Nur weil eine zweite Ebene durchscheint, soll die Architektur außergewöhnlich sein? [...]
^ Ich finde Du banalisierst gerade essenzielle Punkte der Architektur des Gebäudes. Der gläserne Risalit ist eine Adaption des Bestandes, der erweitert und dessen Fassade zu einem annähernden Blockrand ergänzt wurde. Dieser ist eben gläsern und dreiachsig, um die Gliederung des alten rückwärtigen Risalites wiederzugeben und eben nicht zu tilgen (untypisch für die Zeit). Das Innere des Gebäuses ist zum großen Teil ja noch vom Ursprungsbau erhalten und schlägt sich so auch in der Fassade nieder. Beim Frankfurter Schauspielhaus wurde hingegen jede Zeitschicht zugunsten der "Moderne" getilgt bzw. "verkleidet", oder abgerissen.
Ich sage ja nicht, dass ich das Gebäude großartig finde, aber es ist halt schon ein anspruchsvolles Kind seiner Zeit, das stilistisch schon etwas aus dem Rahmen fällt.
Mit der zeitlichen Einordnung hast Du natürlich recht. Aufgrund der "Sandsteintapete", der Massivität, des Risalits und des Minimalismus, hätte ich es jetzt spontan 10 Jahre jünger datiert und in die rationalistische Postmoderne geschoben.
Die Postmoderne ist erst einmal eine theoretische Grundhaltung, die sich architektonisch äußerst unterschiedlich niedergeschlagen hat und faktisch keines Schmuckes bedarf (siehe Oswald Mathias Ungers).
Den italienischen Rationalismus der 20er und 30er-Jahre, könntest Du ausschließlich stilistisch betrachtet, mühelos in die Postmoderne und gleichzeitig in die klassische Moderne einordnen.
Diese Ambivalenz kann man gut im Werk von Philip Johnson sehen, der in beiden Stilrichtungen brillierte. Die Kunsthalle Bielefeld kommt der Komischen Oper gestalterisch und zeitlich gesehen wohl am nächsten.