  • An der Potsdamer Straße würde eine regelmäßig angeordnete Baumreihe (sprich: eine Baum-Allee) deutlich besser aussehen als dieses unregelmäßig, wuchernde Gestrüpp.

    Sehe ich auch so. Die Renderings wirken wie eine Art Zwischenbericht. Da dürfte noch nichts in Stein gemeißelt sein. Wenn ich das richtig verstanden habe ist für die Bepflanzung eh das Land Berlin zuständig.


    Auch das monolithisch schwarze Solardach muss nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Es gibt seit Jahren farbige Solarmodule.


    Momentan fehlt mir auch noch ein schönes Lichtkonzept für das Gesamtareal in den Abendstunden. Genauso, wie schon erwähnt, ein Benamungs- oder Wegweiserkonzept.

  • Kleiner Einblick in die Wirkung der Baugrube von Ende März aus dem Inneren der Neuen Nationalgalerie.

    (Ausschnitt aus Panorama)


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    (c) ich

  • Man muss den Schock erstmal verdauen, dass sämtliche Kriterien, die zur Auswahl von Herzog & de Meurons Idee führten und nach demokratischer Juryauswahl samt realisierbarer Überarbeitung nun plötzlich per Handstrich von einer etwas sich selbst zu wichtig nehmenden grünpolitischen Selbstdarstellerin weggefegt wurden.

    Es mag sarkastisch klingen, jedoch sehe ich bei dem zu erwartenden traurigen Ergebnis der Nachhaltigkeit im Berliner Stadtraum am besten gedient, wenn man den Weiterbau beendet und sich von dem Projekt verabschiedet. Gespannt bin ich auch, wie lange HdM noch beim Projekt bleiben, man sollte das Büro nicht völlig unterschätzen. Und beim viel- und doch nichtsklingenden Versprechen "Nachhaltigkeit" stellt sich doch die Frage, was denn nun so wundersam "Nachhaltig" wurde, außer dass das gesamte Projekt nun an der Profanitätsgrenze angelangt ist? Ach ich vergas, es gibt nun drei Sträucher mehr, die die Szenerie von September bis April noch etwas schmuddeliger machen und Photovoltaik auf dem Dach. Reicht das für manche wirklich aus um diesen skandalösen Vorgang zu rechtfertigen?

  • Die größte gestalterische Qualität lag mMn insbesondere in der monolithischen Materialausführung von Dach- und Wandflächen, wodurch das Bild einer Scheune wenigstens durch etwas Abstraktion veredelt wurde. Auch die schicken Tore an den Längsseiten haben zu einem relativ qualitätvollen Umgang mit diesem Bild beigetragen. Jetzt wird diese Figur vor allem aus der Ferne durch das neue, banale Dach komplett verunstaltet. Zusammen mit den willkürlich erscheinenden, unregelmäßig eingeschnittenen Öffnungen an den Längsseiten, die nun offenbar die Tore ersetzen, wirkt das Gebäude jetzt schon beinahe hässlich. Die letzten Hoffnungen auf ein doch noch gelungenes Bauwerk, die ich bis jetzt aufrecht gehalten habe, werde ich wohl langsam aufgeben müssen.

  • Kulturforum, 'Update': Der Kaiser ist nun nackt. Früher sagte man wohl dazu splitternackt, was eine interessante Metapher und Steigerungsform war.

    Man kann es nicht mehr schönreden, aber dieser Architekturansatz des 'ironischen' Scheunenzitats führt uns eine ästhetische Sackgasse.


    In dieser Form kummuliert dieser Bau nun den kontemporären Zeitgeist Berlins im Reinkristall.

  • Wenigstens hat man kein Meisterwerk ruiniert, sondern ein bereits durch Understatement geprägtes, flaches und eher langweiliges Gebäude, das sich eingräbt um nicht aufzufallen (was bereits zu hohem Energieverbrauch beim Bau geführt hat).


    Jetzt erinnert es endgültig an ein privates Mega-Bungalow eines modernistischen Bankmanagers mit Porschefuhrpark und Familienbunker. Sowas bauen die Herren Meisterarchitekten auf Auftrag auch gerne.


    Man muss es sagen: Diese Planung sowie der Bau des archäologischen Zentrums stehen dem Humboldtforum oder einer Bauakademie gegenüber. Es liegen Welten dazwischen.

  • Interessant, dass sich das Versagen der Moderne in einer überteuerten Scheune quasi physisch manifestiert.


    Mit ein paar Ornamenten darf man den Klotz ja leider nicht verschönern - aus ideologischen Gründen...

  • Ein Artikel der Frankfurter Rundschau zur Vollkatastrohpe, der vor allem im letzten Absatz durch die Aussage dieses Herrn Biesenbach die mit Stolz verkörperte Antiintellektualität unserer Eliten zur Schau trägt. Er meinte dadurch, dass die Scheunentore nicht mehr geplant seien hätte sich auch die Scheune erledigt.

    https://www.fr.de/kultur/gesel…-mehr-gruen-92220259.html


    Die Architekten, bei denen ich mich anscheinend am doch mangelnden Rückgrat täuschte wollen laut Presseportal "kein Firlefanz" und "keine Eitelkeiten" mehr wagen. CO2 sei ab nun ihre einzige Richtschnur als Architekten. Hier bestehe ich als Bürger aber nun darauf, dass Herzog de Meuron dies auf alle ihre Werk und zwar weltweit (!) anwenden müssen, da sie ja sonst völlig das Gesicht verlieren. Das Büro hat sich hiermit eh schon völlig in die Unglaubwürdigkeit manövriert.

    https://www.presseportal.de/pm/9377/5489200


    Am Rande sei noch gesagt, dass es viel über die Vorstellungen dieser Frau Roth zur Gesetzeslage in der Bundesrepublik aussagt, wenn sie einfach die Sigismundstraße in einen Urwald verwandeln will. Hier sind die Planungsämter in Berlin zuständig, welche kaum die einzige sinnvolle Erschließungsstraße schließen wird. Zudem sind die urwaldartigen Wucherungen am Rande der ehem. "Scheune" (nun nur noch ein Lagerschuppen) zur Potsdamer Straße hin fernab jeder Sicherheits- und Abstandsvorschriften. Es sei denn man will diese Seite von der Öffentlichkeit verdecken, da man um der architektonischen Dürftigkeit weiß.


    Witzigerweise ist durch dieses wirre Fluten des Kulturforums mit zusammenhangslosen Skulpturen, Profanitätswünschen (Biergarten) und Grünvorstellungen (die es zumindest in unserem Breitengrad so nie geben wird) genau das Urproblem des Kulturforums wieder zu Tage getreten. Es fehlt an Fassung und Verständlichkeit was dieser "Raum" überhaupt sein soll. HdM wurde durch (man muss fast sagen dank) Frau Roths grünen Bilderregen entlarvt als das was sie sind. Sie sind jedenfalls nicht in der Lage das Kulturforum fertig zu bauen. Alleine die Baukanten werden durch die Urwaldisierung unkenntlich und eine nächste Generation wird (wie schon die zuvorigen) ein neues Heil für das Kulturforum suchen (müssen). Und dass, obwohl die "Scheune" selbst nach ihrer ersten Überarbeitung dem Kulturforum ein Zentrum hätte bieten können. Die Chancen waren groß, jetzt sind sie dahin. Bitte aufhören weiterzubauen, im Sinne der Nachhaltigkeit des Stadtraumes werden es uns nachfolgende Generationen danken.


    Man möge nur noch hoffen, dass der künftige Berliner Senat dem wirren Treiben dieser Kulturstaatsministerin Steine in den Weg legen kann. Die Zukunft der Bauakademie möchte man sich gar nicht erst ausmalen.

  • Mich ärgert die Tatsache, dass man ein vollständig durchgeplantes und bereits in Ausführung befindliches Konzept nochmals umgeplant hat. Das sind dann diese berühmten Aktionen, aus denen dann irgendwelche schlechten Kompromisse resultieren. Und am Ende kommt dann ein architektonisches Ergebnis heraus, mit dem niemand so richtig zufrieden ist.


    Man kann eigentlich nur hoffen, dass es am Ende doch nicht so schlecht wird wie befürchtet.

  • Was für eine grandiose Idee den Bau jetzt zu stoppen, weil er den eigenen Vorstellungen nicht entspricht. Da hackt man dann auf die Visualisierung des Grüns herum und will eigentlich nur sagen: "Aber die Grünen". Wie durchsichtig.

    Man soll also den Bau stoppen und Millionen verbrennen. Das ist dann nachhaltig. Das Forum wird mir immer befremdlicher. Da werden angesehene Künstler als Müllkünstler diffamiert, da gefällt dem anderen die Begrünung (zumal nur in der Visualisierung ) nicht und möchte lieber Dreckskarren durch die Straßen schicken. Ein anderer möchte gleich Neuwahlen und meint damit irgendwas ändern zu können.

    Nicht mehr lang, dann befinden wir uns auf Stadtbildniveau. Furchtbar.

  • ^ Immerhin hast du den Mut zur Gegenrede. Aber das macht deine Aussagen nicht richtiger.


    Was mich angeht, so habe ich mich hier im Forum seit langer Zeit sehr deutlich als entschiedener Befürworter von Fassadenbegrünung positioniert. Nachhaltigkeit und Ästhetik können sehr gut miteinander kombiniert werden. Es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass man das Thema Nachhaltigkeit in spektakulärer Weise architektonisch darstellen kann, z.B. 1000 Trees in Shangai (https://www.archdaily.com/9752…-trees-heatherwick-studio) oder den Kö-Bogen II in Düsseldorf (https://www.dbz.de/artikel/dbz…_Duesseldorf-3564703.html.).


    Aber bei unserem hier diskutierten Bauprojekt entsteht der Eindruck, dass die Nachhaltigkeit der Ästhtetik im Wege stehen würde. Nachhaltigkeit und Ästhetik werden hier nicht kombiniert, sondern werden letztendlich gegeneinander ausgespielt. Die Architekten können nichts dafür. Der Fehler besteht darin, dass man die Nachhaltigkeit nicht von Anfang an als Leitthema in das Projekt eingebracht hat. Dieses Museum der Moderne ist ein Musterbeispiel dafür, was passiert, wenn jeder mal den im Brei herumrühren möchte. Ein altes Sprichwort besagt: zu viele Köche verderben den Brei!


    Aber ich wiederhole mich gerne, wenn ich die Hoffnung äußere, dass dieses Museum am Ende vielleicht doch besser wird als befürchtet. Ich hätte nichts dagegen, wenn sich meine Kritik nachträglich als haltlos erweist.

  • ^^ Dein Niveau beim regelmäßigen Schimpfen über Teilnehmer hier ist auch nicht besser nur weil Du Grüne und Linke propagierst.


    Du könntest Dich zur Sache äußern.


    Findest Du den Entwurf gelungen und verbessert?


    Oder ist es anzuerkennende Notwendigkeit, dass angesichts des (grundsätzlich absolut sinnvollen) Ziels klimafreundlicher bzw. Ressourcen schonend zu bauen nur noch öde funktionale Kisten entstehen?

  • ^ Ich propagiere erstmal gar nichts und mit den Linken habe ich nichts zu tun.


    Zum Entwurf: Anhand den neuen Visualisierungen kann ich eigentlich noch gar nichts sagen. Ich kenne die Grundrisse nicht. Inwieweit wurden die geändert?

    Ich sehe aber eine sinnvolle Photovoltaikanlage, das Fassadenmaterial scheint auch wertig zu sein und die Verlegung des Haupteingangs ist nur folgerichtig. Daß die Sigismundstr geschlossen wird, ist ein Gewinn.

    Und findest du auch, daß Richter und Boys Müllkünstler sind? Und möchtest du den Bau auch stoppen und Millionen verbrennen?